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Historisches Ortslexikon

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Hessisch Lichtenau

Stadtteil · 380 m über NN
Gemeinde Hessisch Lichtenau, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

18,5 km südsüdwestlich von Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

Kleinstadt mit regelhaftem Grundriss auf einer Hochfläche an einem sanft nach den Seiten und zur Losseniederung abfallenden Rücken. Die planmäßige ovalförmige Stadtanlage umfasst drei Parallelstraßen (von Westen: Hinter-, Mittel- und Vorderstraße), die vor beiden Toren im Nordosten und Südwesten zusammengefaßt sind, so dass die äußeren Gassen zusammen eine gestreckte Ringstraße bilden. Quergäßchen, meist durchlaufend, in regelmäßigen Abständen; die leicht geschwungene Mittelachse fast nördlich-südlich, zwischen ihr und der östlichen Straße der rechteckige Kirchplatz in der nördlichen Stadthälfte. Ehemalige Burg im Südwesten neben dem Obertor innerhalb der zum großen Teil noch erhaltenen Stadtmauer.

Doppelter Knotenpunkt alter Höhenstraßen, die im Spätmittelalter als Sälzerstraße (Fritzlar-Melsungen in Richtung Witzenhausen-Göttingen und Sooden-Allendorf-Eichsfeld) und als Franzosenstraße (Bebra-Hönebach auf Kassel) in die Stadt hineingezogen wurden.

Jetzt an Bundesstraße 7 (Kassel-Eisenach) und Querverbindung Melsungen-Witzenhausen (Bundesstraße 487 und 451), sowie an der Bahn Kassel-Witzenhausen bzw. Eschwege gelegen.

Ersterwähnung:

1289

Siedlungsentwicklung:

1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Hessisch-Lichtenau.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • nova civitas (1289)
  • opidum (1318)
  • novum oppidum; communitas (1323)
  • stat und sloß (1330)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1885

Älteste Gemarkungskarte:

1754

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3550527, 5673875
UTM: 32 U 550433 5672045
WGS84: 51.197585° N, 9.721803° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636006040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1779: 3351 Acker
  • 1961 (Hektar): 2614, davon 1369 Wald (= 52.37 %)

Einwohnerstatistik:

  • Um 1450: 123 Häuser
  • 1575/85: 134 Hausgesesse
  • 1681: 122
  • 1724: 8 Amtspersonen, 12 Handelsleute, 38 Schuster, 65 Leinweber, 11 Löber, 22 Bäcker, 10 Metzger, 2 Apotheker, 4 Hutmacher, 9 Schmiede und Schlosser, 7 Schreiner, 9 Zimmerleute, 2 Wagner, 11 Schneider, 6 Müller, 5 Ackerleute (außer den in Zünften), 1 Färber, 1 Sattler, 2 Seiler, 1 Knopfmacher, 6 Bender, 1 Bader, 2 Ziegler, 12 Tagelöhner, 1 Wasenmeister, 1 Braumeister; zusammen: 254
  • 1731: 854 Einwohner
  • 1747: 122 Mannschaften mit 168 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1779: 778 Einwohner, Gewerbetreibende: 3 Kaufleute, so mit Leinentuch handeln, 2 Krämer, 1 Messerschmied, 1 Sattler, 2 Färber, 1 Strumpfstricker, 3 Gastwirte, 9 Metzger, 3 Hufschmiede, 1 Schlosser, 9 Zimmerleute, 2 Wagner, 1 Drechsler, 1 Lohgerber, 1 Weißgerber, 3 Schreiner, 3 Büttner, 1 Raschmacher, 1 Knopfmacher, 3 Nagelschmiede, 1 Apotheker, 1 Bader, 7 Ackerleute, 11 Tagelöhner
  • 1812: 1095
  • 1925: 2387 (2257 evangelisch, 39 römisch-katholisch, 61 Baptisten, 8 Theosophen, 7 Dissidenten, 5 Juden)
  • 1961: 6224, davon 4660 evangelisch (= 74.87 %), 1299 katholisch (= 20.87 %)
  • 1970: 7395

Diagramme:

Hessisch Lichtenau: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1383: Landgrafschaft Hessen, Amt Reichenbach
  • 1454: Landgrafschaft Hessen, Amt Reichenbach (Lichtenau)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau, Stadt
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Lichtenau
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • Gericht Reichenbach
  • 1383: Vogt
  • 1454: Gericht der Amtsorte in Lichtenau
  • 1491: Galgen (Flurname Am alten Gericht oder Galgenberg 2 km nordöstlich der Stadt) 1553: Oberhof des Gericht bei der Stadt Kassel
  • 1807: Friedensgericht Lichtenau
  • 1814: Amt Lichtenau
  • 1821: Justizamt Lichtenau
  • 1867: Amtsgericht Lichtenau
  • 1879: Amtsgericht Lichtenau
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1961: Amtsgericht Witzenhausen

Herrschaft:

Von Beginn an gehört Hessisch Lichtenau zu Landgrafschaft Hessen, der Landgraf war Stadtherr. Die Stadt selbst wird mehrfach verpfändet, 1330 und 1354 an den Deutschen Orden, von 1386 bis 1403 an die von Hanstein.

1376 wird Lichtenau Mitglied der Einung hessischer Städte, die sich wegen hoher Ungeldforderungen gegen ihren Stadterrn wenden.

1428 schliesst Landgraf Ludwig I. die vier Burglehen zu einem zusammen und übergab sie den Herren von Meisenbug, die bis zum Aussterben ihrer Familie im Mannesstamm 1811 als einzige bedeutende niederadlige Familie in der Stadt verbleiben.

Städtische Verfassung:

1289: sigillum burgensium der nova civitas Lichtenau (Siegelankündigung), jedoch Siegelabdruck mit Sigilivm Civitatis De Walberc [Demandt -Renkhoff Nr. 53]

1294: burgenses

1294: magister civium

1313: scabini

1318: consules

1320: universitas oppidi

1323: proconsules et consules

1383: burger

1414: Schultheiß

1318 werden sechs consules et scabini genannt, im 15. Jahrhundert dann zwölf. Vorübergehend zwei Bürgermeister. Wahl der Ratsherren 1454 im Lichtenauer Salbuch geregelt.

Gemeindeentwicklung:

1.1.1951: Umgemeindung der Siedlung Waldhof (350 Einwohner) nach Eschenstruth, Landkreis Kassel

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung von Retterode und Wickersrode in die somit vergrößerte Stadtgemeinde Hessisch Lichtenau. Zu deren weiterer Entwicklung s. Hessisch Lichtenau, Stadtgemeinde. Sitz der Stadtverwaltung ist Hessisch Lichtenau.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Ende 15. Jahrhundert: Neben den Landgrafen auch Kloster Germerode in Lichtenau begütert
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Sitz der Pfarrei war ursprünglich die dem heiligen Kilian geweihte Kirche in Vortriden
  • plebanus (1294)
  • Nach 1289 Pfarrkirche errichtet als unsymmetrischer zweischiffiger Hallenlanghaus mit spätgotischen Fenstern und Turm mit Spitzhelmdach; Umbau 1644, 1888-1889; 1637, 1888 (teilweise abgebrannt), 1992 renoviert

Patrozinien:

  • Katharina

Pfarrzugehörigkeit:

Der Diakon von Lichtenau ist 1560-1569, 1573 - 80 und 1583-87: zugleich Pfarrer von Retterode, 1571-73: Pfarrer von Quentel

1569 und 1585, 1872: Filial Fürstenhagen, das 1948 durch Errichtung einer Pfarrstelle abgetrennt wird.

1872 und 1994 ist Friedrichsbrück eingepfarrt.

1984 wird Günsterode aus dem Pfarrspiel Quentel aus- und nach Hessisch-Lichtenau eingepfarrt.

1994 sind Friedrichsbrück, Günsterode und Retterode Filialgemeinden von Hessisch-Lichtenau

Patronat:

Landgraf als Stadtherr

Diakonische Einrichtung:

27.10.1911 eine Schwester, Krankenpflege, Vereinsbetreuung, Gemeindearbeit Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu Cassel, S. 305-306, ab 1913 Kinderschule; Diakoniestation bis 1970 (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

1949 Orthopädische Lehr- und Heilanstalt der Inneren Mission, Erweiterung zur Orthopädischen Klinik (Freudenstein, Diakonie, S. 186-191)

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Severinus Kanngießer ca. 1537-41

Als Diakon wirkte bereits vorher Johannes Sander 1527 bis vor 29.6.1547, ehemaliger katholischer Priester.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archpresbytariat Gensungen

Archdiakonat St. Peter-Fritzlar

1585: Superintendentur Rotenburg-Allendorf

1780 und 1872: Klasse Lichtenau

1923: Kirchenkreis Kaufungen

1929: Kirchenkreis Witzenhausen

Juden:

Juden: 1342, 1724 genannt

1925: 5 Juden

Kultur

Schulen:

1442 Erwähnung Schulmeister; Schulmeister: Wilhelm Ritter alias Lebemann ca. 1539-1541; Ober- und Unterschulmeister 1641; Mädchenschulmeisterin 1644; Elementarschule 1826; 1835 drei Schulen; 1910 Volksschule mit fünf Stellen

Hospitäler:

St. Valentin; 1554 gegründet, für 1900 erwähnt; 1777 - 1889 Hospital (Landeskirchliches Archiv Kassel, E 1 Hess-Lichtenau v.O. Pfarrarchiv Hessisch-Lichtenau)

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Historische Ereignisse:

In Hessisch Lichtenau wurde 1482 der hessische Kanzler Johann Feige geboren.

1637: Brand, durch Kaiserliche gelegt, vernichtet Kirche, Rathaus, Schulen, Pfarrhäuser und 84 Wohnhäuser

1646: Noch 85 nicht aufgebaute Brandstätten

1875: Brand vernichtet 18 Wohnhäuser und 34 Nebengebäude

1886: Brand vernichtet Kirche, 20 Wohnhäuser und 34 Nebengebäude

Sonstiges:

Aus Postverbindung des Landgrafen Philipp entsteht allgemeine Posteinrichtung.

Ab 1682: Postanstalt

1877: Telegraph

1880 Fernsprecher

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Amtssitz zuvor (1383/87) in Reichenbach

1454: Amt Lichtenau, Umfang: Weissner, Retterode, Wollstein, Mesche, Hollstein, Ichendorf, Hopfelde, Velmeden, Laudenbach, Fürstenhagen, Vockerode (Kreis Melsungen), Siegershausen, Lichtenau, Steinbach, Hausen, Weidelbach (Kreis Melsungen), Hasselbach, Dinkelberg (Kreis Melsungen) Reichenbach, Rommerode, Eschenstruth (Kreis Kassel), Walburg, Wickersrode, Geisenrod, Lindau, Hinterwolfstein, Welbach, Walbach, Haukerode

Umfang vor 1530: Weidelbach und Vockerode (mit Dinkelberg) an Amt Spangenberg dafür Quentel an Amt Lichtenau

Umfang 1575/85: Stadt Lichtenau, Waldkappel (Kreis Eschwege), Walburg, Velmeden, Hausen, Laudenbach, Hopfelde, Hollstein, Reichenbach, Quentel, Fürstenhagen, Rommerode, Wickersrode, Harmuthsachsen, Hasselbach, Küchen, Wollstein, Retterode, Epterode, Friemen (Kreis Eschwege) mit 870 Hausgesessenen

Umfang 1681: wie 1575/85, dazu Diemenrode (Kreis Rotenburg), Stadthosbach (Kreis Eschwege)

Umfang 1747: wie 1575/85, ohne Waldkappel, Epterode, Friemen, dazu Glimmerode, Hambach, Steinholz

Mitte des 16. Jahrhunderts Sitz einer Oberförsterei im Verband der Forstmeisterei des Ndr. Fürstentums; 1561: Oberförster genannt

Wirtschaft:

Haupterwerbsquelle Landwirtschft; 1352: Handwerksbann

1376: Bündnis mit den niederhessischen Städten gegen Landgraf Hermann wegen des ihnen auferlegten Ungeldes; 1,5 Klauder Wolle genannt (je Klauder 21 schwere Pfunde)

1384: (im Amt) 1939 Schafe; 1454: Leinweber; 1460: Kaufhaus; 1494: Glasmacher; 1553: Schleifkotten; 1577: Amtszunft zur Erfassung der ländlichen Leinweber; 1621: Zunftmeister und Gildenmeister des Leinweberhandwerks

seit 1862: Braunkohlenbergbau; um 1925 Zemtwaren, Segeltuchproduktion

Mühlen:

1383: Walkmühle

1454: 3 Mühlen, darunter Walk- und Lohmühle

Die 1779 in der Katastervorbeschreibung aufgeführten vier Mühlen in Hessisch Lichtenau befanden sich an der Losse, außerhalb der Stadtgemarkung: Herrenmühle, Mittelmühle, Obermühle und Teichmühle .

Markt:

Bis 1413 wird der Wochenmarkt immer Montags abgehalten, in diesem Jahr verlegt ihn der Landgraf auf Bitte der Bürger auf Sonntag.

1544: Genehmigung von zwei Jahrmärkten durch Landgraf Philipp

1393: Lichtenauer Getreidemaß

1779: 4 Jahrmärkte (Mittwoch vor Lichtmeß, 2.2; Mittwoch vor Pfingsten; Mittwoch nach Jacobi, 25.7. Mitwoch vor Martini, 11.11.)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hessisch Lichtenau, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/5993> (Stand: 27.3.2026)