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4825 Waldkappel
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 34. Waldkappel

Weitere Informationen

Waldkappel

Stadtteil · 230 m über NN
Gemeinde Waldkappel, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

13,5 km westsüdwestlich von Eschwege gelegen

Lage und Verkehrslage:

22 km südsüdöstlich von Witzenhausen und 23,5 km ostnordöstlich von Melsungen gelegen.

Das Stadtgebiet breitet sich über das Wehretal und seine Nebentäler aus, die von großen Waldgebieten umgeben sind ("Stadt im Walde").

Waldkappel ist über die nördlich der Ortslage verlaufende Bundesstraße B7 und über die Landesstraße L3225 sowie die Kreisstraße 33 an das Straßenverkehrsnetz angeschlossen.

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Waldkappel – Kassel/Wilhelmshöhe ("Lossetalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.12.1879).

Ersterwähnung:

1226

Siedlungsentwicklung:

Das frühere Dorf Waldkappel wurde gemäß Reimer wahrscheinlich nach 1414 Stadt, was P. Zietz exakt in das besagte Jahr datierte. 1556 erhielt sie jedenfalls von Landgraf Philipp dem Großmütigen das Recht, zweimal im Jahr Markt abzuhalten, was eine wirtschaftliche Blüte zur Folge hatte. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (Plünderung 1637) nahm aber auch ein Brand im Jahr 1854 Waldkappel stark mit, der nahezu die ganze Stadt zerstörte.

Historische Namensformen:

  • Capelle, de (1226) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 342, Nr. 876]
  • Kapile, de (1261)
  • Waldkappil (1379)
  • Capelle daz man nennet Waltcapelle, dorf zu (1383)
  • Waltcapelle, dorf zu Capelle daz man nennet (1383)
  • Waltcapelle (1383)
  • Wald-Kappel
  • Kappel, Wald-

Bezeichnung der Siedlung:

  • dorf (1383)
  • Stadt (wahrscheinlich nach 1414)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3561342, 5668058
UTM: 32 U 561244 5666230
WGS84: 51.14424653° N, 9.875518504° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636012150

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1587, davon 700 Acker (= 44.11 %), 150 Wiesen (= 9.45 %), 589 Holzungen (= 37.11 %)
  • 1961 (Hektar): 1591, davon 526 Wald (= 33.06 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Waldkappel: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Bischhausen, Stadtgericht Waldkappel
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Bischhausen, Stadtgericht Waldkappel
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Bischhausen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Bischhausen, Stadtgericht Waldkappel
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Eschwege

Gericht:

  • 1818: Kurfürstliches Justizamt Bischhausen
  • 1822: Kurfürstliches Justizamt Bischhausen
  • 1867: Amtsgericht Bischhausen
  • 1879: Amtsgericht Bischhausen
  • 1932: Amtsgericht Eschwege

Herrschaft:

zunächst Dorf der Herrschaft Bilstein

Die Stadt Waldkappel (nach 1414) gehörte keinem Amt an, sondern es gab besondere Schultheißen der Ganerben.

Erst 1780 beauftragte man den Justizbeamten zu Bischhausen, die Justizpflege zu versehen.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.2.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinde Mäckelsdorf in die somit erweiterte Stadt Waldkappel. Zu deren weiterer Entwicklung s. Waldkappel, Stadtgemeinde.

Sitz der Stadtverwaltung ist Waldkappel.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Gemäß Reimer besaßen 1301 die von Kappel im Dorf Güter und die Gerichtsbarkeit als Lehen von Bilstein.
  • Der letzte von Kappel verkaufte 1449 seinen Anteil an Hessen.
  • 1358 schlossen die von Schlutwinsdorf und von Hundelshausen eine Ganerbschaft über das Dorf. Dessen "iudicium" hatten jene 1301 von Bilstein zu Lehen.
  • Der Schlutwinsdorfische Teil kam teilweise 1391 als hessisches Lehen verliehen an die von Hundelshausen, teilweise fiel er 1414 an Hessen heim.
  • Auch die von Boyneburg-Hohenstein hatten bis 1792 Anteil als fuldisches Lehen.

Ortsadel:

Adlige von Kappel (1226-1451)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche s. Georgii (1479)
  • 1348 wurde erstmals ein "plebanus" genannt.

Pfarrzugehörigkeit:

Die protestantische Pfarrei der Klasse Waldkappel hatte 1872 Friemen und Rechtebach als Filialen.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johann Schütz 28.5.1532

Kirchliche Mittelbehörden:

Der erstmals 1348 genannte "plebanus" unterstand dem Propst von Heiligenstadt.

Die protestantische Klasse Waldkappel umfasste 1872 die Pfarreien Bischhausen, Germerode, Harmuthsachsen, Mitterode, Oetmannshausen, Schemmern, Thurnhosbach, Waldkappel und Wipperode.

Juden:

Ort gehört zur Gemeinde Harmuthsachsen.

Zeitweilig lebten 26 Juden im Ort.

Kultur

Schulen:

Schulmeister: JOhannes Ludolph 1590-1592 (1591)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Waldkappel, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6392> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde