Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1359 April 4

Weistum über die Eigentumsrechte Hainas im Gericht Itter

Regest-Nr. 10951

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Staatsarchiv Marburg, Urkundenbestand Kloster Haina. Pergament, Signet des Notars Heinrich von Röddenau mit Initiale H.. Ursprünglich drei Siegel aus grünem Wachs anhängend, 1. fehlt, 2. Rest des Rundsiegel Hermanns von Falkenberg, 3. Rundsiegel Volpert Rudings, beschädigt.
Abschriften: Zusammenfassende Wiedergabe der Urkunde (vor allem der Grenzbeschreibungen) inseriert in Urkunde Landgraf Heinrichs über den Streit des Klosters Haina mit Tiele Wolf von Gudenburg von 1479 Mai 22; Abschriften des 15./16. Jahrhunderts (zusamen mit der oben gen. Urkunde von 1479), Papier. Auf einer der Abschriften rückseitig aufgedrücktes Papiersiegel nicht klar erkennbar. Abschrift des 16. Jahrhunderts, Papier; Abschrift Kopiar K 234b (D 42), Nr. 461.
Regesten: Franz, Kloster Haina 2, S. 258-260 Nr. 661.
Regest
Hessenstein. - Heinrich von Röddenau (Rudene), geboren zu Frankenberg, kaiserlicher Notar (uffin scribere), bekundet, daß in seiner Gegenwart vor dem Haus Hessenstein die ältesten und weisesten Landleute der nachbenannten Dörfer im Gericht Itter (Ittirzschin gerichte) ein Weistum (kuntschaft und geleginheid) über Eigentum und Rechte des Klosters Haina an Eigenleuten, Gütern, den Gewässern an der Eder (Edir) und den Wäldern in diesem Gericht gegeben haben:
1. Albrecht Groppe, Albrecht Geroldis d.Ä., Henkemann Bonlendirs, Henkemann Geroldis und Gerold, Landleute im Dorf Altenlotheim (Aldinloitheim), sagten und beschworen, zu Bonlendirs Gut ebd. gehöre der di Hard genannte Wald, den das Kloster Haina von (der Kommende) Wiesenfeld (Wysintfeld) gekauft hat; zu Groppin Gut gehören der Wald in dem Mu^elinbache, zu Ronewinkils Gut der Wald di Reisburg, zu Heinrich Wigands Gut der Wald di Lichtinhard, zum Gut der Hettin die Wälder Kornberg und Bellinscheid, zum Gut Siegfrieds bi deme Stege der Wald Costirholz zu dem Gut zu Mengershausen (Mengirzhusin) die Wälder die Spitze und di Mu^elinberg, zu den Gütern Drudelyns und Esschebruchirs der halbe Bo^edinscheid. Die genannten Güter sind altes Eigen des Klosters Haina, das die gemeine Mark darin ausübt; dazu gehören der halbe Eschelbach (Esel-) und die Banfe (Banefe) bis zur Gemarkung Quernhorst (-harst). Das Kloster Haina hat diese Wälder, die unter dem Namen Hochwald (Hochgewelde) zusammengefaßt werden, von alters her zu seinem Nutzen gehegt und geforstet, hat über die genannten und alle sonstigen Klostergüter ebd., Gülten und Gefälle, kleine und große Zehnten und Waldmeden aus Häusern, Höfen, Holz und Feld verfügt und Eigenleute zu seinem Dienst gehalten.
(2.) Kraft d.Ä. von Lotheim (Loitheim) und Heinrich der Sunnen, Landleute im Dorf Schmittlotheim (Smidde-), sagten und beschworen, daß alles Gut in Schmittlotheim und seiner Gemarkung, kleiner und großer Zehnte und Waldmeden von Häusern, Höfen, Holz, Feld, Wasser und Weide samt Zubehör altes Eigen des Klosters Haina sei, das von Alters her darüber verfügt und sie genutzt habe. Die Gemarkungsgrenze (marke) des Dorfes gehe von der Eder über den Redirzberg ins Fisildal, von dort zu der Eiche auf dem Buchschare und weiter den Rücken entlang ins Erkirtal bis zur Gemarkung Bringhausen (Brunynghusin). Die Wälder in der Gemarkung, die man sämtlich unter dem Namen Hochwald (Hochgewelde) begreift, werden von alters her vom Kloster Haina zu seinem Nutzen gehegt und geforstet. Weiterhin haben das Kloster und seine Fischer in den klostereigenen Gewässern an der Eder von alters her mit Zügen (tzugin) und Leuchten (luchtene) gefischt.
(3.) Die genannten Landleute von Alten- und Schmittlotheim erklärten bei ihrem Eid weiter, das Kloster besitze vierzehn Lehen in der Wüstung Eschelbach (Esil-) samt dem zugehörigen Wald und habe auch diesen von alters her gehegt und geforstet.
(4.) Konrad Mergard, Gerold und Heinrich Vornefette, Landleute zu Bringhausen, sagten und beschworen, daß alles Gut im Dorf und Gemarkung Bringhausen, kleiner und großer Medem von Häusern, Höfen, Holz, Feld, Wiesen und Weiden altes Eigen des Klosters Haina sei, das von alters her darüber verfügt, (den Wald) gehegt und geforstet, Eigenleute zu seinem Dienst gehalten, auch selbst und durch seine Fischer in den Gewässern an der Eder mit Ziehen (cyhene) und Leuchten gefischt habe. Die von Itter haben von alters her keinerlei Recht, in den Hainaer Gewässern zu fischen; das Kloster und seine Fischer haben das Wasser von Elgershausen (Elgirzhusin) abwärts bis zum Momenbach befischt, woran von alters her niemand anderes Rechte habe.
(5.) Wigand Damme, Konrad Kreling und Kobrad Hache, Landleute zu Frankenau (Frankibowe), sagten und beschworen, daß der Trubinbach, der alte Keseberg, der Silbach und der Berg Silburg, auf dem jetzt der Hessenstein liegt, die Bracht, die Wüstung Ronighausen (Ronynghusin) samt Zubehör, di Lengilnhain und di Difsnedin bis zur Gemarkung Frankenau samt allen Zubehör an Holz und Feld altes Eigen des Klosters Haina sei, daß darüber von alters her verfügt und (den Wald) gehegt und geforstet habe. Die genannten Landleute von Altenlotheim, Schmittlotheim und Bringhausen bestätigen die Aussage derer von Frankenau über Eigentum und Wälder des Klosters um den Hessenstein. Wigand Tamme fügte hinzu, daß er selbst diese Wälder lange Zeit im Auftrag des Klosters gehegt und geforstet habe. Die genannten Dorfleute erklärten weiter, daß auch daz Esschebruch und der Keseberg samt Zubehör an Holz und Feld altes Eigen des Klosters sei und sonst niemand ein Recht daran habe.
(6.) Holtzirnkop und Kune Schope, Landleute zu Herzhausen (Hertzhusin), sagten und beschworen, das Kloster Haina habe über sein gesamtes Gut in Dorf und Gemarkung Herzhausen, Zinsen, kleinen und großen Zehnten und Waldmedem von Häusern, Höfen, Holz und Feld von alters her verfügt und seine Gewässer an der Eder von Herzhausen nach Lotheim hin durch seine Fischer mit Ziehen und Leuchten befischt. Das Kloster habe weiter seine Wälder in der Gemarkung ebd. vom Winkilde bis zum Steilbache, weiter zum Erinberge und durch das Berintal bis zum Ossenbühl (Ossinbule) von alters her gehegt und geforstet.
(7.) Die genannten Landleute von Herzhausen und Schmittlotheim sowie Konrad Mergard d.Ä. von Bringhausen erklären bei ihrem Eid, das Kloster habe von alters her auch die zu seinem Hof Lotheim gehörigen und in dessen Gemarkung gelegenen Wälder gehegt und geforstet, deren Grenze von Mumenbach den Rücken hinauf zum Ernstinberge, dann der Scheidung folgend zur Linde führt, von dort oberhalb der Swertzilgrubin zum Kirchgrund und oben zum Mo^enschishein, über den Muckenberg und das Holz oberhalb des Hofes zum Langinberge, von dort den Rücken hinab zur Linde, weiter zum Nunnenbette, den Hochwald oberhalb davon und den Wald über Kirchlotheim (einschließend) zum Ossenbühl (Ossinbule) und über dessen Höhe hinweg wieder zum Momenbach. All diese Wälder werden unter dem Namen Hochwald (Hochgewelde) zusammengefaßt.
Zeugen und Siegler: Reinhard Krelyng von Frankenau (-inauwe), Priester; Junker Hermann von Falkenberg (Valkin-), Amtmann zu Rosenthal (Rosindale), und Volpracht Rudyng, Burgmann ebd.
(...) nach gods gebord 1359 iar und in deme 7. iar unsirs geistlichin vatirs des babistis Innocentii des sestin, uffe santte Ambrosius dag, vor deme hus tzu dem Hessinsteyn, und waz ume mittin morgentzit (...) indictio 12., und waz der 4. dag in dem ma^onde der da geheizin ist der april.
Nachweise

Weitere Personen

Röddenau, Heinrich von · Groppe, Albrecht, aus Altenlotheim · Geroldis, Albrecht d.Ä., aus Altenlotheim · Bonlendirs, Henkemann, aus Altenlotheim · Geroldis, Henkemann, aus Altenlotheim · Gerold, aus Altenlotheim · Bi dem Stege, Siegfried, aus Altenlotheim · Hessen, Landgrafen, Heinrich II. · Lotheim, Kraft d.Ä. von, aus Schmittlotheim · Sunnen, Heinrich der, aus Schmittlotheim · Mergard, Konrad, aus Bringhausen · Vornefette, Gerold, aus Bringhausen · Vornefette, Heinrich, aus Bringhausen · Damme, Wigand, aus Frankenau · Kreling, Konrad, aus Frankenau · Hache, Konrad, aus Frankenau · Holtzirnkop, aus Herzhausen · Schope, Konrad, aus Herzhausen · Krelyng, Reinhard, aus Frankenau, Priester · Falkenberg, Hermann [II.] von · Rudyng, Volpracht, Burgmann in Rosenthal

Weitere Orte

Haina, Kloster · Hessenstein · Frankenberg · Itter, Gericht · Altenlotheim (Gem. Frankenau) · Hochwald, im Gericht Itter gelegen · Eschelbach · Wiesenfeld, Kommende · Mengershausen · Quernhorst · Schmittlotheim · Bringhausen · Eschelbach, Wüstung · Bringhausen · Eder · Elgershausen · Momenbach · Trubinbach · Keseberg · Silbach · Silburg · Ronighausen, Wüstung · Bracht · Frankenau · Herzhausen · Lotheim · Ossenbühl · Kirchlotheim · Rosenthal, Amtmänner · Rosenthal, Burgmänner

Sachbegriffe

Klöster · Weistume · Notare, kaiserliche · Flurnamen · Güter · Wälder · Zehnte, große · Zehnte, kleine · Eigengüter, alte · Gülte · Gefälle · Waldmede · Eigenleute · Dienste · Fischereien · Fischereitechniken · Gewässer, klostereigene · Wüstungen · Gemarkungsgrenzen · Amtmänner · Burgmänner

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Franz, Kloster Haina 2

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 10951 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/10951> (Stand: 21.08.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde