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Versuchsbohrung am Hohen Meißner geplant, 2. Juli 1976

Am Hohen Meißner ist die Durchführung einer Versuchsbohrung mittels 40 Bohrpunkte zum 2. Juli 1976 durch den Energiekonzern PreußenElektra (PREAG) geplant. Hiernach soll festgestellt werden, ob die Wiederaufnahme der Abraumarbeiten am 1974 stillgelegten Braunkohleabbaugebiet lohnend erscheint. Mit diesen Vorbereitungen wird die Diskussion um die Pläne des Energieunternehmens und neuen Pächters PREAG über eine Wiederaufnahme des erst kürzlich beendeten Braunkohleabbaus am Hohen Meißner angeheizt.1 Mit der Begründung, rund 1.500 Arbeitsplätze durch die Wiederaufnahme des Braunkohleabbaus und die damit zusammenhängende voraussichtliche Sicherung des Standorts Borken für voraussichtlich zehn Jahre zu erwirken, hat das Unternehmen bereits die Industrie- und Handelskammer in Kassel als Befürworter gewonnen.2 Auch die von der Landesregierung nach dem Abbaustop 1974 eingesetzte Rekultivierungskommission für den Meißner sieht zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens der PREAG-Pläne Anfang Juni 1976 ihre bisherige Aufgabe als vollendet. Der Kreisbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege Helmut Sauer hingegen verweist auf unveränderte Arbeitsstrukturen und eine deutlich geringere Arbeitsplatzhöhe als von der PREAG prognostiziert. Darüber hinaus befürchtet Sauer eine deutliche Belastung der an der Strecke nach Borken gelegenen Ortschaften durch die Transporte.3 Auch die in der überregionalen Presse wahrgenomme Aktion einer Schulklasse aus Waldkappel macht auf die Meißner-Problematik aufmerksam. Schüler und Schülerinnen der 7. Klasse organisieren mit ihrem Lehrer Gerd Platzner eine per Fahrrad durchgeführte Unterschriftensammlung in den betroffenen Dörfern des Meißner Umlandes. Als Ergebnis werden 2143 Unterschriften durch den Landrat Eitel Oskar Höhne (1922–1998; SPD) an Holger Börner (1931–2006; SPD) übergeben.4
(FW)


  1. Vgl. Weitere Zerstörung muß vom Meißner ferngehalten werden, in: Das Werraland, S. 39.
  2. Vgl. Frankfurter Rundschau, 30.12.1977, S. 11: Einer wird zur Goldmarie.
  3. Vgl. Weitere Zerstörung muß vom Meißner ferngehalten werden, in: Das Werraland, S. 40. Auch die Universitäten FU Berlin und die Universität Ulm sowie Institutionen aus den Bereichen Wasserwirtschaft und Fremdenverkehr kritisieren die Pläne zur Wiederaufnahme des Braunkohleabbaus.
  4. Vgl. Frankfurter Rundschau, 30.12.1977, S. 11: Einer wird zur Goldmarie.
Belege
  • Weitere Zerstörung muß vom Meißner ferngehalten werden, in: Das Werraland. Eine Chronik der Landschaft an der Werra 28.3 (1976), S. 39
  • Frankfurter Rundschau, 30.12.1977, S. 11: Einer wird zur Goldmarie
Empfohlene Zitierweise
„Versuchsbohrung am Hohen Meißner geplant, 2. Juli 1976“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/5057> (Stand: 18.6.2020)
Ereignisse im Juni 1976 | Juli 1976 | August 1976
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