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Zeitgeschichte in Hessen - Daten · Fakten · Hintergründe

Eröffnung des Main-Taunus-Zentrums in Sulzbach, 2. Mai 1964

In der etwa 15 Kilometer vom Stadtzentrum Frankfurts entfernten Gemeinde Sulzbach im Main-Taunus-Kreis wird das erste Einkaufszentrum in Westdeutschland, das „Main-Taunus-Zentrum“ eröffnet. Das nach amerikanischem Vorbild errichtete, in sich abgeschlossene Einkaufszentrum, befindet sich in einem architektonisch uneinheitlich gestalteten, industriell wirkenden Gebäudekomplex, der auf einer hauptsächlich ebenerdig angelegten Verkaufsfläche von mehr als 40.000 Quadratmetern 73 Einzelhandelsgeschäften Platz gibt. Eine lange Einkaufsstraße verbindet die entlang der Strecke aneinandergereihten Läden, Warenhäuser und Dienstleistungsbetriebe, darunter neben Filialen der bekannten Kaufhausunternehmen Horten und Hertie rund 40 Fachgeschäfte und zwei Supermärkte.

Insgesamt umfasst der Gesamtkomplex des Main-Taunus-Zentrums eine Grundfläche von 260.000 Quadratmetern Fläche. Besonderen Wert legten die Planer des Einkaufszentrum auf eine ausgesprochen autofreundliche Anlage. Sie bietet etwa das vierfache des im Gebäudeinneren für den Verkauf genutzten Areals als Parkflächen für Automobile und steht unmittelbar am Treffpunkt des sogenannten Rhein-Main-Schnellweges, der Frankfurt am Main und Wiesbaden verbindet, und der Bundesstraße 8 nach Königstein im Taunus.

Hunderttausende Besucher und Parkplatznöte

Die Eröffnung des Main-Taunus-Zentrums lockt Schätzungen zu Folge etwa 400.000 Besucher an. Noch in weiter Entfernung gut vernehmbare Böllerschüsse und Luftballons weisen den Weg. Obwohl das neue Einkaufszentrum über großzügige Stellflächen für Kraftfahrzeuge der Kunden verfügt, reicht das Angebot von rund 3.000 Parkplätzen am Eröffnungstag nicht aus, um viele der 65.000 mit dem Wagen anreisenden Besucher vor der lästigen Mühe der Parkplatzsuche zu bewahren. An einer offiziellen Eröffnungsfeier nehmen namhafte Ehrengäste teil, darunter der Wiesbadener Regierungspräsident Karl Wittrock (1917–2000).

Ursprünglich ein Vorhaben kanadischer Investoren

Die ursprüngliche konzeptionelle Planung der „Einkaufsstadt“ lag in der Hand des Kanadiers Jerry Shefsky (Toronto) und des US-Amerikaners Vincent Carriste (New Jersey), die als Projektentwickler ihr Vorhaben im Juni 1961 als Deutsche Einkaufszentrum GmbH zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellten. Finanziert werden sollte das Investitionsvorhaben mit Unterstützung des Privatbankiers Frederik Burton aus Toronto, und der ebenfalls in Toronto ansässige Firma Principal Investments Ltd. (Bennett-Brothers), die dort bereits in der ersten Hälfte der 1950er Jahre mehrere Einkaufszentren eröffnet hatte. Vorgesehen war eine von den Gesellschaftern zu leistende Kapitaleinlage in Höhe von fünf Millionen DM. Von Beginn an war der Standort am Nordrand von Frankfurt-Höchst, an der Kreuzung der Autobahn Frankfurt–Wiesbaden mit der B8 vorgesehen. Hier wohnen bereits im Umkreis von sechs Kilometern rund um das Zentrum fast 300.000 Menschen, im Umkreis von 30 Kilometern rund eineinhalb Millionen. Die Investoren beabsichtigten, dort ein Gelände von etwa 200.000 Quadratmetern Fläche zu erwerben um unter kanadischer Leitung mit einem Kostenaufwand von rund 37 Millionen DM das erste deutsche Einkaufszentrum zu errichten. Aufgrund der starken Nachfrage interessierter Einzelhandelsunternehmen verdoppelten die Planer bald die anfangs vorgesehene Ladenfläche des Zentrums auf 40.000 Quadratmeter. Erste konkrete Ankündigungen sprachen von einer Eröffnung im Frühjahr 1963. Doch die kanadische Investorengruppe gab das Vorhaben nach dem Beginn erster Bauarbeiten und der Fixierung einiger Mietverträge ab. Neuer Eigentümer der „Deutschen Einkaufszentrum GmbH“ wurden im März 1963 die Intershop Holding AG in Zürich, und die AG für Grundbesitz und Handel in Berlin.
(KU)

Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Eröffnung des Main-Taunus-Zentrums in Sulzbach, 2. Mai 1964“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1186> (Stand: 3.9.2020)
Ereignisse im April 1964 | Mai 1964 | Juni 1964
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