Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1380 Januar 2

Hermann II. übernimmt die Finanzverwaltung des Stift Wetter

Regest-Nr. 1646

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Pergament Staatsarchiv Marburg, Generalrepertorium Stift Wetter. Ursprünglich 3 Siegel anhängend, davon 1 fehlend.
Abschriften: Mitte 16. Jahrhundert Nachlaß Landau Nr. 414.
Drucke: Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 2, Text Nr. IV, S. 379 f.; Koch, Beurkundete Nachricht Schiffenberg 1, Beilage Nr. 181.
Regesten: Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 2, Nr. 624, S. 290.
Regest
Äbtissin Hildegard von Elle, Pröpstin Hedwig von Hachen und die Jungfrauen des Stifts Wetter verpflichten sich mit Zustimmung der vier Stiftsherren gegenüber dem Landgrafen Hermann zu Hessen, keine beweglichen oder unbeweglichen Güter des Stifts ohne sein Wissen zu verpfänden, zu veräußern, für Zins oder Pacht auszugeben oder Schulden zu machen. Ein Amtmann des Landgrafen, er sei Geistlicher oder Laie, soll all ihr Einkommen an Zinsen, Gütern, Gülten, Früchten, Besthaupten (du^erste), Zöllen und anderen Renten und Gülten, mit Ausnahme des Propsteiguts, erheben und dem Landgrafen und dem Stift von Einnahme und Ausgabe Rechnung ablegen. Der Äbtissin soll er ihre Gebühren wegen der Abtei und des Gotteshauses geben, den Jungfrauen ihre Pfründen und andere kleine Gefälle, den Priestern ihre Präsenzen, und was ihnen von der Abtei gebührt. Wenn der Amtmann feststellt, daß das Stift mehr Pfründen tragen kann, so mag nach alter Gewohnheit und altem Recht die Zahl der Jungfrauen erhöht werden. Das Siegel des Kapitels ist in einen Kasten mit vier ungleichen Schlössern zu legen. Je einen Schlüssel erhalten die Pröpstin, die Küsterin, die älteste Jungfrau und der Amtmann. ... Der Amtmann soll die Schulden des Stifts bezahlen. Ihm sind alle Bücher und Urkunden über das Einkommen des Stifts vorzulegen. Der Landgraf kann ihn ab- und einsetzen nach seinem Willen. ... Die Priester dürfen ihre Mühle zu Göttingen (...) ohne Erlaubnis des Landgrafen nicht veräußern. Sie geloben, diese Bestimmungen zu halten , und verzichten auf Rechtsmittel dagegen.
Originaltext
Wir Hillegard von Elle, von gots gnaden eptische des werntlichin stiftis unser lyben frauwen von himmilriche zu^e Wettere, unde ich Hedewig von Hachen, probisten daselb(es), unde dy^e jungfrauwen gemeynlichen bekennen offinliche an dissem bryve, das wir mit capitilschem mu^ede unde ersamkeyd eyndrechtlichen mit rade, wissin unde folbord der vier pristere des egenanten werntlichin stifts, dy^e wir dartzu^e geheischen han, nicht me sullen des stiftis gu^ed, wilchs namen das genant sii, ez sii beweglich ader unbeweglich, virseczen, virkaufen, virgeben ader ußtzu^ethunde umbe zins ader umbe pacht ader keyne schult me machen ane wissin unde gehengnisse, volbord unde rad des hochgeborn fursten, unsers lieben, gnedigen yunghern, yunghern Hermans, lantg(raven) zu^e Hessen. Ouch so sal der egenante unser yungher uns unde dem egenanten stifte unde der aptie egenant setzen eynen amptman, ez sii paffe ader leyge, der des stiftis unde aptie egenant zinse, gu^ede, gulde, fruchte, du^erste, zolle unde anders alle rente unde gulde uffheben unde ynnemen sal, sy^e sin kleyne ader groz, ader wilcherley^e sy^e sind ader in wilchen steden ader dorfen sy^e liggen, nicht ußgescheiden - an der probistie gud, das wir hy^e ußnemen. Unde derselbe amptman, der uns von dem egenanten unserme yunghern also gesast wirt, der sal dem egenanten unserm yunghern, ader wem he das befelit, unde der aptisschen, yungfrauwen unde pristern egenant alle yerlichs eyne rechenunge thu^en von der uffname unde ußgift des yaris. Ouch so sal derselbe amptman der egenanten aptisschen geben, das er gebord von der aptie wen unde des godshuses, unde sal den yungfrawen er probinde geben vor vol unde anders alle kleyne gefelle unde den pristern er presencie, unde was en gebord von der aptie. Ouch wan den amptman dungkit, den uns der egenante unser yungher gesast hat, daß iz der stift virmoge, me probinde, wan i^etzu^end sin, zu^e gebene, so sal unde mag man me yungfrauwen darin nehmen nach alder gewonheit unde rechte des stiftis. Ouch so sal unsers capitils yngesigil geleyt werden in eyne kisten unde sal mit vier unglichen slossiln beslozzin werden; den eynen sal bewaren dy^e probisten, den andern sal bewaren dy^e costern, den dritten sal bewaren dy^e eldiste yungfrauwe des stiftis, den virden sal bewaren der vorgenante amptman,den uns unser egenanter yungher gesast hat. Unde sal man damidde nicht bisigln an des capitils unde unsers egenanten yunghern willen unde wissin, unde was anders worde bisigilt, das ensal keyne macht noch vorgang haben. Ouch in dy^e egenante kisten sal man legen unde thu^en alle des egenanten stiftis bry^eve. Ouch so sal der amptman betzalen des egenanten stiftis schuld, dy^e moglich ist unde umbe des stiftis nod gemacht ist, sy^e sii gemacht von der egenanten aptisschen ader des stiftis yungfrauwen. Ouch sullen wir demselben amptman alle buchere unde alle bry^eve des vorgenanten stifts, da des egenanten stiftis gude, gulde unde rente yn beschreben sin, unde unser iglich besundern ader semptliche sullen unde wullen dem amptmane uffinbaren unde segen unsers stiftis gud unde gulde, ez sii virsast, unvirsast, virkauft, unvirkauft, unde wollen em mit unsers egenanten yunghern rade unde holfe das truwelichen helfen infordern unde en schuczen unde schirmen, on geverde. Ouch mag unser yungher den amptman seczen unde entseczen na sime willen. Ouch dy^e probisten, dy^e itzu^end ist, sal bliben eyne probisten unde sal den yungfrauwen unde den vier pristern geben unde andelogen, was er gebord zu^e gebene nach gewonheid unde nach rechte der probistie, unde alle yerlich davon rechen, als man von rechte davon rechenen sal den egenanten yungfrauwen unde pristern, ane geverde. Ouch sullen wir dy^e egenanten vier pristere unser molen zu^e Gittingen nicht virkaufen ader virsetzen ader virgeben numme von unsern probinden, an geverde, das enwere dan mit willen des egenanten unsers yunghern. Alle disse vorgeschrebben artikele semptlich unde er yglichen besundern unde alle er pu^ente unde er yglichs pu^ente globen wir dy^e vorgenanten Hillegard, aptissche, Hedewig, probisten, unde wir dy^e yungfrauwen semptlich unde unser iglich besundern unverbrochlich zu^e haldende in guden truwen unverschrengkit ane geverde, unde renuncieren unde virsachen unde wollen uns nicht gebruchen keyns rechten adir keyns beneficio ader woldad des rechten, da wir dissen bry^ef sine beheltnisse in sinen artikeln unde puncten midde gekrengken ader gebrechen mochten, wy^e das recht ader beneficium genant sii ader ist, ane alle geverdeDissis zu^e orku^ende unde bekentnisse so haben wir egenante dissen bryf besigilt gegeben mit der aptisschen yngesigil vorgenant unde mit unsers capitilis unde unsers stiftis yngesigil; unde wir dy^e egenante yngesigil an dissen bryf gehangen, der gegebin ist nach Cristi geburd artikel unde pu^encte unde renunciacien undir der officialiteten yngesigel der probistie zu^e sente Stephan zu^e Mentze. Unde wir Yohan, official der probistie zu^e sente Stephan zu^e Mentze, bekennen, das wir durch bede willen der egenanten vier pristere han das egenante yngesigil an dissen bryf gehangen, der gegebin ist nach Cristi geburd dry^etzehin hundert yar, darnach in dem achtzigisten yare, uff den nesten Montag nach unsers herren godis besny^edu^enge.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Weitere Personen

Wetter, Äbtissinnen, Hildegard von Elle · Wetter, Pröpstinnen, Hedwig von Hachen · Hessen, Landgrafen, Hermann II.

Weitere Orte

Wetter, Äbtissinne · Wetter, Pröpstinnen · Wetter, Stift · Wetter, Stiftsherren · Göttingen, Mühle

Sachbegriffe

Äbtissinnen · Pröpstinnen · Stifte · Stiftsherren · Stiftsdamen · Finanzverwaltungen, Übernahme der klösterlichen · Amtmänner · Rechnungslegungen · Güter, bewegliche · Pfandschaften · Verkäufe · Zinsen · Pachten · Schulden · Geistliche · Früchte · Besthaupt · Einkünfte, klösterliches · Zölle · Renten · Propsteigüter · Kasten, verschlossener · Küsterinnen · Nonnen · Schulden, Übernahme von · Rechnungsbücher · Mühlen · Priester

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Eckhardt, Oberhessische Klöster 2

Original

Eckhardt, Klosterarchive 2

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 1646 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/1646> (Stand: 17.2.2014)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde