Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

(1373) Juli 5

Bischof Adolf von Speyer vermittelt eine Sühne

Regest-Nr. 1573

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Staatsarchiv Marburg, Hanau, Krieg und Fehden.
Stückbeschreibung: Papier.
Siegel: Auf der Rückseite Spuren des aufgedrückten Administrationssiegels.
Drucke: Landau, Ritter-Gesellschaften S. 134; Urkundenbuch der Herren von Hanau 3, Nr. 658, S. 774 ("Zu dem fehlerlosen Druck: Reimers wäre nur zu bemerken, daß im Original vor 'langrefen' (S. 775, Z. 33) 'gesellschaft' getilgt ist" (Reg. Erzb. Mainz)).
Regesten: Regesten der Erzbischöfe von Mainz 2,2 Nr. 3102, S. 64 f.
Literatur: Friedensburg, Hermann II., S. 15 f.
Regest
Orb. - Bischof Adolf von Speier, Vormund des Erzstiftes, bekundet: Wegen der Geschichte zu Steinau (...), wobei Ritter Frowin von Hutten und andere totblieben, war Ulrich von Hanau, sein Oheim, durch den Ritter Konrad von Hutten und dessen Söhne, durch Fritz von Hutten, den Sohn des verstorbenen Frowin, und Fritzens Brüder durch Gruszen Diemar und ihre Freunde und Helfer gefangen genommen worden. Er vereinbart nun mit Rat seiner Freunde zwischen Ulrich von Hagenau und Johann, Herrn von Isenburg und Büdingen, seinem Neffen, sowie deren Leuten und allen, die mit der Sache zu tun hatten, auf der einen Seite und den Obengenannten, sowie Henne Eberhard, Henne Ryman, Richard von Elm, Hencze Pheffersagk, Hermann von Hutten und ihren bei der Sache beteiligten Freunden auf der anderen Seite, eine Sühne unter folgenden Bedingungen:
1. ...
3. Ulrich darf der Gesellschaft mit dem Stern gegen die Landgrafen von Hessen und deren Helfer nicht helfen, solange der jetzige Krieg währt; doch müssen die Landgrafen den Ulrich aus der Fehde lassen.
4. Ulrich soll die Gegenpartei nicht vor den Landfrieden zu Nürnberg oder vor den in der Wetterau (Wedereuben), falls hier einer errichtet wird, oder sonst vor ein Gericht vorladen; sollte es dennoch jemand tun, so soll Ulrich die Klage widerrufen ...

Wortlaut der Datierung

Diez han wir geret und getedinget zuschen beyden parten uff den dyenstag allernest nach sant Peters und Pauls dag der heilgen aposteln, zu Orba.

Originaltext
Wir Adolff von gots gnaden bischoff zu spir und formunder des stifftis zu Mencze bekennen und tun kunt allen luden, die diesen brieff sehen oder horen lesen, daz wir mit rade unser frunde geret und getedinget haben umb solich gefencknissz, als Cunrad vom Hutten ritter, sine sone, Fricze vom Hutten, Frowins selgen son und sine brudere, Gruszer Dyemar und ire frund und helffere gefangen han den edeln Ulrich herren zu Hanauwe, unsern lieben oheym, umb solich geschiecht, die da gescheen ist zu Steyna, da Frowin selge vom Hutten ritter dot gelegen ist und ander, die auch zu derselben ziit dot gelegen sin daselbesm in solicher forme, daz wir den vorgenanten Ulrich, unsern oheym, und den edeln Iohan von Isemburg herren zu Budingen, unsern leiben nefen, und alle yre frunde, manne, burgmanne und dienere, wie die genant sin oder man genennen mochte, die mt der geschiechte und kriege heimelich oder offenbar begriffen und befangen sin, uff eyne siten und dem vesten Cunrad vom Hutten, sinen sone, Friczen vom Hutten und sine geschwistere, Frowins selgen kyndern, Gruszer Diemar, Henne Eberhard, Henne Ryman, Richard von Elma, Hencze Pheffersagk und Hermann vom Hutten und allen yren frunden, die man damyde bedenken mochte und den, die mit der geschiehte und kriege beladen und befangen sin, uff die andern siiten gutlich und fruntlich gesunet, vireynet und gerichtet sin umb alle sachen, anesprache, forderunge und zweyunge, die sich von der vorgenanten sache herlauffen und entstanden hand biez uff diesen hutigen dag. Mit dem ersten male han wir geret, daz der vorgenante Ulrich unser oheym eyne ewige messe sal machen und eyn ewig liecht in dem stiffte zu Sluchtern und sal der vorgenante Cunrad und Frowins selgen kindere und yre erben ewecliche. Auch sal der vorgenante unser oheim eyn steynen crucze lazen machen mit hundert guldin und daz seczen fur daz hus, da Frowin selge dot ynne bleyb; doch der straszen unschedelich zu faren, ane geverde. Mer han wir geret, daz unser herre von Fulde den vorgenanten cunrad und Frowins selgen kindere und iren erben die phantschaft, mit namen Stoltzenberg, Soden und Salmonster nit von yn losen sal von nu sant Peters dag nest komet, den man schribet zu latyne kathedra Petri, uber dru iare und sal in des sine briefe geben. Auch sal der vorgenante unser oheym Ulrich der gesellschaft mit dem Sterne nyt beholffen syn wyder die langrefen von Hessen und yre helffere also lange, als dirre krieg weret; also bescheidenlich, daz die langrafen von Hessen und ire helffere den vorgenanten unsern oheim Ulrich zu der fehede lazen sullen. Auch sal der vorgenante Ulrich unser oheim, er oder nyman von sinen wegen, wer der sii, die vorgenanten Cunrad von hutten, Frowins selgen kindere, oder die mit der geschiechte begriffen sin, an die lantfrieden nit heischen zu Nuremberg oder ab eyn lantfriede gemachet wurde zu Wedereuben oder anders an keynen gerichten heischen oder beclagen. Wer aber sache, daz ez yman daruber tede von der geschiechte wegen vorgeschriben, so sal ez der vorgenante unser oheym Ulrich ablegen und abnehmen ane yren schaden, ane geverde. Furwert mer han wir geret, daz der vorgenante Ulrich unser oheym dem vorgenanten Cunrad, sines bruder kindern, dem got gnade, geben und beczalen sal achtehalbtusent guldin und vier guldin, von golde gut und swere von (gewichte), als zu Frankinfurd g(en)g(e) und gebe ist, und sal yn die geben und beczalen halb uff sant Mer(tins) d(ag in) dem winther gelegen nest komet und daz ander halb teyl geben und beczalen uff den nesten phingistag hernach schierst komet. Und sal die beczalunge und werunge gescheen zu Stoltzenberg zu ye der ziit, als vorgeschriben stet. Also bescheidenlich, wer ez sache, daz die vorgenanten vom Hutten hie zussen Stoltzenberg entweldiget wurden, daz sie ez nyt enhetten oder gewaldig weren, so sulde man yn die beczalunge tun zu Werber zu ye der ziit, als vorgeschriben stet, ane alle geverde. Und fur diez vorgenante gelt sal der vorgenante unser oheym Ulrich dem vorgenanten vom Hutten sich selbsechczendesten virgiseln, damyde den egenanten vom Hutten begnuget, und auch die benant sin, zu Wirczburg ungemanet uff den eyd ynzuriden in eyns offen wirtis hus, wo er oder sine erben sie yn wisent, und uz der giselschafft nyt zu komen zu den czweyn gecziiden, daz gelt sii dan vor beczalet uff sant Martins dag, als vorgeschriben stet, ab die erste summe gelts nicht gefyele und furwert ynzuriden ungemant uff den phingistag zu Wirczeburg, aber als vorgeschriben stet und als die briefe besagen werden, die man darober geben wirt. Wer auch sache, daz den vorgenanten vom Hutten giseln nyt erkunde geleyde werden zu Wirczeburg die giselschaft zu tunde, ab ez zu schulden qweme, so sullen die gysel ynryden zu Salmonster und da gut geleyde han und geschirmet werden, ane alle geverde, in derselben wise als zu Wirczburg, und Ulrich unser oheym zu Orba. Wer aber sache, daz die vorgenanten vom Hutten Salmonster entweldiget wurden, so solde der vorgenante Ulrich unser oheym mit synen gyseln zu Swinfurte ynryden in aller der maze, als sie zu Wirczburg sulden han getan. Mer ist geret, wan der vorgenante unser oheym Ulrich und sine gisele eyn virteil iars in gisels wis gelegen haben und daz gelt noch nyt beczalet were, so sal der vorgenante Ulrich Swarczenfels den vorgenanten von Hutten ianantworten mit allen sinen guldin und renten. Und sal daz vorgenante hus mit sinen zugehorden die vorgenanten vom Hutten inhaben in phandes wis also lange, biz daz yn diez vorgeschribene gelt beczalet wurde, und sullen doch die gysel in giselschaft bliben ligen. Und wann auch die vorgenanten vom Hutten diez vorgenanten gelts beczalt sin, als vorgeschriben stet, so sullent die vorgenanten vom Hutten Ulrich unserm oheym und sinen erben daz egenante hus Swartzenfels mit allen sinen zugehorden wydergeben und sullen yn daz wol virbriefen und virwissen mit yren briefen, da yre truwe und eyde yme stehen, und sullen auch die briefe wydergeben, da die vorgeschribene summe geldes ynne virschrieben stet, ane alle geverde. Auch sal der vorgenante Ulrich unser oheym an unserm herren dem keyser briefe erwerben, darynne er virczihet umb diese vorgeschribene geschiechte uff die vom hutten und die yren, und die mit dirre geschiechte begriffen sin, und auch ander briefe herwerben von sinen herren und von sinen frunden, die benant sin und der da not ist, ane geverde. Diez han wir geret und getedinget zuschen beyden parten uff den dyenstag allernest nach sant Peters und Pauls dag der heilgen aposteln, zu Orba, und han diez unser ingesiegel uff diesen brieff gedrucket.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Ausstellungsort

Bad Orb

Aussteller

Mainz, Erzbischöfe, Adolf I. von Nassau

Empfänger

Hagenau, Ulrich von · Isenburg-Büdingen, Herren, Johann I.

Siegler

Mainz, Erzbischöfe, Adolf I. von Nassau

Weitere Personen

Speyer, Bischöfe, Adolf von Nassau siehe Mainz, Erzbischöfe, Adolf I. von Nassau · Hutten, Frowin von · Hanau, Herren, Ulrich IV. · Hutten, Konrad [I.] von · Hutten, Friedrich [II.] von · Diemar, Gruszen · Eberhard, Henne · Ryman, Henne · Elm, Richard von · Pfeffersack, Henze · Hutten, Hermann von

Weitere Orte

Speyer, Bischöfe · Steinau · Isenburg · Büdingen · Nürnberg, Landfriede · Wetterau · Stolzenberg · Bad Soden im Taunus · Salmünster · Frankfurt, Währung · Würzburg · Werber · Schweinfurt · Schwarzenfels

Sachbegriffe

Bischöfe · Erzstifte · Ritter · Gefallene · Onkel · Söhne · Verwandte · Brüder · Gefangene · Neffen · Sühne · Fehden · Sternerbund · Sternerkriege · Rittergesellschaften · Landfrieden · Gerichte, Vorladen vor · Klagen, Widerruf von · Währungen, Frankfurter · Bürgschaften · Geiseln · Einlager · Pfandschaften

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Reg. Erzb. Mainz

Original

UB Hanau 3

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 1573 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/1573> (Stand: 21.07.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde