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KDR 100, TK25 1900 ff.
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Bad Camberg
Historische Karten
Herzogtum Nassau 1819 – 31. Idstein

Bad Camberg

Stadtteil · 201 m über NN
Gemarkung Camberg, Gemeinde Bad Camberg, Landkreis Limburg-Weilburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

Bad Camberg liegt 17 km südöstlich von Limburg.

Lage und Verkehrslage:

Bad Camberg liegt 5 km südöstlich von Selters an der A 3 und der B 8.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Limburg/Eschhofen – Frankfurt am Main ("Main-Lahn-Bahn") (Teilstrecke von Selters/Niederselters - Bad Camberg am 15.5.1876 eröffnet, Teilstrecke von Bad Camberg - Idstein am 12.7.1877).

Ersterwähnung:

1000

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • curtis (1000)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • An der Stelle des Rathauses ehemals Burgstelle

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3447824, 5573835
UTM: 32 U 447770 5572046
WGS84: 50.298214° N, 8.266664° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

533003010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1969, davon 762 Acker (= 38.70 %), 86 Wiesen (= 4.37 %), 1071 Holzungen (= 54.39 %)
  • 1961 (Hektar): 1997, davon 1099 Wald (= 55.03 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1885: 2373, davon 226 evangelisch (= 9.52 %), 2039 katholisch (= 85.92 %), 108 Juden (= 4.55 %)
  • 1961: 4222, davon 705 evangelisch (= 16.70 %), 3462 katholisch (= 82.00 %)
  • 1970: 5009

Diagramme:

Bad Camberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Kurfürstentum Trier, Unteres Erzstift und Fürstentum Nassau-Diez, Amt Camberg (jeweils zur Hälfte)
  • 1803: Gemeinschaftsbesitz der Fürstentümer Nassau-Usingen und Nassau-Oranien
  • 1806: Herzogtum Nassau, Amt Camberg, Kirchspiel Camberg
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Idstein
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk VII (Kreisamt Idstein)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Idstein
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Untertaunuskreis
  • 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Landkreis Limburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Limburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg

Altkreis:

Limburg

Gericht:

  • bis 1816: Oberamt Kirberg
  • 1816: Amt Idstein
  • 1849: Justizamt Idstein
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Idstein
  • 1867: Amtsgericht Idstein
  • 1879: Amtsgericht Camberg
  • 1942: Amtsgericht Limburg a. d. Lahn (Zweigstelle Camberg)
  • 1945: Amtsgericht Limburg a. d. Lahn

Herrschaft:

1281 freite König Rudolf auf Bitte des Grafen von Dietz das Dorf Camberg und gab ihm demselben Rechte und Freiheiten wie seiner Stadt Frankfurt [HHStAW Bestand 170 I Nr. U 31; Regesta Imperii VI,1: Rudolf I.-Heinrich VII. (1273-1313), Nr. 1380]

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Bad Camberg, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Bad Camberg.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Im Jahr 1000 schenkte Kaiser Otto III. dem Kloster Burtscheid die Höfe Camberg und Kostheim.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1156: Pfarrer
  • 1526: Leonardskapelle, Gregorskapelle vor der Stadt

Patrozinien:

  • Petrus [1526]

Pfarrzugehörigkeit:

Zur Pfarrei gehörten ab 1337 Schwickershausen, 1338 Erbach, 1357 Walsdorf und Würges, 1376 Dombach sowie ab 1447 Alsdorf und Oberselters.

Patronat:

1323 hat der Propst des Limburger St. Georgsstift das Patronat inne, welcher 1327 seine rechte an das Stiftskapitel abtritt.

1328 wird die Kirche dem Stift inkorporiert.

Diakonische Einrichtung:

In Camberg wird 1897 die erste evangelische Schwesternstation im Ort gegründet; die Diakonisse übernimmt Tätigkeiten in der Krankenpflege; 1934 Gründung der Frauenhilfe durch die Diakonisse Schwester Henriette. Beiträge zur Kirchengeschichte des Goldenen Grundes, S. 143, 165

Bekenntniswechsel:

Seit 1528 evangelische Predigten in der Stadt. 1533 und 1546 jeweils erfolgloser hessischer Reformationsversuch.

1552 Austreibung der Reformationsanhänger

Katholischer Bekenntniswechsel: nach 1582

Kirchliche Mittelbehörden:

Zum Trierer Archidiakonat St. Lubentius in Dietkirchen, Dekanat Kirberg gehörig.

Juden:

Juden seit dem 30jährigen Krieg ansässig,1726: 10 Familie, 1731: 7,1770: 10,1778: 7,1780: 5 Familien, 1792: 26 Juden (4 Familien, 2 Witwen), 1842: 82, 1871: 102, 1925: 72 Juden; seit 1770 Schule, seit 1838 Synagoge

Kultur

Schulen:

um 1590 Volksschule; 1810 private Landesgehörlosenschule; 1890-1910 Private Höhere Töchterschule; seit 1892 Höhere Knabenschule; 1907/08 Städtische Gewerbeschule

Hospitäler:

1858 Liebersches Hospital der Dernbacher Schwestern, seit 1892 mit Klinik

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Wirtschaft:

Land- und Forstwirtschaft; schon im Mittelalter Entwicklung eines gewerblichen Versorgungszentrums für die Stadt und Umland: 1420 Burgfriede erwähnt Wirte, Krämer, Schmiede, Kaufleute; 1477 Tuchmacher, Walkmüller; Wollweber

16. Jhdt. Wollweber, Brauhäuser

1719 Zunftartikel an 7 Gewerbe; seit 18. Jhdt. Ziegeleien

1828 Auflistung von 33 Berufen mit 150 Gewerbetreibenden; Haupterwerbsbereich bleibt Landwirtschaft, in Sommermonaten viele als Stuckateure und Maurer im Rheinland und Westfalen tätig (Westfalengänger)

1889 Bürstenfabrik; 1877 Essigfabrik, 1926 Leiterfabrik

seit 1927 forcierte Entwicklung zum Kneippkurort (Sprudel)

Mühlen:

1806 gehört 1 Mühle zu Camberg.

Markt:

1477 Jahrmarkt

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Bad Camberg, Landkreis Limburg-Weilburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/8235> (Stand: 6.3.2026)