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Regesten der Landgrafen von Hessen

1482 Februar 4

Stadtprivilegien Witzenhausens

Regest-Nr. 10190

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Stadtarchiv Witzenhausen. Notariatsinstrument. Bis April 1945 unter Glas und Rahmen im Bürgermeisterzimmer des Witzenhäuser Rathauses, seither verschollen.
Abschriften: Stadtarchiv Witzenhausen, Privilegien, Nr. 2 (16. Jahrhundert). Papier; Stadtarchiv Witzenhausen, II K 59, Witzenhäuser Schatzkammer, S. 283-292, jetzt Bl. 173r-177v. Mit der Überschrift Privilegia der stadt Witzenhausen (Schreiber St. G. Wenderath 1741), anschließend Übertragung in die Sprache des 18. Jahrhundert und kurze Inhaltsangabe (von demselben Schreiben).
Drucke: Kopp, Verfassung 1, Beilagen S. 5 ff; Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Witzenhausen, S. 61-66 Nr. 54.
Regesten: Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Witzenhausen, S. 61-66 Nr. 54
Regest
Eidliche Aussage der Witzenhäuser Ratsherren über den Inhalt der 1479 verbrannten städtischen Privilegien.
Originaltext
In Godes namen amen. Wittlik kunt unde bekannt sy allen den jonnen, de diit dudessche opinbare gemeynne instrument sehin, horen effte lesen, dat in deme jare, alßdeme ta^elde nach Cristi gebort unsers heren dusent veirhundert dar nach in deme twey und achigesten jare, in de(r v)ifftheynden tael, de men nomet im latino indictio, in deme elfften jare der kroninge deß allerhilgesten in Godt vaderß und heren hern Sixti von gotliker vorsichticheit paweß deß veirden, an deme veirden dage deß manteß, den men in dem latino nomet Februarius, deß morgenß to rechten tercien tiidt edder dar by to Wittzenhusen in der stadt Mentczbiscopdomeß upp dem winkeller, nu tor tydt an gewontliker rades stole unde stede, (da) de ersamen und vorsichtigen der raidt dar sulvest to Wittzenhusen rades to gevende plegen, in jegenwordicheit myneß opinbaren scriverß effte notarien und der werdigen und erhaftigen tugen hie na gescreven, syn personliken erschenen de ersamen und vorsichtigen Hans Kindefader burgemester, Michel Tcygeler, Hans Engelhart, Cort Tilen und Hans Koch, alse de mechtigste und meyste deyl an sittedem radeß stole vorgadert und gesammet, und hebben myt wolbedachten mode, myt vornunfft unde redelicheit orer synne an eydestait by oren waren worden und sodann leyffliken eyden, so myt ut gestreckeden armen, myt upp gelechten vingern over dey hilgen gesworen, (so) sche den hochgebornen irluchteden forsten der herscap van Hessen, oren gnedigen leven heren, so se an radeß ampte erwelt und gekorn sin, den burgern, medewonnern der stat und gantcze gemeynheit to Witzenhusen gedan hebben in der allerbesten formen, wise und mathe se mochten und konden, openbarliken und lutterliken gesaget und clerliken ut gesproken dat ore vorvaren am rade, borgere, medewoner, gemeynheit und die stad to Witzenhusen van der obgnanten irluchteden hochgeborn herscap van Hessen, oren gnedigen leven heren, begnadiget, begifftiget unde gefriget syn wesen myt itliken privilegien, frigheyden, aldem herkomen und gewontheiden, und deß van oren obgnanten gnedigen heren und herscap van Hessen segel und breiffe gegeven waren, welke breiffe und privilegia uppe deme rathuse to Wittzenhusen in sittendem radeß stole vaken und vele unvorletczet besehin und gelesin sin worden in eyne ewige gedechtnisse in dancken to hebben, dat se itczunt und ore nakomen an radeß ampte sodann frigeheyt und privilegia na orem inhalde orer gnedigen herscap van Hessen to oren gnaden rechtlicheyden, der geliken der stait Wittzenhusen borgern und medewonnern und eynem icliken to synem rechte mede to deyllende, ok dat de nygen personen to tyden sek geeygent in den rade to Wittzenhusen gekoren worden, sodann privilegia, frigeheyden beleret und to erkennen underwiset worden von den eldesten, in dem rade myt einsampt denne na notdorff na lude und inholde der privilegia rechtes mochten plegen. So denne ore stait Wittzenhusen, dat raithuß mede und de mechtigeste deil der stait went upp eynen kleynen deil von heymeliken fure, villichte von vorhengnisse deß almechtigen Godeß unß heren vordelget und utht gebrant ist, dat gescheyn ist im jore na Cristi gebort unses heren dusent veirhundert dar nach im neghen und sebentigesten jare uff sinte Franciscus daghe, und dar mede alle ore statbucher, registra, privilegia, segel und breve und weß so upp orem raithuse by dem rade gewesen ist, myt dem fure allet vordarfft und vorbrant ist, hebben doch de obgnant burgemester und bestempde radespersonen by solken eyden obin gerort ut gesproken und bekannt, dat one alle und orem jowelken bisundern in danken wol bewust sy, inholt solker privilegia, freygheyden, segel und breve ire stat mede begnadiget und begifftiget sy wesen, so se de vaken und velemalß gesehin und ok horen lesen hebben.
1. Und int erste hebben sche eynen dudeschen breyff gehat inholde(nde u)nd ludende ongeverliken van artikeln to artikeln, so hyr nach volget:
(Danach die oben [Eckhardt, Rechtsquellen] als Nr. 37 abgedruckte Urkunde).
2. Auch haben sche eynen breiff gehatt to latino holden van artikeln to artikeln, so hie nach folget und in dem ersten anbeginne ludede "Quoniam", so wi denne den sulfften breiff nach lude deß latinß im dudeschen vorstehin hebbin, alsust:
(Danach die oben als Nr. 12 abgedruckte Urkunde).
3. Hier negest hebben se ak eynen breiff gehat van dem selbigen lantgraffen Henrichen ludende alsust:
(Danach die oben als Nr. 28 abgedruckte Urkunde).
4. Vort haben sche eynen breiff gehait over de Gelster van der herscap van Hessen, dar mede se gefriget und begnadiget sin, dat se der Gelster von unden an der Werre an to hevende went an den sulten steyn an eyne stede gnant de Pettzelßmole met der visscherige, so vaken und vele on deß gelustet, (ge)bruken mogen.
5. Dar neyst haben de von Wittzenhusen gekofft den rodenbergh von der herscap van Czegenbarghe und den bagh boven Armeswerde went an den stegh, dar men hen geyt nach Hubenrode, by den ma^elsteyn, dar over de sulven graben twene vorsegelte breve geven hadden und (der) selbighe lantgraffe Henrich eynn williges breiff gegeben hadde.
6. Auch hadden de von Wittzenhusen von dem gnanten lantgraffen Henrichen, dat he und syne erven dat hilge cruce unde sanctum Nicolaun to Wittzenhus to hulpe der brugghen begnadiget und begifftiget hadde myt dem spo^enberge, bartenrode, klinkenrode, bestenda^el oven an went unden uth unde den santwegh, den deyppenbach, holt und felt mit allerslachte nut, keyns ut gescheyden.
7. Auch haben sche eynn vorsegelt privilegium gehait va der herscap von Hessen, dat eyn itlicher schultte by one hussittende ist, schal synen schaytcz geven, ok sin bru^ewark holden, so sin nachebur und borgere boven seck und neden.
8. So haben die von Wittzenhusen de gnade, fryheyt van alder gewonheit gehat, wer eyn fa^et winß edder behir hait abegeleiget von synem wagen, hait der stat moyst gebin theyn groschen to nederlage. Wolde he abir fromeden win schenken, moste he deß schulten willen maken.
9. Auch haben de von Wittzenhusen eyn vorsegelte privilegium gehait von der herscap von Hessen over den Kauffunger walt, welk borger edder medewoner eyn nuwe huß buwen wolde, mach sek holtes dar to gebruken na syner noyt und behoyff, dar van he keyneß nicht geven endarff, ut gescheyden eynn bemesche dem forster to dranckgelde. Auch mogen sich de burgere gebruken achtwort in dem sulven gewolde, leger holt und alleß unholtes, dar umme sche keyn forster panden schal, so de von Cassel unse hovetslo^etcz der geliken begnadet sin.
10. Auch so haben de von Witzenhusen van oldem herkomen gefrigheyt gehat, dat sche t ooren jarmarkeden und afflate intsampt dem schulten stedegelt sammen mogen laten, und weß dar von keyme, geborde dem schulten halff und de ander helffte der stait. Wat ok gewette und broke an gerichte gefellen edder gebroken worden, fallen dem sculten de dritte penning und twe deel der stait. Deßgeliken auch in boden geschege von dem schulten und rade und nicht geholden worde, auch de dridde penningk dem schulten und twe deel dem rade gefallen scholen, ut gescheyden wat halß und hant bedrefft, steyt der herscap halff und der stat der ander helffte.
11. Auch so habin de von Wittzenhusen warhafftige privilegia gehait, van older herscap hergekomen went an dusß tyt, dat de schulte von der herscap wegen myt dem rade und der radt myt dem schulte intsampt vorkopen moghen de gilde to Wittzenhuß und deß segel und breve na noitdorfft gebin moghen, in masßen o^er burger und gilden alreyde in weren und besittinge haben, der breve itliche noch vor oghen sint und ware avescrifft in unser stat den burgern gegeven sint. Und wat geldes dar von komen magh, steyt (un)ser herscap (halff) to und de ander helffte der stat; und wan eyn borger edder borgerß sone to eyner gilden komen schal und wel, de mot geben der stat eyne halve mark Wittzenhuscher wer und unserm herscap keynß.
12. Auch na oldem privilegio und herkomen magh sche nemant myt fromeden bere overfaren, he en do denne da´myt deß schulten und deß rades orloff, weten und willen; so steyt daß an o^ene, to orlovende den borgern to eren in o^er hu^eß. Doch schal he deß neymande vorkopen noch verschenken, he geve denne dat Wittzenhusche bere gelik. Und wat deß geschenket in notdorfft scholde werden, steyt dem rade alleyne to, to gude der stait, deß der schulte edder neymant wederspreken magh.
13. Auch haben sche privilegia und herkomen gehat, dat eyn burgemester, raitman und scheffe, welker deß gelustet und bequemlich wore, mach syne winde und sto^essere halden und dar mede hittzen, ryden ok openbarlichen jagen hasen, rehe und alle wiltbrat, so vernne unse holttze und feltmarke utwisen, ane alle geverde, daß sche neymant vorhindern magh; ußgescheyden in der gudemanneß gerichten und gebeyden sal he sek na oren willen holden. Deß gelicken moghen de preisterscap, by uns wonen, met der jacht sek gebruken.
14. Auch so ist de stat to Wittzenhusen von der herscap to Hessen begnadiget, wanner und wi dicke se eynen schultheytzen ingesetten, de sulbige scal der stad ok in besundernheyt to eren rechten sweren.
Dat nu sodann privilegia, frigheyt onen und oren nachkomen an radeß ampte der stat Wittzenhuß, borgern, medewonnern und der gemeynheit nicht vorhindert moge werden, und so vele o^en deß bewust ist umme dotliker sake willen, so nicht wisser en ist den der dot und unwisser tyt und stunde deß dodeß, hebben de obgenante burgemester und sine medebane alse de eldesten und meyste part deß radeß sodann privilegia und freyheyt van olden herkomen oren nachkomen der stat, borgern, gemeynheyt to Wittzenhusen to gude openbart, bekannt und in gedechtnisse to beholden ut gesproken und my hir unden bescreven notarien und openbarn scriver dar to geesschet und sunderliken gebeden, one und der stat to Wittzenhuß sodann bekantnisse und openbarliker utsprake instrumentum und instrumenta to makende und gevende, so vele on der noyt wolde werden.
Dyt ist gescheyn in dem jore, in der indictien, kronunge, mante, stunde und stede, alse vorgescreven steyt, und hir by sin gewesen de erbarn hern er Henrich Frodenbergh pernner to Wittzenhuß, Eckardus Tabeldeshusen, Henrich Geilenfoytz preister Mentczesbiscopdoms, alse loffwerdige tughen hir to geesschet und sunderliken gebeden.
Unde ek Helmoldus Salderman clericus Mentczesbiscopdomß, von keyserliker macht und gewolde openbarscriber und notarius, alse ek by sodann openbarn utsaghe, bekantnisse und in eydestat utsprake, alse oven gescreven ist, in bywesende der ersamen tughen byn personliken gewesen, dusse dingk alle gehort und gesehin hebbe, so sche gescheyn sin, so hebbe ek den bescreven und dyt open instrument myt myner eygen hant gescreven und mit mynen gewontliken merke geteykent, so ek dar tho geeschet und gebeden bin dar over, to eynem tuchnisse der warheyt. Ok protestere ek von der anderhalven regen, unden an dussem instrumente gescreven, dey angan "auch ist de stat" biß an dat ende, sin ute gelaten van vorsumenisse myns openbarn scrivers und nicht von den obgnanten borgemestern und synen medebone vorgetenisse.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Weitere Personen

Kindefater, Hans, Bürgermeister in Witzenhausen · Drudeln, Heinrich, Rat in Witzenhausen · Heberlin, Cort, Rat in Witzenhausen · Geilfuß, Cort, Rat in Witzenhausen · Tcygeler, Michel, Rat in Witzenhausen · Engelhart, Hans, Rat in Witzenhausen · Tilen, Cort, Rat in Witzenhausen · Koch, Hans, Rat in Witzenhausen · Hessen, Landgrafen · Frodenbergh, Heinrich · Tabeldeshusen, Eckard · Geilfuß, Heinrich, Priester Mainzer Bistums · Salderman, Helmold, Kleriker Mainzer Bistums

Weitere Orte

Witzenhausen · Witzenhausen, Ratsherren · Witzenhausen, Bürgermeister · Ziegenhain · Hubenrode · Ermschwerd (Gem. Witzenhausen) · Kauffunger Wald · Kassel · Witzenhausen, Währung

Sachbegriffe

Ratsherren · Aussagen, eidliche · Stadtprivilegien · Privilegien, städtische · Stadtbrände · Brände · Urkunden, verbrannte · Bürgermeister · Bürger · Freiheiten · Verkäufe · Hölzer, Nutzen von · Häuser, Neubauten · Jahrmärkte · Gilden, Aufnahme in · Währungen, Witzenhauser · Jagdrechte · Hasen · Rehe · Wildbrett · Schultheiße, Einsetzen von

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Eckhardt, Rechtsquellen

Original

Eckhardt, Rechtsquellen

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 10190 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/10190> (Stand: 01.08.2021)
 
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