Historisches Ortslexikon
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Weitere Informationen
Schemmern
-
Stadtteil · 285 m über NN
Gemeinde Waldkappel, Werra-Meißner-Kreis
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
18,5 km westsüdwestlich von Eschwege gelegen
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Lage und Verkehrslage:
Dorf im einfachem Grundriss und geringer Siedlungsdichte 5 km südwestlich von Waldkappel. Kirche in zentraler erhöhter Lage von ursprünglicher Bebauung umschlossen, weitere Siedlungsentwicklung entlang der parallel zum Bach verlaufenden und nach Waldkappel führenden Weserstraße (L3226)
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Ersterwähnung:
982/991
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Siedlungsentwicklung:
1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Stölzingen.
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Historische Namensformen:
- Scamberaha (982/991) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 2, S. 127-128, fol. 81v]
- Scembro, de (11. Jh.) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 2, S. 280, fol. 147r]
- Scemere, de (1261) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, S. 133-134, Nr. 175]
- Schemmere, de (1261) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, S. 134, Nr. 176]
- Szemerde (1281) [Krummel, Ämter, S. 58]
- Schemere, in (1317) [Urkunden und Regesten Kloster Cornberg, S. 39-40, Nr. 61]
- Schemmermarke, in der (1376) [HStAM Bestand Urk. 14 Nr. 10792 (unvollständiges Regest), Schreibweise nach Landau, Beschreibung der wüsten Ortschaften. Ausg. 1858, S. 74]
- Schemmermark, in der (1385) [HStAM Bestand Urk. 13 Nr. 4244]
- Schemer, in (Anfang 15. Jahrhundert) [HStAM Bestand S Nr. 574, Bl. 4v]
- Schemmermark (1434) Landgrafen-Regesten online Nr. 12087]
- Schemmer (1540) [HStAM Bestand S Nr. 575]
- Schemmer (1585) [Der ökonomische Staat, S. 89]
- Schemmer (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 8]
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Bezeichnung der Siedlung:
- predium (982/991)
- Gericht (1434)
- Dorf (1540)
- Dorfschaft (1767)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
-
Umlegung der Flur:
1909
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Älteste Gemarkungskarte:
1702
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3557373, 5664439
UTM: 32 U 557276 5662613
WGS84: 51.112131° N, 9.818233° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
636012130
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 736, davon 447 Acker (= 60.73 %), 72 Wiesen (= 9.78 %), 41 Holzungen (= 5.57 %)
- 1961 (Hektar): 1055, davon 418 Wald (= 39.62 %)
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Einwohnerstatistik:
- 1540: 57 Häuser (Spangenberger Salbuch)
- 1585: 80 Haushaltungen (mit Obergehau) (Der ökonomische Staat)
- 1747: 63/69 Feuerstätten mit 260 Einwohnern (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1767: 55 Häuser, 13 Baustätten, 260 Menschen; Gewerbetreibende: 39 Leinweber, 1 Wagner, 2 Schneider, 2 Schmiede, 1 Wirt, 1 Brandweinwirt, 3 Müller, 2 Spinnerinnen
- 1885: 454, davon 453 evangelisch (= 99.78 %), 1 katholisch (= 0.22 %)
- 1961: 472, davon 428 evangelisch (= 90.68 %), 43 katholisch (= 9.11 %)
- 1970: 452
- 1987: 391
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- Anfang 15. Jahrhundert: Landgrafschaft Hessen, Amt Spangenberg
- 1434: Landgrafschaft Hessen, Schemmermark (fuldisches Lehen der Landgrafen)
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Spangenberg, der dritte Ort Schemmermark
- 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Spangenberg
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Spangenberg
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Spangenberg
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Bischhausen
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Spangenberg (zuletzt Amt Bischhausen, Gericht Schemmern)
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis
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Altkreis:
Eschwege
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Gericht:
- Es ist alter Besitz des Stifts Fulda, von dem es die Grafen von Ziegenhain zu Lehen hatten. Diese gaben es den Herren von Treffurt zu Afterlehen, von denen es 1350 an Hessen kam (Landau in ZHG 7, 248).
- 1434, 1483 und öfter belehnt Kloster Fulda die Landgrafen damit.
- 1814-1821: Kurfürstliches Gericht Schemmern
- 1822: Kurfürstliches Justizamt Bischhausen, Gericht Schemmern
- 1867: Amtsgericht Bischhausen
- 1879: Amtsgericht Bischhausen
- 1932: Amtsgericht Spangenberg
- 1943: Amtsgericht Melsungen (Zweigstelle Spangenberg)
- 1957: Amtsgericht Eschwege
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Herrschaft:
Das Gericht Schemmern oder Schemmermark (Schemmer Mark) ist wie die ihm zugeordneten Dörfer zunächst nachweislich seit dem 10. Jahrhundert fuldisch, fällt aber im ausgehenden 14. Jahrhundert an die hessischen Landgrafen. Heinrich von Schlutwinsdorf bekundet 1385, dass er seinen Anteil an Schemmern an Hans ufm Reine verkauft hat und bittet den Landgrafen Hermann von Hessen, Hans damit zu belehnen (HStAM Bestand Urk. 13 Nr. 4244). Die Landgrafen wiederum werden 1434, 1483 und bis 1786 von Kloster Fulda damit belehnt. Während die Lehnshoheit von Fulda also formal erhalten bleibt, spielt sie für die faktischen Herrschaftsverhältnisse keine Rolle.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil nach Waldkappel eingegliedert.
- Besitz ↑
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Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- (982/991) erwirbt das Kloster Fulda durch Schenkung des Edlen Hartmann und seiner Gemahlin Hildegund dessen Eigengut in Schemmern.
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Zehntverhältnisse:
1281 haben die von Schwarzenberg die Zehntrechte in Schemmern inne.
1385 bekundet Heinrich von Schlutwinsdorf, dass er seinen Anteil an Schemmern, 1/4 des Zehnten (Tetzmen, an Hans ufm Reine verkauft hat und bittet den Landgrafen Hermann von Hessen, Hans damit zu belehnen. Die vom Reine werden noch bis 1516 von Hessen damit belehnt.
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- Pleban (1261)
- Einschiffiger romanischer Bau mit querrechteckigem Westturm, der ursprünglich für sich gestanden haben soll; Schiff in gotischer und neuerer Zeit verändert.
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Pfarrzugehörigkeit:
1261 Pfarrei, seit 1518 vakant, bis 1545 von Spangenberg versehen
Zur protestantischen Pfarrei der Klasse Waldkappel sind 1872 Gehau und Eltmannsee eingepfarrt. Filiale waren Burghofen, Hetzerode und Mäckelsdorf.
Um 1620 waren aber auch Gehau und Eltmannsee noch Filiale gewesen (Alte Kirchensachen, Prediger). 1994 sind Burghofen, Hetzerode und Mäckelsdorf Filialen, Eltmannsee, Gehau und Stolzhausen eingepfarrt.
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Patronat:
1527 und 1585 landgräflich
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Bekenntniswechsel:
Da bis 1545 von Spangenberg versehen, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Spangenberger Pfarrer Jost Droder ab 1526.
Erster eigener evangelischer Pfarrer: Michael Asting (Astmann, Rautenzweig?) vor 1545-1565
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Kirchliche Mittelbehörden:
1262: Mainzisches Archidiakonat Heiligenstadt, Archipresbyterat Niederhone
Die protestantische Pfarrei gehörte 1872 zur Klasse Waldkappel (Hochhuth 419).
- Kultur ↑
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Schulen:
1717: Schulhaus vorhanden, 1854 Neubau, 1910 Volksschule mit zwei Klassen
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
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Historische Ereignisse:
1637 zerstört, 1703 Brand
- Wirtschaft ↑
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Mittelpunktfunktion:
Das Gericht Schemmern oder Schemmermark (Schemmer Mark) bestand gemäß dem Spangenberger Salbuch von 1540 aus den Dörfern Burghofen, Heyerode, Hetzerode, Mäckelsdorf und Schemmern sowie den Wüstungen Ballenrode, Dachslöcher, Elchendorf, Felsrode, Goldbach, Mulnrod, Nieder- und Obergehau.
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Mühlen:
In der Dorfgemarkung existierten drei Mühlen, die Ober-, die Mittel- sowie - außerhalb der Ortslage - die Unter-oder Anspannmühle. Alle wurden mit dem Wasser des Schemmerbaches angetrieben.
Der Antrieb der seit 1462 belegten Obermühle (Mahlmühle) erfolgte über ein oberschlächtiges Wasserrad, später über Turbine. !955 wird der Betrieb eingestellt, 1964 werden die Gebäude bei einem Brand zerstört.
Der Antrieb der unterhalb gelegenen Mittelmühle (Weserstraße 34/36) erfolgte gleichfalls über ein oberschlächtiges Wasserrad. Sie wird 1540 erstmals als Newe Molnn erwähnt, der Betrieb wird 1862 eingestellt.
- Nachweise ↑
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Literatur:
- K. Kollmann, Von Wind und Wasser gedreht, Teil 52, Schemmern
- Scholz, Wasser- und Windmühlen Werra-Meißner-Kreis, S. 129-130
- 1000 Jahre Gemeinde Schemmern
- Denkmaltopographie Werra-Meißner-Kreis 1, S. 518 - 524
- Krummel, Ämter, S. 82-95
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 423
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 535
- Zitierweise ↑
- „Schemmern, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6864> (Stand: 14.6.2024)

