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4925 Sontra
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 45. Sontra

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Sontra

Stadtteil · 244 m über NN
Gemeinde Sontra, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

15 km südwestlich von Eschwege

Lage und Verkehrslage:

Im Sontratal gelegen, umgeben von den Höhen des Richelsdorfer Gebirges.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Bebra – Friedland ("Bebra-Friedländer-Bahn";"Werratalbahn III") (Inbetriebnahme der Strecke 31.10.1875).

Ersterwähnung:

1232

Historische Namensformen:

  • Suntraha (1232)
  • Suntra (1273)
  • Sontra (1527)

Bezeichnung der Siedlung:

  • Dorf (1353/58)
  • Stadt (1368)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Die genaue Lage der Burg Sontra ist unbekannt. Man vermutet sie im alten Ortskern im Bereich der Kirche innerhalb der früheren Stadtmauer.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3565575, 5659670
UTM: 32 U 565475 5657846
WGS84: 51.06839° N, 9.934477325° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636011090

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1582, davon 930 Acker (= 58.79 %), 98 Wiesen (= 6.19 %), 356 Holzungen (= 22.50 %)
  • 1961 (Hektar): 1892, davon 527 Wald (= 27.85 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1466: 128 Haushaltungen
  • 1585: 231 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
  • 1602: 402 Haushaltungen mit circa 2000 Menschen
  • 1648: Nach Ruhr, Pest und Krieg nur noch 200 Menschen
  • 1747: 229 Feuerstätten (Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen)
  • 1885: 1945, davon 1811 evangelisch (= 93.11 %), 20 katholisch (= 1.03 %), 114 Juden (= 5.86 %)
  • 1895: 4 Häuser mit 47 Bewohnern
  • 1938: 5274 (mit Hornel?)
  • 1961: 5247, davon 4121 evangelisch (= 78.54 %), 1002 katholisch (= 19.10 %)
  • 1970: 5765 Einwohner
  • 1987: 9045 Einwohner (mit Stadtteilen)
  • Altes Schloss:
  • Stadt:

Diagramme:

Sontra: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1368: Amt Sontra (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1627-1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Sontra
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Sontra
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Sontra
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Fürstlich Rotenburgisches Justizamt Sontra
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Rotenburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Rotenburg

Gericht:

  • Das Gericht war wie das damalige Dorf 1353 Leibgeding der Landgräfin Elisabeth (UA Personalien).
  • vor 1822: hessen-rotenburgisches Amt Sontra
  • 1822: Fürstlich Rotenburgisches Justizamt Sontra
  • 1834: Justizamt Sontra
  • 1867: Amtsgericht Sontra
  • 1879: Amtsgericht Sontra

Herrschaft:

Sontra erhielt vermutlich schon 1368 Stadtrechte durch Landgraf Heinrich II. von Hessen.

Gemeindeentwicklung:

Mit der Wiederaufnahme des Kupferschieferabbaus gliederte man am 1.10.1938 der Stadt Sontra das Dorf Hornel an.

Am 1.2.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinden Ulfen und Weißenborn in die somit erweiterte Stadt Sontra. Zu deren weiterer Entwicklung s. Sontra, Stadtgemeinde.

Stadtverwaltungssitz ist Sontra.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Gemäß Reimer ist es unbekannt, wann Sontra hessisch wurde. Jedenfalls waren Dorf und Gericht 1353 Leibgeding der Landgräfin Elisabeth (UA Personalien).
  • Nachdem Sontra noch 1358 als Dorf bezeichnet worden war, nannte es Landgraf Heinrich II. 1368 eine Stadt, was es vielleicht schon 1367 geworden war.
  • Mainz, Erzbistum Als man Sontra 1385 im Krieg eroberte, wurde es halb thüringisch, halb mainzisch.
  • Erst nach langen Verhandlungen gelangte die Stadt 1434 wieder in den Alleinbesitz von Hessen.

Ortsadel:

Die adligen Vögte von Sontra 1188 (?) bis Ende des 14. Jahrhunderts (Reimer)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Die Pfarrkirche war Maria geweiht.
  • 1518 nannte man sie auch einmal Pfarrkirche s. Georgii (Huyskens 274).
  • 1273 wurde erstmals ein "plebanus" angeführt (Huyskens 903).

Pfarrzugehörigkeit:

1516 wurde die Pfarrei dem Kloster s. Cyriaci zu Eschwege einverleibt.

Mit der protestantischen Pfarrei der Klasse Sontra war 1872 als Filial Hornelverbunden.

Patronat:

Patron war das Kloster s. Cyriaci zu Eschwege.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Georg Faber 1520-1563, unbekannt, seit wann evangelisch

Kirchliche Mittelbehörden:

Die Klasse Sontra enthielt 1872 die Pfarreien Berneburg, Breitau, Herleshausen, Nentershausen, Nesselröden, Richelsdorf, Rockensüß,Sontra, Süß, Ulfen, Wichmannshausen und das Vikariat Diemerode (Hochhuth 373-391).

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel;

1750: 61; 1827: 70; 1835: 69; 1861: 73; 1905: 115; 1925: 94; 1932/33: 82 Juden. Nach 1928 gab es die ersten Abmeldungen. Nach der Pogromnacht 1938 löste sich die Gemeinde auf.

Von 1367 datieren erste Hinweise auf Juden im Ort(Geldhändler); die nächsten Hinweise stammen aus dem Jahr 1627. 1730 folgt der Erlass, alle Juden im Ort zu erfassen; 9 jüdische Familien waren ansässig. Sie standen unter dem Schutz der Familie von Boyneburg.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts existierte eine örtliche Synagoge. Bis 1937 fanden dort Gottesdienste statt. 1938 wurde die Synagoge nicht zerstört.

Ebenso bestand eine Elementarschule seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Mai 1932.

Berufe: Handwerker, Metzger, Textil-, Vieh- und Pferdehändler

Friedhof: Juden aus Diemerode werden hier auch beigesetzt. In den 1920er Jahren wurde der Friedhof geschlossen. Er diente als Sammelfriedhof für Sontra, Richelsdorf, Solz, Wichmannshausen und Herleshausen. Der neue Friedhof wurde 1920 eröffnet. Sie lagen am Quesselberg, bzw. innerhalb des Schulzentrums. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Johannes Korrumpf bis ca. 1555

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das Amt Sontra mit seinen 4 Gerichtsstühlen enthielt 1585 (Der ökonomische Staat) außer der Stadt Sontra die Dörfer und Höfe Berneburg, Breitau, Dens, Erdmannshain, (Weißen-)Hasel, Hiebenthal, Hornel, (Mönch-)Hosbach, Königswald, Kornberg, Krauthausen, Lindenau, Metzlar, Rautenhausen, Richelsdorf, Rockensüß, Ulfen, Weißenborn, Wommen, Wölfterode und Ziegelhof. Hinzu zu rechnen sind noch die adligen Dörfer Blankenbach, Herleshausen, Stadthosbach, Muterode, Nentershausen, Süß und Wellingerode sowie das Gericht Treuschbuttlar mit Altefeld, Archfeld, Berlitzgrube, Breitzbach, Frauenborn, Hainhof, Holzhausen, Luderbach, Markershausen, Nesselröden, Renda, Rittershausen, Unhausen und Willershausen.

Wirtschaft:

Im Mittelalter war Sontra als Handels- und Bergbaustadt von Bedeutung.

Im Jahre 1955 wurde dann aber der Bergbau der 'Kupferstadt' endgültig stillgelegt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Sontra, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6971> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde