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Regesten der Landgrafen von Hessen

1306 Juli 6

Einigung zwischen Landgraf Heinrich I. und Albrecht von Braunschweig

Regest-Nr. 491

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Hauptstaatsarchiv Hannover, Zelle 8, Nr. 28. Pergament. Beschädigtes Reitersiegel mit Rücksiegel.
Drucke: Urkundenbuch der Herzöge von Braunschweig 1, S. 118 Nr. 189.
Regesten: Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 168/169 Nr. 468; Urkundenregesten des Hofgerichts 4, S. 247 Nr. 366; Westfälisches UB 9, S. 218 f. Nr. 479.
Literatur: Asseburger Urkundenbuch 2, S. 38 Nr. 618; [1306 Juli 6 Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 169/170] Nr. 469 und [1306 Juli 6 Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 170 Nr. ] 470.
Regest
Fulda. - Landgraf Heinrich einigt sich in Gegenwart des römischen Königs Albrecht mit dem Herzog Albrecht von Braunschweig (Bruneswic) über ihre bisherigen Streitigkeiten unter folgenden Bedingungen: im Kaufunger (Koffunger) Walde dürfen in dem beiden Parteien gemeinsamen Teile nur die beiderseitigen Jäger jagen, wie es die Schiedsrichter, nämlich für den Herzog die Ritter Johann von Grone und Friedrich von Rosdorf (Rostorp), für den Landgrafen die Ritter Ludwig Kalb (Kalp) und Heinrich von Mihla (Meila) "in der kuntscap uff ern eit irvarn"; Herzog und Landgraf sollen, wie ihre Vorfahren, diesen Wald in rechter Hege halten. Beider Gefangene, die auf Bürgschaft oder Sicherheit freigelassen sind, sollen los und ledig sein, wobei aber die bis zu diesem Juli 6 gezahlten und die für die Zeit bis 14 Tage nach dem Aufbruche der Fürsten von Fulda (Fulde) angewiesenen Lösegelder verfallen sind. Der Landgraf soll binnen 14 Tagen nach seinem Weggang von Fulda die Burg Hessenburg (Hesseborch) oberhalb (der braunschweigischen Stadt) Münden (Munden) zerstören und keiner der beiden Fürsten darf diesen Berg wieder bebauen. Die andre während des letzten Krieges von dem Landgrafen erbaute Burg Friedau (Fredowe) kann Landgraf Heinrich behalten, wenn die vier Schiedsrichter zu seinen Gunsten entscheiden; andernfalls muß er die Burg binnen 14 Tagen nach Ausgang ihres Spruches zerstören. Der Landgraf ist mit denen von Adelebsen (Adelevessen) und denen von Schöneberg (Sconeberch) wegen der ihm von jenen im Dienste des Herzogs zugefügten Schäden ausgesöhnt; wegen ihrer Streitsache mit den Grafen von Waldeck (Waldecke) sollen die von Adelebsen mit freiem Geleit zur Verantwortung an das Reich (den König) gehen; befolgen sie dann den Urteilsspruch des Hofes nicht, so verlieren sie den Beistand des Herzogs. Wegen der Güter, die Herzog Albrechts verstorbener Bruder Wilhelm seiner Gattin Elisabeth, der Tochter Landgraf Heinrichs, als Morgengabe, Leibgedinge und Wittum verschrieben hat, die aber Herzog Albrecht noch besitzt, soll dieser dem Spruch der vier Schiedsrichter folgen, über alle andern Fragen werden jene Schiedsmänner entscheiden, die im Streitfalle den König zum Obermann nehmen sollen. Wer sich ihrer Entscheidung nicht fügt, muß der Gegenpartei 500 Mark lötigen Silbers zahlen; wer aber diesem Vertrage zuwider handelt, muß mit sechs Rittern in die Stadt Mühlhausen (Molhusen) einreiten oder an seiner Statt einen seiner Söhne schicken und solange Einlager halten, bis er Gehorsam gelobt oder dem Gegner 500 Mark zahlt. Bürgen: 1. des Landgrafen: die Ritter Heinemann von Itter (Ittere), Eckhard von Helfenberg (Helfenberch), Trabodo von Eisenbach (Eysinbach), Ludwig Kalb, Werner von Gudenburg (Gůdenborch) und Heinrich von Mihla; 2. des Herzogs: die Ritter Friedrich von Rosdorf, Johann von Grone, Eckebrecht von der Asseburg (Asseborch), Friedrich von Ambleben (Ampleve), Bertram von Veltheim (Velthem) und Hildebrand von Hardenberg (Hardenberch). Ersatzleute für diese Bürgen sind im Bedarfsfalle binnen 14 Tagen nach Mahnung zu stellen, widrigenfalls die Bürgen Einlager halten müssen. Die Schiedsrichter sollen ihren Spruch bis zum kommenden Michaelistag fällen oder die Bürgen des an der Verzögerung schuldigen Teils müssen zum Einlager einreiten. Die Bürgen sind in Gegenwart des Königs zur Übernahme dieser Bürgschaft verpflichtet worden.
Siegler: Landgraf Heinrich.
Datum: d. zu Fulde 1306 am achten Tag S. Peters und S. Pauls.
Originaltext
(W)ir Hinrich von Godes ghenaden Lantgreve, Herre Des Landes tzo Hessen, Bekennen an disseme bribe, Allen die in sehen oder horen lesen, Daz wir an Gegenworticheit unses herren des romschen koniges Alb, mit dem edelen forsten, Hertzogen Alb von Brunesw, Des kriges, Missehellunge, unde orloges, daz tuischen uns, biz her ist gewesen, untrichtit ist, als hir na bescriben stat, Daz wir uf koffunger walde, an dher stat da her unse gemeine ist, noch unser beider lute, noch neman anders den unser Jegere beider site, mit strackem Jagede, und mit rechter Jaget, Jagen suln, unser islich nach sime rechte, Also die viere, die da ober gekoren sint, Daz ist von des hertzogen wegene, Johan von grone, und frederic von rostorp, rittere, un von unser wegene, lodewich kalp, un heinrich von meila, rittere, in dher kuntscap uff ern eit ir varn, Och sol wir beide, den selben walt in rechter heghe halden, in Allen den eren un in alledher be scheiden heit, Also unse Alderen in, an uns beide, gehe bracht haben, Och ist ge redet twischen uns, daz alle die ge vangen, die beidert halbe ge vangen sit, sie sin uffe burgen oder uffe secherheit zu ge laszen, An die die iztzunt ir schatzunge ge leistit haben, daz ist an deme achtin tage sinte peters un sinte pauls, unde dar tzo alle die ge dinge un schatzunge, sie ste, an luten an dorfin, oder an gůte, Nach dem daz wir von fulde scheiden, innewendich viertzen tagen, los un ledich soln sin, Och sole wie daz hus hesseborch daz obir Munden lit binnen viertzentagen, nach deme daz wir von fulde scheidit, abe tůn, Och habe wir beide, in Gůtin truwen gelobt, das unser tzweder den selben berch, nicht weder buwen sol, Umme daz Ander Hus fredowe daz wir och in disseme krige buwet hat, ist ge redit daz, ob die vier vorgenanten Ratlude, uf irn eit in dher kuntscap datz irvarn, daz wir daz selve hus mit rechte behalden Mogen, daz sal sten an unsem willen ob wir daz beholdin willen, wirt ock daz be seght, daz wir iz tzo rechte haben soln, so sol wir iz brechen, binnen viertzentagen, nach der besagunge. Waz och die von adelevessen, sider dem krige, uns, durch Hertzogen Alb willen, vientlikes gehe tan haben, des suln sie eine gantze sůne haben, un umme dhe sculde die man in gebit, umme den greven von waldecke, suln sie komen vor daz richte mit gehe leide, op sie dez můtin, un suln tůn daz der Hof irteilet, En teten sie des nicht, so sal hertzoge alb in nicht me behulfen sin. Waz och die von sconeberch uns durch Hertzogen alb willen ge tan habent in disseme krige, des soln sie eine gantze sůne haben, Och alle die in disseme krige unser beider helpere sint ge wesen, die suln eine gantze sůne haben, Waz och Hertzoge wilhelm, Hertzogen alb broder, Elsebetin unser tochter an Morgengabe, an lipghedinge, un an wideme ge machgt un gegeben hatte, swaz des hertzoge alb tzo sime teile inne hatte un hat, da sal her un unser tochter umme tůn, daz die vier vorgenanten ratlude, rechte dunkit, Swaz andere sache under uns, un deme Hertzogen geloufin ist, oder geloufin Mach, dher soln die selben vier ratlude, rechte dunkit, Swaz andere sache under uns, un deme Hertzogen geloufin ist, oder geloufin Mach, dher soln die selben vier ratlude macht haben tzo scheidine nach rechte, oder mit minnen, un daz sal sin, mit unsir beider witzene un willen, Wo och die viere tzeinde wordin an dem rechten, aller dier sache, die hir be screven sint, so sol unser herre dher koning ein oberman sin, un sal daz zu richten nach rechte, Swelcher och yme gehorsam des rechtin nicht en were, dher solde deme anderen fumfhundert Mark lodiges silbers sculdich sin, un sol sine sache ver loren, un her Mach in anspreken umme sin gelobede, Swelcher och under uns disse sone nicht en helde, also sie hie bescreven ist un vor deme koninge gemachet ist, worde der konig un die viere eines rechtes eindrechthich ubir den bruch. Dher solde selber un mit eme ses ritter, Et enemiz eme aber ehafte not, So solde her einen siner sone, mit den ses ritteren in die stat tzo molhusen latzin riten, un leisten also lange, biz daz dher bru^ech worde weder tan, oder biz daz her gegebe dem anderen fumfhundert Mark, lodiges silbers, un solde dar tzo sine sache vor lorn han, Diz alliz habe wir och beidersit kreftelich verburghet, unse burgen sint, heiman von Ittere, Eckehart von helfenberch, Traybode von Eysinbach, Ludewich kalp, wernher von gůdenboch, un hinrich von Meila rittere, un des Hertzogen burgin sint Frederic von rostorp, Johan von grone, Eckebrecht von asseborch, Frideric von Ampleve, Bertram von velthem, un hildebrant von hardenberch rittere, Wo dirre vorgenanten Ratlude oder burgin einer abeginge von welchersiten daz were, da sal man einen anderen an die stat setzen binnen virtzen tagen, nach deme daz man ge manit wirt, Gehe sche des nicht, so soldin die anderen burgin In varn un leisten also lange, biz daz der burge ge sazt worde, un alle diese vorbescribene rede sol gehe endit werden vor sinte Michaelis taghe dher nů kumt, An wilchem des ge breche des burgen soln in varen, un leisten also lange biz daz gehe endit wirt, daz hir vor bescreven ist, Och sunt disse vorgenanten burgin an des koniges gegenwoticheit in dirre Burgeschaft be haft, also hir vore bescreven ist, daz disse sone als sie hir stat von worte tzo worte vor deme koninge gedegedinget, ge redet, un gesproken sie, des gebe wir deme Hertzogen tzo eime orkunde, disen bref besigelt mit unsirme yngesigele Der brief ist gegeben tzo fulde, do man tzalte von Cristes bort, Dritzenhundert Jar un in dem sestin Jahre, An dem achtin tage sinte peters un sinte pauls.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Weitere Personen

Hessen, Landgrafen, Heinrich I. · Albrecht I., König · Braunschweig-Wolfenbüttel-Göttingen, Herzöge, Albrecht II. · Grone, Johann [I.] von · Rosdorf, Friedrich von · Kalb, Ludwig · Mihla, Heinrich von · Waldeck, Grafen, Adolf [I.] · Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzöge, Wilhelm I. · Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzöge, Elisabeth die Mittlere, Frau Wilhelms I., geb. Landgräfin von Hessen · Itter, Heinemann II. von · Helfenberg, Eckhard [II.] von · Eisenbach, Trabado [I.] von · Gudenberg, Werner [I.] von · Rosdorf, Friedrich von · Grone, Johann [I.] von · Asseburg, Eckebrecht von · Ambleben, Friedrich von · Veltheim, Bertram von · Hardenberg, Hildebrand [I.] von · Waldeck, Grafen, Heinrich IV. · Adelebsen, die von · Schöneberg, die von

Weitere Orte

Fulda · Braunschweig, Herzöge · Kaufunger Wald · Hessenburg, Burg · Münden · Friedau, Burg · Waldeck, Grafen · Mühlhausen, Stadt

Sachbegriffe

Könige · Herzöge · Schiedsrichter · Schiedsgerichte · Streitigkeiten · Wälder · Jagdrechte · Ritter · Jäger · Gefangene · Bürgschaften · Landgrafenitinerar · Burgen, Zerstörung von · Städte · Burgen · Kriege · Dienste · Schäden · Schadensersatzleistungen · Grafen · Geleit, freies · Gerichtshöfe · Urteilssprüche · Töchter · Morgengaben · Leibgedinge · Wittume · Verschreibungen · Söhne · Einlager · Silber, lötiges · Verträge · Räte

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Grotefend-Rosenfeld, Landgrafenregesten 1

Original

Sudendorf, UB Herzöge von Braunschweig 1

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 491 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/491> (Stand: 26.06.2019)
 
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