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5816 Königstein (Taunus)
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Herzogtum Nassau 1819 – 42. Königstein

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Münster

Stadtteil · 174 m über NN
Gemarkung Kelkheim, Gemeinde Kelkheim (Taunus), Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5 km nordöstlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

1 km südöstlich von Kelkheim an der B 519 und L 3016.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main/Höchst – Königstein (Inbetriebnahme der Strecke 24.2.1902).

Ersterwähnung:

(780-802)

Siedlungsentwicklung:

Der Siedlungskern liegt im Tal am rechten Ufer des Liederbaches. Der Ort liegt in der Hornauer Bucht des östlichen Main-Taunus-Vorlands.

1631 wurde Münster durch schwedische und Hessen-Kasseler Truppen zerstört.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3461362, 5554740
UTM: 32 U 461303 5552958
WGS84: 50.12759735° N, 8.458602824° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436008033

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 2053 Morgen
  • 1885 (Hektar): 550, davon 347 Acker (= 63.09 %), 43 Wiesen (= 7.82 %), 139 Holzungen (= 25.27 %)
  • 1895: 550,8 ha
  • 1977: 551,4 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1543: 45 Hausgessene
  • 1550: 37 Häuser
  • 1559: 39 Häuser
  • 1587: 46 Hausgessene
  • 1617: 43 Bürger
  • 1635: 25 Männer und 14 Witwen
  • 1638: 6 Männer
  • 1648: 7 Häuser mit 9 Männern und 2 Witwen
  • 1668: 26 Herdstätten mit 109 Einwohner
  • 1692: 156 Einwohner
  • 1700: 178 Einwohner
  • 1720: 229 Einwohner
  • 1750: 259 Einwohner
  • 1777: 44 Männer
  • 1780: 260 Einwohner
  • 1796: 50 Häuser
  • 1805: 66 Gemeindemitglieder und 4 Witwen
  • 1817: 427 Einwohner
  • 1885: 662, davon 22 evangelisch (= 3.32 %), 640 katholisch (= 96.68 %)

Diagramme:

Münster: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Im Frühmittelalter Niddagau gehörig (Codex Eberhardi)
  • Oberliederbacher Mark
  • 1350: Herrschaft Eppstein, Amt Hofheim
  • 1660: Kurmainz, Kellerei und Amtsvogtei Hofheim im Oberamt Höchst
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Hofheim
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Landkreis Wiesbaden
  • 1886: Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Landkreis Höchst
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • Münster gehörte zum Landgericht Diefenwegen der Herrschaft Königstein (bezeugt 1307), wurde aber 1565 aus dieser Verbindung von Kurmainz gelöst.
  • Es besaß auch ein Vogtei- oder Dorfgericht, das sogenannte Weggericht, das vom Inhaber der Herrschaft Königstein verwaltet wurde, und ein Hüben- oder höfisches Gericht mit Schultheiß und 7 Schöffen (ab 1403 bezeugt), das dem St. Stephans-Stift in Mainz als Eigentümer des Fronhofs zustand.
  • Das höfische Schultheißenamt verlieh das Stift dem Inhaber des Fronhofs zunächst zu Erbzinsrecht (so 1436), dann auf 20 Jahre (1499ff.); durch Kauf des Hofs ging dies Recht Ende 16. Jahrhundert auf die Grafen von Kronberg und deren Erben über.
  • Die Stellung des landesherrlichen Schultheißen wurde gegenüber dem fronhöfischen um 1600 (unter anderem Beigabe von 7 Schöffen) und nach der kronbergischen Pfandherrschaft 1692 verstärkt.
  • 1816: Amt Höchst
  • 1849: Justizamt Höchst
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Höchst
  • 1867: Amtsgericht Höchst am Main
  • 1879: Amtsgericht Höchst
  • 1928: Amtsgericht Frankfurt a. M./Höchst
  • 1938: Amtsgericht Königstein i. Ts.

Herrschaft:

Herrschaft:

1000: St. Stephan in Mainz

1243: Herrschaft Münzenberg (NUB 510)

1287: Herrschaft Falkenstein (NUB 1076)

1305: Kloster Arnsburg (NUB 1360/68)

1350: Herrschaft Eppstein (NUB 2596)

Doch besaß der Erzbischof von Mainz Hoheitsrechte; er versetzte Münster 1429 als Behör des Schlosses Hofheim an Frank von Kronberg.

1465: Pfand von Eppstein-Königstein

1476 belehnt das Stift St. Stephan in Mainz Philipp von Eppstein-Königstein mit den Vogteien über Münster, Hattersheim und Eschborn, was 1499 vom Erzbistum Mainz bestätigt wird.

1535 verbleibt der Ort beim Rückfall der Vogtei an Mainz in der Herrschaft Königstein.

Als dessen Erbe der Graf von Stolberg 1559 die Kellerei Hofheim endgültig an Kurmainz verkaufte und 1565 auf die Vogteirechte über Münster verzichtete.

1565 sichert sich Kurmainz die Blutgerichtsbarkeit, die Dorfherrschaft und die Vogtei.

Das Stephansstift sprach seinen Verzicht 1593 aus.

1660: Lehen unter der Herrschaft Graf Kraft Adolf Otto von Kronberg

1660: Mannlehen der Grafen von Kronberg

1802/03: Nassau-Usingen

Gemeinde:

Je ein Schultheiß als landesherrlicher Ortsgerichtsvorstand leitete die Verwaltung der 3 Gemeinden Kelkheim, Hornau und Münster. Unter ihm der Bürgermeister, in Kelkheim 1516, in Hornau seit 17. Jahrhundert bezeugt; er führte die Gemeindekasse und -rechnung unter Kontrolle der Amtsverwaltung. Ende 18. Jahrhundert standen ihm in Hornau 1, in Kelkheim und Münster je 2 Vorsteher r Seite.

Münster hatte wie die übrigen Dörfer des Mainzer Amtes Hofheim 2 Bürgermeister, von denen der Unterbürgermeister um 1725 völlig Rücktritt; nach Ordnung von 1617 sollen dort die Gemeindediener: Schützen, Wächter und 2 Hirten, künftig nicht mehr von Bürgermeister und Gemeinde, sondern durch Schultheiß und Gericht auf dem Rathaus angenommen werden. Das Bürgermeisteramt wechselte jährlich in allen 3 Orten, bis es um 1780 ständig wurde.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1938 Eingemeindung von Hornau und Münster in Kelkheim.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 990 schenkt Erzbischof Willigis von Mainz dem Stift St. Stephan den Ort , dessen Grundbesitz 1499 29 Morgen an Ackerland und 11 Morgen Weideland umfasste. 1753 besaß das Stift 100 Morgen Land in und um Münster.
  • 1222 hatte das Kloster Retters einen Gutshof in Münster.
  • 1287 vermachte Konrad von Sulzbach seine Güter zu Münster dem Kloster Patershausen (NUB 1076).
  • 1297 erhält das Kloster Arnsburg Besitzungen im Ort (NUB 1223) und erweiterte diese durch Zukauf von Land im Jahre 1305 (NUB 1360/1368).
  • 1438 verkauften die Rudel von Reifenberg ihre Äcker an Frank den Älteren von Kronberg (Solmser Reg. 1082).
  • 1457 verpfändete Gottfried von Eppstein seinen Hof und verschiedene Einkünfte an das Stift.
  • 1492 erwarb Hessen den Eppsteiner Hof, welcher aber weiter Abgaben an St. Stephan zu leisten hatte.
  • 1587 tauscht Hessen den Hof mit Hartmut XIII. von Kronberg gegen Rechte in Nordenstadt ein (seitdem heißt das Gut in der Nähe der Kirche Kronberger Hof).
  • 1608 erhält Johann Schweikard von Kronberg im Tausch für das von ihm erbaute Schulhaus die Befreiung des Hofes von allen Gemeindelasten.
  • 1638 verkaufte die Gemeinde ihren Wald an die Grafen von Kronberg zur Begleichung ihrer durch den Krieg entstandenen Schulden.
  • 1704 geht der Hof in den Besitz derer von Bettendorf und danach in den Besitz der Gräfin von Coudenhoven über.
  • 1812 geht der Hof in das Eigentum der Gemeinde über.

Zehntverhältnisse:

1158 bestätigte Erzbischof Willigis von Mainz dem Stift St. Stephan 2/3 des Zehnte zu Münster.

1492 wurde die Zehntaufteilung nochmals bestätigt.

1615 trugen die Ganerben zu Kronberg den Zehnten von St. Stephan zu Lehen.

1623 gehörten der kleine und große Fruchtzehnte dem Erzbischof von Mainz.

1668 ist der große Zehnte im Besitz von St. Stephan, welches dem Pfarrer 1/4 der Einnahmen überlässt. Zu diesem Zeitpunkt erhält die Herrschaft Kronberg 2/3 und der Pfarrer 1/3 des kleinen Zehnten.

Ortsadel:

Von 1336 bis 1359 lässt sich ein Edelknecht Johann von Münster nachweisen, welcher als Schultheiß und Burgmann zu Königstein diente.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 990: Kirche
  • 1373: Errichtung des Marienaltars in der Pfarrkirche
  • 1544: Stiftung einer Kapelle am Weg nach Zeilsheim
  • 1587: Bezeichnung der Kapelle als St. Wendelinskirche (1706 als alte Kirche bezeichnet)
  • 1651: St. Adelguthen-Pfarrkirche
  • 1710: Dionysius-Altar
  • 1811: Neubau der kath. Pfarrkirche St. Dionysius an Stelle der bisherigen Kirche
  • 1819: Abbruch der verfallenen St. Wendelinskirche
  • 1882: Bau der heutigen Friedhofskapell an Stelle der Wendelinskirche
  • 1969/70: Erweiterung der Pfarrkirche

Patrozinien:

  • Adelgunthen; Dionysius

Pfarrzugehörigkeit:

Zur Pfarrei Münster gehörten bis in die Neuzeit Kelkheim und Hornau. Ab 1350 gehörte ebenfalls Hausen vor der Sonne zur Pfarrei.

Patronat:

Die Kirche kommt zusammen mit der Grundherrschaft 990 an St. Stephan (NUB 240).

Klöster:

  • Die Pfarrei hatte enge Beziehungen mit den Stiften von St. Stephan in Mainz und dem Bartholomäusstift in Frankfurt.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation: vor 1552

Katholischer Bekenntniswechsel: 1576 war der Ort wieder katholisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107: Dekanat Eschborn, Archidiakonat St. Peter in Mainz

Kultur

Schulen:

1564-1600: Lehrer

Nach 1650: wieder Unterricht

1608: Überlassung des Schulgebäudes an die Gemeinde durch Johann Schweikard von Kronberg

1623: Schulmeister

1682: Neubau des Schulgebäudes

1813: Umbau des Coudenhovenschen Hauses zum neuen Schul- und Ratshaus (Altes Rathaus)

1897/98: Schulneubau

1970: Grundschule Sindlinger Wiesen

1971-76: Bau der Eichendorff-Gesamtschule

Seit 1976: Immanuel-Kant-Schule (gymnasiale Oberstufe) in der Eichendorff-Schule

Seit 1980: Gustav-Lesemann-Schule für lernbehinderte Kinder (1995 Umbenennung in Anne-Frank-Schule)

Historische Ereignisse:

1682-1687 streiten sich Münster, Hornau und Kelkheim über den Schulneubau. 1687 vergleichen sich die Orte und beschließen, die Schule auf dem Kirchhof zu errichten.

1745 führen St. Stephan und die Gemeinde einen Streit um das Besetzungsrecht für den Schulmeister, welcher 1796 zu Gunsten der Gemeinde endet.

Wirtschaft

Mühlen:

1307: Mühle

1440: zwei Mühlen im Besitz von St. Stephan

Vor 1567: Mühle im Besitz des Hartmut von Kronberg

1623: Bannmühle für Münster, Ober- und Unterliederbach, Sulzbach sowie Bad Soden

Seit 1660: Mühle im Besitz der Grafen von Kronberg und später derer von Bettendorf

1696: Aufhebung der Bannmühle

Zoll:

1307 wurde der Vergleich zwischen der Gemeinde und den Grafen Philipp und Werner von Falkenstein abgeschlossen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Münster, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11244> (Stand: 18.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde