Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Spangenberg

Stadtteil · 259 m über NN
Gemeinde Spangenberg, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

8,5 km ostsüdöstlich von Melsungen

Lage und Verkehrslage:

Im Tal der Pfieffe auf und unterhalb eines steilen Kalksteinkegels.

Durch die Stadt führt die Bundesstraße B487. Weiterer Anschluß an das Straßenverkehrsnetz besteht über die Landesstraßen L3225 und L3227, sowie die Kreisstraße K138.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Eschwege/Niederhone – Schwalmstadt/Treysa ("Kanonenbahn III") (Inbetriebnahme der Strecke 15.5.1879) bis 1986 (Stilllegung der Strecke bis Waldkappel-Bischhausen 1974 und bis Malsfeld 1986).

Ersterwähnung:

1238

Weitere Namen:

Siedlungsentwicklung:

Die Stadt und die Burg wurden nach 1214 von den Herren von Treffurt errichtet.

Die Neustadt enstand nach 1338.

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Schafhof war eine Häusergruppe dicht bei Spangenberg, welche 1465 ein Spangenberger Bürger Jakob von Bischoferode verkaufte (GR Bischoferode). Die Häuser sollen im Gynsgrunde liegen (Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 421-422).

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3546703, 5664831
UTM: 32 U 546610 5663005
WGS84: 51.1166219° N, 9.665927201° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634024110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1214, davon 474 Acker (= 39.04 %), 177 Wiesen (= 14.58 %), 386 Holzungen (= 31.80 %)
  • 1961 (Hektar): 3190, davon 2395 Wald (= 75.08 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Spangenberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1400: Landgrafschaft Hessen, Amt Spangenberg (zum Umfang des Amtes Spangenberg s. Mittelpunktfunktion)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Spangenberg, Stadtgericht
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Spangenberg
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Spangenberg
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Spangenberg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Spangenberg
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Spangenberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Melsungen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Melsungen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Melsungen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Melsungen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Melsungen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Melsungen

Gericht:

  • 1822: Justizamt Spangenberg
  • 1867: Amtsgericht Spangenberg
  • 1879: Amtsgericht Spangenberg
  • 1943: Amtsgericht Melsungen (Zweigstelle Spangenberg)
  • 1970: Amtsgericht Melsungen

Herrschaft:

1269: villicus [HStAM Bestand Urk. 18 Nr. 121]

1309 verliehen der Ritter Hermann und sein Knappe Herrmann als Herren von Spangenberg den Bürgern das Bürgerrecht nach dem Vorbild der Ordnung der Bürger von Lippstadt [HStAM Bestand Urk. 86 Nr. 881]

1508: Neuordnung der Verwaltung; gleichberechtigte Beteiligung der Gemeinde an der Besetzung der städtischen Ämter (Kämmerer, Zäpfer)

Zur Herrschaft Spangenberg gehörten die Gerichte Morschen, Mörshausen und Schemmern.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.2.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinden Bergheim, Metzebach, Schnellrode und Vockerode-Dinkelberg in die Stadt Spangenberg zur damit neu gebildeten Stadtgmeinde Spangenberg. Zu deren weiterer Entwicklung s. Spangenberg, Stadtgemeinde. Sitz der Stadtverwaltung ist Spangenberg.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1214 im Besitz der Herren von Treffurt
  • 1313 als Lehen im Besitz derer von Ziegenhain
  • 1347 erwerben die Landgrafen die Anrechte der Grafen von Ziegenhain auf Spangenberg.
  • 1350 gehen Herrschaft, Burg und Stadt Spangenberg in den Besitz der Landgrafen über.
  • 1438 werden die Landgrafen von Fulda mit Spangeneberg belehnt.

Ortsadel:

1238-1370 nannte sich eine Nebenlinie der von Treffurt von Spangenberg.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1261: Pleban
  • 1490: Pfarrkirche

Patrozinien:

  • Johannes der Täufer

Pfarrzugehörigkeit:

Zur von zwei Pfarrern betreuten Pfarrei der Klasse Spangenberg gehörten als Filialkirchen Ebersdorf und Schnellrode (Hochhuth 392).

Die Klasse Spangenberg umfasst neben Spangenberg selbst die Pfarreien Altmorschen, Binsförth, Hainebach, Mörshausen, Pfiefe, Weidelbach und Wichte (Hochhuth 392-407).

Patronat:

Das Patronat war im Besitz des Landesherrn.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Jost Droder ca. 1526 bis ca. 1546 (1559?)

Kirchliche Mittelbehörden:

Zum Dekanat Fritzlar gehörig (Depos. Pfarrei Spangenberg).

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel

1724: 6 jüdische Familien; 1766: 18; 1835: 88; 1861: 133; um 1900: 95; 1905-1910: 107; 1925: 88; 1932/33: 94 Juden. Viele Juden verließen in den frühen 1930er Jahren den Ort Richtung USA bzw. Palästina, Schweiz und Südamerika. Viele meldeten sich auch Richtung Kassel ab.

Im 17. und 18. fanden Judenlandtage im Ort statt. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Blütezeit der Gemeinde.

Die Synagoge befand sich in der Untergasse Nr. 231. Das Baujahr ist nicht bekannt, aber sie wurde bereits um 1850 genutzt. Hier auch die Schule mit Lehrerwohnung.

Die israelitische Elementarschule bestand bis Neujahr 1925; geschlossen wurde sie aufgrund geringer Schülerzahlen.

Berufe: Kaufleute, Handwerker

Gemeinde nutzte den Sammelfriedhof in Binsförth; 1867 eigener Friedhof zusammen mit Elbersdorf. Er liegt unterhalb des Schloßbergs zwischen den Straßen Zum Schloß und Schöffhöfen. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Wilhelm Ritter alias Lebemann ca. 1535-1539

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum Amt Spangenberg wurden um 1540 und 1585 neben dem Stadtgericht die Gerichte Mörshausen, Landa, Schemmermark und Fulda sowie einige adlige Niedergerichte gerechnet.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Spangenberg, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4975> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde