Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1359 April 16

Erzbischof Gerlach von Mainz verpfändet die mainzische Hälfte von Itter

Regest-Nr. 10952

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Abschriften: Staatsarchiv Marburg. Inseriert in den von Graf Otto zu Waldeck und seinem Sohn Heinrich mit gleichem Datum zu Waldeck ausgefertigten Revers (Urkunden Waldeck, unverz. Nachträge. Pergament, ursprünglich zwei Siegel anhängend, 1. fehlt; 2. Rundsiegel Graf Heinrichs, 3,3 cm, in gevierteiltem Schild im 1. und 4. Schild der achtstrahlige Stern, im 2. und 3. ein Löwe, Umschrift: + S HENRI(...) COMITIS D WALDECKEN);
Staatsarchiv Würzburg, Mainzer Ingrossaturbuch 6, Bl. 5v-7.
Regesten: Regesten der Erzbischöfe von Mainz 2,1, S. 255 Nr. 1143; Franz, Kloster Haina 2,1, S. 260 f. Nr. 662.
Regest
Eltville. - Erzbischof Gerlach von Mainz verpfändet mit Einwilligung des Dekans Rudolf und des Kapitels zu Mainz die mainzische Hälfte von Burg und Herrschaft Itter samt Zubehör für 1000 Mark lötigen Silbers Fritzlarer Gewichts an Graf Otto von Waldeck und dessen Sohn Heinrich (1). In die Pfandsumme werden die 1000 kleinen Florentiner Gulden, für die Erzbischof Heinrich den Grafen zum Erbburgmann auf Burg Schöneberg gewonnen hatte (2), mit einbezogen. Die Einlösung für die Gesamtschuldsumme ist ein Vierteljahr vorher anzukündigen. (...) die Grafen Otto und Heinrich und ihre Erben oder ihre Beamten sollen das Kloster Haina an seinen Waldungen, Fischereien, Gülten, Leuten, Gerichten und allem, was es sonst in der Herrschaft Itter besitzt, nicht bedrängen und schädigen; sie sollen das Kloster und seine Güter in der Herrschaft vielmehr schützen, gegen Unrecht unterstützen und bei den herkömmlichen Freiheiten, Rechten und Gewohnheiten belassen, die der Erzbischof verbrieft hat.
Siegler: Erzbischof und Kapitel.

Wortlaut der Datierung

gegebin zu Eltevil nach godes gebort du man zalte 1359 jare, uff den nesten dinstacg nach palmen.

Weitere Informationen

(1) Gemäß Überlieferung der Limburger Chronik waren Burg und Herrschaft Itter anläßlich einer Familienfehde unter den Herren von Itter (vermutlich Ermordung Heinemanns III., nach 1356 April 4) durch Erzbischof Gerlach von Mainz, Landgraf Heinrich von Hessen und Graf Otto von Waldeck erobert und besetzt worden. Abt Heinrich von Corvey, der junge Landgraf Otto und Graf Otto von Waldeck hatten sich bereits 1356 Juni 13 verbunden, gemeinsam mid vuge adir unygevuge die Gewinnung des Hauses Itter samt Zubehör anzustreben, das sie unter sich dreiteilen wollten, wobei die Rechte der Ehefrau Heinemanns von Itter wie die Lehnshoheit von Corvey gewahrt bleiben sollten; der Landgraf und Graf Otto wurden ermächtigt, jeweils auch für die anderen verbindlich mit Erzbischof Gerlach über Itter zu verhandeln (Urkunden Waldeck Nr. 10836). 1357 Juni 2 überließen Heinemanns Witwe Margarethe von Itter und ihre Tochter Kunne Landgraf Heinrich von Hessen gegen Zahlung von 900 Mark lötigen Silbers ihren Teil des Hauses und der Herrschaft Itter mit Ausnahme des von Mainz besetzten Teils, um dessen Freigabe sie beim Erzbischof bemüht waren (Urkunden Herrschaft Itter [...]). Margarethe, die sich auf Anweisung des Erzbischofs nach Neustadt begeben hatte, bat Hermann von Schweinsberg, den Erzbischof an die ursprüngliche Vereinbarung zu erinnern, wonach ihr für die Einräumung der Hälfte von Burg und Herrschaft der Schutz des Erzstifts, Bau einer neuen Burg in der Herrschaft sowie 300 Gulden und die Hälfte des Proviants auf der Burg zugesagt waren (Abschrift Staatsarchiv Würzburg, Mz. Ingross. 5, Bl. 800 [...]). Der 1357 Oktober 13 zwischen dem Erzbischof, Margarethe und ihrer Tochter Konne geschlossene Vergleich sah für die Überlassung der Hälfte von Margarethes Halbteil der dem Erzbischof schon von Heinemann geöffneten Burg Itter samt Zubehör ebenfalls einen Kaufpreis von 900 Mark lötigen Silbers vor, für dessen noch unbezahlten Rest und sonstige Forderungen sie anderweit gesichert wurde (Abschriften, zwei Fassungen, Staatsarchiv Würzburg [...]). Erzbischof Gerlach verpfändet seinen Teil der Burg dann 1358 Januar 25 zunächst an Hermann von Schweinsberg, den er zugleich zum Amtmann für Itter bestellte, offenbar für den von ihm vorgelegten Teil des Kaufpreises (vgl. Vigener, Nr. 962). Margarethe heiratete in zweiter Ehe den 1357 ebenfalls verwitweten Grafen Otto von Waldeck. In Vergleichsverhandlungen von 1356 erscheinen zwar Erzbischof und Landgraf als gemeinsame Herren von Itter (Vigener, Nr. 1947 f.), doch bleibt die auch in den Folgejahrhunderten wiederholt umstrittene Waldecker Pfandschaft bestehen (vgl. u.a. den mainzisch-waldeckischen Vergleich von 1369 Juli 17, Urkunden Waldeck Nr. 11334).
(2) Vgl. Urkunde Erzbischof Heinrichs von 1345 Mai 21 und Verschreibung des Kapitels zu Mainz von 1350 Dezember 11 mit Revers Graf Ottos vom Folgetag (Ausfertigung Urkunde Waldeck, Nr. 11331/32, und Hauptstaatsarchiv München, Mainz Domkapitel; vgl. Otto, Mainzer Regesten I, 2 Nr. 5872).

Nachweise

Ausstellungsort

Eltville am Rhein (Rheingau-Taunus-Kreis)

Aussteller

Mainz, Erzbischöfe, Gerlach von Nassau

Empfänger

Waldeck, Grafen, Otto II. · Waldeck, Grafen, Heinrich VI.

Siegler

Mainz, Erzbischöfe, Gerlach von Nassau · Mainz, Kapitel, Dekane, Rudolf

Weitere Personen

Hessen, Landgrafen, Heinrich II. · Itter, Heinemann III. von · Corvey, Äbte, Heinrich IV. von Spiegel zum Desenberg siehe Paderborn, Fürstbischöfe, Heinrich III. von Spiegel zum Desenberg · Hessen, Landgrafen, Otto der Schütz · Itter, Margarete von, Frau Heinemanns III., geb. von Padberg · Itter, Kunigunde von, Tochter Heinemanns III. · Schenk zu Schweinsberg, Hermann [I.] · Paderborn, Fürstbischöfe, Heinrich III. von Spiegel zum Desenberg

Weitere Orte

Itterburg (Lkr. Waldeck-Frankenberg) · Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) · Schöneberg (Lkr. Kassel), Burg · Haina (Lkr. Waldeck-Frankenberg), Kloster

Sachbegriffe

Erzbischöfe · Pfandschaften · Dekane · Kapitel · Währungen, Fritzlarer · Burgen · Herrschaften · Währungen, Florentiner Gulden · Darlehen · Kündigungsfristen · Wälder · Fischereien · Gülte · Gerichte · Freiheiten, alte · Rechte, Bestätigen von · Fehden · Grafen · Ehefrauen · Witwen, zweite Heirat von · Besitzstreitigkeiten · Silber, lötiges

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Franz, UB Haina 2.1

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 10952 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/10952> (Stand: 16.07.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde