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Hessische Biografie

Portrait

Nikolaus Martin Drach
(1621–1679)

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GND-Nummer

120742551

Drach, Nikolaus Martin [ID = 1075]

* 7.8.1621 Oppenheim, † 24.1.1679 Darmstadt
Lic. jur. utr. – Jurist, Rat, Vizekanzler, Gesandter
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Wirken

Werdegang:

  • 1638 Studium Marburg
  • 1640 Reise durch die Niederlande, England, Frankreich
  • 1644 Studium Altdorf, Lizenziat beider Rechte Altdorf 1646
  • 1653 Hessen-Darmstädtischer Regierungsrat
  • Geheimer Rat
  • Amtmann zu Grünberg, Gemünden und Ulrichstein
  • 1663 Komizialgesandter
  • 1666 Vize-Kanzler
  • 1673 Komizialgesandter
  • dann Resident in Wien
Familie

Vater:

Drach, Johann Conrad, † 1624, Reichs- und Stadtschultheiß in Oppenheim

Mutter:

Leuth von Hachenburg, Anna Elisabeth, 1595-1678

Partner:

  • Sengel, Maria Elisabeth, 1633-1678, Tochter des Johann Philipp Sengel, Kammerdirektor in Dillenburg, und der Marie Christine Schomler

Verwandte:

  • Drach, Philipp Anton <Sohn>, * 1666, Preußischer Landvogt der Grafschaft Hohenstein
  • Fabrice von Westerfeld, Anna Katharina, geb. Drach <Tochter>, 1655-1693, verheiratet Darmstadt 28.2.1671 mit Johann Philipp Martin Fabrice von Westerfeld, Hessen-Darmstädtischer Komizialgesandter
  • Fabrice von Westerfeld, Johanna Elisabeth Philippine, geb. Drach <Tochter>, 1663-1728, Frau auf Leustadt, verheiratet 28.11.1678 mit Johann Christoph Fabrice von Westerfeld, 1648-1698, Regierungsrat in Hanau, Sohn des Konrad Jakob Fabricius
Nachweise

Quellen:

  • Lp Stolberg 4° 8309;
  • Lp Stolberg 9376 auf Anna Elisabeth von Fabricius, verwitwete Drach, geb. Leuth;
  • Institut für Personengeschichte, Bensheim, Sammlung Georg Itzerott

Literatur:

Leben

In seiner dritten Ehe konnte der Vater Johann Conrad Drach, der schon lange Jahre Ratsherr, Bürgermeister und kurpfälzischer Unterschultheiß in Oppenheim gewesen war, die Tochter des einflussreichen Juristen Nikolaus Leuth von Hachenburg heiraten. Aus dieser Ehe stammte der Sohn Nikolaus Martin. Der Vater errang auch noch das Amt des Reichs-Schultheißen von Oppenheim, zugleich war er Direktor des ritterschaftlichen Gerichts in Oppenheim. Er erhielt auch den Titel eines kaiserlichen Rats.

Der Sohn konnte diese aufstrebende Karriere des Vaters fortsetzten, begab sich dafür aber aus der Reichsstadt Oppenheim in die Dienste des Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Zuvor hatte er in Marburg und Altdorf studiert, war in beiden Rechten promoviert worden und hatte eine Bildungs-Tour durch die Niederlande, England und Frankreich absolviert.1

1653 war Drach bereits Regierungsrat in Darmstadt und war mehrfacher Gesandter in Reichssachen.2 Er stieg zum Geheimen Rat und zum Amtmann von Grünberg, Burggemünden und Ulrichstein auf. 1663 reiste er mit Hans Eitel Diede zum Fürstenstein als Gesandter des Landgrafen zu jenem Reichstag nach Regensburg, der dann zum "Immerwährenden Reichstag" werden sollte.

1666 zum Regierungs-Vize-Kanzler in Darmstadt ernannt, kehrte Drach allerdings aus Regensburg zur Ausübung der Regierung nach Darmstadt zurück. Kanzler war in den Jahren 1648 bis 1666 der Bruder von Drachs Stiefvater Philipp Ludwig von Fabricius, seit 1666 dessen wiederum mit einer Leuth von Hachenburg verheiratete Neffe Conrad Jacob von Fabricius, Hier war er insbesondere Vize-Kanzler der Regentin Landgräfin Sophie Eleonore, die für ihren unmündigen Sohn Ludwig VI. regierte.3 Als Vize-Kanzler war er 1673 zusammen mit dem Freiherrn von Andrimont Gesandter des Landgrafen beim Erzbischof von Mainz.4 und im Februar-März-April 1673 war er wiederum beim Reichstag in Regensburg.5 Er reiste von hier nach Wien zum Kaiser weiter, wo er noch im Juli 1673 wegen des Deputats des Kardinals von Hessen verhandelte. Hierbei wird Drach als „Geschäftsträger am Kaiserhof zu Wien“ bezeichnet.6 In den Jahren 1673 bis 1676 blieb Drach der Agent des Landgrafen von Hessen-Darmstadt in Wien.7 Nach seiner Rückkehr nach Darmstadt ist er nicht mehr hervorgetreten, ehe er 1679 starb.

In Wien erhielt er vom Kaiser die Würde eines Hofpfalzgrafen.

Vom Landgrafen von Hessen-Darmstadt erhielt er das Dorf Leeheim als Pfand, als Entschädigung für seine Aufwendungen bei den Gesandtschaften.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges heiratete Nikolaus Martin Drach eine Bekannte mütterlicherseits aus dem Nassauischen, Maria Elisabeth Sengel. Ihr Vater hatte es bis zum Kammerdirektor in Dillenburg gebracht. Für Drachs Karriere in Darmstadt war jedoch die zweite Ehe seiner Mutter entscheidend, die diese 1630 mit dem Darmstädtischen Kanzler Esaias Fabricius schloss. Auf diese Weise erhielt Drach Anschluss an die einflussreichste hessische Beamten-Sippe ihrer Zeit.

Lupold von Lehsten


  1. Umfangreiche Informationen enthält der Lebenslauf des Nikolaus Martin Drach in der von .... auf ihn gehaltenen Leichenpredigt, gedruckt ...
  2. Bittner/Groß 2, 455.
  3. Vgl. Nennung als „der Fürstl. Frau Witwe, der Durchl. Fürstin und Frau Fr. Sophie Eleonore, Landgräfin zu Hessen Vormundsrat und Amtann zu Grünberg“ bei der Trauung seiner Tochter.
  4. Bittner/Groß 1, 257
  5. Bittner/Groß 1, 256 u. 2, 455. StA Darmstadt E 1, M 53/1 umfasst den Schriftwechsel mit dem ”hessen-darmstädtischen Agenten am Regensburger Reichstag und zu Worms, Nikolaus Martin Drach, Amtmann zu Grünberg und Philipp Martin Fabricius, sowie mit dem kurmainzer Rat Otto Reinhold, Bischof von Diocaesarea und Stephania, Dekan zu Wetzlar und Frhr. von Andrimont”, vgl. Rep. bearb. von Friedrich Battenberg, 1978, 506. In dieser Zeit war N. M. Drach am 4.4.1674 in Regensburg Pate bei der Taufe seines Enkels Conrad Martin Fabricius.
  6. Bittner/Groß 1, 255, vgl. StA Darmstadt, I Gesandtschaften K 50. In K 51 wird er als Hessen-Darmst. GehR., Vize-Kanzler u. Amtm. u. derzeit an den ksl. Hof Abgesandter, Exzellenz, bezeichnet. Bericht über seine Tätigkeit als ”Amtm. u. Geschäftsträger am Kaiserhof zu Wien” 1673-76 befindet sich unter den Beständen Adel und Standesherren: Isenburg, StA Darmstadt E 12 Nr. 181/1. Er verhandelte das zwischen Hessen-Darmstadt und Isenburg strittige Amt Kelsterbach.
  7. Vgl. die Schriftwechsel Drachs mit dem Landgrafen Ludwig VI. und Entzifferungs-Schlüssel diplomatischer Geheimschriften: StA Darmstadt E 1, M 53/1 bis 4 und M 54/1 bis 4.
Zitierweise
„Drach, Nikolaus Martin“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/120742551> (Stand: 22.2.2013)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde