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Contemporary History in Hessen - Data · Facts · Backgrounds

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Details

Wahlen zum Hessischen Landtag, 11. November 1962

In Hessen finden die Wahlen zum 5. Hessischen Landtag statt, an der sich 77,7 Prozent der Wahlberechtigten beteiligen. Dabei kann die SPD unter Ministerpräsident Georg August Zinn (1901–1976) ihren Stimmenanteil um vier Prozentpunkte auf 50,9 Prozent steigern und erreicht damit erstmals die absolute Mehrheit der Stimmen. Die CDU verliert 3,2 Prozentpunkte und erreicht 28,8 Prozent der Stimmen. Bei der FDP (+ 1,9 Prozent) gibt es nur geringere Veränderungen. Die neue Gesamtdeutschen Partei (GDP, Fusionspartei aus GB/BHE und DP) verliert dagegen im Vergleich zu den Ergebnissen ihrer Vorgängerparteien deutlich mit einem Minus von 4,6 Prozent. Die CDU verliert zwei ihrer sechs Wahlkreise (Rheingau und Untertaunuskreis sowie Wiesbaden-Ost) an die SPD.

Ministerpräsident Zinn bewertet das Wahlergebnis als einen ungewöhnlichen Beweis des Vertrauens der Bevölkerung. Er hält es in einer Stellungnahme für möglich, dass die »Spiegel-Affäre« das Ergebnis beeinflusst habe, besonders durch Stimmverschiebungen zwischen CDU und FDP. Er spricht sich trotz der absoluten Mehrheit für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der GDP/BHE aus.

Wahlanalyse1

Wahlbeteiligung

Eine besonders große Wahlbeteiligung gab es in den Wahlkreisen 14/Fulda, Stadt und Fulda-Land-Nord (86,7 Prozent), 2/Wolfhagen und Kassel-Land-Süd (86,6 Prozent) und 45/Dieburg (86,5 Prozent). Am wenigsten machten die Frankfurterinnen und Frankfurter von ihrem Wahlrecht Gebrauch: in den drei städtischen Wahlbezirken 30/Frankfurt am Main, Stadt-Innenstadt (61,6 Prozent), 32/Frankfurt am Main, Stadt südlich des Mains (65,4 Prozent) und 31/Frankfurt am Main, Stadt-Nordend (67,3 Prozent) wurde die geringste Wahlbeteiligung auf Ebene der Wahlkreise verzeichnet.

Wahlergebnis der SPD

Auf Wahlkreisebene waren die Sozialdemokraten in den Wahlkreisen 2/Wolfhagen und Kassel-Land-Süd (62,6 Prozent), 5/Kassel, Stadt-Ost (61 Prozent) und 42/Groß-Gerau-West (60,3 Prozent) am erfolgreichsten. Den wenigsten Zuspruch erhielten sie in den Wahlkreisen 14/Fulda, Stadt und Fulda-Land-Nord (26,7 Prozent), 21/Limburg (35,4 Prozent) und 15/Hünfeld und Lauterbach (36,5 Prozent). Auf Gemeindeebene erzielten sie in Markershausen (Landkreis Eschwege, 91,4 Prozent), Dinkelrode (Landkreis Hersfeld, 87 Prozent) und Weifenbach (Landkreis Biedenkopf, 86,5 Prozent) die größte Zustimmung. In insgesamt elf Gemeinden errang die SPD gar keine Stimme: Brombach (Landkreis Bergstraße), Rückersfeld (Landkreis Fritzlar-Homberg), Besges, Melters, Rodges, Wisselsrod, Zillbach (alle Landkreis Fulda), Mahlerts, Obergruben (beide Landkreis Hünfeld), Appenhain (Landkreis Ziegenhain) und Bößgesäß (Landkreis Gelnhausen).

Wahlergebnis der CDU

Ihre Hochburgen hatten die Christdemokraten in den Wahlkreisen 14/Fulda, Stadt und Fulda-Land-Nord (60,8 Prozent), 21/Limburg (51,5 Prozent) und 13/Schlüchtern und Fulda-Land-Süd (46,7 Prozent). In den Wahlkreisen 10/Frankenberg und Ziegenhain (14,8 Prozent), 1/Hofgeismar und Kassel-Land-Nord (15,9 Prozent) und 17/Wetzlar-Nord (16 Prozent) erzielten sie die geringsten Stimmenanteile. In der Gemeinde Bößgesäß (Landkreis Gelnhausen) wählten alle 17 Wähler die CDU, in Wittges (98,1 Prozent) und Besges (beide Landkreis Fulda, 97,7 Prozent) erzielten sie auf Gemeindeebene die größte Zustimmung. In Knoden (Landkreis Bergstraße) und Appenhain (Landkreis Ziegenhain) erhielten sie überhaupt keine Stimmen.

Wahlergebnis der FDP

Die Freien Demokraten erzielten ihre mit Abstand besten Ergebnisse in den Wahlkreisen 3/Waldeck (29,8 Prozent) und 10/Frankenberg und Ziegenhain (28,6 Prozent). Besonders schlecht schnitten sie dagegen in den Wahlkreisen 14/Fulda, Stadt und Fulda-Land-Nord (4,9 Prozent) und 40/Hanau, Stadt und Offenbach-Land-Ost (5,7 Prozent ab.

Auf Gemeindeebene konnte die Partei in 25 Gemeinden keine einzige Stimme erzielen, 13 davon lagen im Landkreis Fulda, 4 im Landkreis Hünfeld. Von ihren 20 erfolgreichsten Wahlbezirken lagen allein elf im Landkreis Frankenberg. Ihre Bestwerte erzielten sie in Hemmighausen (Landkreis Waldeck, 85,3 Prozent), Rodenbach (Landkreis Frankenberg, 82,3 Prozent) und Rückersfeld (Landkreis Fritzlar-Homburg, 81,8 Prozent). Ihr beste Großstadtergebnis erreichten sie in Wiesbaden mit 13,6 Prozent.

Wahlergebnis der GDP

Die Gesamtdeutsche Partei erzielt bei dieser Wahl ihren einzigen Erfolg bei Landtagswahlen. Ihre besten Wahlkreisergebnisse erzielt sie in den gleichen Wahlkreisen wie die GB/BHE vier Jahre zuvor: 18/Oberlahnkreis und Wetzlar-Süd (12,5 Prozent), 20/Alsfeld und Gießen-Land-Ost (11 Prozent) und 17/Wetzlar-Nord (10,7 Prozent). Allerdings sind gerade in diesen Wahlkreisen die Verluste der Partei im Vergleich zu ihren Vorgängern enorm, so büßte sie allein im Wahlkreis 20 18,8 Prozent ein.2

Besonders schlecht schneidet die Partei dagegen, wie auch ihre Vorgängerparteien, in den Großstädten ab, so liegen unter ihren zwölf schlechtesten Wahlkreise alle Wahlkreisen Frankfurts (Werte zwischen 2,8 und 4,1 Prozent), Kassel (2,4 Prozent im Westen, 3,2 Prozent im Osten) und Wiesbadens (4,9 Prozent im Westen, 4,1 im Osten) sowie die Stadtkreise Offenbach (Wahlkreis 39, 3,4 Prozent) und Darmstadt (Wahlkreis 43, 3,4 Prozent).

Ihr besten Ergebnisse auf Wahlbezirks- bzw. Gemeindeebene holen sie, wie schon der BHE 1958, in Lettgenbrunn (Landkreis Gelnhausen, 57,1 Prozent) und Trutzhain (Landkreis Ziegenhain, 42,2 Prozent). Dagegen standen 119 Wahlbezirke ohne eine einzige erhaltene Stimme.

Gewählte Abgeordnete

SPD

    Georg Ackermann (1897–1964; Landrat; Erbach; Wahlkreis 46: Erbach, 58,1 Prozent)
    Rudi Arndt (1927–2004; Jurist; Frankfurt am Main; Wahlkreis 35: Stadt Frankfurt am Main-westliche Vororte; 55,4 Prozent)
    Wilhelm Arnoul (1893–1964; Regierungspräsident i.R.; Neu-Isenburg; Wahlkreis 41: Offenbach-Land-West und Groß-Gerau-Ost; 55,4 Prozent)

  • Auth, Ferdinand (1914–1995; Ingenieur und Bürgermeister; Niederkalbach; Landesliste)
  • Best, Dr. Werner (1927–1993; Rechtsanwalt und Notar; Waldgirmes; Wahlkreis 17: Wetzlar-Nord; 58,3 Prozent)
  • Börger, Reinhard (1913–1972; Regierungsoberinspektor; Alsfeld; Wahlkreis 20: Alsfeld und Gießen-Land-Ost; 49,4 Prozent)
  • Brübach, Wilhelm (1909–2003; Landrat; Witzenhausen; Wahlkreis 6: Melsungen/Witzenhausen; 57,8 Prozent)
  • Buch, Georg (1903–1995; Oberbürgermeister; Wiesbaden; Wahlkreis 27: Stadt Wiesbaden-Vororte; 55,4 Prozent)
  • Bugert, Erwin (1920–1999; Maurermeister; Viernheim; Wahlkreis 47: Bergstraße-West; 44,8 Prozent)
  • Conrad, Wilhelm (1911–1971; Staatsminister; Bad Homburg vor der Höhe; Wahlkreis 37: Gelnhausen; 43,7 Prozent)
  • Enders, Christian (1899–1984; Oberförster; Idstein; Wahlkreis 24: Rheingaukreis und Untertaunuskreis; 40,8 Prozent)
  • Fischer, Heinrich (1895–1973; Staatsminister a.D.; Hanau am Main; Wahlkreis 36: Hanau-Land; 57,5 Prozent)
  • Franke, August (1920–1997; Landrat; Haldorf/Kreis Fritzlar-Homberg; Wahlkreis 9: Fritzlar-Homberg, 57,3 Prozent)
  • Fuchs, Franz (1894–1981; Landesrat a.D.; Wiesbaden; Wahlkreis 25: Stadt Wiesbaden-Ost; 42,7 Prozent)
  • Gassmann, Georg (1910–1987; Oberbürgermeister; Marburg; Wahlkreis 12: Stadt Marburg und Marburg-Land-Ost; 46,9 Prozent)
  • Hemsath, Heinrich (1902–1978; Staatsminister; Wiesbaden; Wahlkreis 29: Obertaunuskreis; 46,4 Prozent)
  • Höhne, Eitel Oskar (1922–1998; Landrat; Eschwege; Wahlkreis 7: Eschwege und Rotenburg-Ost; 58,5 Prozent)
  • Horn, Ruth (1908–1987; Schulrätin; Darmstadt; Landesliste)
  • Jordan, Erich (1912–1997; Verw.-Direktor; Kassel; Wahlkreis 5: Stadt Kassel-Ost; 61,0 Prozent)
  • Köcher, Josef (1907–1997; Landrat; Kassel; Wahlkreis 2: Wolfhagen und Kassel-Land-Süd; 62,6 Prozent)
  • Krämer, Gustav (1909–1991; Regierungsamtmann; Traisa/Kreis Darmstadt; Wahlkreis 44: Darmstadt-Land; 57,5 Prozent)
  • Leuninger, Ernst (1914–1993; Gewerkschaftsangestellter; Frankfurt am Main; 53,0 Prozent)
  • Milius, Erich (1907–1996; Landrat; Friedberg; Wahlkreis 22: Usingen und Friedberg-West; 52,7 Prozent)
  • Osswald, Albert (1919–1996; Oberbürgermeister; Gießen; Wahlkreis 19: Stadt Gießen und Gießen-Land-West; 51,6 Prozent)
  • Platiel, Nora (1896–1979; Landgerichtsdirektorin i.R.; Kassel; Landesliste)
  • Platte, Ludwig (1914–1975; Angestellter; Treysa; Wahlkreis 10: Frankenberg und Ziegenhain; 44,7 Prozent)
  • Pless, Philipp (1906–1973; Redakteur; Frankfurt am Main; Wahlkreis 33: Stadt Frankfurt am Main-Nordost; 54,3 Prozent)
  • Radke, Olaf (1922–1972; Arbeitsrechtler; Offenbach am Main; Wahlkreis 39: Stadt Offenbach am Main; 53,6 Prozent)
  • Raute, Karl (1910–1989; Kreisamtmann; Friedberg; Wahlkreis 23: Friedberg-Ost; 53,2 Prozent)
  • Rehbein, Willi (1911–1995; Bürgermeister; Klein-Auheim; Wahlkreis 40: Stadt Hanau am Main und Offenbach-Land-Ost; 47,2 Prozent)
  • Reitz, Heribert (1930–2018; Postinspektor; Offheim; Landesliste)
  • Reucker, Hans (1905–1976; Bürgermeister; Sinn; Wahlkreis 16: Dillkreis; 50,7 Prozent)
  • Schäfer, Georg (1919–2014; Bezirksleiter der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands; Darmstadt; Wahlkreis 43: Stadt Darmstadt; 49,0 Prozent)
  • Schmitt, Adam (1904–1982; Bürgermeister; Rimbach/Odenwald; Wahlkreis 48: Bergstraße-Ost; 46,4 Prozent)
  • Schmitt, Rudi (* 1928; Stadtrat; Wiesbaden-Erbenheim; Landesliste)
  • Schneider, Heinrich (1905–1980; Staatsminister; Marbach/Kreis Marburg; Wahlkreis 11: Biedenkopf und Marburg-Land-West; 57,6 Prozent)
  • Schütte, Ernst (1904–1972; Staatsminister; Wiesbaden; Wahlkreis 4: Stadt Kassel-West; 48,9 Prozent)
  • Seipp, Wilhelm (1906–1963; Landrat; Groß-Gerau; Wahlkreis 42: Groß-Gerau-West; 60,3 Prozent)
  • Strelitz, Johannes E. (1912–1991; Oberregierungsrat; Wiesbaden; Wahlkreis 26: Stadt Wiesbaden-West; 48,5 Prozent)
  • Tröscher, Tassilo (1902–2003; Staatssekretär; Wiesbaden; Landesliste)
  • Wagner, Albert (1885–1974; Staatsminister a.D.; Fürfurt; Wahlkreis 18: Oberlahnkreis und Wetzlar-Süd; 51,1 Prozent)
  • Weber, Albert (1919–2008; Stadtoberinspektor; Grebenstein; Wahlkreis 1: Hofgeismar und Kassel-Land-Nord, 55,4 Prozent)
  • Weber, Hans Otto (1926–2014; Lehrer; Korbach; Wahlkreis 3: Waldeck; 44,0 Prozent)
  • Wedel, Ludwig (1909–1993; Bürgermeister; Groß-Umstadt; Wahlkreis 45: Dieburg; 50,6 Prozent)
  • Weiß, Heinrich (1893–1966; Mechaniker; Hofheim-Marxheim; Wahlkreis 28: Main-Taunus-Kreis; 47,6 Prozent)
  • Wild, Willy (1919–1994; Schriftgießer; Frankfurt am Main; Wahlkreis 32: Stadt Frankfurt am Main-südlich des Mains; 51,4 Prozent)
  • Winkelsträter, Liesel (1921–2010; Angestellte; Frankfurt am Main; Wahlkreis 31: Stadt Frankfurt am Main-Nordend; 51,5 Prozent)
  • Wöll, Karl (1903–1972; Gewerkschaftsangestellter; Frankfurt am Main; Wahlkreis 30: Stadt Frankfurt am Main-Innenstadt; 50,7 Prozent)
  • Zerbe, Edwin (1916–1992; Landrat; Bad Hersfeld; Wahlkreis 8: Hersfeld und Rotenburg-West; 57,5 Prozent)
  • Zinn, Dr. h.c. Georg August (1901–1976; Ministerpräsident; Wiesbaden; Landesliste)
  • Zinnkann, Wilhelm (1915–1997; Bürgermeister; Büdingen; Wahlkreis 38: Büdingen; 55,7 Prozent)

CDU

FDP

GB/BHE


(OV/LV/TKi)
  1. Erarbeitet auf Grundlage von Informationen des Hessischen Statistischen Landesamtes.
  2. Ergebnisse der Vorgängerparteien 1958: DP: 16 Prozent, GB/BHE: 13,8 Prozent
Records
Additional Information
Recommended Citation
„Wahlen zum Hessischen Landtag, 11. November 1962“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edb/id/1157> (Stand: 3.9.2020)
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