Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1306 Juli 6

Friedensvertrag zwischen Herzog Albrecht von Braunschweig und Landgraf Heinrich I.

Regest-Nr. 12179

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Staatsarchiv Marburg, Urk. 1, Nr. 3515 ⟨Altsignatur: Staatsarchiv Marburg, Samtarchiv, Schublade 52, Nr. 1⟩.
Stückbeschreibung: Membran leicht beschädigt, die Schrift etwas verblaßt (lt. Findbuch).
Siegel: Das Siegel fehlt (lt. Findbuch).
Abschriften: Abschrift 14. [Jahrhundert]: Staatsarchiv Marburg, Kopiar 1, Nr. 2, Bl. 6-7.
Regesten: Staatsarchiv Marburg, Findbuch zum Samtarchiv, Band 3, S. 54; Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 170 Nr. 470; Demandt, Regesten Kopiare 1, S. 74, Nr. 2.
Literatur: Estor, Origines iuris publici hassiaca, S. 180 Anm. a; [1306 Juli 6 Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 168/169] Nr. 468 und [1306 Juli 6 Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 169/170 Nr. ] 469.
Regest
Revers des Herzogs Albrecht von Braunschweig zu dem Vertrag mit Landgraf Heinrich I. von Hessen, zur Beseitigung aller Mißhelligkeiten zwischen ihnen. Geschlossen in Beisein des Kaisers. Folgende Vereinbarungen wurden getroffen: im Kaufunger Walde dürfen in dem beiden Parteien gemeinsamen Teile nur die beiderseitigen Jäger jagen, wie es die Schiedsrichter, nämlich für den Herzog die Ritter Johann von Grone und Friedrich von Rosdorf, für den Landgrafen die Ritter Ludwig Kalb und Heinrich von Mihla "in der kuntscap uff ern eit irvarn"; Herzog und Landgraf sollen, wie ihre Vorfahren, diesen Wald in rechter Hege halten. Beider Gefangene, die auf Bürgschaft oder Sicherheit freigelassen sind, sollen los und ledig sein, wobei aber die bis zu diesem Juli 6 gezahlten und die für die Zeit bis 14 Tage nach dem Aufbruche der Fürsten von Fulda angewiesenen Lösegelder verfallen sind. Der Landgraf soll binnen 14 Tagen nach seinem Weggang von Fulda die Burg Hessenburg oberhalb (der braunschweigischen Stadt) Münden zerstören und keiner der beiden Fürsten darf diesen Berg wieder bebauen. Die andre während des letzten Krieges von dem Landgrafen erbaute Burg Friedau kann Landgraf Heinrich behalten, wenn die vier Schiedsrichter zu seinen Gunsten entscheiden; andernfalls muß er die Burg binnen 14 Tagen nach Ausgang ihres Spruches zerstören. Der Landgraf ist mit denen von Adelebsen und denen von Schöneberg wegen der ihm von jenen im Dienste des Herzogs zugefügten Schäden ausgesöhnt; wegen ihrer Streitsache mit den Grafen von Waldeck sollen die von Adelebsen mit freiem Geleit zur Verantwortung an das Reich (den König) gehen; befolgen sie dann den Urteilsspruch des Hofes nicht, so verlieren sie den Beistand des Herzogs. Wegen der Güter, die Herzog Albrechts verstorbener Bruder Wilhelm seiner Gattin Elisabeth, der Tochter Landgraf Heinrichs, als Morgengabe, Leibgedinge und Wittum verschrieben hat, die aber Herzog Albrecht noch besitzt, soll dieser dem Spruch der vier Schiedsrichter folgen, über alle andern Fragen werden jene Schiedsmänner entscheiden, die im Streitfalle den König zum Obermann nehmen sollen. Wer sich ihrer Entscheidung nicht fügt, muß der Gegenpartei 500 Mark lötigen Silbers zahlen; wer aber diesem Vertrage zuwider handelt, muß mit sechs Rittern in die Stadt Mühlhausen einreiten oder an seiner Statt einen seiner Söhne schicken und solange Einlager halten, bis er Gehorsam gelobt oder dem Gegner 500 Mark zahlt. Bürgen: 1. des Landgrafen: die Ritter Heinemann von Itter, Eckhard von Helfenberg, Trabodo von Eisenbach, Ludwig Kalb, Werner von Gudenburg und Heinrich von Mihla; 2. des Herzogs: die Ritter Friedrich von Rosdorf, Johann von Grone, Eckebrecht von der Asseburg, Friedrich von Ambleben, Bertram von Veltheim und Hildebrand von Hardenberg. Ersatzleute für diese Bürgen sind im Bedarfsfalle binnen 14 Tagen nach Mahnung zu stellen, widrigenfalls die Bürgen Einlager halten müssen. Die Schiedsrichter sollen ihren Spruch bis zum kommenden Michaelistag fällen oder die Bürgen des an der Verzögerung schuldigen Teils müssen zum Einlager einreiten. Die Bürgen sind in Gegenwart des Königs zur Übernahme dieser Bürgschaft verpflichtet worden.

Wortlaut der Datierung

d.d. Fulda den 8ten Tag St. Petri und St. Pauli (lt. Findbuch).

Weitere Informationen

Die Ausfertigung Landgraf Heinrichs vom gleichen Tag unter Landgrafen-Regesten ID 491.

Nachweise

Ausstellungsort

Fulda

Aussteller

Braunschweig-Wolfenbüttel-Göttingen, Herzöge, Albrecht II.

Empfänger

Hessen, Landgrafen, Heinrich I.

Siegler

Braunschweig-Wolfenbüttel-Göttingen, Herzöge, Albrecht II.

Weitere Personen

Adelebsen, die von · Albrecht I., König · Ambleben, Friedrich von · Asseburg, Eckebrecht von: Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzöge, Elisabeth die Mittlere, Frau Wilhelms I., geb. Landgräfin von Hessen · Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzöge, Wilhelm I. · Eisenbach, Trabado [I.] von · Grone, Johann [I.] von · Gudenberg, Werner [I.] von · Hardenberg, Hildebrand [I.] von · Helfenberg, Eckhard [II.] von · Itter, Heinemann II. von · Kalb, Ludwig · Mihla, Heinrich von · Rosdorf, Friedrich von · Schöneberg, die von · Veltheim, Bertram von · Waldeck, Grafen, Adolf [I.] · Waldeck, Grafen, Heinrich IV.

Weitere Orte

Braunschweig, Herzöge · Frieda (Gem. Meinhard), Burg · Hessenburg (Gem. Hann. Münden/Niedersachsen), Burg · Kaufunger Wald · Mühlhausen (Unstruth-Hainich-Kreis/Thüringen) · Hann. Münden (Lkr. Göttingen/Niedersachsen) · Waldeck, Grafen

Sachbegriffe

Bürgschaften · Burgen · Burgen, Zerstörung von · Dienste · Einlager · Gefangene · Geleit, freies · Gerichtshöfe · Grafen · Herzöge · Jäger · Jagdrechte · Könige · Kriege · Leibgedinge · Morgengaben · Räte · Ritter · Schadensersatzleistungen · Schäden · Schiedsgerichte · Schiedsrichter · Silber, lötiges · Söhne · Städte · Streitigkeiten · Töchter · Urteilssprüche · Verschreibungen · Verträge · Wälder · Wittume, Streit über

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Findbuch zum Samtarchiv 3

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 12179 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/12179> (Stand: 18.06.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde