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Historisches Ortslexikon

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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 71. Amöneburg

Weitere Informationen

Dreihausen

Ortsteil · 255 m über NN
Gemeinde Ebsdorfergrund, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

ca. 10,5 km südöstlich Marburg

Lage und Verkehrslage:

Mehrgliedriges, aus 3 Ortsteilen zusammengesetztes Dorf an der Zwesterohm:

Ober-Hausen: Geschlossene Siedlung mit regellosem Grundriss auf Wegestern beiderseits der Zwesterohm auf den von Osten und Süden heranstreichenden Hängen

Mittel-Hausen: Geschlossene Siedlung mit regellosem Grundriss auf nach Süden in der Zwesterohm-Niederung abfallendem Hang - moderne Wohnsiedlung im Osten entlang der Bahnhofstraße

Unter-Hausen: Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss beiderseits der Zwesterohm - im Norden stärkere Hanglage der Mittelterrasse - im Süden Bebauung auf flach auslaufendem Hang jenseits des Bachlaufes

Straße Roßberg-Heskem (Grünberger Landstraße, die in ihrem alten Verlauf nordöstlich an Dreihausen vorbeiführte)

Straße von Leidenhofen führt am Süd-Rand von Ober-Hausen vorbei nach Roßberg

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Marburg – Ebsdorfergrund/Dreihausen (Inbetriebnahme der Strecke 5.4.1905) bis zur Stilllegung der Strecke am 24.6.1972.

Ersterwähnung:

um 1130

Siedlungsentwicklung:

Bis vor 1577 bestanden 2 selbständige Dorfschaften Ober- und Nieder-Hausen, dann Mittel-Hausen als weiteres Dorf hinzugetreten

Vermutlich aus Nieder-Hausen ausgesiedelt

1592: drey underschiedtene Dorffer

Historische Namensformen:

  • Husun et Husun (um 1130) [Gensicke, Vogtei Ebsdorf, S. 101]
  • Husin, de (1151) [Abschrift Ende 13. Jahrhundert Mainzer Urkundenbuch 2,1, S. 303-305, Nr. 164]
  • Obernhusin und Niederhusin (1374)
  • Obern-, Mittel-, Niddernhausen (1577)
  • Oberhausen, Hausen, Niederhausen (1708/10)
  • Dreihausen (1812)

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Bis vor 1577 bestanden 2 selbständige Dorfschaften Ober- und Nieder-Hausen, dann Mittel-Hausen als weiteres Dorf hinzugetreten
  • Vermutlich aus Nieder-Hausen ausgesiedelt
  • 1592: drey underschiedtene Dorffer

Umlegung der Flur:

1921/24

Älteste Gemarkungskarte:

1770

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3489957, 5621368
UTM: 32 U 489887 5619559
WGS84: 50.727743° N, 8.856709° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534008020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1234 stellbares Land, 488 Wiesen und Gärten, 33 Triesche, 998 Wald
  • 1885 (Hektar): 712, davon 334 Acker (= 46.91 %), 111 Wiesen (= 15.59 %), 227 Holzungen (= 31.88 %)
  • 1961 (Hektar): 713, davon 222 Wald (= 31.14 %)

Einwohnerstatistik:

  • (Angaben vor 1812/13 -> Ober-Hausen -> Mittel-Hausen -> Nieder-Hausen)
  • 1812/13: 575
  • 1838 (Familien): 47 Ackerbau, 52 Gewerbe, 18 Tagelöhner 66 nutzungsberechtigte, 44 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 10 Beisitzer
  • 1861: 874 evangelisch-lutherisch Einwohner, 31 Mitglieder abweichender Sekten
  • 1885: 933, davon 919 evangelisch (= 98.50 %), 0 katholisch, 14 andere Christen (= 1.50 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 212 Land- und Forstwirtschaft, 254 Produzierendes Gewerbe, 73 Handel und Verkehr, 77 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 1282, davon 1192 evangelisch (= 92.98 %), 82 katholisch (= 6.40 %)

Diagramme:

Dreihausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1374 und später: Gericht Ebsdorf, das seit 1786 mit dem Gericht Treis/Lumda vereinigt ist
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Ebsdorf
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Assistenzamt Treis
  • 1831: Justizamt Treis
  • 1886: Justizamt Marburg
  • 1867: Amtsgericht Marburg

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform durch Zusammenschluss der Gemeinden Dreihausen und Heskem die Neubildung der Gemeinde Ebdorfergrund.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • (Im folgenden wird der Ortsname jeweils in Anlehnung an die Überlieferung wiedergegeben)
  • Um 1130 sind Hausen und Hausen einschließlich des Zehnten Zubehör der Villikation Ebsdorf des Mainzer St. Stephansstifts, deren Einkünfte seit 1249 an die Landgrafen verpachtet sind
  • Um 1220 vertauscht Kloster Haina eine Hufe in Hausen
  • Um 1235 übertragen die von Buches und die von Nordeck dem Kloster Güterbesitz
  • Bis 1270 haben die von Schweinsberg einen Lehnshof in (Unter-)Hausen
  • 1278 erwirbt diesen Hof der Deutsche Orden Marburg
  • 1285 übertragen die von Mölln dem Deutsche Orden ihren Hof zu Ober-Hausen
  • 1326 und 1329 erwirbt der Deutsche Orden weitere Höfe in Hausen
  • 1358: 3 Höfe in Ober-Hausen und 2 Höfe in Unter-Hausen
  • 1272 hat Stift Wetter Besitz in Hausen
  • Um 1360 ist Kloster Caldern Mitbesitzer eines Gutes
  • 1457 verkauft das Kloster das sogenannte Calderngut und ein weiteres halbes Gut in Nieder-Hausen
  • 1525 verkauft das Kloster ein kleines Gut zu Hausen wieder- käuflich
  • 1333 verkaufen die von Bicken und die Schenken zu Schweinsberg ein Gut zu Hausen
  • 1401 und 1452 erwirbt Kloster Hachborn Güterbesitz in Hausen und Ober-Hausen
  • 1512 zinsen 2 Güter an das Kloster
  • 1494 sind 5 Pflüge und ein halber Viertelpflug dem Landgraf dienstbar
  • 1494 und 1630 befindet sich ein Freihof in Hausen
  • Mühle in Nieder-Hausen
  • 1360 im Besitz der Familien von Beltershausen
  • Sie verfügt 1630 und 1823 über einen Mahlgang
  • Eine weitere Mühle mit 1 Mahlgang befindet sich 1630 und 1823 in Ober-Hausen
Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1577 und später: Ober-, Mittel-, Unter-Hausen nach Ebsdorf eingepfarrt

1630 auch als Filiale bezeichnet

1858 wird Drei-Hausen zur evangelischen Pfarrei erhoben - eingepfarrt Roßberg

Filiale: Heskem mit Mölln

Diakonische Einrichtung:

1926 nach Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 150 Gemeindestation mit einer Schwester

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Ebsdorf, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Ebsdorfer Pfarrer Conrad Schneider ab 1527.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1609, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Ebsdorf

Kultur

Schulen:

1910 Volksschule mit zwei Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Wirtschaft:

Töpfereigewerbe seit 1374 erwähnt (ZHG N.F. 29, 1905, S. 195)

1778 arbeiten in Ober-Hausen 13, in Mittel-Hausen 16 Töpfer

1842 beträgt die jährlich Produktion ca. 2800 Ztr. irdene Ware im Werte von 2500 Talern

Pflasterergewerbe

1858: 27 Pflasterer, teilweise Westfalengänger

Bedeutender Basaltsteinbruch.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Dreihausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9103> (Stand: 15.2.2024)