Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Contemporary History in Hessen - Data · Facts · Backgrounds

Wahl des Kurhessischen Kommunallandtages Kassel, 17. November 1929

Bei den Wahlen zu den hessischen Provinzial- und Kommunallandtagen ergibt sich für den Regierungsbezirk Kassel folgendes Ergebnis:

Sozialdemokratische Partei Deutschlands: 175972 Stimmen (15 Mandate) mit 32,8 Prozent
Hessische Arbeitsgemeinschaft Stadt und Land: 126849 Stimmen (11 Mandate) mit 23,7 Prozent
Zentrumspartei: 69696 Stimmen (6 Mandate) mit 13 Prozent
Kommunistische Partei Deutschlands: 35021 Stimmen (3 Mandate) mit 6,5 Prozent
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitler-Bewegung): 33549 Stimmen (3 Mandate) mit 6,3 Prozent
Reichspartei des deutschen Mittelstandes: 29615 Stimmen (3 Mandate) mit 5,5 Prozent
Deutsche Demokratische Partei: 25370 Stimmen (2 Mandat) mit 4,7 Prozent
Christlicher Volksdienst: 22852 Stimmen (0 Mandate) mit 4,3 Prozent
Deutschnationale Volkspartei Stadt Kassel und Marburg: 17370 Stimmen (2 Mandate) mit 3,2 Prozent.

Wahlanalyse1

Bei dieser Kommunallandtagswahl wird die SPD wieder zur stärksten Kraft, darauf folgt die Hessische Arbeitsgemeinschaft, welche in der vorherigen Wahl 1925 den höchsten Stimmanteil besessen hatte. In diesem Kontext fällt ein erneuter Namenswechsel der Arbeitsgemeinschaft auf, welche zuvor noch die Ergänzung „Nassauische“ im Titel trug. Gleichzeitig finden sich weitere Veränderungen der Wahlkreise, so wurde darüber hinaus zwischen Fulda-Stadt und Fulda-Land mit Hünfeld differenziert. Weiterhin wurde „Marburg-Kirchhain“ (1925) zu Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirchhain umgenannt. Rinteln wurde entfernt und die Grafschaft Schaumburg sowie durch die Eingliederung Waldecks in Preußen der Komplex Eisenberg, Twiste und Eder ergänzt. Neben diesen Modifikationen standen neue Parteien, wie die Deutsche Volkspartei Stadt Kassel und Marburg, der Christliche Volksdienst und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei zur Wahl. Die Reichspartei des deutschen Mittelstandes war bereits in der Kommunallandtagswahl 1925 als Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes vertreten. Die Wahlbeteiligung hat sich von 493.457 Stimmen im Jahre 1921 sowie 348.193 im Jahre 1925 zu 536.294 Stimmen gesteigert.

Wahlergebnisse der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Der Stimmenanteil der SPD verringerte sich weiter von 33,1 Prozent (1925) auf 32,8 Prozent. Erneut wurden sie am stärksten in Kassel (Land) mit 53,8 Prozent gewählt. Darauf folgte Hersfeld mit 49,4 Prozent sowie die Grafschaft Schaumburg mit 46,7 Prozent. Am wenigsten wurden wieder in Fulda-Stadt mit 7,1 Prozent der Stimmen für die SPD abgegeben. Auch in Fulda-Land mit Hünfeld erreichten sie nur 8,4 Prozent und in Frankenberg 16,2 Prozent. In Marburg-Stadt, Marburg-Land und Kirchhain gewann die SPD noch 20 Prozent und steigerte sich so zur vorherigen Wahl (15,9 Prozent).

Wahlergebnisse der Hessischen Arbeitsgemeinschaft Stadt und Land

Bei der Wahl 1925 33,5 Prozent der Stimmberechtigten die Arbeitsgemeinschaft gewählt, während sie nun eine Verringerung auf 23,7 Prozent zu verzeichnen haben und damit zur zweitstärksten Partei wurden. Ihr höchstes Wahlergebnis konnte die Arbeitsgemeinschaft, wie bereits bei der Wahl zuvor mit 74,5 Prozent, in Frankenberg mit 61,3 Prozent erreichen. Darauf folgen Eisenberg, Twiste, Eder mit 51 Prozent und Hofgeismar mit 36,7 Prozent. Besagte Höchstwerte haben sich im Vergleich zur vergangenen Wahl 1925 reduziert. Hingegen gab es in Marburg-Stadt, Marburg-Land und Kirchhain eine drastische Senkung von 42,4 Prozent (damals nur Marburg-Kirchhain) auf 29,3 Prozent in dieser Wahl. Weiterhin wurde in Fulda-Hünfeld am schwächsten für die Partei mit 5,6 Prozent gestimmt. Dies verwundert nicht, da bereits in der vorherigen Wahlen 1921 und 1925 hier die niedrigste Stimmanzahl zu finden war. Daran schließen sich abermals Schmalkalden (9,8 Prozent) und Fulda-Stadt mit 10,8 Prozent an.

Wahlergebnisse der Zentrumspartei

Auch die Deutsche Zentrumspartei musste einen leichten Rückgang der Stimmen von 14,9 auf 13 Prozent verzeichnen. Wiederholt erreichten sie ihren Spitzenwert in Fulda-Land und Hünfeld mit 77,4 Prozent. Zusätzlich wurde in Fulda-Stadt ein Wert von 65,3 Prozent und in Schlüchtern-Gersfeld 39,3 Prozent erzielt. Auch hierbei liegen die Höchstwerte in den üblichen Orten. In Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirchhain wählten 16,5 Prozent die Partei. Am niedrigsten waren ihre Werte mit 0,5 Prozent in Schmalkalden und jeweils 0,6 Prozent in Ziegenhain-Homberg und Melsungen

Wahlergebnisse der Kommunistischen Partei Deutschlands

Eine minimale Verminderung der Stimmen lässt sich auch bei der KPD von 6,7 Prozent (1925) auf 6,5 Prozent beobachten. Ihre höchsten Ergebnisse finden sich erneut in Hanau-Stadt mit 23,1 Prozent, Hanau-Land mit 23,7 Prozent und Schmalkalden 12,1 Prozent haben sich kaum zur vorherigen Wahl vermindert. Bereits in den Wahlen 1921 und 1925 erreichten sie hier die höchsten Werte. In Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirchhain erzielten sie noch 1,6 Prozent. Dahingegen wählten in Ziegenhain-Homberg (0,4 Prozent) und Hersfeld (1,1 Prozent) ein weiteres Mal die wenigsten Stimmberechtigten diese Partei. Auch in Fulda-Land mit Hünfeld bekamen sie nur 1,1 Prozent der Stimmen.

Wahlergebnisse der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (Hitler-Bewegung)

Die NSDAP konnte bei der Wahl 6,3 Prozent der Stimmen erreichen und wurde damit hinter der KPD fünftstärkste Kraft. Besonders in Rotenburg (18,7 Prozent), Schmalkalden (15,5 Prozent) und Ziegenhain-Homberg (12,4 Prozent) wurden sie besonders häufig gewählt. In Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirchhain erzielten sie 8,9 Prozent der Stimmen. Im Gegensatz dazu erzielten sie in Hanau-Land nur 1,2 Prozent, in Kassel-Land 1,8 Prozent und in Wolfhagen 2 Prozent. Da sie bei der Wahl 1925 noch nicht im Kommunallandtag vertreten waren, können die Ergebnisse nicht mit den vorherigen Wahlen verglichen werden.

Wahlergebnisse der Reichspartei des deutschen Mittelstandes

Die Partei kann einen erheblichen Stimmzuwachs von 2,6 Prozent (1925) zu 5,5 Prozent verzeichnen. Erneut gewannen sie in Hanau-Stadt einen Höchstwert mit 13,4 Prozent, worauf Rotenburg mit 11,4 Prozent und 8,7 Prozent in Eschwege folgten. Am niedrigsten waren ihre Werte in Fulda-Land und Hünfeld (1,1 Prozent), in Frankenberg (1,7 Prozent) und Gelnhausen (2,3 Prozent). In Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirchhain erzielten sie 2,5 Prozent der Stimmen.

Wahlergebnisse der Deutschen Demokratischen Partei

Der höchste Wert der Partei findet sich mit 10 Prozent abermals in Schmalkalden. Die weiteren Höchstwerte fanden sich in Hanau-Stadt mit 8 Prozent sowie in Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirchhain mit 7,7 Prozent. Diese Werte sind so gut wie unverändert zur vorherigen Wahl 1925. Ihren niedrigsten Wert erreichten sie in Hersfeld und Fulda-Land mit Hünfeld mit jeweils 1,3 Prozent der Stimmen. Im Übrigen handelt es sich erneut um die gleichen Orte wie 1925, bei der die Ergebnisse nur minimal abweichen. Auch in Eisenberg, Twiste, Eder errangen sie nur 2,1 Prozent.

Wahlergebnisse des Christlichen Volksdienst

Der Höchstwert dieser Partei lag in Ziegenhain-Homberg mit 7,2 Prozent am höchsten. Darauf folgten Witzenhausen mit 6,4 Prozent sowie Gelnhausen mit 6,1 Prozent. In Schmalkalden wählten am wenigsten Stimmberechtigte mit 1,6 Prozent und in Fulda-Land mit Hünfeld nur 1,8 Prozent. Dagegen wurden in Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirchhain noch 5 Prozent erreicht.

Wahlergebnisse der Deutschnationalen Volkspartei Stadt Kassel und Marburg

Die DNVP konnte nur in drei Orten ein positives Ergebnis gewinnen. So erreichte sie in Kassel- Stadt 14,6 Prozent, in Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirchhain 8,5 Prozent und in Schmalkalden 6,7 Prozent der Stimmen. Bereits bei der Wahl 1921 konnte sie in Kassel-Stadt 19,2 Prozent aber in den anderen Orten keine Stimme erreichen. Bei der Wahl 1925 war sie nicht vertreten, sodass man von einem Zuwachs an Stimmen sprechen kann.

Der neugewählte Kurhessische Kommunallandtag trat am 21. Januar 1930 das erste Mal zusammen.
(MK)


  1. Erarbeitet auf Grundlage von: Amtsblatt der Regierung zu Cassel 1929, hrsg. vom Regierungsbezirk Cassel, Kassel 1929.
Records
Recommended Citation
„Wahl des Kurhessischen Kommunallandtages Kassel, 17. November 1929“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edb/id/5585> (Stand: 5.4.2019)
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