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5818 Frankfurt a. M. Ost
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Ortskennziffer
41200001013

Dominikanerkloster Frankfurt

Gemarkung Frankfurt, Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main
Basisdaten | Geschichte | Besitz | Ausstattung | Nachweise | Zitierweise | Indizes
Basisdaten

Abstract:

Der Predigerorden der Dominikaner lässt sich 1233 in Frankfurt nieder auf einem von der Stadt geschenkten Grundstück. Das Kloster entwickelt sich zu einem der größten der Stadt, zieht zahlreiche Gelehrte und Prediger an. Frankfurter Patrizier unterstützen das Kloster mit großzügigen Spenden; die gotische Kirche wird mit bedeutenden Kunstwerken von renommierten Künstlern wie Albrecht Dürer und Matthias Grünewald, ausgeschmückt. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss fallen 1803 der gesamte Besitz, die umfangreiche Bibliothek und alle Gebäude des Klosters an die Stadt.

Orden:

Dominikaner

Ordensprovinz:

Teutonia

Alte Diözesanzugehörigkeit:

Kirchenprovinz Mainz, Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Bartholomäus Frankfurt

Typ:

Männerkloster

Territorium:

  • Reichsstadt Frankfurt
  • 1787: Reichsstadt Frankfurt
  • 1806-1810: Primatialstaat Karl Theodor von Dalbergs im Rheinbund

Historische Namensformen:

Lage:

Das Kloster liegt an der 1140-1149 erbauten Stadtmauer im sumpfigen Randgebiet der östlichen Oberstadt (Fischerfeld)

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3477849, 5552994
UTM: 32 U 477783 5551213
WGS84: 50.11274557° N, 8.689269204° O OpenLayers

Geschichte

Geschichte:

Die Gründung eines Dominikanerklosters in Frankfurt wird 1233 dadurch ermöglicht, dass der Stadtrat von Frankfurt einen Bauplatz zur Errichtung des Konventes zur Verfügung stellt. Von 1338 bis 1351 sehen die Dominikaner sich gezwungen, wegen ihrer Unterstützung der päpstlichen Kurie im Konflikt mit Ludwig dem Bayern ins Exil zu gehen. Der Frankfurter Dominikanerkonvent ist im Mittelalter immer wieder Ort von Provinzialkapiteln der Ordensprovinz Teutonia (1262, 1286, 1317, 1359, 1397, 1408, 1455, 1499, 1520). Die Frankfurter Dominikaner lehren an der Mainzer Universität, so zum Beispiel Konrad Necrosius. Der Dominikanerkonvent in Frankfurt ist immer wieder Ort von Königswahlen: 1292 wählen die Kurfürsten im Kloster Adolf von Nassau, 1308 wurde Heinrich VII. von Luxemburg, 1349 Günther von Schwarzenberg und Maximilian I. 1486. Bei der Wahl Maximilians stirbt Kurfürst Albrecht Alcibiades von Brandenburg in Frankfurt. Sein Herz wird im Chor des Dominikanerklosters beigesetzt. 1464 wird der Dominikanerkonvent reformiert. Wenzel von Frankenstein und Johannes Wilnau führen die Reform durch und übernehmen die strengen Regeln der Observanten. Die Dominikaner entziehen sich den von der Stadt bestellten Pflegern spätestens 1477 und verhindern so eine verstärkte Einflussnahme der Stadt auf den Konvent.

Spätestens ab 1484 betreibt der Konvent eine eigene Schule, die von zwei Lektoren und einem Cursor geführt wird.

In der Reformationszeit wird das Kloster angegriffen und den Dominikanern wird von 1525 bis 1549 verboten zu predigen. Die Mönche erhalten das Kloster als katholisches Einsprengsel im evangelischen Frankfurt, müssen aber Pflegern der Stadt sowie einer Inventarisierung zustimmen.

Im Jahr 1790 wandelt der Mainzer Erzbischof Friedrich Carl von Erthal den Konvent in eine Kongregation von Weltgeistlichen um. Die Brüder sollen von nun an eine Lateinschule und Seelsorge betreiben. 1802 wird die Kongregation aufgelöst und der Besitz der ehemaligen Dominikaner der Stadt einverleibt.

Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg werden die Gebäude in veränderter Form 1955-57 wieder errichtet.

Gründungsjahr:

1233

Gründer:

Stadtrat

Aufhebungsjahr:

1803

Organisation:

Der Dominikanerkonvent besteht ungefähr aus 20-40 Mitgliedern. Damit gilt das Frankfurter Dominikanerkloster zwischenzeitlich als größtes Kloster in Frankfurt.

Die Zahl der Bruderschaften, die dem Konvent angegliedert sind, wird in der Literatur widersprüchlich behandelt. Wolf und Jung nennen die St. Sebastians-Bruderschaft, die Marcus-Bruderschaft der Schuhmacher, die Rosenkranzbruderschaft und Bruderschaften der Bäcker, Zimmerleute, Maurer, Bader, Weißgerber, Gürtler, Hutmacher, Wollenweber und Pergamenter.

Patrozinien:

Assumptio Mariae

Bibliotheksgeschichte:

Die Bibliothek des Konvents ist im 15. und 16. Jahrhundert die bedeutendste Bibliothek in Frankfurt. Sie liegt an der einen Seite des Kreuzganges. Noch heute sind 200 Handschriften und 1096 Inkunabeln in der Stadt- und Universitätsbibliothek erhalten. Prachthandschriften liegen unter anderem in der British Library, London und der königlichen Bibliothek in Kopenhagen. Von der Mitte des 15. bis ins 16. Jahrhundert unterhalten die Brüder auch eine eigene Buchbinderei. Mitte des 18. Jahrhunderts lassen sich ungefähr 6500 Werke in der Bibliothek nachweisen.

Besitz

Besitz:

Zahlreiche Schenkungen, testamentarische Zuwendungen und Anniversarstiftungen von Frankfurter Bürgern wie zum Beispiel 1283 eine Ewig-Licht-Stiftung des Bürgers Berthold von Blassenberg vergrößern den Besitz des Klosters.

Niederlassungen:

Die Dominikaner haben Bettelbezirke in Gelnhausen, Seligenstadt, Aschaffenburg, Münzenberg und Rockenberg, Butzbach, Friedberg und Dieburg. Dort errichten sie Termineien.

Abhängigkeitsverhältnis:

Den Frankfurter Dominikanern sind die Rosenberger Einigung, die büßenden Schwestern (vermutl. Dominikanerinnen) von Bonames, die Tertiarinnen von Friedberg sowie die Meka Gerliben-Stiftung unterstellt.

Ausstattung

Gebäude:

Bei der Klosterkirche handelt es sich um einen 54 m langen und 9 m breiten Bau. Ursprünglich befindet sich in der Kirche nur ein Altar. Im Jahr 1290 werden zwei Seitenaltäre dem Heiligen Kreuz und der Elisabeth geweiht. 1449 wird der Kreuzgang vervollständigt und das Kloster umgebaut. In dieser Zeit werden auch vier neue Kapellen an die Kirche angeschlossen, die aber im Zug von Straßenbauten in der Dominikanergasse zerstört werden. 1680 wird das Kloster in barocker Form umgestaltet.

Denkmaltopographie:

DenkXweb Kulturdenkmäler in Hessen

Objekte:

Viele berühmte Künstler der Zeit werden für die Frankfurter Dominikaner tätig, unter anderem Holbein, Dürer und Grünewald. Der Frankfurter PatrizierJakob Heller gibt für den Dominikanerkonvent ein Altarbild bei Dürer in Auftrag. 1510/11 ergänzt Grünewald diesen Altar mit Seitenflügeln. Der Konvent besitzt mehrere weitere Werke Dürers und Hans Holbeins.

Sonstiges:

Umfassende seelsorgerische Tätigkeit seit Gründung des Klosters durch Predigterlaubnisse in den Erzbistümern Mainz, Köln und Trier, Vermittlung von Ablassbriefen, Feiern von Messen und Spendung des Bußsakramentes. Wahrnehmung vielfältiger juristischer Aufgaben innerhalb Frankfurts und der Umgebung als Zeugen, Aushandeln von Vergleichen, Transsumierungen von Urkunden.

Nachweise

Quellen:

Gedruckte Quellen:

Literatur:

Germania Sacra-ID:

30089

Zitierweise
„Dominikanerkloster Frankfurt, Gemeinde Frankfurt am Main“, in: Klöster <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/kl/id/12959> (Stand: 3.5.2019)
Indizes

Personen:

Rübenach, von Heinrich#10310156X

Streler, Johannes#102550344

Polonia, Nicolaus#10095524X

Wirtenberger, Johannes#130503355

Storch, Ambrosius#131560638

Wilnau, Johann#136317413

Dietenberger, Johannes#118671901

 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde