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4826 Eschwege
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 35. Eschwege

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Eschwege

Stadtteil · 160 m über NN
Gemeinde Eschwege, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

etwa 40 km ostsüdöstlich von Kassel gelegen

Lage und Verkehrslage:

Am linken südlichen Ufer der Werra in einem weiten west-östlich gerichteten Becken gelegen.

Chausseen nach Bischhausen, Bad Sooden-Allendorf und Wanfried. Im Stadtgebiet treffen die Bundesstraßen B249 und B452 aufeinander; darüber hinaus ist Eschwege über die Landesstraßen L3424, L3300 und L3244 an das Straßenverkehrsnetz angebunden.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Eschwege/Niederhone – Leinefelde ("Kanonenbahn I") seit 1875 (Die Teilstrecke Eschwege/Niederhone - Eschwege wurde am 31.10.1875 eröffnet, die Teilstrecke Eschwege - Leinefelde am 15.5.1880).

Ersterwähnung:

974

Siedlungsentwicklung:

Der Königshof Eskiniuuach wurde 974 erstmals urkundlich erwähnt, als Kaiser Otto II. ihn als nachträgliche Morgengabe seiner Gemahlin, der byzantinischen Prinzessin Theophanu, schenkte. Diese bat aber später ihren Sohn Otto III., den Besitz seiner Schwester Sophie zu überlassen, die Äbtissin von Gandersheim war. Die Übergabe ereignete sich 994 und vermutlich hat die Äbtissin dann an der Stelle des Königshofes das Cyriaxkloster einrichten lassen, das später für einige Zeit dem Stift Gandersheim unterstellt

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3573776, 5672748
UTM: 32 U 573673 5670918
WGS84: 51.18493007° N, 10.05413169° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636003030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 2954, davon 1411 Acker (= 47.77 %), 144 Wiesen (= 4.87 %), 1077 Holzungen (= 36.46 %)
  • 1961 (Hektar): 3844, davon 1016 Wald (= 26.43 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 733 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
  • 1747: 800 Haushaltungen (Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen)
  • 1819: 4400
  • 1885: 9492, davon 8602 evangelisch (= 90.62 %), 340 katholisch (= 3.58 %), 1 andere Christen (= 0.01 %), 549 Juden (= 5.78 %)
  • 1895: 10285 Einwohner (gemäß Reimer) oder 1895: 2138 Haushaltungen mit 10111 Einwohnern, davon 1287 Landwirtschaft treibende Bürger sowie 439 Gewerbebetriebe (gemäß Jacob)
  • 1961: 24091, davon 18215 evangelisch (= 75.61 %), 4815 katholisch (= 19.99 %)
  • 1970: 22718 Einwohner

Diagramme:

Eschwege: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • undatiert: Landgrafschaft Hessen, Amt Eschwege (zum Umfang des Amtes s. Mittelpunktfunkion)
  • 974: in regione Turingia in Germarene marcha et in comitatu Vuiggeri comitis
  • 994: Germar-Mark (in pago Germara marca)
  • 1627-1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Eschwege, Gericht Eschwege
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Eschwege, Gericht Eschwege
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Eschwege
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Eschwege, Gericht Eschwege
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Eschwege

Gericht:

  • 1834: Kurfürstliches Justizamt Eschwege I
  • 1867: Amtsgericht Eschwege
  • 1879: Amtsgericht Eschwege

Herrschaft:

Stadtwerdung möglicherweise ohne formale Erhebung 1236 weit fortgeschritten [Huyskens, Klöster an der Werra, Nr. 24]

1471 nach Konflikten zwischen Rat und Gemeinde gleichberechtigte Beteiligung der letzteren an der Besetzung der städtischen Ämter (Kämmerer, Baumeister, Braumeister)

Gemeindeentwicklung:

1.4.1936: Eingemeindung von Niederhone.

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung von Niederdünzebach und Oberdünzebach in die neu gebildete Stadtgemeinde Eschwege. Zu deren weiterer Entwicklung s. Eschwege, Stadtgemeinde. Sitz der Stadtverwaltung ist Eschwege.

Kirche und Religion

Klöster:

  • Cyriaxkloster (nach 994)
  • Augustinerkloster

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Reinhard Borckhoff 1530(?)-1541, Pfarrer der Altstadt an St. Dionysius

Johannes Bethel gen. Spangenberg, Pfarrer ca. 1521-1528 an St. Katharina, hat möglicherweise vorübergehend evangelisch gepredigt, blieb jedoch katholisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

Die Klasse Eschwege umfasste die Pfarreien Altenburschla, Datterode, Eschwege, Grandenborn, Grebendorf, Jestädt, Lüderbach, Netra, Niddawitzhausen, Niederdünzebach, Niederhone, Rambach, Reichensachsen, Renda, Röhrda, Schwebda, Völkershausen, Wanfried und Willershausen (Reimer).

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel; 1580: 30: 1637: 12 Schutzjuden (Familien); 1744: 25; 1771: 171; 1812: 33 Familien; 1835: 236; 1855: 369; 1861: 470; 1871: 509; 1895: 487; 1905: 517; 1925: 433; 1932/33: 390 (3,00% der Gesamtbevölkerung)

1367 Ersterwähnung? 1295 soll es bereits Judenverfolgungen gegeben haben.

bis 1637 existierte eine "juddengaßen" (Stadtzentrum zwischen Kohlmarkt/Steinweg)

vom 16 bis ins 20. Jahrhundert lebten Juden im Ort; nach 1933 verließen viele den Ort, viele wurden 1941/42 deportiert.

Synagoge: nach 1687 errichtet "Am Fischatadel"; zuvor baufälliger Betraum genutzt; 1838: Synagoge "Auf dem Cyriaksberg" errichtet und geweiht (134 Männer- und 74 Frauenplätze); nach 1945 wird das Gebäude von der Neuapostolischen Gemeinde genutzt.

1825: Synagogenordnung erlassen

seit ca. 1839 jüdische Volksschule; stetiger Rückgang der Schülerzahlen um Jahrhundertwende, endgültige Schließung 1939, bis Mai 1940 noch als Privatschule genutzt

Berufe: Viehhandel, Handel

bis 1860 Sammelfriedhof in Jestädt genutzt, seitdem eigener Friedhof (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Rektor der Stadtschule: Petrus Nigidius 1521, Conrad Clericus ca. 1520-ca. 1540

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das Amt Eschwege umfasste 1585 (Der ökonomische Staat) außer der Stadt und den Dörfern Frieda und Grebendorf noch die Gerichte Abterode, Germerode, Boyneburg, die adligen Dörfer Oberdünzebach und Niederdünzebach, Langenhain, Aue, Schwebda, Völkershausen, Niddawitzhausen, Albungen, Wipperode, Hattenrode, Hof Vogelsburg und die einzelnen Höfe Oberndorf, Mönchhof und Hof Wölfterode (Reimer).

Wirtschaft:

Wirtschaftszentrum des Werralandes

Münze:

Ältester Eschweger Pfennig um 1150.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Eschwege, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/5631> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde