Historisches Ortslexikon
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- 5219 Amöneburg
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- KDR 100, TK25 1900 ff.
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- Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 71. Amöneburg
Weitere Informationen
Dreihausen
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Ortsteil · 255 m über NN
Gemeinde Ebsdorfergrund, Landkreis Marburg-Biedenkopf - Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
ca. 10,5 km südöstlich Marburg
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Lage und Verkehrslage:
Mehrgliedriges, aus 3 Ortsteilen zusammengesetztes Dorf an der Zwesterohm:
Ober-Hausen: Geschlossene Siedlung mit regellosem Grundriss auf Wegestern beiderseits der Zwesterohm auf den von Osten und Süden heranstreichenden Hängen
Mittel-Hausen: Geschlossene Siedlung mit regellosem Grundriss auf nach Süden in der Zwesterohm-Niederung abfallendem Hang - moderne Wohnsiedlung im Osten entlang der Bahnhofstraße
Unter-Hausen: Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss beiderseits der Zwesterohm - im Norden stärkere Hanglage der Mittelterrasse - im Süden Bebauung auf flach auslaufendem Hang jenseits des Bachlaufes
Straße Roßberg-Heskem (Grünberger Landstraße, die in ihrem alten Verlauf nordöstlich an Dreihausen vorbeiführte)
Straße von Leidenhofen führt am Süd-Rand von Ober-Hausen vorbei nach Roßberg
Endbahnhof der Eisenbahnlinie Marburg – Ebsdorfergrund/Dreihausen (Inbetriebnahme der Strecke 5.4.1905) bis zur Stilllegung der Strecke am 24.6.1972.
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Ersterwähnung:
um 1130
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Siedlungsentwicklung:
Bis vor 1577 bestanden 2 selbständige Dorfschaften Ober- und Nieder-Hausen, dann Mittel-Hausen als weiteres Dorf hinzugetreten
Vermutlich aus Nieder-Hausen ausgesiedelt
1592: drey underschiedtene Dorffer
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Historische Namensformen:
- Husun et Husun (um 1130) [Gensicke, Vogtei Ebsdorf, S. 101]
- Husin, de (1151) [Abschrift Ende 13. Jahrhundert Mainzer Urkundenbuch 2,1, S. 303-305, Nr. 164]
- Obernhusin und Niederhusin (1374)
- Obern-, Mittel-, Niddernhausen (1577)
- Oberhausen, Hausen, Niederhausen (1708/10)
- Dreihausen (1812)
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Bezeichnung der Siedlung:
- villa H. 1326 (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1I Nr. 495)
- 1812 und 1818: Dorf Dreihausen
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
- Elmenhausen
- Höfe bei Dreihausen
- Mittelhausen
- Niederhausen
- Oberhausen
- Höfe bei Dreihausen (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
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Burgen und Befestigungen:
- Bis vor 1577 bestanden 2 selbständige Dorfschaften Ober- und Nieder-Hausen, dann Mittel-Hausen als weiteres Dorf hinzugetreten
- Vermutlich aus Nieder-Hausen ausgesiedelt
- 1592: drey underschiedtene Dorffer
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Umlegung der Flur:
1921/24
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Älteste Gemarkungskarte:
1770
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3489957, 5621368
UTM: 32 U 489887 5619559
WGS84: 50.727743° N, 8.856709° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
534008020
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Flächennutzungsstatistik:
- 1838 (Kasseler Acker): 1234 stellbares Land, 488 Wiesen und Gärten, 33 Triesche, 998 Wald
- 1885 (Hektar): 712, davon 334 Acker (= 46.91 %), 111 Wiesen (= 15.59 %), 227 Holzungen (= 31.88 %)
- 1961 (Hektar): 713, davon 222 Wald (= 31.14 %)
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Einwohnerstatistik:
- (Angaben vor 1812/13 -> Ober-Hausen -> Mittel-Hausen -> Nieder-Hausen)
- 1812/13: 575
- 1838 (Familien): 47 Ackerbau, 52 Gewerbe, 18 Tagelöhner 66 nutzungsberechtigte, 44 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 10 Beisitzer
- 1861: 874 evangelisch-lutherisch Einwohner, 31 Mitglieder abweichender Sekten
- 1885: 933, davon 919 evangelisch (= 98.50 %), 0 katholisch, 14 andere Christen (= 1.50 %)
- 1961 (Erwerbspersonen): 212 Land- und Forstwirtschaft, 254 Produzierendes Gewerbe, 73 Handel und Verkehr, 77 Dienstleistungen und Sonstiges
- 1961: 1282, davon 1192 evangelisch (= 92.98 %), 82 katholisch (= 6.40 %)
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Diagramme:
Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- 1374 und später: Gericht Ebsdorf, das seit 1786 mit dem Gericht Treis/Lumda vereinigt ist
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Ebsdorf
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Landkreis Marburg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf
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Altkreis:
Marburg
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Gericht:
- 1821: Assistenzamt Treis
- 1831: Justizamt Treis
- 1886: Justizamt Marburg
- 1867: Amtsgericht Marburg
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform durch Zusammenschluss der Gemeinden Dreihausen und Heskem die Neubildung der Gemeinde Ebdorfergrund.
- Besitz ↑
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Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- (Im folgenden wird der Ortsname jeweils in Anlehnung an die Überlieferung wiedergegeben)
- Um 1130 sind Hausen und Hausen einschließlich des Zehnten Zubehör der Villikation Ebsdorf des Mainzer St. Stephansstifts, deren Einkünfte seit 1249 an die Landgrafen verpachtet sind
- Um 1220 vertauscht Kloster Haina eine Hufe in Hausen
- Um 1235 übertragen die von Buches und die von Nordeck dem Kloster Güterbesitz
- Bis 1270 haben die von Schweinsberg einen Lehnshof in (Unter-)Hausen
- 1278 erwirbt diesen Hof der Deutsche Orden Marburg
- 1285 übertragen die von Mölln dem Deutsche Orden ihren Hof zu Ober-Hausen
- 1326 und 1329 erwirbt der Deutsche Orden weitere Höfe in Hausen
- 1358: 3 Höfe in Ober-Hausen und 2 Höfe in Unter-Hausen
- 1272 hat Stift Wetter Besitz in Hausen
- Um 1360 ist Kloster Caldern Mitbesitzer eines Gutes
- 1457 verkauft das Kloster das sogenannte Calderngut und ein weiteres halbes Gut in Nieder-Hausen
- 1525 verkauft das Kloster ein kleines Gut zu Hausen wieder- käuflich
- 1333 verkaufen die von Bicken und die Schenken zu Schweinsberg ein Gut zu Hausen
- 1401 und 1452 erwirbt Kloster Hachborn Güterbesitz in Hausen und Ober-Hausen
- 1512 zinsen 2 Güter an das Kloster
- 1494 sind 5 Pflüge und ein halber Viertelpflug dem Landgraf dienstbar
- 1494 und 1630 befindet sich ein Freihof in Hausen
- Mühle in Nieder-Hausen
- 1360 im Besitz der Familien von Beltershausen
- Sie verfügt 1630 und 1823 über einen Mahlgang
- Eine weitere Mühle mit 1 Mahlgang befindet sich 1630 und 1823 in Ober-Hausen
- Kirche und Religion ↑
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Pfarrzugehörigkeit:
1577 und später: Ober-, Mittel-, Unter-Hausen nach Ebsdorf eingepfarrt
1630 auch als Filiale bezeichnet
1858 wird Drei-Hausen zur evangelischen Pfarrei erhoben - eingepfarrt Roßberg
Filiale: Heskem mit Mölln
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Diakonische Einrichtung:
1926 nach Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 150 Gemeindestation mit einer Schwester
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Bekenntniswechsel:
Da Filial von Ebsdorf, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Ebsdorfer Pfarrer Conrad Schneider ab 1527.
Reformierter Bekenntniswechsel: 1609, 1624 wieder lutherisch.
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Kirchliche Mittelbehörden:
15. Jahrhundert: Sendbezirk Ebsdorf
- Kultur ↑
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Schulen:
1910 Volksschule mit zwei Klassen
- Wirtschaft ↑
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Wirtschaft:
Töpfereigewerbe seit 1374 erwähnt (ZHG N.F. 29, 1905, S. 195)
1778 arbeiten in Ober-Hausen 13, in Mittel-Hausen 16 Töpfer
1842 beträgt die jährlich Produktion ca. 2800 Ztr. irdene Ware im Werte von 2500 Talern
Pflasterergewerbe
1858: 27 Pflasterer, teilweise Westfalengänger
Bedeutender Basaltsteinbruch.
- Nachweise ↑
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Literatur:
- A. Höck, Beiträge zur hessischen Töpferei II: Drei-Hausen im Kreis Marburg
- In: Hessische Blätter für Volkskunde 57, 1960, S. 137-148
- Historisches Ortslexikon Marburg, S. 120-122
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 504
- Diehl, Pfarrer- und Schulmeisterbuch für die acquirierten Lande und die verlorenen Gebiete, S. 355
- Zitierweise ↑
- „Dreihausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9103> (Stand: 29.3.2022)