Historisches Ortslexikon
- Messtischblatt
- 4725 Bad Sooden-Allendorf
- Moderne Karten
- Kartenangebot der Landesvermessung
- Topografische Karten
- KDR 100, TK25 1900 ff.
- Historische Karten
- Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 25. Allendorf
Weitere Informationen
Sooden
-
Stadtteil · 176 m über NN
Gemarkung Bad Sooden-Allendorf, Gemeinde Bad Sooden-Allendorf, Werra-Meißner-Kreis
- Siedlung ↑
-
Ortstyp:
Stadt
-
Lagebezug:
11 km südöstlich von Witzenhausen gelegen
-
Lage und Verkehrslage:
1929 entsteht durch Zusammenlegung die Stadt Bad Sooden-Allendorf mit komplexem Grundriss auf beiden Seiten der unteren Werra. Für die Entwicklung bis dahin ist zu unterscheiden zwischen der Siedlung Sooden auf dem linken und Allendorf auf dem rechten Werra-Ufer.
Sooden befindet sich am linken Ufer der Werra. Auf einem Geländevorsprung, unmittelbar am Fuß des Hegeberges in exponierter Lage die Marienkirche. Davor in der Niederung die einzeilige, im Halbkreis nach der Bergseite hin offene Siedlung. Die Struktur ist durch das ehemalige Salzwerk geprägt, dessen Siedehäuser mit verichteteter Sole aus den an der Peripherie der Stadt gelegenen Gradierwerken beschickt wurden. Auf dem früher mit Salzkoten bestandenen Platz heute Kurhaus und -park. Im 16. Jahrhundert Wallgrabenbefestigung und 2 Tore bezeugt
Nordwestlich oberhalb die zugehörige 232 m hohe Westerburg
-
Ersterwähnung:
1093
-
Siedlungsentwicklung:
Südlich Sooden auf dem Hirschenberg Hünengräber der jüngeren Stein- und Bronzezeit. Zu den Anfängen s. Westera. Sooden anfangs nur Stätte der Salzsiederei
-
Historische Namensformen:
- Sothen, in (1093) [Fälschung 12. Jahrhundert UB Mainz 1, S. 289-293, Nr. 385]
- Sothe, in (1195) [XV, Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, Nr. 873]
- Soden, zu den (1284) [Lampe, Urkundenbuch Deutschordensballei Thüringen, S. 343-344, Nr. 407 (aus Orig.); Landgrafen-Regesten online Nr. 273]
- Soden, in (1295) [Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Allendorf an der Werra und des Salzwerks Sooden, S. 16, Nr. 14]
- Soden, zo (1300) [Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Allendorf an der Werra und des Salzwerks Sooden, S. 20-21, Nr. 20]
- Sodin, ze (1311) [Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Allendorf an der Werra und des Salzwerks Sooden, S. 21-22, Nr. 22]
- Zoden, in (1317) [HStAM Best. Urk. 15 Nr. 75; Klosterarchive 2: Klöster, Stifter und Hospitäler der Stadt Kassel und Kloster Weißenstein, S. 33-34, Nr. 85; andere Lesart: in Soden bei Eckhardt/Krafft, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Kassel, S. 52, Nr. 56]
- Sodin, poben den (1392) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 219-220, Nr. 592]
- Sodenn (1585) [Der ökonomische Staat, S. 75]
- Die Sooden (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 19]
- Sooden (1747)
- Bad Sooden (um 1890)
- Bad Sooden-Werra (um 1900)
-
Bezeichnung der Siedlung:
- salinas (1093)
- locus salinarum (1284)
- sartago; fornax salis (1295)
- phannen; salzwerike (1300)
- ville (1331) [Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Allendorf an der Werra und des Salzwerks Sooden, S. 35-36, Nr. 35]
- Flecken (1541, 1554) [Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Allendorf an der Werra und des Salzwerks Sooden, S. 226-227, Nr. 122, S. 249, Nr. 133]
-
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
- S. hierzu Bad Sooden-Allendorf
-
Burgen und Befestigungen:
- Südlich Sooden auf dem Hirschenberg Hünengräber der jüngeren Stein- und Bronzezeit
- Sooden anfangs nur Stätte der Salzsiederei
- 1300: Privileg der 'Geburen' des Salzwerks durch Landgraf Heinrich (vgl. Wirtschaft). Sooden und Allendorf 'ungescheiden'
- 1538: eigener Schultheiß
- 1586: endgültig von Allendorf getrennt
-
Umlegung der Flur:
1955/63
-
Älteste Gemarkungskarte:
1727
-
Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3567164, 5681916
UTM: 32 U 567063 5680083
WGS84: 51.268141° N, 9.961295° O OpenLayers - Statistik ↑
-
Ortskennziffer:
63600100020
-
Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 82, davon 44 Acker (= 53.66 %), 15 Wiesen (= 18.29 %), 1 Holzungen (= 1.22 %)
-
Einwohnerstatistik:
- 1569: 128 Hausgesesse
- 1575/85: 153 Hausgesesse
- 1681: 60 Hausgesesse
- 1747: 133 Hausgesesse mit 137 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1885: 758, davon 752 evangelisch (= 99.21 %), 6 katholisch (= 0.79 %)
- 1925: 871 (819 evangelisch, 19 römisch-katholisch, 10 landeskirchliche Gemeinschaft)
- Berufsgliederung:
- Keine Zünfte
-
Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
-
Verwaltungsbezirk:
- Sooden (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
- 1373: Landgrafschaft Hessen, Zubehör von Allendorf, später zum Amt Allendorf
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Allendorf
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Allendorf
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Allendorf
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt, Kanton
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Allendorf (Amt Sooden)
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis
-
Altkreis:
Witzenhausen
-
Gericht:
- 1747: Niederes und peinliches Gericht Hessen (Stadtschultheiß von Allendorf)
- 1807: Friedensgericht Sooden
- 1814: Amt Allendorf
- 1822: Justizamt Allendorf
- 1867: Amtsgericht Allendorf
- 1945: Amtsgericht Witzenhausen
- 1961: Amtsgericht Witzenhausen
- Gerichtstisch mit schmiedeeisernem Stab vor der Pfennigstube
-
Herrschaft:
1300: Privileg für die 'Geburen' des Salzwerks durch Landgraf Heinrich von Hessen, der auf eigene Pfannen verzichtet. Die Besitzer der Pfannen, Adlige und Bürger aus Allendorf und Umgebung, bilden im Mittelalter eine Art Genossenschaft. Im Jahre 1300 werden sie bezeichnet als geburen von Soden,die geerbet sin zo deme salzweric, 1413 als Pfänner (phenner). Der Landesherr erhält lediglich einen Zoll vom Salz und jährliche Salzlieferungen. Erst im Jahre 1538 erreicht der Landgraf nach hartnäckigen und langwierigen Verhandlungen mit den Pfännern, dass er eigene Kote errichten darf. 1554 erhält der Flecken Sooden als Zeichen seiner fürstlichen Vorrechte ein eigenes Wappen mit Berlaff (Gerät zum Umrühren der Salzlake) und Pfannhaken.
1538: eigener Schultheiß
1586: wird Sooden organisatorisch endgültig von Allendorf getrennt
-
Gemeindeentwicklung:
1.7.1929: Zur Stadt Bad Sooden-Allendorf vereinigt
- Besitz ↑
-
Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- Die Zeit vor Einsetzen der Sooden-Belege siehe unter Westera
- 1093: Erzbischof Ruothard von Mainz bestätigt dem Kloster Bursfelde eine Schenkung von 3 Salinen zu Sooden durch Herzog Heinrich von Northeim (Fälschung nach 1144)
- 1152: Bestätigung derselben durch Papst Eugen mit 1195: Kloster Germerode hat Salzzins zu Sooden.
- 1243:
Kloster Germerode erhält eine Pfanne Salz zu Sooden - 1248: Fuldische Lehen zu Sooden kommen an Herzog Albrecht von Sachsen.
- 1248: Landgraf Heinrich bestätigt dem Deutschen Orden zu Nägelstedt und Mühlhausen die käufliche Erwerbung unter anderem in den Salinen zu Sooden von Ritter Dietmar von Vierbach.
- 1252: Kloster Spieskappel erhält Salzeinkünfte zu Sooden geschenkt.
- 1356: Kloster Germerode erhält weiteren Zins von einer Pfanne zu Sooden.
- 1374: Landgraf Hermann verpfändet dem Werner von Hanstein den Zoll zu Sooden.
- 1392: Zins zu Sooden an Augustinerkloster Eschwege
- 1483 - 1527: Güter des Kloster Germerode zu Sooden nachgewiesen
- 1495: ein Achtel Salz zu Sooden an Augustinerkloster Eschwege
- 1513: Zins aus einer Pfanne zu Sooden an Wilhelmitenkloster Witzenhausen
- Kirche und Religion ↑
-
Ortskirchen:
- plebanus (1295)
- Ehemals spätgotische Hallenkirche, wohl 14. Jahrhundert, nach Zerstörung 1637 mit flacher Decke wiederhergestellt. Westteil mit Turm (ab 1649), Barocke Kanzel und Orgel (um 1700)
-
Patrozinien:
- Maria
-
Pfarrzugehörigkeit:
Pfarrkirche St. Marien ursprünglich wohl Filiale von St. Crucis in Allendorf.
1585 und jetzt: eingepfarrt Hof Ahrenberg
Bis 1654: Soden versieht Oberrieden
1747: Vikariate Kleinvach und Ellershausen
1925: Kleinvach
-
Patronat:
Vor der Reformation bei der Äbtissin des Nikolaiklosters in Eisenach
1537/38: von Hessen beansprucht
1585: Hessen
-
Diakonische Einrichtung:
Kleinkinderschule gegründet am 1.7.1882 durch Bürgermeister und Pfarrer, betreut durch DIakonissen vom Mutterhaus in Kassel; 1879 private Spender ermöglichen Unterbringung von kleiner Gruppe an „skrupulösen“ Kindern; Betreuung durch Diakonissen; Ausbau zu einer Kinderheilanstalt; Gradierwerksnutzung Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu CasselS. 335-336; Kinderkurheim für rund 120 zu betreuende Kinder im Ganzjahresbetrieb; 1922 Unterstützung durch eine großzügige Quäkerspende aus den USA; 1933 Übernahme durch die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt); Sommer 1945 Neugründung als Evangelisches Kinderheim; 1953 Umbenennung in Kinderkurheim "Werraland" Freudenstein, Diakonie, S. 165-171
-
Bekenntniswechsel:
Erster evangelischer Pfarrer: Johann Kymäus 14.5.1527-1530(1535?), davor wirkte bereits Georg Siegmann ca. 1524-1527 als evangelischer Prädikant
-
Kirchliche Mittelbehörden:
15. Jahrhundert: Bistum Mainz, Archdiakonat Heiligenstadt
1585: Superintendentur Rotenburg-Allendorf
1780: Geistliche Stadtministratur Allendorf
1872: Klasse Allendorf
1923: Kirchenkreis Witzenhausen
- Kultur ↑
-
Schulen:
Schulmeister: Christoph Gille ca. 1560 bis ca. 1573; 1910 Volksschule mit zwei Klassen
-
Hospitäler:
1655 Stadtschule mit 30 Schülern und einem Lehrer
- Wirtschaft ↑
-
Mittelpunktfunktion:
Zur zentralen Bedeutung siehe Westera
Zur Zeit der französischen Besetzung 1807-1814 Mittelpunkt eines Kantons und Sitz eines Friedensgerichts für die Orte Sooden, Weiden, Ellershausen, Hilgershausen, Vollung, Dudenrode, Kammerbach, Orferode, Hitzelröde, Trubenhausen, Weißenbach, Uengsterode
-
Wirtschaft:
Im Mittelalter Besitz von Ackerland verboten
Bis 1866 nur Handwerker in Verbindung mit der Siederei sowie Bäcker zugelassen
1789: Fleischbänke der Allendorfer Fleischer in Sooden
Vielleicht Platz der Salzschlacht zwischen Chatten und Hermunduren (Tacitus, Ann. XIII Capitulum 57)
Seit 1093 Salinen genannt
1300: Privileg des Landgraf Heinrich, Beschränkung auf 42 Pfannen
1311: Private Bestätigung durch Landgräfin Adelheid
1318: durch Landgraf Otto
1332: durch Landgraf Heinrich II., folgend Bestätigung bei jedem Regierungswechsel, letztmalig 1511 durch die Vormünder des Landgraf Philipp
1413: Erste Erwähnung der Pfännergenossenschaft aus Geschlechtern Allendorfs, verwandten Adligen des umliegenden Landes und verwandten Bürgern in Eschwege, Göttingen, Heiligenstadt, Duderstadt, Mühlhausen und Witzenhausen
1538: Vertrag des Landgraf Philipp mit der Pfännerschaft; zu deren 42 Kothen weitere landgräflich
1540: Verpachtung der Kothen der Pfännerschaft an Landgraf Übergang des Salzwerks in landgräfliche Verwaltung
1541: Salzwerkordnung; an der Spitze 2 Salzgrefen
1567: Neue Salzwerkordnung des Landgraf Wilhelm; an der Spitze 3 Salzgrefen, Salzmonopol
1586: dauernd in landgräflicher Verwaltung; technische Verbesserungen
1543: "Kunst"
1550: Pumpwerk
ab 1576: Verfeuerung von Meißnerkohle
Blütezeit im 16. Jahrhundert Produktionsziffern: 1542: 3466, 1550: 5638,,1560: 7656, 1570: 8001 Pfannen Salz
1906: Pfännerschaft aufgelöst, Salzgewinnung eingestellt
ab 1882: Entwicklung zum Kurbad
-
Markt:
768/779: mit Markt und Zoll an Fulda (?)
-
Zoll:
768/779: mit Markt und Zoll an Fulda (?)
1325: Fuldischer Zoll zu Sooden
1540: Schiffszoll
1575/85: Niederhessische Zollstätte; Salz- und Aschenzoll 206 Gulden
- Nachweise ↑
-
Literatur:
- Arnold, Kirche in der Region Werra-Meißner, S. 81
- Wilhelm A. Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Allendorf an der Werra und des Salzwerks Sooden
- H. Klepsch, Bad Sooden-Allendorf. Die Entwicklung vom Salinenstädtchen zu Sole-Heilbad, in: Hessische Heimat N.F.34 (1984), S. 94-98
- Henkel, Saline Sooden, S. 1 - 67
- Heß, Städtegründungen, S. 88 - 109
- Küther, Historisches Ortslexikon des Kreises Witzenhausen, S. 120 - 126
- W.Görich in: K. Schellhase, Territorialgeschichte des Kreis Rotenburg an der Fulda und des Amtes Friedewald, S. 36 Anm. 137
- Wagner, Geschichte der Stadt Allendorf an der Werra und der Saline Sooden, 1865
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 337, 540
- Zitierweise ↑
- „Sooden, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/14634> (Stand: 27.3.2026)

