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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 70. Niederweimar

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Ebsdorf

Ortsteil · 205 m über NN
Gemeinde Ebsdorfergrund, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gerichtsplatz

Lagebezug:

9 km südlich Marburg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss beiderseits der Zwesterohm. Hauptkomplex der Siedlung auf einem nach Norden zum linken Bachufer vorspringenden Feldrücken der Mittelterrasse mit steilerem Abfall zur Zwesterohm; nordöstlich flankierend ein Seitentälchen.

Dichte Gehöftanordnung innerhalb des ehemaligen durch Haingraben befestigten Ortskerns.

Wehrkirche mit -kirchhof in zentraler Lage

Moderne Wohnsiedlung auf dem rechten Flußufer.

Straßen Hachborn-Heskem (nördlicher Strang der alten Landstraße durch die Langen Hessen; entspricht heutiger Landesstraße L3048) und Leidenhofen-Bortshausen (alte Grünberger Landstraße bis Ebsdorf; entspricht heutiger Landesstraße L3089) kreuzen sich am Flußübergang.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Marburg – Ebsdorfergrund/Dreihausen (Inbetriebnahme der Strecke 5.4.1905) bis zur Stilllegung der Strecke am 24.6.1972.

Ersterwähnung:

750/779

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Flurnamen "auf dem Steineren Haus" am Nordost-Rand von Ebsdorf

Umlegung der Flur:

1919/1923

Älteste Gemarkungskarte:

1768

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3486846, 5622059
UTM: 32 U 486777 5620250
WGS84: 50.73389231° N, 8.812624536° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534008030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1790 stellbares Land, 351 Wiesen, 62 Gärten, 50 Triesche, 770 Wald
  • 1885 (Hektar): 767, davon 432 Acker (= 56.32 %), 109 Wiesen (= 14.21 %), 193 Holzungen (= 25.16 %)
  • 1961 (Hektar): 767, davon 174 Wald (= 22.69 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1467: 45 Hausgesessene
  • 1577: 50
  • 1630: 44 Hausgesessene, 7 Witwen, von denen 5 keinen eigenen Haushalt haben
  • 1630: 6 vierspännige, 5 dreispännige, 7 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 21 Einläuftige
  • 1681: 41 hausgesessene Mannschaften
  • 1778: 4 Schmiede, 3 Maurer, 2 Schreiner, 2 Wagner, 3 Krämer (Juden), 6 Schneider, 1 Leineweber, 3 Faßbinder, 2 Branntweinbrenner, 1 Branntweinschenker, 1 Viehhändler (Jude), 1 Ziegelbrenner, 10 Tagelöhner
  • 1778: 418 Einwohner
  • 1838 (Familien): 41 Ackerbau, 34 Gewerbe, 18 Tagelöhner 58 nutzungsberechtigte, 25 nicht nutzungsberechtigte Ortsburger, 10 Beisitzer
  • 1861: 638 evangelisch -lutherische, 4 jüdische Einwohner, 19 Mitglieder abweichender Sekten
  • 1885: 654, davon 613 evangelisch (= 93.73 %), 1 katholisch (= 0.15 %), 32 andere Christen (= 4.89 %), 8 Juden (= 1.22 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 198 Land- und Forstwirtschaft, 140 Produzierendes Gewerbe, 37 Handel und Verkehr, 51 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 866, davon 792 evangelisch (= 91.45 %), 73 katholisch (= 8.43 %)

Diagramme:

Ebsdorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Später wahrscheinlich Reichsvogtei
  • Herrschaftsrechte des Reiches um 1120 vom Erzstift Mainz usurpiert
  • Im 14. Jahrhundert, endgültig 1370 in die landgräfliche Landesherrschaft einbezogen
  • Um 1400 und später: Gericht im Amt Marburg
  • Seit 1786 mit Gericht Treis/Lumda verbunden
  • 750/779: Hessengau (?), Lahngau
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Ebsdorf
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • Vogtgericht des Mainzer St. Stephansstifts schon um 1130 wahrscheinlich 1335 belehnt das Stift Landgraf Heinrich II. mit dem Gericht zu Ebsdorf, ausgenommen den Teil, den Friedrich von Obenrode und Mengoz zu Lehen haben. 1353 hegt der Amtmann von St. Stephan das Vogtgericht vor den adligen Vögten (siehe unten). Gegen ein Schutzgeld übt der Marburger Amtmann des Landgraf den Schutz über das Gericht aus. 1370 ist die Vogtei Ebsdorf durch Pachtvertrag mit St. Stephan in der Hand der Landgrafen und seitdem in landgräflichem Besitz verblieben.Trennung von Gericht und Vogtei. 1377 ist Ebsdorf an die von Nordeck, von Anzefahr und von Londorf verpfändet.
  • 1560 ist das Gericht Oberhof für das Gericht Wittelsberg. Teilung des Gericht in 4 Viertel 1571. 1786 mit Gericht Treis/Lumda vereinigt.
  • 1781 wird das Gericht unter der Linde örtlich der Kirche in Ebsdorf gehegt (Männerstatt); zeitweilig auch im Gerichthaus, dem späteren Pfarrhaus. Auf Urteilsplätze weisen die Flurnamen: Galgenstruche (auf der Grenze der Gemarkung Ebsdorf, Heskem und Beltershausen).
  • Vogtei: wahrscheinlich Reichsvogtei der Grafen von Gleiberg, nach deren Aussterben der Herren von Runkel-Westerburg und der Herren von Merenberg; letzterer Erbe erhielten die Grafen von Nassau-Saarbrücken. Als Lehnsträger des westerburgischen Anteils begegnen 1397 die von Nordeck-Rabenau, deren Vorfahren wohl schon 1151 ihre Vogteirechte an die von Erfurtshausen weiterverlehnt hatten. Neubelehnungen der von Nordeck durch die Grafen von (Leiningen-)Westerburg bis 1615. 1336 und 1341 erwerben die Milchling von Schönstadt von den von Erfurtshausen Teile der Vogtei. Der Verkauf einer Rente aus dem Anteil der Milchling vollzieht sich 1357 mit Zustimmung der von Nordeck als Lehnsherren und der von Erfurtshausen als den Ganerben der Vogtei; Vogthof 1353 und 1397 erwähnt. Der aus dem merenbergischen Erbe stammende Anteil an der Vogtei ist noch 1453 und 1490 nassauisches Lehen der Rau von Holzhausen. Faktisch waren jedoch die Landgrafen schon durch einen Pachtvertrag mit dem Mainzer St. Stephansstift seit 1370 Herren der Vogtei Ebsdorf, von der sich spätestens zu diesem Zeitpunkt das Gericht Ebsdorf abgespalten haben muss.
  • 1821: Assistenzamt Treis/Lumda
  • 1831: Justizamt Treis/Lumda
  • 1866: Justizamt Marburg
  • 1867: Amtsgericht Marburg

Herrschaft:

Zum Gericht Ebsdorf gehören neben Ebsdorf 1254: Beltershausen; 1374: Dreihausen, Erbenhausen, Hachborn, Hassenhausen, Heskem, Ilschhausen, (Wüstung) Michelbach, Mölln, Leidenhofen, Wermertshausen

villicus 1249

comes 1250/51

centurio 1316

Grebe 1349

Amtmann 1353

Schultheiß 1485

scabini 1251

1451: (XVII.) Elmshausen; 1494 Roßberg

1526 wird das temporär wüste Wermertshausen zum Gericht Nordeck gezogen.

1807-1813: Kantonsort im Distrikt Marburg

Gemeindeentwicklung:

Am 1.7.1974 wurde Ebsdorf im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Ebsdorfergrund eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Zwischen 750/802 bzw. 831/850 erhält Kloster Fulda 5 private Schenkungen von Güterbesitz in Ebsdorf.
  • Vor 775 erhält Kloster Hersfeld von liberi homines Güterbesitz.
  • Um 1130 ist Ebsdorf Mittelpunkt (Haupthof) einer umfangreichen Villikation des Mainzer St. Stephansstifts im Raum von Ebsdorf und Wetter; im Kern wahrscheinlich Reichsgut, das im Zuge der Kämpfe Erzbischof Adalberts I. von Mainz mit König Heinrich V. um 1120 vom Erzstift usurpiert worden ist. 1249 verpachtet des Stephansstift Landgräfin Sophie gegen Zins die Nutzung des Güterbesitzes einschließlich des Zehnten auf Lebenszeit; das Stift behält sich aber die Ernennung des villicus vor. Pachtverträge bis 1661, zuletzt auf 150 Jahre abgeschlossen.
  • 1272 haben die von Kalsmunt Güterbesitz in Ebsdorf verlehnt, der später an den Deutsche Orden Marburg fällt.
  • 1305 schenkt die Witwe Heinrichs von Goßfelden dem Deutsche Orden einen halben Hof zu Ebsdorf; die andere Hälfte erwirbt der Deutsche Orden 1313.
  • 1321 erhält der Deutsche Orden von Lukardis von Fronhausen Güterbesitz; desgleichen 1329 von der Burggräfin Agnes von Nürnberg. Umfang des Besitzes 1358: 5 Höfe mit 173 Morgen Ackerland, 14 Morgen Wiesen
  • 1707: 2 Höfe
  • Güterbesitz des Kloster Hachborn 1305-1527
  • Güterbesitz des Klosters Caldern vor 1457
  • Güterbesitz des Klosters Haina seit 1379
  • 1361 trägt Konrad Ruding Johann von Grafschaft einen Hof in Ebsdorf zu Lehen auf
  • 1494 sind dem Landgrafen in Ebsdorf 13 Pflüge dienstbar.

Ortsadel:

1151-1353

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • parrochiana ecclesia, ecclesiasticus, presbiter, parrochiani 1151 (Mainzer Urkundenbuch 1I, 1 Nr. 164)
  • parrochianus sacerdos 1189
  • In der Pfarrkirche Kreuzplatte aus der Zeit um 1000

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarr- und Sendkirche

1151 wird die Kirche in Beltershausen von der Ebsdorfer Mutterpfarrei abgetrennt

Pfarrbezirk 1577 und später: Leidenhofen, Hachborn (seit 1528), Ilschhausen, Heskem, Dreihausen, Roßberg, Bortshausen.

Hachborn mit Ilschhausen 1630 und später Vikariat von Ebsdorf

1858: Dreihausen, Heskem mit Mölln, Roßberg ausgepfarrt

Patronat:

1151 ist Folknand von Erfurtshausen Vogt der Pfarrkirche

1210 setzt das St. Stephansstift sein Patronatsrecht gegen die Ansprüche der Herren von Merenberg durch. Der von Erzbischof von Mainz gestiftete Vergleich sieht vor, dass als Pfarrer jeweils der Propst des Kloster Hachborn vom Stift eingesetzt wird.

1348 und 1384 präsentiert Kloster Hachborn.

Seit 1528 ist der Landgraf Patron.

Klöster:

  • Auf eine wüste Kirche in der Gemarkung Ebsdorf deutet der Flurnamen St. Wendel (1592)

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Conrad Schreiner 1527-1537

Reformierter Bekenntniswechsel: 1609, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

Sedes im Dekanat Amöneburg

Juden:

Der Ort gehört zur Gemeinde Nordeck.

1835: 10; 1861: 4; 1899: 1 Familie (2 Personen) 1905 (mit Leidenhofen zusammen): 11; 1932/33: 7 Juden.

Der Ort hat Anteil am Friedhof in Rauischholzhausen.

Kultur

Historische Ereignisse:

Königsaufenthalte Heinrichs III. 1054 und Heinrichs IV. 1057 und 1066. Königshof nicht bekannt

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Im 15. Jahrhundert gehören zum Sendbezirk Ebsdorf neben Ebsdorf: Beltershausen, Bortshausen, (Wüstung) Breitenbach, Cappel, Dreihausen, Erbenhausen, Hachborn, Hassenhausen, Heskem, Ilschhausen, Leidenhofen, Mölln, Roßberg, Schnabelsmühle, Todenhausen, Udenhausen, Wermertshausen, Wittelsberg, (Wüstung) Wulmersdorf

Wirtschaft:

Salzzoll 1374 erwähnt 1544 und später: Landzollstätte

Seit 1728/29 2, später 4 jährlich Viehmärkte

Noch in den 70er Jahren des 18. Jahrhundert stand der Ebsdorfer Viehmarkt in Blüte und übertraf den Marburger an Bedeutung

1788: 6 Pferdemärkte, von denen damals aber schon 2 abgekommen waren. Marktbetrieb Ende 19. Jahrhundert eingegangen

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Ebsdorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9039> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde