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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 32. Melsungen

Melsungen

Stadtteil · 179 m über NN
Gemeinde Melsungen, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

21 km südsüdöstlich von Kassel

Lage und Verkehrslage:

Am mittleren Lauf der Fulda in einer fruchtbaren Talaue gelegen.

Chaussee nach Dörnhagen und Altmorschen (über Schwerzelfurt). Durch die Stadt verläuft in Nord-Süd-Richtung die Bundesstraße 83. In westlicher Richtung führt die Bundestraße 253 und nach Osten die Bundesstraße 487. Weitere Anbindung an des Straßenverkehrsnetz besteht über die Landesstraßen L3147, L3222 und L3224, sowie die Kreisstraßen K29 und K142.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Bebra – Kassel (Inbetriebnahme der Strecke 29.8.1848).

Ersterwähnung:

973

Siedlungsentwicklung:

Das unter Landgräfin Anna verfallene Schloss wurde durch einen Schlossneubau (1550-1557) ersetzt.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3538500, 5666075
UTM: 32 U 538411 5664248
WGS84: 51.12841244° N, 9.548915697° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634014050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1642, davon 711 Acker (= 43.30 %), 155 Wiesen (= 9.44 %), 575 Holzungen (= 35.02 %)
  • 1961 (Hektar): 1644, davon 561 Wald (= 34.12 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Melsungen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1. Hälfte 9. Jahrhundert: Gau Melsungen (in pago Milisunge)
  • 973: Hessengau (in pago Hassim)
  • 1445: Landgrafschaft Hessen, Amt Melsungen (zum Umfang des Amtes s. Mittelpunkt)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Melsungen
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Oberamt Melsungen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Melsungen
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Melsungen
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Milsungen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Melsungen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Melsungen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Melsungen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Melsungen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Melsungen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Melsungen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Melsungen

Gericht:

  • 1821: Justizamt Melsungen
  • vor 1822: Amt Melsungen
  • 1867: Amtsgericht Melsungen
  • 1879: Amtsgericht Melsungen

Herrschaft:

1262 werden burgenses, 1267 Schultheißen, Schöffen und Bürgerschaft von Homberg (Hohenberg) und Melsungen (Milsungen) genannt [D. Wolf, Melsungen. Eine Kleinstadt im Spätmittelalter, Bd. 1, S. 187-195]

Gemeindeentwicklung:

Am 1.2.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinden Adelshausen, Günsterode, Kehrenbach und Kirchhof in die Stadt Melsungen, die dadurch zur größeren Stadtgemeinde wurde. Zu deren weiterer Entwicklung s. Melsungen, Stadtgemeinde. Sitz der Stadtverwaltung ist Melsungen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts schenkte Graf Dietrich dem Kloster Fulda u.a. Güter in Melsungen, weitere Schenkungen in der Region durch einen gewissen Megenher kommen hinzu.
  • Zwischen 1183-1190 kauft Erzbischof Konrad von Mainz die Burg Melsungen von Pfalzgraf Hermann von Thüringen, der Melsungen später als mainzisches Lehen erhält.
  • 1263 erhält es Hessen als mainzisches Lehen

Ortsadel:

Adlige 1106 (Lib. Hersf. 12 Jahrhunderts) und 1321 (UA Fritzlar).

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 2 Pfarrkirchen:
  • 1461 SS. Petri et Pauli (GR Melsungen);
  • 1500 Unserer lieben Frauen (GR Melsungen);
  • 1221 erstmalige Nennung eines Pfarrers.
  • Die protestantische Pfarrei der Klasse Melsungen hatte 2 Prediger, wobei der erste den Kirchhof und das Vikariat Obermelsungen betreute und der zweite das Vikariat Schwarzenberg und das Filial Röhrenfurth (Hochhuth 330).

Patrozinien:

  • Petrus und Paul; Unserer lieben Frauen

Pfarrzugehörigkeit:

Zur protestantischen Pfarrei der Klasse Melsungen gehörte: Melsungen, Breitenau, Dagobertshausen, Grebenau, Malsfeld, Wollrode und das Vikariat Obermelsungen (Hochhuth 330-340).

Patronat:

Das Patronat gehörte seit 1423 dem Landgrafen.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Lening 1528-3.5.1565

Kirchliche Mittelbehörden:

Zum Dekanat Gensungen gehörig (Würdtwein D. 10,518).

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel, Röhrenfurth angeschlossen.

1680: 10; 1730: 22; 1786: 11; 1835: 98; 1858: 121; 1861: 133; 1880: 188; 1895: 105; 1905: 112; 1925: 89; 1932/33: 76; 1939: 26 Juden

seit dem 18 Jahrhundert lebten stetes einige jüdische Familien im Ort. In dieser Zeit auch einige Judenlandtage im Ort gehalten.

1825 wird die Vereinigung Röhrenfurths mit Melsungen beantragt; Melsungen lehnt wg. Paltzmangelsin ihrer Synagoge ab. Anschluss erfolgt erst 1895, besonders aufgrund der schlechten finanziellen Lage der Melsunger Gemeinde nun möglich.

Berufe: Schwerpunkt im Handwerk

Die Synagoge befindet sich in der Rotenburger Straße 72, Baujahr unbekannt.

1854 Gründung einer jüdischen Elementarschule im Ort; vermutlich in den 1920er Jahren aufgelöst.

Gemeinde nutzte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts den Sammelfriedhof in Binsförth, ehe sie 1860 gemeinsam mit Röhrenfurth einen eigenen Friedhof erhielt. Er befindet sich nahe des Katasteramtes. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Johann Sutel, Rektor ca. 1526-1530

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Um 1357 umfasste das Amt bzw. Gericht Melsungen die Untergerichte Malsfeld, Körle und Guxhagen (Armbrust).

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das Amt um die Dörfer Dagobertshausen und Ostheim, die vom Amt Homberg abgetreten wurden, erweitert (das.).

1585 umfasste das Gericht neben Melsungen die Dörfer Adelshausen, Albshausen, Dagobertshausen, Empfershausen, Kehrenbach, Kirchhof, Körle, Lobenhausen, Obermelsungen, Ostheim, Schwarzenberg, Wagenfurth und Wollrode sowie das Gericht Breitenau mit den Ortschaften Ellenberg, Guxhagen, Hof Fahre und Büchenwerra nebst den adligen Dörfern Elfershausen, Grebenau, Malsfeld und Röhrenfurth (OSt).

Münze:

In Melsungen befand sich eine landgräfliche Münzstätte (Historisches Ortslexikon Kurhessen S. 326), aber Münzpfunde machen das Vorhandensein einer Münzstätte schon in staufischer Zeit sehr wahrscheinlich (Wolf, Melsungen Bd. 1, S. 274).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Melsungen, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4944> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde