Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Grafen von Ziegenhain

1282 Oktober 24

Weitere Informationen

König Rudolf einigt Erzbischof Werner von Mainz und Landgraf Heinrich von Hessen

Regest-Nr. 373

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: 1. Staatsarchiv Würzburg; 2. Haus- Hof- und Staatsarchiv Wien.
Stückbeschreibung: Pergament.
Siegel: Die 5 Siegel fehlen.
Regesten: Grotefend-Rosenfeld, Landgrafenregesten 1, S. 91, Nr. 243; Böhmer-Will, Regesten Mainz 2, XXXVI. Wernher, S. 417, Nr. 567; RI VI 1 n. 1719; Ropp, Erzbischof, S. 192 Nr. 363.
Literatur: Weidemann, Landgraf, S. 436; [1282 Sep. 26 Grotefend-Rosenfeld, Landgrafenregesten 1, S. 90] Nr. 242 und [1286 Aug. 17 Grotefend-Rosenfeld, Landgrafenregesten 1, S. 100 Nr.] 266.
Regest
Mainz. - König Rudolf einigt den Erzbischof Werner [von Eppstein] von Mainz (Mentze, Megenze) und den Landgrafen Heinrich [I.] als von ihnen erwählter Schiedsrichter mit folgenden Bestimmungen: beide verzichten auf jeglichen Ersatz für alle Schäden, die sie sich in dem bis jetzt währenden Kriege zugefügt haben. Klagen zwischen hessischen und mainzischen burggesessenen Bundesgenossen, Burgmannen oder Edelleuten um Eigengut, Schuld, Bürgschaft oder Schaden, der nicht aus diesem Kriege herrührt, sollen vor Franke von Kronberg (Cronenberc, Kronenberc) und Rudolf Groschlag (Graslocke, Grasloken), die vom Erzbischof hierzu eingesetzt sind, sowie vor Gernand von Schwalbach (Svalebach, Swalbach) und Hermann Kalb (Kalp), die der Landgraf bestimmt hat, oder vor den vom König ernannten Obermann Löw (Lewe) von Friedberg (Frideberc, Vrideberc) gebracht werden, falls die vier Richter sich nicht einigen können. Der Urteilsspruch soll bis zum kommenden Juni 24 (Johannismesse) gefällt werden. An jene vier Richter sollen sich auch wegen Klagen, die nicht aus diesem Kriege herrühren, des Erzbischofs Bundesgenossen wenden, nämlich Graf Otto von Waldeck (Waldecke, Waldegge), Graf Gottfried [VI.] von Ziegenhain (Cigenhain, Zigenhagen), Graf Konrad von Solms (Solmese, Solmeze), Graf Heinrich von Solms, Hartrad von Merenberg (Merenberc), Engelbrecht von Eberstein, Graf Konrads Sohn, Herman von Treffurt (Driforte, Trefurten) oder von Brandenfels (Brandenvels) und Kraft von Hatzfeld (Hakesvelt, Haczvelt), sowie die Verbündeten Landgraf Heinrichs, nämlich Graf Siegfried und sein Sohn von Wittgenstein (Widechenstein), Graf Hermann von Battenberg (Battenburc), Ludwig von Isenburg (Isenburc), Gerlach von Breuberg (Bruberc), Guntram Schenk von Schweinsberg (Sweinesberc, Schweinsperc), Heinrich und Thielmann von Hanstein (Hanenstein) und die von Bischoffshausen (Bisschofeshusen, Bischoffeshuses), die bis zum gleichen Termin geschieden sein sollen. Keiner darf des andern Burgmannen oder Edelleute auf seine Seite ziehen. Burgmannen, die beiden gemeinsam sind oder vom einen zum andern übergegangen sind, müssen sich bis kommenden Feb. 2 (Lichtmeßtag) entscheiden, wessen Burgmannen sie sein wollen. Ferner können auch die Bürger sich ihren Herrn wählen. Die wegen dieses Krieges exkommunizierten Anhänger des Landgrafen sollen vom Banne befreit werden. Der Landgraf gibt dem Erzbischof die Burg Hanstein zurück; der Erzbischof setzt Heinrich von Hanstein und dessen Bruderssohn Thiele wieder in den Besitz ihrer Burglehen und Güter zu Rusteberg (Rusteberc, Rustberc) und Hanstein ein, wobei aber die Burgen in der Gewalt des Erzbischofs bleiben wegen der Übeltat, die jene beiden begangen haben, lange ehe sie des Landgrafen Bundesgenossen wurden. Wenn ihnen die Burglehen wiedergegeben sind, soll der Erzbischof ihnen, ihren Genossen und seinen Amtleuten und Mannen einen Termin zur rechtlichen Verhandlung stellen, falls er sie nicht vorher begnadigt. Der Landgraf muss das neue 'Haus' zu Hatzfeld abbrechen und so wieder herstellen, wie es Konrad 'von dem Rine' vorfand, als ihn der Landgraf des Friedens wegen hinsandte, und wie jener es eidlich bestätigen wird. Darauf wird Kraft von Hatzfeld sein Gericht und Gut zurückerhalten, das ihm die Grafen Siegfried von Wittgenstein (Witechenstein, Witgenstein) und Hermann von Battenberg genommen hatten, die sich wegen etwaiger Besitzansprüche bis kommenden Juni 24 an die genannten vier Richter oder an den Obermann wenden sollen. Die Gefangenen werden freigegeben, versprochene Lösegelder brauchen nicht bezahlt zu werden. Ferner soll das Haus Grebenstein (Grevenstein) zerstört werden, wenn der Erzbischof hierzu binnen Jahresfrist die Einwilligung des Bischofs von Paderborn (Paleburnen) erwirkt hat; Erzbischof und Landgraf werden gemeinsam einen Wiederaufbau verhindern. Erhält der Erzbischof die Einwilligung des Bischofs nicht binnen Jahresfrist, so steht die Entscheidung über das Schicksal des Hauses Grebenstein bei dem Könige. Auch wegen Immenhausen (Immenhusen) wird der König noch seinen Willen kund tun. Schäden, die sich der Erzbischof und der Landgraf zugefügt haben, nachdem der Streit zur Entscheidung dem Könige vorgelegt worden war, sind gegenseitig zu ersetzen, wie es die vier Schiedsrichter oder der Obermann noch in dem Monate ihres Zusammentretens bestimmen werden; die Gefangenen aus dieser Zeit sind freizulassen. Ferner muss der Landgraf für sich und seine Erben auf Stadt und Burg Naumburg (Nuenburc) samt Zubehör, ausgenommen das Gericht an der Hainbuche (ze der Heimbuch), verzichten. Für die vier Schiedsrichter und den Obermann sollen im Falle des Todes Ersatzmänner binnen Monatsfrist bestellt werden. Dompropst Peter, Domdechant Simon und das Domkapitel von Mainz erklären ihre Einwilligung zu diesem Vertrag. Siegler: 1. König Rudolf, 2. Erzbischof Werner von Mainz, 3. Landgraf Heinrich, 4. Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein (von Rine) und 5. das Mainzer Domkapitel. Zeugen: Bischof Heinrich von Basel (Basele), der genannte Pfalzgraf Ludwig und sein gleichnamiger Sohn, Friedrich, Burggraf von Nürnberg (Nurenberc), Graf Johann von Hennegau (Hinegowe, Hanegouwe), Markgraf Heinrich von Hachberg (Haperc, Hachberc), Graf Eberhard von Katzenelnbogen (Katzenellebogen, Katzenellenbogen), Graf Adolf von Nassau (Nassowe), Graf Burkard von Hohenberg (Hohenberc), Gerlach von Limburg (Limpurc), Otto von Bickenbach (Bikenbach), Philipp von Falkenstein (Valkenstein), Wolfram, der Vogt von Dornberg (Dorenberc, Dornberc), u. a. Datum: diese sune wart gemachet und diese brif geschriben zu Meintze (Megenze) 1282 des samestages vor sente Symonis et Jude dak der apostele.
Nachweise

Ausstellungsort

Mainz

Aussteller

Rudolf I., König

Empfänger

Mainz, Erzbischöfe, Werner von Eppstein · Hessen, Landgrafen, Heinrich I.

Siegler

Rudolf, König · Habsburg, Rudolf von, König · Mainz, Erzbischöfe, Werner · von Eppstein · Hessen, Landgrafen, Heinrich I. · Rhein, Pfalzgrafen, Ludwig

Zeugen

Basel, Bischöfe, Heinrich · Nürnberg, Burggrafen, Friedrich · Hennegau, Grafen, Johann · Hachberg, Markgrafen, Heinrich · Katzenelnbogen, Grafen, Eberhard · Nassau, Grafen, Adolf · Hohenberg, Grafen, Burkhard · Limburg, Gerlach von · Bickenbach, Otto von · Falkenstein, Philipp von · Wolfram, Vogt von Dornberg

Weitere Personen

Battenberg, Grafen, Hermann · Bischoffshausen, die von · Brandenfels, Hermann von · Breuberg, Gerlach von · Eberstein, Grafen, Engelbrecht · Eberstein, Grafen, Konrad · Friedberg, Löw von · Groschlag, Rudolf · Hanstein, Heinrich von · Hanstein, Thiele von · Hanstein, Thielmann von · Hatzfeld, Kraft von · Isenburg, Ludwig von · Kalb, Hermann · Kronberg, Franke von · Mainz, Dompröpste, Peter · Merenberg, Hartrad von · Paderborn, Bischöfe · Pfalz, Kurfürsten, Ludwig · Schwalbach, Gernand von · Schweinsberg, Schenken, Guntram · Solms, Grafen, Heinrich · Solms, Grafen, Konrad · Treffurt, Hermann von · Waldeck, Grafen, Otto · Wittgenstein, Grafen, Siegfried · Ziegenhain, Grafen, Gottfried VI.

Weitere Orte

Basel, Bischöfe · Dornberg, Vögte · Grebenstein, Haus · Hainbuche, Gerichte · Hanstein · Hanstein, Burg · Hatzfeld, neues Haus · Hessen, Landgrafen · Immenhausen · Katzenelnbogen, Grafen · Mainz · Mainz, Domkapitel · Mainz, Dompröpste · Mainz, Erzbischöfe · Nassau, Grafen · Naumburg, Burg · Naumburg, Stadt · Nürnberg, Burggrafen · Paderborn, Bischöfe · Rusteberg · Waldeck, Grafen

Sachbegriffe

Amtleute · Bann · Bischöfe · Bündnispolitik · Bürger · Bürgschaften · Bundesgenossen · Burgen · Burglehen · Burgmannen · Domkapitel · Dompröpste · Edelleute · Eigengüter · Erben · Erzbischöfe · Exkommunikationen, Aufhebung von · Frieden · Gefangene · Gerichte · Grafen · Häuser, neue · Häuser, Wiederaufbau von · Häuser, Zerstörung von · Könige · Kriege · Landgrafen · Landgrafenitinerar · Lehnswesen · Lösegelder · Obmänner · Richter · Schadensersatzleistungen · Schäden · Schiedsgerichte · Schiedsrichter · Schulden · Söhne · Städte · Streitigkeiten · Urteilssprüche · Verbündete · Verwandte

Textgrundlage

Regest

Grotefend-Rosenfeld, Landgrafenregesten 1, S. 91f., Nr. 243.

Zitierweise
Ziegenhainer Regesten online Nr. 373 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/zig/id/373> (Stand: 14.12.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde