Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Weilburg

Stadtteil · 172 m über NN
Gemeinde Weilburg, Landkreis Limburg-Weilburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Kloster; Stadt

Lagebezug:

Weilburg liegt 18 km nordöstlich von Limburg.

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit komplexem, geschlossenem Grundriß in einer Mäanderschleife des windungsreichen Engtals der Lahn. Auf schmalem, von der Lahn fast allseitig umströmtem, nur nach Osten geöffnetem Bergsporn ummauerte Altstadt mit Schloß. Stadterweiterungen auf der Hochfläche östlich der Altstadt sowie auf dem Gleithang des rechten Lahnufers.

An der Straße von Koblenz über Wetzlar nach Hessen und Thüringen gelegen.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Wetzlar – Nassau ("Lahntalbahn III") (Inbetriebnahme der Strecke 14.10.1862, 10.1.1863).

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Weilburg – Bad Homburg ("Weiltalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.11.1891) bis zur Stilllegung der Strecke bis Weilmünster 1988.

Ersterwähnung:

906

Siedlungsentwicklung:

Siedlungsentwicklung in Anlehnung an das auf der Ostseite des Berges gelegene Walpurgisstift und den südlich angrenzenden ehemals konradinischen Wirtschaftshof. Anfang des 18. Jahrhunderts Neu- und Umgestaltung des Stadtinnern mit neuen Straßen und rechteckigem Markut in der Stadtmitte. Anlage der südlichen Vorstadt. Im 19. und 20. Jahrhundert Bebauung des rechten Lahnufers.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Burg auf dem Felsen bereits im 10. Jahrhundert. Erweiterungen der Anlage vom 12. bis ins 14. Jahrhundert, Schloßausbau vom 16. bis 18. Jahrhundert.
  • 1355-1371: Stadtummauerung der gesamten Hochfläche des Bergrückens mit Toren und Türmen

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3448264, 5594621
UTM: 32 U 448210 5592823
WGS84: 50.48510103° N, 8.26997768° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

533017110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 558, davon 176 Acker (= 31.54 %), 89 Wiesen (= 15.95 %), 202 Holzungen (= 36.20 %)
  • 1961 (Hektar): 585, davon 218 Wald (= 37.26 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1885: 3697, davon 2873 evangelisch (= 77.71 %), 603 katholisch (= 16.31 %), 1 andere Christen (= 0.03 %), 220 Juden (= 5.95 %)
  • 1961: 6699, davon 4419 evangelisch (= 65.97 %), 2079 katholisch (= 31.03 %)
  • 1970: 12259 Einwohner

Diagramme:

Weilburg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1255: Grafschaft Nassau-Weilburg, Amt Weilburg
  • 1787: Fürstentum Nassau-Weilburg, Grafschaft Nassau-Weilburg, Amt Weilburg
  • 1806: Herzogtum Nassau, Amt Weilburg, Kirchspiel Weilburg
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Weilburg
  • 1849: Herzogtum Nassau, Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk III (Kreisamt Hadamar)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Weilburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Oberlahnkreis
  • 1945: Groß-Hessen, Oberlahnkreis
  • 1946: Bundesland Hessen, Oberlahnkreis
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg

Altkreis:

Oberlahnkreis

Gericht:

  • 1816: Amt Weilburg
  • 1849: Justizamt Weilburg
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Weilburg
  • 1867: Amtsgericht Weilburg

Herrschaft:

In karolingischer Zeit: mittlere Grafschaft des Oberlahngaus bis 939 in Besitz der Konradiner

993-1000: Übertragung des Stifts durch Otto III, 1002 der civitas durch Heinrich II. an das Hochstift Worms

Bis 1255: Grafschaft Nassau

1255-1418: Nassau-Saarbrücken

Am 29.12.1295: Verleihung des Frankfurter Stadtrechts durch König Adolf I., 1302 Bestätigung durch König Albrecht I., allerdings für den Grafen Rupert V. von Nassau

1429-1629: Nassau-Saarbrücken-Weilburg

1629-1806: Nassau-Weilburg

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Weilburg, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Weilburg.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 906: Kirche
  • 912: Stift
  • 1254: Pleban
  • 1284: Marienkirche
  • 1397: Kreuzkapelle außerhalb des Ortes
  • 1505: Heiliggrabkapelle

Patrozinien:

  • Martin (vermutet für die Pfarrei); Maria und Walpurgis (für das Stift); Andreas (1382); Elisabeth (Deutschordenskapelle)

Pfarrzugehörigkeit:

Weilburg war Sendort für Ahausen, Drommershausen, Edelsberg, Gräveneck, Hirschhausen, Kirschhofen, Kubach, Odersbach, Niedershausen, Selters und Waldhausen.

Zur Pfarrei zählen 1250: Georgskirche in Garbenheim(ab 1516 der gesamte Ort), 1252 die Walpurgiskapelle, 1269 die Kapelle auf der Burg Calsmunt, 1292 die Michaelskapelle auf dem Friedhof,1293 die Deutschordenskapelle, 1318 die Katharinenkapelle auf dem Hof des Klosters Arnsburg, 1378 die Katharinenkapelle über dem Beinhaus der Kirche, 1382 Selters, 1459 die Marienkapelle bei Wetzlar, 1528 Drommershauen, 1536 Gräveneck. Wahrscheinlich auch Ahausen, Kirschhofen, Odersbach, Waldhausen, Scheuernberger Hof, Hof Wehrholz und Windhof.

Patronat:

1338 wird die Pfarrkirche der Stiftsdechanei mit Zustimmung des Propstes als Patron inkorporiert. 1554 ist das Patronat beim Landesherrn.

Das Patronat für die Walpurgiskapelle haben seit 1252 der Dechant und der Scholaster des Sifts inne.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation durch Erhard Schnepf ab 1526.

Erster evangelischer Pfarrer: Peter von Usingen 1528-1532

1736 wird der reformierten Gemeinde die Friedhofskapelle überlassen, 1763 die Mitbenutzung der Stadtkirche erlaubt.

1770 Erlaubnis, katholische Gottesdienste im Schloss abzuhalten, 1815 Errichtung der katholischen Pfarrei, 1821 Umbau des Zuchthauses zur katholischen Kirche.

Seit 1818 unierte Pfarrei.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk im Archipresbyterat Wetzlar, Archidiakonat St. Lubentius in Dietkirchen, Erzdiözese Trier

Juden:

Zwischen 1340 und 1347 Erwähnung eines Juden aus Weilburg

1513 siedelte ein Jude in der Stadt.

Dauerhafte Ansiedlung erst seit dem 17. und 18. Jahrhundert belegt

Bildung einer Gemeinde im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts

Synagoge in der Bogengasse 1845 eingeweiht

Jüdischer Friedhof Auf dem Dill (alemannia-judaica)

1845 zählt die jüdische Gemeinde 93 Mitglieder

Kultur

Schulen:

1231 Erwähnung eines Scholasters, der noch im 14. Jahrhundert die erste Ausbildung der jüngeren Kanoniker leitete. 1360 Erwähnung einer Stiftsschule. Aus der Stiftsschule geht 1540-1542 eine höhere Schule hervor, die jedoch nicht mehr vom Stift sondern vom Landesherrn abhängig ist.

Seit 1764 Gymnasium, 1817-1844 Landesgymnasium, heute Gymnasium Philippinum

Historische Ereignisse:

Im Jahr 906 wird der Leichnam des Grafen Konrad des Älteren aus dem Geschlecht der Konradiner im Kastell Weilburg bestattet.

Königsaufenthalte in den Jahren 912, 914, 915, 1296, 1297, 1304

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1816-1866 Sitz des Amtes Weilburg: Weilburg, Ahausen, Allendorf, Altenkirchen, Audenschmiede, Aulenhausen, Barig-Selbenhausen, Bermbach, Kubach, Dietenhausen, Drommershausen, Edelsberg, Elkerhausen, Ernsthausen, Essershausen, Freienfels, Gräveneck, Hasselbach, Hirschhausen, Kirschhofen, Laimbach, Langenbach, Lützendorf, Merenberg, Möttau, Philippstein, Reichenborn, Rohnstadt, Selters, Waldhausen, Weilmünster, Weinbach, Löhnberg, Odersbach,Mengerskirchen, Dillhausen, Probbach, Winkels, Niedershausen, Obershausen

Wirtschaft:

1806 gehören die Höfe Windhof und Wehrholz sowie 2 Mahl- und 1 Papiermühle zu Weilburg.

Markt:

1295 verleiht König Adolf von Nassau den Burgmannen und Bürgern von Nassau das Recht, Dienstags einen Wochenmarkt abzuhalten

Münze:

1195 Hinweis auf Einkünfte aus Münze [Struck, Quellen zur Geschichte der Klöster 2, Nr. 1057]. Das Hochstift Worms ließ zweiseitige Denare prägen mit dem Münzbild eines Geistlichen mit Mitra.

1690 Gründung der Münzstätte Weilburg durch Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg. Nach 1753 nicht mehr in Betrieb.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Weilburg, Landkreis Limburg-Weilburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/8700> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde