Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
5916 Hochheim (Main)
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung
Historische Karten
Herzogtum Nassau 1819 – 45. Hochheim

Weitere Informationen

Hofheim am Taunus

Stadtteil · 136 m über NN
Gemeinde Hofheim am Taunus, Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

17 km südwestlich von Frankfurt am Main

Lage und Verkehrslage:

Hofheim liegt im Main-Taunusvorland, das als von Löß überkleidete Mittelterrassentreppe allmählich nach Südosten zu dem 6 km entfernten Main abfällt, am Südostfuße der hier horstartig vorspringenden stark bewaldeten Taunusvorstufe (Kapellenberg 291 m). Der alte Stadtkern (mittlere Höhe 125 m) liegt am linken Ufer des aus dem engen Bergtal heraustretenden Gold- oder Schwarzbaches.

Die Stadt liegt an der alten "steinernen Straße" von Kastel nach Frankfurt.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Limburg/Eschhofen – Frankfurt am Main ("Main-Lahn-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 15.10.1877).

Ersterwähnung:

1263

Siedlungsentwicklung:

Die Ursprünge der Besiedelung lassen sich auf Grund von Reihengräbern auf das 6./7. Jahrhundert n. Chr. datieren.

Im Jahre 1352 verleiht Kaiser Karl IV. Philipp von Falkenstein für Hofheim das Wetzlarer Stadtrecht.

1623 wird der Ort als freier Flecken und 1668 als Städtlein bezeichnet.

1633 werden große Teile der Stadt durch einen Brand vernichtet.

Nach der Kreisordnung von 1885 offiziell als Stadt bezeichnet.

Im Jahre 1938 wird der Niederhofheimer Gemeindewald zur Hofheimer Gemarkung geschlagen und Marxheim als Stadtteil eingemeindet.

1971 werden Langenhain, 1972 Diedenbergen und Lorsbach und 1977 Wallau und Wildsachsen nach Hofheim eingemeindet.

Die Stadt ist seit 1980 Sitz der Kreisverwaltung des Main-Taunus-Kreises.

Die heutige Bebauung erstreckt sich zwischen Schwarzbach und Mammolshainer Weg.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa Hoveheim (1294) (NUB 1158)
  • freier Flecken (1623) (JuriBu 77)
  • Städtlein (1668) (JuriBu)

Ortsteile:

  • Marxheim (1.4.1938)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • 1352 Befestigungsrecht
  • 1422 Schützen zu einem Stahlschießen nach Frankfurt geladen
  • Schloss Hofheim

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3460398, 5550370
UTM: 32 U 460339 5548590
WGS84: 50.08824793° N, 8.445575313° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436007020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 4490 Morgen
  • 1895: 1167,5 ha
  • 1961 (Hektar): 1979, davon 756 Wald (= 38.20 %)
  • 1977: 1202,2 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1609: 71 Bürger mit 169 Kindern
  • 1633: 76 Bürger, 13 Witwen
  • 1639: 27 Bürger
  • 1650: 55 Hausgesessene
  • 1656: 63 (49 Bürger, 14 Beisassen)
  • 1660: 77 Hausgesessene (davon 60 Bürger)
  • 1680: 77 Bürger
  • 1712: 174 Haushalte (157 Bürger, 17 Witwen)
  • 1724: 1060 Einwohner
  • 1781: 1050 Einwohner
  • 1799: 1124 Einwohner
  • 1817: 1220 Einwohner
  • 1830: 1541 Einwohner
  • 1850: 1807 Einwohner (450 Familien)
  • 1900: 2597 Einwohner (674 Familien)
  • 1950: 10179 Einwohner (1472 Heimatvertriebene, 3587 Haushalte)
  • 1961: 14178, davon 5625 evangelisch (= 39.67 %), 7945 katholisch (= 56.04 %)
  • 1970: 18552 Einwohner

Diagramme:

Hofheim am Taunus: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1400: Kurmainz, Amt Hofheim
  • 1668: Kurmainz, Amt und Kellerei Hofheim
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Hofheim (zum Umfang des Amtes s. Mittelpunktfunktionen)
  • 1806: Herzogtum Nassau, Amt Hofheim
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Hofheim
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden
  • 1886: Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis Höchst
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • 1352 Wetzlarer Recht
  • Hofheimer Recht erhielt 1444 Oberursel.
  • Hofheim hatte das Recht, Stock und Galgen aufzurichten.
  • Hofheim hatte ein mit einem Schultheiß (nachweisbar seit vor 1352) und 14 Schöffen (bezeugt seit 1384) zu besetzendes Gericht, wozu auch die 5 Orte des kurmainzischen Amts Hofheim (Hattersheim, Marxheim, Kriftel, Münster, Zeilsheim, Anfang 18. Jahrhundert nur die 3 letzten) gehörten. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts ging der Rechtszug nach Eltville. Die Zahl der Schöffen sollte 1723, da die Landorte eigene Gerichte erhalten hatten, auf 7 vermindert werden und betrug 1760: 9; 1775: 8; 1780: 6. Hofläufer gehörte in alter Zeit (so noch um 1550) zum Halsgericht Dieffenwegen in der Herrschaft Königstein. Das Gericht zu Hofheim, Ende 17. Jahrhundert auch Obergericht genannt, hegte dreimal jährlich in Anwesenheit des Amtskellers das ungebotene Ding. Auch hielt es monatlich 1 oder mehrere außerordentliche Sitzungen ab. 1680 verbot der Erzbischof dem Kellner in Hofheim und dem Amtmann in Höchst jeglichen Eingriff in die richterliche Befugnis des Hofheimer Obergerichts. Die Appellation sollte allein an das kurfürstliche Hofgericht gehen. Doch wurde im 18. Jahrhundert die Rechtsprechung von Schultheiß und Schöffen allmählich zurückgedrängt und 1782 vom Vogteiamt übernommen. Es blieb das Feldrüge-Gericht.
  • 1816: Amt Höchst
  • 1849: Justizamt Höchst
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Höchst
  • 1867: Amtsgericht Höchst am Main
  • 1879: Amtsgericht Höchst
  • 1928: Amtsgericht Frankfurt a. M./Höchst
  • 1945: Amtsgericht Frankfurt am Main

Herrschaft:

Herrschaft:

1352: Herren von Falkenstein

1360: Erzbischöfe von Mainz

1429: Herren von Kronberg

1460: Erzbischöfe von Mainz

1465: Herren von Eppstein-Königstein

1535: Grafen von Stolberg

1559: Erzbischöfe von Mainz

1803: Nassau-Usingen

Gemeinde:

Der Erzbischof übte als Herr des gesamten Grund und Bodens nächst seine Hoheitsrechte aus; die Bürger kamen erst allmählich Freiheit und eigenem Besitz. Vertreter des Landesherrn erst der Fronhofsvogt (villicus 1234), nach Verleihung des Stadtrechts der Schultheiß (anfangs ein Ritter, dann Bürger schon im 15. Jahrhundert). Der Schultheiß wurde aus 3 Vorschlägen des Amtmanns (auf Burg Schöneberg) durch den Rat gewählt, dann vom Landesherrn eingesetzt (seit Philipp dem Großmütigen); später trat an seine Stelle der Rentmeister (bis 1806), nachher der Amtmann (auch Schultheiß genannt). - Selbstverwaltung durch Ratsschöffen (consules 1292), anfangs ausschließlich ritterliche Lehnsmannen des Erzbischofs, allmählich auch Handwerker. Anfangs 12 Schöffen, dann 13 Ratsmitglieder ab 14. Jahrhundert, weil der Ratsmeister nicht mitgezählt wurde; in jährlichem Wechsel führten alter und neuer Rat die laufenden Geschäfte, wichtige Beschlüsse in Vollsitng beider Räte mit 24 Mitgliedern; Amtswechsel (sogenannte Ratswahl) am 2. 2. (Mariae Lichtmeß), dann am 1. 1. (ab 1746); Selbstergänng des Rats bis m 16. Jahrhundert; Zahl beschränkt auf 8 Rats- und 4 Gemeindeherren durch Landgraf Karl (bis 1730). Der Bürgermeister (proconsul, später Ratsmeister 1359, Borgemeister 1358) gewählt durch den Rat (jährlich am 2.2.); freie Ratswahl beschränkt auf 3 Vorschläge des Rats an den Landgrafen um 1550; letzte Wahl 1807, wieder ab 1814; fünfjährige Amtsdauer seit der Gemeindeordnung von 1834. - Befugnisse des Rates nach 1500: polizeiliche Aufsicht über Stadtwald und Stadthagen (auch Verteilung des Holzes), Überwachung der Felder gegen Feldfrevel sowie des Marktverkehrs und des Bierbrauens, Arbeiten an Straßen, Wegen und Landwehren, Steuererhebung (auch für indirekte Steuern); große Unordnung im Rechnungswesen nach 1648 führte m Eingreifen der Regierung um 1685, seitdem Staatsaufsicht über die Finanzen.

Gemeindeentwicklung:

Am 1. 4.1938 Eingemeidung von Marxheim.

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Hofheim am Taunus, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Hofheim am Taunus.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1301 hat Philipp von Falkenstein hier einen Hof und das Kloster Arnsburg kauft einen Hof und Weinberge.
  • 1302 besitzt das Kloster Engelthal 2 Joch Ackerland.
  • 1351 tauschen das Kloster Arnsburg und der Edelknecht Starkerad von Homburg untereinander Landbesitz aus.
  • 1366 erhät der Kartäuserorden in Mainz ein Hofgut in Hofheim.
  • 1368 gehört Heinrich Gramser von Praunheim ein Gut, welches vorher im Besitz Philipps d.Ä. von Falkenstein war.
  • 1371 besitzt das Kloster Arnburg neben dem Klosterhof noch vier weitere Höfe.
  • 1429 gelangt ein Hof des Erzbischofs von Mainz als Pfand an Frank d. Ä. von Kronberg.
  • 1471 treffen das Haus Eppstein-Königstein und der Mainzer Erzbischof Vereinbarungen zum Bau des Rodhauses.
  • 1507 erhält Kuntz Hattstein das Rote Haus als Lehen des Eberhard von Eppstein-Königstein.
  • 1525 beziehen das Kloster Arnsburg, die Königsteiner Kugelherren, der Pfarrer von Schneidhain, die Antoniter in Höchst, das Kloster Eberbach, ein Altar in Kronberg, das Kloster Retters und 8 weitere geistliche Institute aus Frankfurt sowie 9 aus Mainz Einkünfte aus Hofheim.
  • 1623 haben die Erben des Wolf von Hattersheim den Stadthof des Mainzer Erzbischofs als Lehen inne.
  • Im 17. Jahrhundert gelten 24 Morgen Land als Rödelheimer Lehen, welches 1664 von Kronberg an Kurmainz zurückfiel und an die Familie von Frankenstein verkauft wurde.

Zehntverhältnisse:

1378 besitzen die Erben Philipps VI. von Falkenstein den Zehnten.

1525 erhalten die Grafen von Königstein 2/3 und der Pastor 1/3 des kleinen und großen Zehnten.

1623 hat Mainz 2/3 und der Pfarrer 1/3 des großen Zehnten an Frucht, Wein und Wiesen. Die Kellerei hat zur gleichen Zeit 2/3 und der Pfarrer 1/3 des kleinen Zehnten inne.

Ortsadel:

1347: Edelknecht Starkerad von Hofheim

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1301: Pleban
  • 1347: Pastor
  • 1359-1365: Pfarrer Wolfram
  • 1360: Stiftung einer Frühmesse am Marienaltar
  • 1666-1667: Bau einer Kapelle auf dem Kapellenberg (1784 Neubau, 1795 Verwüstung, 1851 Wiederaufbau)
  • 1742: Neubau des Kirchenlangschiffs
  • 1899/1900: Bau der ev. Pfarrkirche
  • 1926/27: Kirchenneubau

Patrozinien:

  • Peter; Paulus

Pfarrzugehörigkeit:

Hofheim wurde vor 1347 selbständige Pfarrei.

Im 19. Jahrhundert bildete sich eine kleine evangelische Gemeinde. Sie gehörte zur Pfarrei Diedenbergen (seit 1877 jeden 2. Sonntag Gottesdienst in einem Saal zu Hofheim, seit April 1879 selbständige Filialgemeinde, ab 1904 allsonntäglicher Gottesdienst), 1914 selbständige Pfarrei.

Patronat:

1360 hatten die von Falkenstein das Patronat inne, 1419 die Herren von Eppstein, 1433 die von Eppstein-Königstein und 1535 die von Stolberg-Königstein.

1565 tauschten die von Stolberg-Königstein das Patronat für Hofheim gegen das für Nieder-Eschbach mit dem Mainzer Erzbischof.

Klöster:

  • Im Ortsteil Marxheim das Kloster vom guten Hirten, gegründet 1885.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Königstein durch Ludwig von Stolberg ab 1536.

Katholischer Bekenntniswechsel: ab 1601 zwangsweise Rekatholisierung

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107 zum Dekanat Eschborn, Archidiakonat St. Peter in Mainz gehörig

Juden:

1399 siedelte ein Jude, 1426 eine Jüdin im Ort. Möglicherweise Ende des 16. Jahrhunderts Juden wieder im Ort.

Am Ende des 17. Jahrhunderts existiert in der Stadt eine jüdische Gemeinde, welche ab 1788 dort Gottesdienste abhält. Die Synagoge ist in der Burggrabenstraße 14 im Büttelturm der alten Stadtbefestigungsanlage untergebracht. Der Turm soll der Gemeinde schon seit 1590 gehören. Die Synagoge wird 1938 verwüstet und seit 1983 wird sie als Weinstube genutzt.

Kultur

Schulen:

1470 der alte Schulmeister erwähnt

Alte Gebäude der Volksschule von 1727 und 1832

Eine 2. Volksschule im Ortsteil Marxheim

Mittelschule aus einer 1920 durch die Stadt übernommenen Privatschule des Bürgervereins (schon 1872 vorhanden) erwachsen

Elisabethenschule (Mädchenmittelschule) seit 1893

Kreisberufsschule ab 1938, 1943 aufgelöst, 1948 wieder eröffnet

Kultur:

Anzeigeblatt für Hofheim am Taunus seit 1909, seit 1927 als Hofheimer Zeitung Main-Taunus-Anzeiger 1946-48

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1787 besteht das Amt Hofheim aus Hattersheim, Hofheim (Stadt), Kriftel, Marxheim im oberrheinischen Kreis, Münster und Zeilsheim.

Wirtschaft:

1294 Weinbau

1683-1708 Eisenhütte

1700 Eisenhammer

Mühlen:

1708 Papiermühle

Markt:

1352 Verleihung eines Wochenmarktes

1501 Kaufhaus

1562 Jahrmarkt

1671 Wollmarkt

Zoll:

1360 befreit Philipp von Falkenstein die Altargüter von allen Steuern.

1371 befreit der Mainzer Bischof die Höfe des Klosters Arnsburg von Dienst und Bede.

1429 sind die Steuereinnahmen an Frank von Kronberg verpfändet.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hofheim am Taunus, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11280> (Stand: 18.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde