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St. Lubentiusstift Dietkirchen

121 m über NN
Gemarkung Dietkirchen, Gemeinde Limburg a. d. Lahn, Landkreis Limburg-Weilburg
Basisdaten | Geschichte | Besitz | Ausstattung | Nachweise | Zitierweise | Indizes
Basisdaten

Abstract:

Das Stift wird bereits im frühen Mittelalter 841 an der Lahn zu Ehren des heiligen Lubentius gegründet. Chorherren leben hier in einer Art Klostergemeinschaft und teilen sich die Aufgaben zur Seelsorge in Stadt und Umland von Dietkirchen. Die große romanische Basilika aus dem 12. Jahrhundert steht auf einem steil aufragenden Felsen über der Lahn in der Nähe einer Furt.

Orden:

Chorherren

Alte Diözesanzugehörigkeit:

Kirchenprovinz Trier, Erzbistum Trier, Archidiakonat St. Lubentius zu Dietkirchen

Typ:

Chorherrenstift

Territorium:

  • Grafschaft Diez
  • 1420: Kurfürstentum Trier
  • 1803: Fürstentum Nassau-Weilburg, fiskalisch Fürstentum Nassau-Oranien
  • 1815: Herzogtum Nassau

Historische Namensformen:

  • monasteriolo sancti Lubentii (841)
  • collegio sancti Lubentii (um 1140)
  • conventus, ecclesia conventualis (1098, 1203, 1251)
  • capitulum (1243)

Lagebezug:

2,7 km nordöstlich von Limburg

Lage:

Kirche und Stiftsgebäude liegen auf einem 34 m hohen Kalkfelsplateau, das steil zum rechten Lahnufer abfällt, und nur über einen schmalen Sattel nordwestlich mit dem Hinterland verbunden ist.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3435812, 5585589
UTM: 32 U 435763 5583795
WGS84: 50.40268336° N, 8.096094272° O OpenLayers

Geschichte

Geschichte:

841 wird das Stift erstmals urkundlich erwähnt. Die Gründungssage berichtet, dass die Lubentiusgebeine auf einem Schiff von Kobern an der Mosel aus bis zur Mündung in den Rhein bei Koblenz, dann Rhein- und weiter die Lahn aufwärts bis nach Dietkirchen von Engeln geleitet fuhren, wo sie feierlich beigesetzt wurden. Hier lag die alte Gerichtsstätte Reckenforst des Niederlahngaus und Versammlungsort der Grafschaft Diez. Historisch nachgewiesen wird die Translation der Gebeine des Hl. Lubentius von Kobern nach Dietkirchen für die erste Hälfte des 9.Jahrhunderts und damit der Stiftsgründung durch eine Schenkungsurkunde von 841, die sich auf König Ludwig bezieht.

Das Erzbistum Trier begründet hier ein Archidiakonat zur Förderung der Christianisierung mit einem Kirchenbau ab Mitte des 7.Jahrhunderts. Spätere Chroniken und die Familiensaga schreiben die Gründung des Stiftes Dietger Frei von Dehrn zu. Die von Dehrn stiften in dieser Funktion auch einige wertvolle Ausstattungsgegenstände, wobei das Epitaph des Philipp Frei von Dehrn als bedeutendes Werk der Frührenaissance in der Region zu nennen ist.

Wenige Quellen berichten über die weitere Entwicklung. Im 11. Jahrhundert hat der Probst gleichzeitig das Amt des Archidiakonats inne (1084/1086). Der eng umgrenzte Stiftsbezirk auf dem Felsen fördert ein Kloster ähnliches Leben in Klausur, es gibt ein Kapitel mit Dekan, Kustos und Kantor als Amtsinhaber. Für das Stift ist die Fähre über die Lahn von zentraler Bedeutung. Seit der ersten Hälfte des 13.Jahrhunderts haben die Grafen von Nassau das Vogteirecht über das Stift als Lehen von den Bischöfen von Worms, wobei die Freien von Dehrn als Untervögte dienen. Seit 1420 bleibt die Oberlehnsherrschaft des Erzbischofs von Trier unbestritten.

Kontributionszahlungen im Bauernkrieg an den Erzbischof von Trier belasten wirtschaftlich das Stift. Der Erzbischof dringt auf die Einhaltung des katholischen Kirchenlebens. Im Diezer Vertrag von 1564 zur Beendigung des Katzenelnbogenschen Erbfolgestreits wird die Zugehörigkeit des Stiftes zu Trier abschließend festgelegt. Das Stift bleibt als katholische Institution in einem protestantischen Umfeld bestehen. 1588 wird eine Bestandsaufnahme auf Verlangen des Kurfürsten von Trier durchgeführt, die alle Bereiche des Lebens und Wirtschaftens umfasst und der Verfestigung des Katholizismus mit einer neuen Verfassung dient.

Im Dreißigjährigen Krieg werden Teile der Stiftsgebäude zerstört, viele Stiftsherren verlassen den Ort. Ende des 17.Jahrhunderts wird die Kirche aufgrund der verbesserten wirtschaftlichen Lage renoviert und barockisiert. In den Französischen Revolutionskriegen fallen mehrfach Truppen in Dietkirchen ein. 1803 wird das Stift säkularisiert und gelangt hoheitlich zu Nassau-Weilburg, als fiskalisches Objekt jedoch an Nassau-Oranien. Dies führt zu Konflikten zwischen den verwandten Fürstentümern, die 1815 mit der Gründung des Herzogtums Nassau abgeschlossen werden.

Ersterwähnung:

841

Gründungsjahr:

7. Jahrhundert

Aufhebungsjahr:

1802/03

Organisation:

Im 13. Jahrhundert werden die Anzahl der Kanoniker (12), die Rechte des Propstes und Verhaltensregeln festgelegt; die alte Klosterordnung wird aufgegeben, die Gemeinschaft benennt und versteht sich als Stift (1282), Altaristen kommen hinzu. Es besteht Präsenzpflicht, Voraussetzung für die Aufnahme ins Kapitel ist die Diakonswürde. Ursprünglich kommen die Stiftsherren aus dem niederen Adel der Region, seit dem 15. Jahrhundert aus dem Bürgertum. 1588 regelt der Trierer Kurfürst Johann VII von Schöneberg umfassend mit neuen Statuten das Stiftsleben.

Patrozinien:

Lubentius (841; nach Otto Renkhoff, Mittelalterliche Patrozinien in Nassau, in: Nassauische Annalen 67 (1956), S. 105 um 1098)

Juliana

Archivgeschichte:

Struck, Stift St.Lubentius in Dietkirchen S.37-43,

Die Urkunden sind im Mittelalter in zwei Kisten archiviert, die entweder dem Kapitel oder der Präsenz gehören. Seit dem 16.Jahrhundert werden Verzeichnisse angelegt. Nach der Säkularisation wandern die Archivalien in das herzoglich-nassauische, seit 1866 preußische Zentralarchiv Idstein. Von dort gelangt es 1881 nach Wiesbaden ins preußische, 1945 ins hessische, 1958 ins Hessische Hauptstaatsarchiv. Im Dreißigjährigen Krieg und in den Revolutionskriegen wird das Archivgut beschädigt.

Besitz

Besitz:

1525 und 1549 werden Inventare des Kirchenschatzes angefertigt, die zahlreiche kostbare Tücher verzeichnen. Im Dreißigjährigen Krieg muss der Schatz verkauft werden, wird in der nachfolgenden wirtschaftlichen Erholungsphase neu aufgebaut. Kontributionszahlungen in den Revolutionskriegen (1789) und Säkularisierung lassen den Schatz bis auf die golden gefasste Reliquie des Hl. Lubentius, zwei silberne Kelche und eine silbervergoldete Monstranz und fünf festliche Messgewänder schrumpfen.

Der Stiftsbesitz zerfällt in mehrere Teile, in den Besitz des Propstes, die Güter der Kanoniker und andererseits die Einkommen der Präsenz, gemeinsam für die Vikare und Kanoniker. Der geographische Schwerpunkt liegt im Bereich der mittleren Lahn und die angrenzenden Westerwald- und Taunushöhen. Im Norden reicht das Einflussgebiet bis Rennerod, im Osten Braunfels und Lützendorf, im Süden am Emsbach bis Walsdorf und im Westen bis Nassau und Montabaur. Exklaven finden sich um Koblenz (Horchheim, Niederlahnstein, Pfaffendorf) und um Breitenau im westlichen Westerwald.

Besitzliste nach Struck, Stift St.Lubentius in Dietkirchen S. 243-294:

Adenroth, Ahlbach, Almerode, Alsdorf, Attenhausen, Aull, Aumenau, Bendorf, Bergen, Berod, Beselich, Brandscheid, Breitenau, Caan, Dauborn, Deesen, Dehrn, Deler, Dietkirchen, Diez, Dirstein, Dodenhausen, Dombach, Eisenbach, Elsoff, Elz, Ennerich, Erbach, Erbach, Eschenau, Eschhofen, Eufingen, Falkenbach, Faulbach, Freiendiez, Fürfurt, Gaudenbach, Girod, Görgeshausen, Großholbach, Hadamar, Härtlingen, Hangenmeilingen, Heilberscheid, Helmenrode, Herschbach, Heuchelheim, Hilse, Hirzen, Hofen, Holzheim, Holzmenningen, Homburger Hof, Horbach, Horchheim, Hundsangen, Kirchähr, Kleinholbach, Kreuch, Limburg, Lindenholzhausen, Linter, Lützendorf, Malmeneich, Mengerskirchen, Merkelbach, Mühlen, Münster, Nauheim, Nauort, Nentershausen, Niederahlbach, Niederbrechen, Niedererbach, Niederhadamar, Niederhaid, Niederlahnstein, Niederselters, Niedertiefenbach, Niederweyer, Nomborn, Niederheym, Oberbrechen, Obererbach, Oberhaid, Oberhausen, Oberndorf, Oberneisen, Oberrod, Oberselters, Obertiefenbach, Oberweyer, Oberzeuzheim, Offheim, Pfaffendorf, Pütschbach, Rödchen, Wüstung bei Hadamar, Rübsangen, Runkel, Schadeck, Schirllingen, Wüstung bei Limburg, Schue, Schumacherberg, Schupbach, Seck, Seelbach, Sespenroth, Sindersbach, Staffel, Stauersbach, Steeden, Steinbach, Steinefrenz, Steinfischbach, Stöcken, Thalheim, Vele, Villmar, Waldernbach, Waldhausen, Walsdorf, Wengenroth, Wenigenvillmar, Wenigshausen, Werschau, Wilchenhausen, Winden, Wirbelau, Wörsdorf, Würges, Zahlbach, Zultebach

Ausstattung

Gebäude:

Die ältesten Gebäudeteile stammen aus einer Steinkirche um 730. Sowohl im 10. wie auch im 11., 12. und 13. Jahrhundert wird die Stiftskirche weiter ausgebaut. In und nach der Reformationszeit werden Altäre abgebaut, 1692 der Lettner entfernt, der Innenraum im 17. Und 18.Jahrhundert barockisiert.

Denkmaltopographie:

DenkXweb Kulturdenkmäler in Hessen (Kath. Pfarrkirche St. Lubentius und Juliana, ehem. Stiftskirche)

Sonstiges:

Wahrscheinlich existieren schon 1294 zwei Orgeln in der Kirche, die Quellen sprechen von zwei Organisten. Glocken sind seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesen, in einer Stiftsrechnung von 1536 eine große Uhr.

Nachweise

Arcinsys Hessen:

Literatur:

Germania Sacra-ID:

1052

Zitierweise
„St. Lubentiusstift Dietkirchen, Gemeinde Limburg a. d. Lahn“, in: Klöster <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/kl/id/10701> (Stand: 27.8.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde