Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Frankfurt am Main

Stadt · 104 m über NN
Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit komplexem Grundriß in einer Talenge des Mains, die von den Ausläufern des Berger Horstes im Norden und dem Sachsenhäuser Berg im Süden gebildet wird.

Die besonders verkehrsgünstige Lage von Frankfurt ist ein bedeutender Faktor für den Aufstieg, den die Pfalz und später die Stadt im Mittelalter nahmen. Von Süden und Südwesten kommend trafen hier mehrere Straßen zusammen, um an der durch die Talenge begünstigten Stelle unterhalb einer im Fluß befindlichen "Felsbarriere" den Main zu überschreiten und nach Norden und Nordosten weiterzuführen. Der Furt und der Wasserstraße des Mains verdankt die Siedlung ihre günstige Verkehrslage.

Eine steinerne Mainbrücke.

Der Frankfurter Hauptbahnhof ist als Kopfbahnhof Endbahnhof der Eisenbahnlinien Frankfurt am Main – Wiesbaden ("Taunusbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 26.9.1839), Frankfurt am Main – Heidelberg ("Main-Neckar-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 18.11.1848), Kassel – Frankfurt am Main ("Main-Weser-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 10.5.1850) (die S-Bahn-Haltestellen Galluswarte (1978) und Messe (1999) liegen ebenfalls an dieser Strecke), Frankfurt am Main – Bad Homburg ("Homburger Bahn";"Fünf-Länder-Bahn";"Kaiserbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 10.9.1860), Bebra – Hanau – Frankfurt am Main ("Bebraer Bahn";"Bebra-Hanauer-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.12.1875), Bischofsheim – Frankfurt am Main/Niederrad ("Rhein-Main-Bahn (II)";"Main-Rhein-Bahn II") (Inbetriebnahme der Strecke 18.8.1888) und Limburg/Eschhofen – Frankfurt am Main ("Main-Lahn-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 18.8.1888).

Von den Frankfurter Westbahnhöfen existierte von 1849 bis 1875 eine Streckenverbindung zum Frankfurter Lokalbahnhof in Sachsenhausen als Teil der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main – Offenbach am Main ("Lokalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 18.1.1849).

Der Bahnhof Frankfurt Ost ("Hanauer Bahnhof") war ab 1859 Endbahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main/Ost – Hanau ("Hanauer Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 10.9.1847, 31.1.1859, 1.4.1913) sowie der Hafenbahn/Verbindungsbahn zu den Frankfurter Westbahnhöfen (ab 1888 zum Hauptbahnhof) und ab 1913 der Verbindungsbahn nach Fankfurt Süd.

Ersterwähnung:

794

Siedlungsentwicklung:

Vorgeschichtliche Siedlungsspuren gibt es seit der jüngeren Steinzeit, sie verdichten sich in der späten Latène-Zeit. Reste einer Badeanlage und weiterer Gebäude bezeugen die Nutzung des Domhügels seit dem ausgehenden 1. Jahrhundert durch die Römer. Überreste von Militärbauten des 1. Jahrhunderts und späterer zivil genutzter Gebäude wurden aufgedeckt. Eine starke Kulturschicht mit Einschlüssen, die bis zur Ottonenzeit reichen, zeugt von einer intensiven Besiedlung des Domhügels seit spätrömischer Zeit. Über den Charakter der Siedlung in vorkarolingischer Zeit - ob etwa damals schon ein großer Wirtschaftshof vorhanden war - ist eine Aussage nicht möglich. Zu der Siedlung auf dem Domhügel dürfte ein Gräberfeld in der Reineckstraße gehört haben.

Das mittelalterliche Frankfurt liegt im Bereich der von den Ausläufern des Berger Horstes (Röderberg) und dem Sachsenhäuser Berg gebildeten Maintalenge. Der Domhügel als hochwasserfreier Siedlungskern wird im Süden vom Main, im Osten von dem sumpfigen und während des ganzen Mittelalters unbebaut gebliebenen Fischerfeld, im Norden von einem verlandeten Altarm des Mains, "der" Braubach, geschützt. Nach Westen findet der Domhügel in dem nur durch eine schmale Senke abgetrennten Karmeliterhügel seine Fortsetzung. Nach Rückgang der Bedeutung unter den Saliern begann für Frankfurt in der Stauferzeit ein neuer Aufstieg, der durch zahlreiche Königsaufenthalte, Hof- und Reichstage ebenso bestimmt war wie durch die Errichtung einer neuen Burg- und Pfalzanlage am Mainufer im Bereich des heutigen Saalhofes, der vor allem aber durch die Entstehung der Stadt geprägt wurde, die als königliche bzw. als Reichsstadt schnell große politische und wirtschaftliche Bedeutung gewann. Das rasche Bevölkerungswachstum und die in der Mitte des 14. Jahrhunderts zu einem gewissen Abschluß gekommene Vergrößerung der besiedelten Fläche spiegeln diese Entwicklung wider (vgl. auch Befestigungen). Zu Frankfurt gehört auch die auf dem südlichen Mainufer liegende, 1193 erstmals erwähnte Vorstadt Sachsenhausen, die nie eine selbständige Stellung errngen konnte sondern immer eng an Frankfurt gebunden blieb.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • 794: locus, villa [E. Orth, Artikel Frankfurt, in: Die Deutschen Königspfalzen 1: Hessen, S. 150-157];
  • 865 und 870: villa regia, villa regni;
  • 889: curtis imperialis, curtis regia, curtis regis;
  • 1140: oppidum;
  • 1144: curia;
  • 1182: villula;
  • 1242: civitas;

Ortsteile:

  • Frankfurt am Main, Harheim, Kalbach, Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach (seit 1.8.1972)
  • Bergen-Enkheim (seit 1.1.1977)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Der Bau der staufischen Burg- und Pfalzanlage im Bereich des Saalhofs dürfte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erfolgt sein. Sie befand sich näher am Main als die Pfalz. Im Gebäude des heutigen Historischen Museums sind noch die Saalhofkapelle und eine Wand des mittelalterlichen Wohnturms erhalten.
  • Die Umwehrung des Pfalzgeländes auf dem Domhügel ist durch den Verlauf je eines Mauerzuges im Norden und Süden nachgewiesen und durch den Passus in castello nostro Franconovurt in einer Urkunde Ottos III. von 994 dokumentiert.
  • Bis zum Ende der Stauferzeit war der Stadtbereich von einer Mauer umgrenzt, von der im Nordosten ein noch aufrecht stehendes Teilstück durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges freigelegt wurde. Die Stadtmauer bildete ein unregelmäßiges, im Süden an den Main angelehntes Oval, das durch eine Ausbuchtung im Westen vor allem das Gelände des Weißfrauenklosters in die Befestigung einbezog. Eine neue Phase des Baues der Umwehrung mit Mauer und Graben, Toren und Türmen trug dem Wachstum der Bevölkerung Rechnung. 1333 erlaubte Kaiser Ludwig d. Bayer die Erweiterung der Stadt auf die dreifache Fläche und den Bau einer neuen Stadtbefestigung. Die Maßnahmen nahmen mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch und dürften in ihren wesentlichen Teilen nach 1350 einen vorläufigen Abschluß erreicht haben. Die Mauer umfaßte jetzt mit der Neustadt nahezu die dreifache Fläche der stauferzeitlichen Stadt; damit besaß Frankfurt eine Ausdehnung, die den Raumbedürfnissen der Bevölkerung bis weit in die Neuzeit hinein genügte. Die Mauer war 6-8 m hoch und etwa 1-1,5 m breit, eine 3-4 m breite Berme trennte den 8-10 m breiten nassen Graben von der Mauer. Im Inneren lief eine Mauergasse von etwa 4 m Breite. Von der Landseite her konnte die Stadt jetzt durch fünf Tore betreten werden, durch das Mainzer Tor, das Bockenheimer oder Rödelheimer Tor, das Eschenheimer Tor, das (Alte) Friedberger Tor und das Allerheiligentor oder die Riederpforte. Die ehemalige Landwehr wurde ab 1400 in erheblich erweitertem Ring um die Stadt angelegt. Von den ehemals fünf Warten sind noch vier erhalten (jeweils ein hoher Rundturm mit Fachwerk-Oberbau und einem mauerumschlossenen Hof mit Wohn- und Wirtschaftsbauten): Galluswarte, Bockenheimer Warte, Sachsenhäuser Warte und Friedberger Warte.
  • Im 16. Jahrhundert erfolgte keine grundlegende Umgestaltung der Stadtbefestigung sondern nur die Anlage mehrerer Basteien für die Aufstellung von Geschützen und dem Aufwerfen mehrerer Schütten. Erst der Dreißigjährige Krieg zwang dann zu einer umfassenden Modernisierung der Befestigungsanlagen, in die auch das Fischerfeld einbezogen wurde. Die Arbeiten begannen 1628 unter der Leitung von Johann Wilhelm Dilich mit großen Schwierigkeiten und wurden erst 1667 vollendet. Insgesamt wurden vor der Stadtmauer elf Bollwerke und die erforderlichen Zwischenwälle errichtet. Schon am Anfang der Arbeiten wurde das Friedberger Tor von der Friedberger-/Alte Gasse an die Vilbeler Gasse verlegt, und auch das Galgentor mußte zwischen Mainzer Bollwerk und Galgenbollwerk einen neuen Platz finden. In den Jahren 1804 bis 1809 wurden die Befestigungen abgetragen; Grünanlagen traten an ihre Stelle.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3477378, 5553050
UTM: 32 U 477312 5551269
WGS84: 50.11323124° N, 8.682681119° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

412000010

Frühere Ortskennziffer:

412000000

Flächennutzungsstatistik:

  • 1845 (Hektar): 3197,3, davon 3060,3 kultiviertes Land: Garten, Acker- und Waldboden (mit der Vorstadt Sachsenhausen). Die Stadtwaldung ist separat mit 3508 ha angegeben.
  • 1885 (Hektar): 7400, davon 2186 Acker (= 29.54 %), 154 Wiesen (= 2.08 %), 3502 Holzungen (= 47.32 %)
  • 1961 (Hektar): 19465, davon 3915 Wald (= 20.11 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1834: 76877
  • 1840: 84784
  • 1846: 89335
  • 1852: 96011
  • 1858: 103262
  • 1864: 118531
  • 1871: 138668
  • 1875: 166351
  • 1885: 154513, davon 94042 evangelisch (= 60.86 %), 43663 katholisch (= 28.26 %), 1038 andere Christen (= 0.67 %), 15554 Juden (= 10.07 %), 216 andere (= 0.14 %)
  • 1895: 299175
  • 1905: 421014
  • 1910: 480299
  • 1925: 540115
  • 1939: 553464
  • 1946: 424065
  • 1950: 532037
  • 1956: 623172
  • 1961: 683081, davon 393147 evangelisch (= 57.55 %), 233173 katholisch (= 34.14 %)
  • 1967: 670275
  • 1970: 669635

Diagramme:

Frankfurt am Main: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • In fränkischer Zeit war Frankfurter Reichsgutbezirk vermutlich mehreren Grafschaften zugeordnet oder immun
  • 1787: Reichsstadt Frankfurt (zum Umfang s. Mittelpunktfunktionen)
  • 1806-1810: Primatialstaat Karl Theodor von Dalbergs im Rheinbund
  • 1810-1813: Großherzogtum Frankfurt als Staat im Rheinbund; Marie Frankfurt
  • 1815: Freie Stadt Frankfurt im Deutschen Bund
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Stadtkreis Frankfurt am Main
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1952: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisfreie Stadt Frankfurt am Main
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Frankfurt am Main

Altkreis:

Frankfurt am Main, kreisfreie Stadt

Gericht:

  • Gerichtsherr war und blieb bis zum Ende des alten Reichs der König. Der oberste Beamte des königlichen „Fiscus Frankfurt" war zugleich im Namen des Königs oberster Richter. In karolingischer Zeit zweifellos der „actor dominicus", war es in der späteren (staufischen) Königspfalz zunächst wohl der Vogt, doch tritt dieser schon in den älteren uns überlieferten Urkunde des Reichsgerichts hinter dem Schultheißen zurück, der bereits 1194 als Vorsitzer des Gerichts bezeugt ist.
  • bis 1879: Stadtjustizamt Frankfurt
  • 1879: Amtsgericht Frankfurt am Main

Herrschaft:

Bestimmendes Moment der Frankfurter Stadtverfassung im Mittelalter war die uneingeschränkte Stadtherrschaft des Königs, die auf die Zugehörigkeit Frankfurts und des näheren Umlands zum Reichsgut zurückgeht. Nachdem Friedrich II. um 1220 die Vogtei abgeschafft hatte, war der seit 1184/85 bezeugte Frankfurter Schultheiß - er war Nachfolger des Verwalters des königlichen Wirtschaftshofes - unangefochten der oberste Amtsträger des Königs in der Stadt.

Aus dem Schöffenkolleg entwickelte sich als Verwaltungsorgan der Stadtgemeinde ein Rat, der erstmals 1266 erwähnt wird und 1311 eine festere Form erhielt. Seit diesem Jahr amtierten zwei jährlich wechselnde, vom Rat bestellte Bürgermeister. Der Rat übernahm die Führung der Verwaltungsgeschäfte und beschränkte die Funktion des Schultheißen weitgehend auf die Gerichtsbarkeit. In der Ratsverfassung und dem Bürgermeisteramt dokumentiert sich der Selbstverwaltungsanspruch der Stadtgemeinde und die damit verbun-dene Emanzipation der Bürgerschaft von dem königlichen Stadtherrn. Der Rat, in dem die patrizische Oberschicht ein starkes Übergewicht besaß, gliederte sich seit 1328 in drei "Bänke": in die erste Bank der Schöffen, die zweite der Jungherren und die dritte der Handwerker. Eine Gefährdung für das unmittelbare Verhältnis der Stadt zum König ergab sich durch die mehrmalige Verpfändung des Schultheißenamtes, u. a. an die Herren v. Hanau. 1372 konnte sich Frankfurt selbst in den Pfandbesitz des Schultheißenamtes bringen, womit sie tatsächliche Reichsunmittelbarkeit erlangte.

1806: Verlust der Selbständigkeit

Gemeindeentwicklung:

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine große wirtschaftliche und bauliche Expansion der Stadt, die zur Verdichtung und zum Zusammenwachsen des Stadtgebietes führt.

1867: Bildung des Stadtkreises Frankfurt am Main aus dem Gebiet der ehemals freien Stadt Frankfurt mit den Gemeinden Bonames, Bornheim, Hausen, Niederrad, Niederursel (aus dem Kreis Vilbel ausgegliedert) und Oberrad.

1.1.1877: Eingemeindung von Bornheim

1886 Ausgliederung der Gemeinden Bonames, Hausen, Niederrad, Niederursel (Frankfurter Anteil), Niederursel (Hess. Anteil) und Oberrad aus dem Stadtkreis Frankfurt am Main in den neu gebildeten Landkreis Frankfurt a. M.

Am 1.4.1895 Eingliederung der Stadt Bockenheim in den Stadtkreis Frankfurt am Main, am 1.7.1900 Eingliederung von Niederrad, Oberrad und Seckbach. Am 1.4.1910 nach Auflösung des Landkreises Frankfurt Eingliederung von Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Eschersheim, Ginnheim, Hausen, Heddernheim, Niederursel, Praunheim, Preungesheim und der Stadt Rödelheim in den Stadtkreis Frankfurt.

1.7.1917: Eingemeindung von Sindlingen und Zeilsheim

Am 1.4.1928 Eingleiderung von Fechenheim aus dem Landkreis Hanau sowie nach Auflösung des Landkreises Höchst Eingliederung von Griesheim, Höchst am Main (Stadt), Nied, Schwanheim und Sossenheim. Am 1.8.1972 Eingliederung der Gemeinden Harheim, Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach aus dem Landkreis Friedberg sowie die Gemeinde Kalbach aus dem Obertaunuskreis. Am 1.1.1977 Eingliederung der ehemaligen Stadt Bergen-Enkheim aus dem Main-Kinzig-Kreis in die kreisfreie Stadt Frankfurt.

Für die Entwicklung nach 1970 s. Frankfurt am Main, Stadtgemeinde

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Aus dem zwischen 830 und 850 entstandenen Lorscher Reichsurbar läßt sich ein zur Pfalz gehöriger großer königlicher Wirtschaftshof erschließen. Zu den Gebäuden der Zentralgewalt gehörte die karolingische Pfalz auf dem Domhügel und der stauferzeitliche Saalhof an der Mainfront mit der Saalhofkapelle.
  • Im Spätmittelalter hatten neben den in der Stadt selbst vertretenen Klöstern (s. dort) mehr als 15 geistliche Institute Höfe in Frankfurt: u. a. der 1238 erworbene Hof des Klosters Haina am Nordostrand der alten Stadtmauer (mit der St. Bernhardskapelle), der Engelthaler Hof (Fahrgasse/Töngesgasse in der Nähe der Bornheimer Pforte), der 1223 übertragene Arnsburger Hof mit einer Jakobuskapelle (Predigergasse 3-5; im Osten der Altstadt) und der Eberbacher Hof (im Südwesten der Altstadt. Ganz im Osten der Altstadt lagen noch das Compostell oder der Mainzer Hof und der Fronhof des Bartholomäus-Stifts.
  • Früheste Zeugnisse für Gütererwerb und Besitz von Reichsministerialen reichen in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Nach einer Notiz im Oculus Memorie kaufte Eberhaurd Albus (oder Rufus) von Hagen damals einen Hof in Frankfurt. Die Vorbsitzerin war Jutta, die Mutter Heinrichs von Rüsselsheim, gewesen, die mit dem Verkaufserlös erbrechtliche Ansprüche ihrer beiden Töchter abgelten wollte. Der 1192 von Heinrich VI. an den Schultheißen Wolfram gegebene Riederhof lag noch in der Gemarkung von Frankfurt. Auch der spätere Hainaer Hof stammt ebenso aus Ministerialenbesitz wie der Arnsburger Hof, den das Kloster von dem Ritter Rupert von Hattersheim erwarb.
  • Einen Adelshof in Frankfurt besaßen 1256 die Herren von Falkenstein.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 852: Weihe der im Auftrag Ludwigs des Deutschen errichteten Salvatorkirche (Pfalzkapelle), seit etwa 1215 Bartholomäus
  • um 1235-1410: Neubau eines Domes an gleicher Stelle
  • 1219 übertrug Kaiser Friedrich II. den Bürgern zur Errichtung einer Maria und Georg geweihten Kapelle, der späteren Stiftskirche St. Leonhard (am Untermainkai), eine am Kornmarkt gelegene Hofstadt
  • 1264: Nikolaikirche (Am Römerberg), 1719-21 restauriert, seitdem ev. Kirche
  • 1267: Heiliggeist-Hospital an der Mainfront der alten Stadtmauer
  • 1318-1321: Liebfrauen-Stiftskirche (Liebfrauenberg), die von der Familie von Wanebach gestiftet wurde und 1325 zur Kollegiatskirche mit sechs Präbenden erhoben wurde. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Hallenkirche wiedererrichtet
  • St. Katharinenkirche (Neustadt, An der Hauptwache), ursprünglich ein Nonnenkloster bei einem 1344 bis 1346 gestifteten Hospital, 1525 aufgehoben, 1678-81 Neubau. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in veränderter Form 1953/54 wiedererrichtet
  • St. Michaelskapelle auf dem Kirchhof der Bartholomäuskirche
  • 1452: Erhebung der (vermutlich 1419 fertiggestellten) Peterskirche bzw. -kapelle im Norden der Neustadt an der Friedberger Gasse zur Filiale der Pfarrei Frankfurt.
  • 1789-1833: Errichtung der ev. Paulskirche an der Stelle der 1787 abgebrochenen Barfüßerkirche. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, wurde sie 1948/49 wiedererrichtet

Pfarrzugehörigkeit:

Zum Kirchspiel gehörten 1321 die Stadt Frankfurt, ferner Bockenheim, Bornheim, Oberrad und Sachsenhausen. 1452 wurden für die Neustadt Frankfurt und für Sachsenhausen Kuratskirchen errichtet.

Patronat:

Das Patronatsrecht über St. Bartholomäus besaß 1284 der Propst des Stiftes. 1343 schenkte er das Recht seinem Kapitel, dem die Pfarrrei inkorporiert wurde. 1387 wurde die Bestimmung erneuert, das Stift war seitdem Patron.

Das Patronatsrecht über die Peterskirche bzw. -kapelle hatte zunächst der Rat der Stadt Frankfurt inne, der es 1452 dem Kapitel des Bartholomäusstiftes übertrug.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Ab 1522 erste evangelische Predigten durch Hartmann Ibach und Dietrich Sartorius.

1525 stellte der Rat auf Verlangen der Bürgerschaft und gegen den Willen des Bartholomäusstiftes Dionysius Melander und Johannes Bernhard gen. Algesheimer als Prediger an.

1529 überließen die Barfüßer ihr Kloster der Stadt.

1533 verbot der Rat die altkirchliche Messfeier in allen Kirchen der Stadt.

1548 wurde auf kaiserliches Geheiß der katholische Gottesdienst wieder zugelassen.

Seit 1554 Zuwanderung von calvinistischen Glaubensflüchtlingen, sie erhielten auch nach 1648 kein Recht zum öffentlichen Gottesdienst und besuchten die Gottesdienste in Bockenheim.

Nebeneinander von Lutheranern, Katholiken und Reformierten in der Stadt, die Lutheraner bildeten die Mehrheit.

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzdiözese Mainz, Archidiakonat des Propstes von St. Bartholomäus in Frankfurt

Juden:

Seit dem 12. Jahrhundert sind Juden in Frankfurt nachweisbar.

Kultur

Schulen:

1519/20 Errichtung einer Lateinschule.

Im aufgehobenen Barfüßerkloster wurde 1540 die städtische Lateinschule untergebracht.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Frankfurt war der Mittelpunkt eines größeren Königsgutsbezirks, von hier aus wurde auch der Königsforst Dreieich verwaltet. Seine Bedeutung als Aufenthaltsort der ostfränkischen und deutschen Könige, als Stätte von Reichs- und Hoftagen und von Synoden behielt Frankfurt bis zum Ende der Ottonenzeit. Unter den Saliern ging die Bedeutung Frankfurts als Aufenthaltsort dann zurück.Der von Frankfurt aus verwaltete Reichsgutbezirk wird 817 und 823 als fiscus bezeichnet. Vermutlich gehörte hierhin die 19 Orte der 1303 erstmals erwähnten "Grafschaft" Bornheimer Berg sowie sicherlich Sachsenhausen und Kelsterbach. Dauerhaft, z.T. aber nur befristet brachte die Stadt durch eine insgesamt nicht sehr erfolgreiche Territorialpolitik umliegende Orte und Höfe in seinen Besitz: Dortelweil (13. Jahrhundert), Sulzbach und Soden (1282/1450), Bonames (1367), Stadtwald (1372), Nieder-Erlenbach (1376), Burg und Herrschaft Königstein (1378-1389), Hof Goldstein (1397), Oberrad (1425), Hausen (1428), Burg Vilbel (1430), Hattstein (1432-1468), Harheim und Kalbach (1435-1511), Niederursel (1436), Schwanheim (1439-1499), Rödelheim (1442-1569), Burg Petterweil (1446-1484), Bornheim (1475).

Für die deutsche Reichsverfassung hatte Frankfurt als Wahl- und Krönungsstadt (seit dem 12. bzw. 16. Jahrhundert) der deutschen Könige und Kaiser eine hervorragende Bedeutung bis zum Ende des alten Reiches. Darüberhinaus war Frankfurt das Haupt einer großen, z.T. über den Raum des heutigen Hessen hinausreichenden Stadtrechtsfamilie geworden und nahm unter den wetterauischen Reichsstädten und in der mittelrheinischen Reichslandfriedensorganisation eine führende Position ein.

1787 gehörten zur Reichsstadt Frankfurt die Orte Bonames, Bonrheim, Dortelweil, Frankfurt am Main (Festung, Stadt, Feldmark und Stadtwald), Hausen, Nieder-Erlenbach, in Niederursel (nur die sog. Frankfurter Gemarkungsstücke, die solmsischen Germarkungsstücke gehörten dem Graf zu Solms-Rödelheim), Niederrad 3/4 (1/4 Deutscher Orden, Ballei Franken), Oberrad, Sachsenhausen sowie eine Reihe von Höfen, darunter Goldstein, Gutleuthof, Hellerhof, Hinkelstein, Kühhornshof, Oberschweinstiege, Rebstock, Riedhof, Röderhöfe, Römerhof, Sandhof 3/4 (1/4 Deutscher Orden, Ballei Franken), Seehof, Unterschweinstiege, Wasserhof.

1810-1813: Hauptstadt des Großherzogtums Frankfurt

1816-66 war in Frankfurt der Sitz des Deutschen Bundestags, 1848/49 Tagungsort des Vorparlaments und der Nationalversammlung.

Wirtschaft:

In engem Zusammenhang mit der politischen Geltung Frankfurts ist sein die materiellen Grundlagen der Stadt festigender wirtschaftlicher Aufstieg zu sehen. Wahrscheinlich gab es schon in vorstädtischer Zeit in Anlehnung an Königspfalz, Stift und Königshof einen Markt, zu dem wohl schon früh - ohne daß sie zweifelsfrei zu lokalisieren wäre -eine Marktsiedlung gehörte. Als Zollstätte wird Frankfurt erstmals 1074 genannt, Zollfreiheit für Frankfurter Kaufleute an fremder Zollstelle ist erstmals zu 1184 (Worms) belegt. Eine königliche Münzprägung setzte nach Ausweis der Münzfunde in Frankfurt vor 1170 ein, urkundlich ist die Münzschmiede 1194 bezeugt. Der Wandel von der Marktsiedlung zur Stadt dürfte sich im 12. Jahrhundert, hauptsächlich in dessen zweiter Hälfte, vollzogen haben und wurde von dem allgemeinen Aufschwung des Städtewesens in dieser Zeit nachhaltig begünstigt. Funda-ment des wirtschaftlichen Aufstiegs waren offenbar der von Frankfurter Kaufleuten betriebene Fernhandel und die zunehmende Bedeutung Frankfurts als Handels- und Messeplatz. Um 1160 wird in einer jüdischen Quelle erstmals von der Frankfurter Messe gesprochen. 1180 wurden die Rechte und Freiheiten Frankfurter Kaufleute als Vorbild für die Privilegierung Wetzlars genommen, 1240 sicherte Kaiser Friedrich II. den Besuchern der Frankfurter Messe seinen besonderen Schutz zu. 1330 erlaubte Kaiser Ludwig der Bayer der Stadt Frankfurt die Abhaltung eines zweiten, vierzehntägigen Marktes. Frankfurt besaß nun seine beiden jährlichen Messen, es hatte von dem Niedergang der Messen in der Champagne zu Anfang des 14. Jahrhunderts profitiert und gehörte dank seiner günstigen Mittelpunktlage bald zu den führenden Wirtschaftsplätzen des deutschen Reiches. Die wichtigsten Handelswaren - Wein, Heringe, Pelze, Wachs, Pferde, Vieh, Waid, Metallwaren, Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum und dem Orient - weisen auf die weiträumige Vermittlerfunktion Frankfurts zwischen Süd und Nord, Ost und West hin. Eine besondere Rolle spielte in Frankfurt der Tuchhandel, wobei neben dem Umschlag von qualitätvollen und teuren Wollstoffen aus England, Flandern und anderen nordwesteuropäischen Provinzen vor allem der Verkauf der Erzeugnisse des großen mittelrheinisch-hessischen Tuchbezirks ins Gewicht fiel. Der günstige, den Webern aus nahege-legenen Städten und aus Frankfurt selbst direkt offenstehende Absatzmarkt wirkte auf die Produktion belebend, während die steigende Erzeugung wiederum der Messe und dem sich hier versorgenden Fernhandel neue Impulse gab.

Die Bedeutung der Frankfurter Messen gründete sich nicht allein auf Warengeschäfte; sie galten auch als wichtige Zah-lungstermine. Nach der Erfindung des Buchdrucks entstand mit dem Buchhandel ein neuer Schwerpunkt. Seit dem 16. Jahrhundert jedoch mußte Frankfurt durch die Konkurrenz der Leipziger Messe beträchtliche Einbußen hinnehmen.

Das einzige ins Gewicht fallende exportorientierte Handwerk in Frankfurt war die Tuchweberei, die vor allem im 14. Jahrhundert in hoher Blüte stand, im 15. Jahrhundert aber viel von ihrer Bedeutung verlor. Vor 1530 hat es keine bodenständige Druckerei in Frankfurt gegeben; der Frankfurter Rat ließ sogar das Gesetzbuch der „Frankfurter Reformation" in Mainz drucken. Der erste ständige Drucker in Frankfurt war Christian Egenolff seit 1530. Unter seinen Zeitgenossen und Nachfolgern verdienen besondere Erwähnung Sigmund Feyerabend (+ 1590), der das Verlagswesen selbständig und großzügig ausbaute, und Matthäus Merian (seit 1624 in Frankfurt, + 1650), dessen große Kupferstichsammelwerke, namentlich die Städteansichten, weiteste Verbreitung fanden. Durch die Tätigkeit seiner Verleger in Verbindung mit den Handelsmessen entwickelte sich Frankfurt zum Buchhandelszentrum. Die Frankfurter Buchmesse blieb in Deutsehland führend, bis aus politisch-konfessionellen und wirtschaftlichen Ursachen Leipzig im 17. Jahrhundert Frankfurt überflügelte. Erst nach 1945 brachte die Spaltung Deutschlands es mit sich, dass die Frankfurter Buchmessen wieder ihr altes Ansehen erlangten und in weltweiter Beziehung noch übertrafen. Von den einheimischen Druck- und Verlagsanstalten des 18. Jahrhunderts hat sich die Brönner'sche Druckerei (jetzt Breidenstein) bis in die heutige Zeit erhalten und zu einem großen Unternehmen entwickelt.

Markt:

1219 Kornmarkt

1240 Friedrich II. nimmt die Frankfurter Messe in Schutz

1330 Gestattung einer zweiten Jahresmesse

Münze:

In zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts existierte in Frankfurt eine königliche Münzstätt, welche bis ins 15. Jahrhundert hinein Reichsmünzstätte blieb. 1194 belehnte König Heinrich VI. Kuno von Münzenberg mit der Hälfte der Einkünfte aus der Frankfurter Münze, wohl aber nicht mit dem Münzrecht. Seit ca. 1167/70 wurden hier auch Pfennige und Hälblinge nach Kölner Schlag geprägt, außerdem die leichten Frankfurter Pfennige, die sog. Wetterauer Brakteaten.

Zoll:

1074 erscheint Frankfurt in einer Befreiungsurkunde für Worms als Zollort.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11714> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde