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5816 Königstein (Taunus)
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Herzogtum Nassau 1819 – 42. Königstein

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Eppstein

Stadtteil · 195 m über NN
Gemeinde Eppstein, Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

7 km nordöstlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

2,5 km südwestlich von Kelkheim, Eppstein liegt im sog. Eppsteiner Horst des Vortaunus.

Eppstein liegt am Daisbach und an der B 455.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Limburg/Eschhofen – Frankfurt am Main ("Main-Lahn-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 15.10.1877).

Ersterwähnung:

1122

Siedlungsentwicklung:

Die Siedlung entstand im Schwarzbachtal westlich der Burg Eppstein. Die Stadt erstreckt sich heute von den Amtmannwiesen bis zum Schulungsheim. Die Stadtgemarkung erstreckt sich zwischen dem Salzhaus und dem Berg "Am Staufen".

Im Jahre 1318 verleiht König Ludwig IV. der Bayer Graf Gottfried IV das Frankfurter Stadtrecht für Eppstein. 1335 erlaubt Ludwig IV. die Ansiedelung von 10 Juden in Eppstein.

Bis zu Anfang des 14. Jahrhunderts wird die Stadtbefestigung abgeschlossen, da in diesem Zeitraum Tore erwähnt werden.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • castrum Epenstein (1124) (NUB 172)
  • castrum Eppenstein (1204) (NUB 309)
  • in valle sub castro Eppenstein (1299) (NUB 1256)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Die Siedlung entstand im Schwarzbachtal westlich der Burg Eppstein. Die Stadt erstreckt sich heute von den Amtmannwiesen bis zum Schulungsheim. Die Stadtgemarkung erstreckt sich zwischen dem Salzhaus und dem Berg „Am Staufen“.
  • Im Jahre 1318 verleiht König Ludwig IV. der Bayer Graf Gottfried IV das Frankfurter Stadtrecht für Eppstein. 1335 erlaubt Ludwig IV. die Ansiedelung von 10 Juden in Eppstein.
  • Bis zu Anfang des 14. Jahrhunderts wird die Stadtbefestigung abgeschlossen, da in diesem Zeitraum Tore erwähnt werden.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3456896, 5556336
UTM: 32 U 456838 5554553
WGS84: 50.1416373° N, 8.395969108° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436002030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 1607 Morgen
  • 1885 (Hektar): 442, davon 102 Acker (= 23.08 %), 37 Wiesen (= 8.37 %), 260 Holzungen (= 58.82 %)
  • 1895: 442,2 ha
  • 1927: 442,2 ha
  • 1961 (Hektar): 442, davon 253 Wald (= 57.24 %)
  • 1967: 441,5 ha
  • 1981: 439 ha
  • Gesamtstadt: 2420 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1492: 30 Häuser
  • 1530: 40 Männer
  • 1543: 34 Hausgessesene
  • 1592: 43 Bürger
  • 1630: 30 Hausgessesene
  • 1668: 118 Einwohner
  • 1693: 170 Einwohner
  • 1700: 179 Einwohner
  • 1725: 204 Einwohner
  • 1750: 446 Einwohner
  • 1780: 612 Einwohner
  • 1805: 117 Gemeindemitglieder und 28 Witwen
  • 1817: 749 Einwohner
  • 1885: 718, davon 361 evangelisch (= 50.28 %), 356 katholisch (= 49.58 %), 1 andere Christen (= 0.14 %)
  • 1961: 1986, davon 1046 evangelisch (= 52.67 %), 863 katholisch (= 43.45 %)
  • 1970: 2241 Einwohner
  • 1981: 12025 Einwohner
  • 1987: 2463 Einwohner
  • 1990: 12311 Einwohner
  • 1995: 12731 Einwohner
  • Gesamtstadt:

Diagramme:

Eppstein: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Erzbistum Mainz
  • Im Früh- und Hochmittelalter Maingau
  • 12. Jahrhundert: Herrschaft Eppstein, Amt Eppstein
  • 1507: Kellerei Eppstein
  • 1581: Oberamt Königstein
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Unteres Erzstift, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Eppstein (zum Umfang des Amtes s. Mittelpunktfunktion)
  • 1803: Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Eppstein
  • 1806: Herzogtum Nassau, Amt Eppstein
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1867: Preußen Provinz Hessen-Nassau, Obertaunuskreis
  • 1919: Hilfskreis Königstein in der französischen Besatzungszone
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • Ab 1491 zum Landgericht Hof Häusel gehörig (bei Hof Häusel zwischen Eppstein und Niederjosbach); laut Rezess von 1597 soll das peinliche Gericht in Eppstein selbst von Kurmainz und Hessen gemeinschaftlich gehegt werden. 1583 gilt das eigene Stadtgericht (Niedergericht) als altes Privileg; laut Salbuch von 1592 gehörten früher die nächsten Dörfer des Kirchspiels dazu. Es bestand aus Schultheiß und 7 Schöffen. Rechtszug ging einst (nachweisbar 1533-70) an das Stadtgericht Frankfurt, Ende 16. Jahrhundert aber an den hessischen und kurmamzischen Beamten in Eppstein. In Eppstein galt die solmsische Landesordnung von 1571; die eppsteinische Ordnung, 1578 durch Hessen erlassen, blieb wegen des kurmainzischen Widerstandes auf das „Ländchen" beschränkt. Der Schultheiß wurde von Hessen und Kurmainz gemeinsam bestellt, ebenso die Schöffen, deren Kollegium aber Vorschlagsrecht besaß. Gerichtsdiener oder Büttel war der Gemeinschaftsburggraf und Pförtner auf dem Schloss. Die Rivalität von Hessen und Kurmainz störte Verwaltung und Rechtsprechung sehr und behinderte schon die ordnungsgemäße Besetzung des Gerichts. Das Amt des Schultheißen hatte dadurch eine größere Bedeutung als gewöhnlich.
  • 1816: Amt Wallau
  • 1817: Amt Königstein
  • 1849: Justizamt Königstein
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Königstein
  • 1867: Amtsgericht Königstein

Herrschaft:

Herrschaft:

1318: Herren von Eppstein

1433: Herren von Eppstein-Münzenberg in Kondominat mit den Herren von Eppstein-Königstein

1492: Herren von Eppstein-Königstein in Kondominat mit den Herren von Eppstein-Münzenberg und den Landgrafen von Hessen

1495: Herren von Eppstein-Königstein in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen

1535: Grafen von Stolberg

1581: Erzbischöfe von Mainz in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen-Marburg

1605: Erzbischöfe von Mainz in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen-Darmstadt

1667: Erzbischöfe von Mainz in Kondominat mit den Grafen von Königsmark

1675: Erzbischöfe von Mainz in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen-Darmstadt

1687: Erzbischöfe von Mainz in Kondominat mit den Freiherren von Stadion

1696: Erzbischöfe von Mainz in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen-Darmstadt

1697: Erzbischöfe von Mainz in Kondominat mit den Frankfurter Kaufleuten de Rhon und Gen

1701: Erzbischöfe von Mainz in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen-Darmstadt

1802: Fürsten von Nassau-Usingen

Gemeinde:

Die Leitung der Gemeindeverwaltung lag bei Schultheiß und Gericht. Doch war die Bürgerschaft noch um 1800 nicht ausgeschaltet: 1767 beklagte sie sich, Schultheiß und Gerichtsmänner hätten als Gemeindevorsteher sie beim Bau des neuen Rathauses nicht gefragt. Am Eschtag versammelte sie sich auf dem Rathaus; Schultheiß und Gericht taten dann die Feldrügen ab, nahmen neue Feldschützen und Feuerläufer in Pflicht, dingten die Viehhirten und Nachtwächter; auch bestellte man dann 2 neue Bürgermeister, die das Bau- und Polizeiwesen unter dem Schultheiß verwalteten: den Gerichtsbürgermeister aus dem Gericht und den Unterbürgermeister aus der Bürgerschaft; jener führte die Hauptgemeinderechnung, dieser die Nebenregister. 1740 erließen der hessische und kurmainzische Beamte eine ausführliche Polizeiverordnung für Eppstein.

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Eppstein, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Vockenhausen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Zu Beginn des 13. Jahrhunderts hat Graf Gottfried von Delkenheim von Eppstein einen Hof als Lehen inne.
  • 1492 verkaufen die Grafen von Eppstein etwa 105 Morgen an Weidegrund, die Mühle am Untertor und die Walkmühle an Wilhelm II. von Hessen.
  • 1536 erhält die Königsteiner Kellerei Grundzinsen von Häusern und Gärten vor der Oberpforte sowie von Äckern, Wiesen und Weinbergen in der direkten Umgebung.

Zehntverhältnisse:

Der große und der kleine Zehnte gehen an die Pfarrei.

Ortsadel:

1287-1484: derer von Eppstein

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1299: Georgskapelle (NUB1256)
  • 1300: eigene Pfarrei (NUB 1279)
  • 1318: Marienaltar in der St. Georgskapelle später noch Johannesaltar
  • 1341: Pastor
  • 1430: St. Laurentius-Kirche (heute Talkriche, im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstört, 1908 und 1992-94 renoviert)
  • 1848: Einrichtung einer kath. Pfarrei
  • 1903: Bau der kath. St. Laurentiuskirche (1969 renoviert)
  • Antoniuskapelle

Patrozinien:

  • Georg

Pfarrzugehörigkeit:

1983 werden Eppstein, Bremthal, Niederjosbach und Vockenhausen zum Pfarrverband Eppstein zusammengelegt.

Patronat:

1433 erhält Eppstein-Königstein das Patronat für die Antoniuskapelle, welche außerhalb der Stadtmauern liegt.

1492 einigen sich Hessen und Eppstein Münzenberg darauf, die Pfarrei, den Marien- und den Georgsaltar abwechselnd zu besetzen.

Die Besetzung des Georgaltars behält sich Eppstein-Münzenberg vor.

1535 gehört das Patronat Hessen und denen von Stolberg-Königstein. Nach deren Aussterben 1581 geht der Anteil Stolberg-Königstein an Kurmainz.

1608/09 und 1718 verzichtet Kurmainz auf seinen Anteil am Patronat und Hessen wird dessen alleiniger Besitzer.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation: 1525/26

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Georg Guckel 1543-1546

1582 garantiert die mainzische Herrschaft den Evangelischen die freie Religionsausübung, versucht jedoch, die Stadt zu rekatholisieren.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1609 gegen den Widerspruch von Kurmainz, 1624 wieder lutherisch

Nach langjährigen Streitigkeiten zwischen Hessen und Mainz um die Besetzung der Pfarrstelle wird 1718 das lutherische Bekenntnis als vorherrschendes bestätigt. Die katholische Gemeinde wird anerkannt. Am Ende des 18. Jahrhunderts sind beide Konfessionen etwa gleichstark vertreten.

Seit 1818 unierte Pfarrei.

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107 zum Dekanat Kastel, Archidiakonat von St. Peter in Mainz gehörig.

Juden:

1335 werden durch königliches Privileg 10 Juden in Eppstein angesiedelt.

Kultur

Schulen:

Im Jahre 1564 wird auf Veranlassung Philipps des Großmütigen mit den Einnahmen der im Zuge der Reformation aufgelösten Altäre eine Schule eingerichtet, die bis 1780 durch einen von Hessen und Mainz ausgewählten Lehrer geleitet wird.

1716 wird ein neues Schulgebäude errichtet.

1767 zieht die Schule in das neue Rathaus in der Burgstraße um.

Von 1803- 1829 und von 1852-1908 existiert eine katholische Volksschule.

1928 wird ein neues Schulgebäude errichtet.

Ab 1965 haben Eppstein und Vockenhausen eine gemeinsame Schule.

Hospitäler:

Im 15. Jahrhundert ein Aussätzigenheim (Gute-Leute-Haus)

Kultur:

Wochenzeitung: Um Staufen und Rossert 1925 bis 1940

Der Heimat-Bote um Rossert und Staufen seit 1950

Historische Ereignisse:

1635 und 1666 wird die Stadt von der Pest heimgesucht.

1648 fallen große Teile der Stadt bei der Eroberung durch französische Truppen den Flammen zum Opfer.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1787 besteht die Amtsvogtei Eppstein aus Bremthal, Ehlhalten, Eppenhain, Eppstein, Fischbach, Hornau, Kelkheim, Niederjosbach, Oberjosbach, Ruppertshain, Schloßborn, Vockenhausen sowie Gimbach, die Hälfte von Häusel und Retters.

Wirtschaft:

Eppstein lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft, wobei Wein- und Obstanbau seit dem Mittelalter eine wichtige Rolle zukommt.

Mühlen:

Um 1300: molendarius in der Visschebac (EL 125)

1393: Walkmühle

Um 1470: 2 Schleifmühlen (eine davon in Amstertal), eine Messerschmiede und eine Mahlmühle (molen uff der bremtail)

1482: Bau der Mühle am Untertor

1592: 3 Lohmühlen

Münze:

In einem Schreiben an Kaiser Karl IV. behauptet 1355 Graf Gottfried VII. von Eppstein, dass er und seine Vorfahren in Eppstein gemünzt hätten. Das Münzrecht wird im gleichen Jahr durch den Kaiser bestätigt (Regesta Imperii 8, Nr. 2090). In Eppstein wurden Goldgulden, Turnosen und Pfennige geprägt. Wie lange die Ausmünzungen in Eppstein dauerten, steht nicht fest.

Zoll:

Die Stadt ist weitgehend von Steuern befreit.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Eppstein, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11235> (Stand: 18.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde