Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1282 Oktober 24

Schlichtung des Streits zwischen Mainz und Hessen

Regest-Nr. 263

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: 1. Hauptstaatsarchiv München, Fürstenselekt, fasc. 62. Pergament. Deutsch. Die 5 Siegel ab. 2. Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Repertorium, II. Verletzt. Das 4. Siegel beschädigt, die übrigen ab.
Drucke: Vancsa, Auftreten der deutschen Sprache, S. 125.
Regesten: Ropp, Erzbischof, S. 192 Nr. 363; Böhmer-Will, Regesta 2, S. 417 Nr. 567; Böhmer, Regesta VI, 1, S. 378 Nr. 1719; Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 91/92 Nr. 243; UB Hofgericht 3, S. 280-282 Nr. 390; Dobenecker, Regesta 4, S. 301 f. Nr. 2099.
Literatur: Weidemann, Landgraf Heinrich I., S. 436; [1282 September 26 Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 90] Nr. 242 und [1286 August 17 Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 100 Nr. ] 266.
Regest
Mainz. - König Rudolf einigt den Erzbischof Werner von Mainz (Mentze, Megenze) und den Landgrafen Heinrich als von ihnen gekorener Schiedsrichter mit folgenden Bestimmungen: beide verzichten auf jeglichen Ersatz für alle Schäden, die sie sich in dem bis jetzt währenden Kriege zugefügt haben. Klagen zwischen hessischen und mainzischen burggesessenen Bundesgenossen, Burgmannen oder Edelleuten um Eigengut, Schuld, Bürgschaft oder Schaden, der nicht aus diesem Kriege herrührt, sollen vor Franke von Kronberg (Cronenberc, Kronenberc) und Rudolf Groschlag (Graslocke, Grasloken), die vom Erzbischof hierzu eingesetzt sind, sowie vor Gernand von Schwalbach (Svalebach, Swalbach) und Hermann Kalb (Kalp), die der Landgraf bestimmt hat, oder vor den vom König ernannten Obermann Löw (Lewe) von Friedberg (Frideberc, Vrideberc) gebracht werden, falls die vier Richter sich nicht einigen können. Der Urteilsspruch soll bis zum kommenden Juni 24 (Johannismesse) gefällt werden. An jene vier Richter sollen sich auch wegen Klagen, die nicht aus diesem Kriege herrühren, des Erzbischofs Bundesgenossen wenden, nämlich Graf Otto von Waldeck (Waldecke, Waldegge), Graf Gottfried von Ziegenhain (Cigenhain, Zigenhagen), Graf Konrad von Solms (Solmese, Solmeze), Graf Heinrich von Solms, Hartrad von Merenberg (Merenberc), Engelbrecht von Eberstein, Graf Konrads Sohn, Herman von Treffurt (Driforte, Trefurten) oder von Brandenfels (Brandenvels) und Kraft von Hatzfeld (Hakesvelt, Haczvelt), sowie die Verbündeten Landgraf Heinrichs, nämlich Graf Siegfried und sein Sohn von Wittgenstein (Widechenstein), Graf Hermann von Battenberg (Battenburc), Ludwig von Isenburg (Isenburc), Gerlach von Breuberg (Bruberc), Guntram Schenk von Schweinsberg (Sweinesberc, Schweinsperc), Heinrich und Thielmann von Hanstein (Hanenstein) und die von Bischoffshausen (Bisschofeshusen, Bischoffeshuses), die bis zum gleichen Termin geschieden sein sollen. Keiner darf des andern Burgmannen oder Edelleute auf seine Seite ziehen. Burgmannen, die beiden gemeinsam sind oder vom einen zum andern übergegangen sind, müssen sich bis kommenden Februar 2 (Lichtmeßtag) entscheiden, wessen Burgmannen sie sein wollen. Ferner können auch die Bürger sich ihren Herrn wählen. Die wegen dieses Krieges exkommunizierten Anhänger des Landgrafen sollen vom Banne befreit werden. Der Landgraf gibt dem Erzbischof die Burg Hanstein zurück; der Erzbischof setzt Heinrich von Hanstein und dessen Bruderssohn Thiele wieder in den Besitz ihrer Burglehen und Güter zu Rusteberg (Rusteberc, Rustberc) und Hanstein ein, wobei aber die Burgen in der Gewalt des Erzbischofs bleiben wegen der Übeltat, die jene beiden begangen haben, lange ehe sie des Landgrafen Bundesgenossen wurden. Wenn ihnen die Burglehen wiedergegeben sind, soll der Erzbischof ihnen, ihren Genossen und seinen Amtleuten und Mannen einen Termin zur rechtlichen Verhandlung stellen, falls er sie nicht vorher begnadigt. Der Landgraf muß das neue "Haus" zu Hatzfeld abbrechen und so wieder herstellen, wie es Konrad »von dem Rine" vorfand, als ihn der Landgraf des Friedens wegen hinsandte, und wie jener es eidlich bestätigen wird. Darauf wird Kraft von Hatzfeld sein Gericht und Gut zurückerhalten, das ihm die Grafen Siegfried von Wittgenstein (Witechenstein, Witgenstein) und Hermann von Battenberg genommen hatten, die sich wegen etwaiger Besitzansprüche bis kommenden Juni 24 an die genannten vier Richter oder an den Obermann wenden sollen. Die Gefangenen werden freigegeben, versprochene Lösegelder brauchen nicht bezahlt zu werden. Ferner soll das Haus Grebenstein (Grevenstein) zerstört werden, wenn der Erzbischof hierzu binnen Jahresfrist die Einwilligung des Bischofs von Paderborn (Paleburnen) erwirkt hat; Erzbischof und Landgraf werden gemeinsam einen Wiederaufbau verhindern. Erhält der Erzbischof die Einwilligung des Bischofs nicht binnen Jahresfrist, so steht die Entscheidung über das Schicksal des Hauses Grebenstein bei dem Könige. Auch wegen Immenhausen (Immenhusen) wird der König noch seinen Willen kund tun. Schäden, die sich der Erzbischof und der Landgraf zugefügt haben, nachdem der Streit zur Entscheidung dem Könige vorgelegt worden war, sind gegenseitig zu ersetzen, wie es die vier Schiedsrichter oder der Obermann noch in dem Monate ihres Zusammentretens bestimmen werden; die Gefangenen aus dieser Zeit sind freizulassen. Ferner muß der Landgraf für sich und seine Erben auf Stadt und Burg Naumburg (Nuenburc) samt Zubehör, ausgenommen das Gericht an der Hainbuche (ze der Heimbuch), verzichten. Für die vier Schiedsrichter und den Obermann sollen im Falle des Todes Ersatzmänner binnen Monatsfrist bestellt werden. Dompropst Peter, Domdechant Simon und das Domkapitel von Mainz erklären ihre Einwilligung zu diesem Vertrag.
Siegler: 1. König Rudolf, 2. Erzbischof Werner von Mainz, 3. Landgraf Heinrich, 4. Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein (von Rine) und 5. das Mainzer Domkapitel.
Zeugen: Bischof Heinrich von Basel (Basele), der genannte Pfalzgraf Ludwig und sein gleichnamiger Sohn, Friedrich, Burggraf von Nürnberg (Nurenberc, Nůrenberc), Graf Johann von Hennegau (Hinegowe, Hanegouwe), Markgraf Heinrich von Hachberg (Haperc, Hachberc), Graf Eberhard von Katzenelnbogen (Katzenellebogen, Katzenellenbogen), Graf Adolf von Nassau (Nassowe), Graf Burkard von Hohenberg (Hohenberc), Gerlach von Limburg (Limpurc), Otto von Bickenbach (Bikenbach), Philipp von Falkenstein (Valkenstein), Wolfram, der Vogt von Dornberg (Dorenberc, Dornberc), u. a.
Datum: "dise sune wart gemachet und dise brif geschriben zu Meintze (Megenze)" 1282 des samestages vor sente Symonis et Jude dak der apostele.
Die Namensformen [der Ausfertigung aus Wien] sind in den Klammern an 2. Stelle gegeben.
Nachweise

Weitere Personen

Rudolf von Habsburg, König · Mainz, Erzbischöfe, Werner von Eppstein · Hessen, Landgrafen, Heinrich I. · Kronberg, Frank [I.] von · Groschlag, Rudolf · Schwalbach, Gernand [I.] von · Kalb, Hermann · Friedberg, Löw von · Waldeck, Grafen, Otto I. · Ziegenhain, Grafen, Gottfried VI. · Solms-Königsberg, Grafen, Konrad I. · Solms-Burgsolms, Grafen, Heinrich III. · Merenberg, Hartrad [I.] von · Eberstein, Grafen, Engelbrecht, Sohn Konrads · Eberstein, Grafen, Konrad · Treffurt, Hermann [I.] von · Brandenfels, Hermann [I.] von · Hatzfeld, Kraft [I.] von · Wittgenstein, Grafen, Siegfried I. · Battenberg, Grafen, Hermann · Isenburg-Cleberg, Herren, Ludwig I. · Breuberg, Gerlach von, gen. Reiz · Schenk zu Schweinsberg, Guntram III. · Hanstein, Heinrich [I.] von · Hanstein, Thiele [I.] von · Bischofshausen, die von · Rine, Konrad von dem · Paderborn, Bischöfe, Otto von Rietberg · Mainz, Dompröpste, Peter · Bayern-Oberbayern, Herzöge, Ludwig II., der Strenge · Basel, Bischöfe, Heinrich · Nürnberg, Burggrafen, Friedrich III. · Hennegau, Johann von · Hachberg, Markgrafen, Heinrich · Katzenelnbogen, Grafen, Eberhard II. · Adolf von Nassau, König · Hohenberg, Grafen, Burkhard · Limburg, Gerlach [I.] von · Bickenbach, Otto von · Falkenstein, Philipp [I.] von · Wolfram, Vogt von Dornberg

Weitere Orte

Mainz · Mainz, Erzbischöfe · Waldeck, Grafen · Ziegenhain, Grafen · Paderborn, Bischöfe · Dornberg, Vögte · Hanstein, Burg · Rusteberg · Hanstein · Hatzfeld, neues Haus · Grebenstein, Haus · Immenhausen · Basel, Bischöfe · Naumburg, Burg · Naumburg, Stadt · Hainbuche, Gerichte · Mainz, Dompröpste · Mainz, Domkapitel · Nürnberg, Burggrafen · Katzenelnbogen, Grafen · Nassau, Grafen

Sachbegriffe

Könige · Erzbischöfe · Streitigkeiten · Schiedsgerichte · Schadensersatzleistungen · Schiedsrichter · Kriege · Bundesgenossen, burggesessene · Burgmannen · Edelleute · Eigengüter · Schulden · Bürgschaften · Schäden · Obmänner · Richter · Urteilssprüche · Grafen · Söhne · Verwandte · Verbündete · Bürger · Bann · Exkommunikationen · Burgen · Brudersöhne · Burglehen · Amtleute · Häuser, neue · Häuser, Wiederaufbau von · Frieden · Gefangene · Lösegelder · Häuser, Zerstörung von · Bischöfe · Erben · Dompröpste · Domkapitel · Städte · Gerichte · Landgrafenitinerar

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Grotefend-Rosenfeld, Landgrafenregesten 1

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 263 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/263> (Stand: 15.12.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde