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In Cape Canaveral wird der erste europäische Wettersatellit Meteosat-1 ins All geschossen, 23. November 1977

Auf dem amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral wird der erste geostationäre Wettersatellit Meteosat-1 (Abk. f. engl.: Meteorological satellite) der ESA (European Space Agency) an Bord einer Thor Delta-Trägerrakete ins All geschossen. Der Start des Gerätes war zuvor mehrfach verschoben worden.

Unter deutscher Beteiligung gebaut und von Darmstadt aus kontrolliert

Der in einer Höhe von 35.800 Kilometern an einem festen Punkt über der Erdoberfläche stehende Wettersatellit wird vom Europäischen Weltraum-Betriebszentrum Esoc (European Space Operation Center) der ESA in Darmstadt geleitet. Zu diesem Zweck errichtete man bei Michelstadt im Odenwald eine Bodenstation mit zwei 15-Meter Parabolantennen, die am 14. September vom Bundesminister für Forschung und Technologie Hans Matthöfer (1925–2009; SPD) ihrer Bestimmung übergeben wurde. Der 3,20 Meter hohe und beim Start etwa 700 Kilogramm schwere künstliche Raumflugkörper wurde von dem 1970 gegründeten europäischen Industrie-Konsortium Cosmos gebaut. Dem Unternehmensverbund unter Leitung der französischen Firma Aérospatiale gehört neben anderen Unternehmen unter anderem aus Frankreich, Großbritannien und Italien auch die Firma Siemens und der deutsche Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB; heute Teil von EADS) mit Sitz in Ottobrunn.

Beobachtung und Messung des Wettergeschehens

Wichtigster Ausrüstungsgegenstand des spinstabilisierten (um die Längsachse rotierenden) Raumflugkörpers Meteosat-1 ist ein sogenanntes Radiometer, ein Strahlungsdetektor der Bilder der Erdoberfläche und des Wettergeschehens sowohl im sichtbaren als auch im infraroten Bereich aufnimmt. In der Bodenstation, die alle 30 Minuten ein solches Bild von Meteosat-1 erhält, wird die Aufnahme mit dem Computer bearbeitet, um aussagekräftige Daten zu erhalten. Anschließend wird der Satellit erneut genutzt, um das fertig gestellte Wetterbild an verschiedene Wetterämter zu senden.

Anhand der von Meteosat-1 erstellten Aufnahmen lässt sich ein genaues Bild der Wolkenbedeckung im sichtbaren Bereich nachzeichnen. Darüber hinaus kann anhand der Infrarot-Messung eine präzise Bestimmung der Oberflächentemperatur der Erde und der Wolken erfolgen. Indirekt ist aufgrund dieser Messung auch die Höhe der Wolken zu ermitteln. Schließlich kann Meteosat-1 die Wolken-Bewegung bis zu eine Geschwindigkeit von drei Meter pro Sekunde erfassen und ermöglicht so die Bestimmung der Windgeschwindigkeit.

Satellitenverbund zur Beobachtung des gesamten Erdwetters

Zusammen mit zwei US-Satelliten sowie einem russischen und einem japanischen Gerät soll Meteosat-1 als Teil der zum „Global Atmospheric Research Programme“ (GARP) der Vereinten Nationen gehörenden Initiative „World Weather Watch“ (WWW) ab 1978 mit der synchronen Beobachtung und Auswertung des gesamten Erdwetters beginnen.
(KU)

Belege
  • Franz (Hrsg.), Die Chronik Hessens, Dortmund 1991, S. 480 f.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.11.1977, S. 29: Bessere Wetterprognose durch „Meteosat“: Fünf Wettersatelliten überwachen den ganzen Erdball
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.1977, S. 7: Der erste Weltraum-Wetterfrosch Europas will nicht springen: Viel Phantastisches über störende Funksignale am Kap Canaveral
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.1977, S. 8: Am Abend auf dem Bildschirm eine Art Wolkenfilm aus 36000 Kilometer Höhe? „Meteosat“ nach Pannen gestartet / Vierter Wettersatellit dieser Art / Sowjets hinken mit fünftem hinterher / Von Anatol Johansen
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„In Cape Canaveral wird der erste europäische Wettersatellit Meteosat-1 ins All geschossen, 23. November 1977“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1393> (Stand: 4.11.2020)
Ereignisse im Oktober 1977 | November 1977 | Dezember 1977
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