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5021 Ziegenhain
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 52. Ziegenhain

Obergrenzebach

Ortsteil · 300 m über NN
Gemeinde Frielendorf, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5 km östlich von Ziegenhain.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss beiderseits des Grenzebachs. Hauptkomplex der Siedlung in dichter Gehöftanordnung auf einem von Nordosten nach Südwesten auslaufenden Feldrücken. Kirche mit ummauertem Kirchhof in zentraler Lage. Moderne Bebauung hangaufwärts im Norden sowie auf den gegenüberliegenden Hängen links des Grenzebachs.

Straße Niedergrenzebach - Seigertshausen führt durch den südlichen Randbereich des Ortes.

Straßen nach Schönborn und Großropperhausen.

Ersterwähnung:

1015

Historische Namensformen:

  • Grincenbach, de (um 1015) [MGH SS 10, S. 607]
  • Grinzenbach (1142) [HStAM Bestand Urk. 56 Nr. 2333]
  • Grencenbach (1249) [vgl. jeweils auch Nieder-Grenzebach]
  • Obern Grentzebach
  • Obergrenzebach
  • Ober-Grenzebach
  • Grenzebach, Ober-

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Forsthaus Kornberg,
  • Daubenmühle,
  • Bücklingsmühle,
  • Wüstung Bubenhausen,
  • Wüstung Gersdorf,
  • Wüstung Hummelsmühle,
  • Wüstung Roppershain,
  • Wüstung Dorfeln.
  • Auf eine wüste Siedlung deutet der Flurname Erbenrod (1495: Elpeterode; 18. Jahrhundert: Im Erbenroth).

Umlegung der Flur:

1910/1912

Älteste Gemarkungskarte:

1717

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3521562, 5642659
UTM: 32 U 521479 5640842
WGS84: 50.91881814° N, 9.305571611° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634004100

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1734 stellbares Land, 739 Wiesen, 85 Gärten, 13 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 884, davon 484 Acker (= 54.75 %), 224 Wiesen (= 25.34 %), 132 Holzungen (= 14.93 %)
  • 1961 (Hektar): 1325, davon 526 Wald (= 39.70 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1639: 36 Hausgesesse, 1 Witwe. 1681: 38 Hausgesesse, 6 Ausschuss, 2 Junggeselle.
  • 1750: 5 Wagner, 1 Zimmermann, 3 Schneider, 3 Schmiede, 4 Leineweber, 1 Faßbinder, 2 Maurer, 3 Tagelöhner, 3 Müller, 1 Branntweinbrenner, 2 Branntweinschenken, welche dem Schneider und Branntweinbrenner zugerechnet werden, 1 Handelsjude.
  • 1750: 60 Wohnhäuser einschließlich 3 Mühlen, 305 Einwohner.
  • 1834: 546, 1885: 579 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 33 Ackerbau, 31 Gewerbe, 32 Tagelöhner.
  • 1861: 617 evangelisch-reformierte Einwohner.
  • 1885: 579, davon 579 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 664, 1939: 699, 1950: 1024, 1961: 915 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 197 Land - und Forstwirtschaft, 176 produzierendes Gewerbe, 26 Handel und Verkehr, 37 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 915, davon 860 evangelisch (= 93.99 %), 54 katholisch (= 5.90 %)
  • Um 1510: 14 wehrhafte Männer. 1585: 61 Hausgesesse.

Diagramme:

Obergrenzebach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Ende 15. Jahrhundert, 1537 und 1585: Gericht am Spieß (Frielendorf).
  • 1376: Gericht Frielendorf und Grenzebach
  • 1742 und später: Amt Ziegenhain
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Ziegenhain
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Treysa
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung eines Teils des aufgelösten Gutsbezirks Forst Neukirchen.

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform der Zusammenschluss der Gemeinden Leimsfeld, Obergrenzebach und Schönborn zur neu gebildeten Gemeinde Grenzebach. Diese ging am 1.1.1974 in der Gemeinde Frielendorf auf, wodurch Leimsfeld zu dessen Ortsteil wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Der wichtigste Grundherr am Ort dürfte bis Mitte 13. Jahrhundert die ritterbürtige Familie von Grenzebach gewesen sein.
  • 1309 verzichtet Marquard von Ober-Grenzebach auf alle Handlungen gegenüber Kloster Spieskappel wegen im Ort gelegener Güter, die vermutlich schon im Zuge der Patronatsübertragung 1259/62 durch Marquards gleichnamigen Vater an Spieskappel gelangt waren (vgl. Patronat).
  • 1309 schenkt Reiner von Wichdorf dem Kloster eine jährliche Gülte aus seinen Gütern zu Grenzebach. Ein Gut zu Ober-Grenzebach, daz dar gelegen ist vur dem tore, gelangt 1340 im Tausch mit den Grafen von Ziegenhain in Klosterbesitz.
  • 1308 sind Güter zu Ober-Grenzebach von Kloster Breitenau an Gerlach von Lüder verpachtet; 1494 überträgt Kloster Breitenau diese Güter Spieskappel.
  • Weitere, 1494 von Breitenau an Spieskappel vertauschte Güter, die Breitenau bereits 1344 verpachtet hatte, lagen in der Flur der Wüstung Gersdorf (1522).
  • 1344 bittet Johann Holzsadel Graf Johann VII. von Ziegenhain um Belehnung Ortwin Biszigels mit 3 Hufen Landes, die er jenem verkauft hat.
  • 1351 bekennt Konrad Krug, dass er auf alle Ansprüche gegenüber seinem Oheim Wigand, Pfarrei zu Ziegenhain, wegen einer Hufe zu Ober-Grenzebach, die man nennt auf dem Berge, verzichtet hätte.
  • 1412 bekennt Johann Waltvogel, ein halbes Gut zu Ober-Grenzebach, das er als ziegenhainisches Lehen besitzt, Kloster Immichenhain für 100 Gulden verpfändet zu haben.

Zehntverhältnisse:

1272 schenkt Kloster Hersfeld Kloster Spieskappel den halben Zehnten zu Ober-Grenzebach.

1412 bekennt Johann Waltvogel, dass er 1 Viertel des Zehnten in der Dorfmark von Ober-Grenzebach Kloster Immichenhain verpfändet hat.

1522 war eine Hälfte des Zehnten in Ober-Grenzebach im Besitz von Spieskappel, die andere Hälfte im Besitz der von Lüder.

Ortsadel:

1142-1327.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Pfarrer 1249 genannt, damals zugleich Erzpriester des Archipresbyterats Mardorf (Urkunden A II Kloster Spieskappel).

Patrozinien:

  • Laurentius (1485).

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche, der 1569 und später Filiale Seigertshausen eingepfarrt war.

Patronat:

1259/62 erwirbt Kloster Spieskappel von den von Grenzebach den Patronat der Kirche.

Nach zwischenzeitlichen Streitigkeiten des Kloster mit Nachkommen der von Grenzebach verzichtet der Wäppner Marquard von Ober-Grenzebach 1327 auf alle Ansprüche gegenüber Spieskappel.

Nach der Säkularisierung des Klosters 1527 treten die Landgrafen in die Patronatsrechte ein.

Bekenntniswechsel:

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Curt Schoppe ca. 1533-1564

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605

Kirchliche Mittelbehörden:

1249 und später: Archipresbyterat Mardorf.

Juden:

1744: 1 jüdische Familie.

1750: 1 Handelsjude.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Obergrenzebach, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4692> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde