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5816 Königstein (Taunus)
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Herzogtum Nassau 1819 – 42. Königstein

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Kelkheim

Stadtteil · 193 m über NN
Gemeinde Kelkheim (Taunus), Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Kloster; Stadt

Lagebezug:

6 km nordöstlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

4 km südwestlich von Bad Soden

Kelkheim mit den eingemeindeten Dörfern Hornau und Münster liegt in einer von tertiären Banden und Tonen sowie diluvialen Schuttmassen erfüllten Bucht des Maintaunusvorlandes, die von einem steilen Bruchrand begrenzt, tief in die stark bewaldete und durch tief eingeschnittene Bäche in Kuppen aufgelöste Vortaunusstufe (Rossert 515 m, Staufen 451 m, Lorsbacher Kopf 309 m) hineinreicht, am Liederbach. Mittlere Höhe Kelkheim 200 m, Hornau 214 m, Münster 171 m.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main/Höchst – Königstein (Inbetriebnahme der Strecke 24.2.1902).

Ersterwähnung:

880

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • 1812: Hof Gimbach, Walkmühle auf der Schmelz
  • 1977: Rettershof (Cafe), Richter, Veronika Lechinger
  • Kelkheim-Mitte

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3460535, 5555831
UTM: 32 U 460476 5554049
WGS84: 50.13735083° N, 8.446924912° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436008030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 1.485 Morgen
  • 1885 (Hektar): 419, davon 251 Acker (= 59.90 %), 45 Wiesen (= 10.74 %), 97 Holzungen (= 23.15 %)
  • 1895: 392,8 ha
  • 1961 (Hektar): 1517, davon 479 Wald (= 31.58 %)
  • 1977: 438,9 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1583: 42 Häuser
  • 1588: 38 Häuser
  • 1605: 29 Häuser
  • 1632: 20 Häuser
  • 1648: 10 Häuser
  • 1660: 12 Häuser
  • 1670: 17 Hausgesessene
  • 1690: etwa 150 Einwohner
  • 1710: 198 Einwohner
  • 1730: 211 Einwohner (davon 61 Söhne, 51 Töchter, 3 Witwen)
  • 1750: 204 Einwohner
  • 1760: 220 Einwohner (81 Söhne, 75 Töchter, 10 Witwen)
  • 1780: 318 Einwohner
  • 1794: 259 Einwohner (60 Söhne, 72 Töchter, 4 Witwer, 7 Witwen)
  • 1801: 259 Einwohner
  • 1817: 418 Einwohner
  • 1830: 480 Einwohner
  • 1885: 832, davon 27 evangelisch (= 3.25 %), 805 katholisch (= 96.75 %)
  • 1925: 1976 Einwohner (509 Familien)
  • 1933: 4629 Einwohner mit Hornau und Münster
  • 1950: 7782 Einwohner (1183 Heimatvertriebene, 2747 Haushalte)
  • 1961: 10489, davon 3777 evangelisch (= 36.01 %), 6311 katholisch (= 60.17 %)
  • 1970: 16208 Einwohner

Diagramme:

Kelkheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1581/94: Amt Eppstein im Oberamt Königstein
  • 1782: Oberamt Höchst
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Unteres Erzstift, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Eppstein
  • 1803: Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Hofheim
  • 1806: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1867: Preußen Provinz Hessen-Nassau, Obertaunuskreis
  • 1919: Hilfskreis Königstein in der französischen Besatzungszone
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • Die hohe Gerichtsbarkeit in Kelkheim und Hornau trugen die Herren von Eppstein als Vögte vom Bartholomäusstift in Frankfurt zu Lehen (bezeugt seit 1276/77). Sie wurde später durch das Oberamt Königstein wahrgenommen. Die Dörfer gehörten zum Bezirk des Landgerichts zum Heusels (so 1434 und 1439). Der Schultheiß der Herren von Eppstein saß zu Kelkheim, mit dem Hornau bis 1784 eine Gerichtsgemeinde bildete. Weistum über das Gericht von 1482. Ab 1491 zum Landgericht Hof Häusel gehörig. Die bürgerliche Gerichtsbarkeit zu Kelkheim und Hornau übte bis Ende 16. Jahrhundert das Hüben- oder höfische Gericht zu Kelkheim, das aus 7 Schöffen bestand, darunter der Schultheiß; Bruchstück eines Gerichtsbuches von 1515-99 auf dem Rathaus. Dieser Untervogt des Stifts, früher ein Adliger, saß in Hornau auf dem Stifts- oder Dinghof.
  • 1816: Amt Königstein
  • 1849: Justizamt Königstein
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Königstein
  • 1867: Amtsgericht Königstein

Herrschaft:

Herrschaft:

Kelkheim und Hornau gehörten seit dem 9. Jahrhundert dem Bartholomäusstift in Frankfurt und bildeten die Vogtei Kelkheim, mit der das Stift die Herren von Eppstein und nach deren Aussterben 1535 die Grafen von Stolberg belehnte. Lehnsurkunden der Eppsteiner lassen sich von 1369, 1404, 1469 und 1478 sowie der Stolberger von 1535 und 1575 nachweisen.

Kurmainz nahm 1581 die Grafschaft Königstein in Besitz und kaufte 1594 alle Vogteirechte des Bartholomäusstifts ab.

Die Rechte des Landgrafen von Hessen, der 1492 neben dem westlichen Teil der Herrschaft Eppstein das halbe Gericht m Heusels erkaufte, wurden früh rückgedrängt.

Bei Säkularisation des Erzstifts Mainz 1802/03 fielen die 3 Dörfer an Nassau-Usingen.

Gemeinde:

Je ein Schultheiß als landesherrlicher Ortsgerichtsvorstand leitete die Verwaltung der 3 Gemeinden. Unter ihm der Bürgermeister, in Kelkheim 1516, in Hornau seit 17. Jahrhundert bezeugt; er führte die Gemeindekasse und -rechnung unter Kontrolle der Amtsverwaltung. Ende 18. Jahrhundert standen ihm in Hornau 1, in Kelkheim und Münster je 2 Vorsteher r Seite. Das Bürgermeisteramt wechselte jährlich in allen 3 Orten, bis es um 1780 ständig wurde.

Gemeindeentwicklung:

Kelkheim wurde am 01.04.1938 das Stadtrecht verliehen und die Dörfer Hornau und Münster der neuen Stadt eingemeindet.

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Kelkheim, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Kelkheim.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1284 besitzt das Frankfurter St. Bartholomäusstift hier einen Hof.
  • 1333 verpachtet das Stift zwei Hufen Land an den Ritter Kuno von Hornau.
  • 1382 bezieht das Stift Einkünfte von 29 Hufen im Ort.
  • 1594 wird der gesamte Stiftsbesitz in Kelkheim einschließlich des Rodenbergs an das Kurfürstentum Mainz verkauft.

Zehntverhältnisse:

Als Inhaber der Kirche zu Münster steht der Zehnte dem St. Stephansstift in Mainz zu.

1615 haben die von Kronberg den zehnten als Pächter inne.

1619 gelangen der große und kleine Zehnte in den Besitz der von Kronberg.

1668 besitzt Mainz den großen Zehnten und der kleine Zehnte steht zu 2/3 den von Kronberg und 1/3 dem Pfarrer in Münster zu.

1699 erhalten die von Bettendorf den Mainzer Anteil am Fruchtzehnten als Pfand.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1774: Fachwerkkapelle
  • 1891/92: Bau von St. Peter und Paul
  • 1934/35: Bau der ev. Kirche (1945 durch Bombenangriffe zerstört)
  • 1949: Restaurierung, Erweiterung und Neuweihe der ev. Kirche

Patrozinien:

  • Peter (1891/92) und Paul (1891/92) und Franziskus (Klosterkirche, 1909)

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1920 zur Pfarrei Münster gehörig

Ab 1920 eigenständige Pfarrei mit Hornau als Filial

1930 zur ev. Pfarrei Oberliederbach gehörig

1959 zusammen mit Hornau eigenständige ev. Pfarrei

1967 Abtrennung der Hornauer Gemeinde von Kelkheim

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Königstein durch Ludwig von Stolberg ab 1536.

Katholischer Bekenntniswechsel: um 1604

Erst seit der Industrialisierung stellt die evangelische Konfession einen geringen Teil der bis dahin katholischen Bevölkerung.

Kirchliche Mittelbehörden:

Kelkheim gehörte zum Kirchspiel Münster.

Seit 1107 zum Dekanat Eschborn, Archidiakonat St. Peter in Mainz gehörig

Juden:

1619 Juden

Kultur

Schulen:

Kirchspielschule der 3 Orte zu Münster seit Anfang 17. Jahrhundert bezeugt. Hornau und Kelkheim erstreben seit 1682 eigene Schule und erreichen dies 1710 bzw. 1717, hatten aber noch gewisse Verpflichtungen für den Schulmeister in Münster als Glöckner. Jetzige Schule in Kelkheim 1911, in Hornau und Münster um 1913. 1895-1938 in Kelkheim gewerbliche Fortbildungsschule (Berufsschule). Realschule in Kelkheim-Hornau seit 1951

Kultur:

Seit 1950 Kelkheimer Nachrichten als Lokalausgabe der Taunuszeitung (von Königstein)

Historische Ereignisse:

In Münster 1634-36 Pest

In Kelkheim 1813/14 Typhus (32 Tote)

Wirtschaft

Mühlen:

Seit 1549: Müller in Kelkheim

1668: Mühle im Besitz des Klosters Retters (Gebäude 1965 abgerissen)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kelkheim, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11281> (Stand: 18.10.2018)
 
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