Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Wahlen zum Deutschen Reichstag, 10. Januar 1874
Bei den zweiten Wahlen zum Deutschen Reichstag erringt die Nationalliberale Partei mit 154 (1871: 119) von insgesamt 397 Mandaten den Wahlsieg. Zweitstärkste Kraft wird die katholische Zentrumspartei, die stark hinzugewinnt und nun 91 Mandate bekleidet (1871: 60), gefolgt von der Deutsche Fortschrittspartei (49 Mandate).
Auf heute hessischem Territorium dominiert ebenfalls die Nationalliberale Partei: von den 26 Wahlkreisen der preußischen Provinz Hessen-Nassau, des Großherzogtums Hessen, des Fürstentums Waldeck und heute hessischen Teilen der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen erringen die Nationalliberalen 18 (1871: 14), die Zentrumspartei gewinnt auch hier hinzu und stellt nun drei statt zwei Abgeordneten im Reichstag, die Deutsche Fortschrittspartei verliert ein Mandat und entsendet nun zwei hessische Vertreter ins Reichsparlament.
Gewählte Abgeordnete
Bei der Reichstagswahl wird in jedem Wahlkreis nach absolutem Mehrheitswahlrecht (Persönlichkeitswahl) ein Abgeordneter gewählt.
Königreich Preußen – Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Wiesbaden
Brüning, Dr. Adolf (1837–1884; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 1: Hochheim, Höchst, Homburg, Idstein, Königstein, Usingen)
Knapp, Johann (1807–1875; Deutsche Fortschrittspartei; Wahlkreis 4: Diez, Hadamar, Limburg, Runkel, Weilburg)1
Lieber, Dr. Ernst (1838–1902; Zentrum; Wahlkreis 3: Braubach, Montabaur, Nassau, Nastätten, St. Goarshausen, Wallmerod)
Schulze-Delitzsch, Hermann (1808–1883; Deutsche Fortschrittspartei; Wahlkreis 2: Eltville, Langenschwalbach, Rüdesheim, Wehen, Wiesbaden)
Sonnemann, Leopold (1831–1909; bei keiner Fraktion (Volkspartei); Wahlkreis 6: Frankfurt-Stadt)
Thilenius, Dr. Georg (1830–1885; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 5: Dillenburg, Hachenburg, Herborn, Marienberg, Rennerod, Selters)
Königreich Preußen – Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Kassel
Baehr, Dr. Otto (1817–1895; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 2: Kassel-Stadt, Kassel-Land, Melsungen)
Fenner, Gottfried (1829–1902; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 5: Marburg, Frankenberg, Kirchhain)
Gleim, Georg Wilhelm (1820–1881); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 6: Hersfeld, Hünfeld, Rotenburg
Harnier, Dr. Richard (1820–1885; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 4: Eschwege, Schmalkalden, Witzenhausen)
Herrlein, Franz Joseph (1818–1890); Zentrum; Wahlkreis 7: Fulda, Gersfeld, Schlüchtern
Oetker, Dr. Friedrich (1809–1881); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 1: Hofgeismar, Rinteln, Wolfhagen2
Wehrenpfennig, Dr. Wilhelm (1829–1900); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 3: Fritzlar, Homberg, Ziegenhain
Weigel, Dr. Hermann (1828–1887; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 8: Hanau-Stadt, Hanau-Land, Gelnhausen, Frankfurt-Land)
Königreich Preußen – Provinz Westfalen – Regierungsbezirk Arnsberg
Achenbach, Dr. jur. Heinrich (1829–1899; Deutsche Reichspartei; Wahlkreis 1: Wittgenstein, Siegen, Hinterlandkreis)3
Königreich Preußen – Rheinprovinz – Regierungsbezirk Koblenz
Beughem, Dr. Ludwig von (1806–1886; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 1: Wetzlar-Altenkirchen)
Großherzogtum Hessen
Bamberger, Ludwig (1823–1899; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 8: Bingen, Alzey)
Dernburg, Dr. jur. Friedrich (1833–1911); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 5: Dieburg, Offenbach
Heyl, Cornelius Wilhelm (1843–1923; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 7: Heppenheim, Worms, Wimpfen)
Martin, Georg (1816–1881); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 6: Bensheim, Erbach, Lindenfels, Neustadt
Moufang, Dr. theol. h.c. Christoph (1817–1890); Zentrum; Wahlkreis 9: Mainz
Nordeck zur Rabenau, Adalbert Freiherr (1817–1892; Liberale Reichspartei; Wahlkreis 1: Gießen, Grünberg, Nidda)
Oncken, Prof. Dr. Wilhelm (1838–1905; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 3: Alsfeld, Lauterbach, Schotten)
Schröder, Dr. jur. Bernhard (1832–1908; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 2: Friedberg, Vilbel, Büdingen)
Welcker, Hermann (1814–1887; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 4: Darmstadt, Groß-Gerau)
Fürstentum Waldeck-Pyrmont
Miquèl, Dr. Johannes (1828–1901); Nationalliberale Partei
- Knapp verstarb während der Legislaturperiode am 13. August 1875. In der Ersatzwahl am 11. Oktober 1875 setzte sich Hubert Hilf (1820–1909; Deutsche Fortschrittspartei) mit 67,6 % der Stimmen gegen Johannes Tripp (geb. 1835; Zentrum) durch. Vgl. Thomas Klein, Die Hessen als Reichstagswähler, Bd. 1, Marburg 1989, S. 742 f. ↑
- Oetker setzte sich im ersten Wahlgang mit 81,9 % der Stimmen deutlich gegen Wilhelm Hopf (1842–1921) (17,9 %) und Heinrich Robert Martin (1815–1895; beide Partikularisten) (0,4 %) durch. Vgl. Klein, Die Hessen als Reichstagswähler, Bd. 1, Marburg 1989, S. 24-29. ↑
- Achenbachs Mandat erlischt mit seiner Ernennung zum Mitglied des Bundesrats. Bei der Ersatzwahl im November 1874 setzt sich der Nationalliberale Dr. Louis Ernst (1839–1900) in der Stichwahl deutlich mit 75,8 % gegen den Vertreter der Deutschen Reichspartei, Wilhelm Klein sen. (1811–1894), durch. Vgl. Thomas Klein, Die Hessen als Reichstagswähler, Bd. 1, Marburg 1989, S. 917. ↑
- Belege
- Thomas Klein, Die Hessen als Reichstagswähler, Bd. 1, Marburg 1989
- Weiterführende Informationen
- Wikipedia: Reichstagswahl 1874 (eingesehen am 14.11.2023)
- Empfohlene Zitierweise
- „Wahlen zum Deutschen Reichstag, 10. Januar 1874“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/6607> (Stand: 10.1.2026)
- Ereignisse im Dezember 1873 | Januar 1874 | März 1874
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