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5219 Amöneburg
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 71. Amöneburg

Roßdorf

Stadtteil · 211 m über NN
Gemeinde Amöneburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km südlich Kirchhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaftem Grundriss auf der Niederterrasse eines nach Nordosten in die Rülfbachniederung auslaufenden Rückens, nördlich flankiert von einem flachen Wiesengrund. Das ehemals befestigte Dorf weist annähernd rechteckigen Umriß auf; stadtähnlicher Grundriss mit regelhafter Gassenführung. Kirche mit Wehrkirchhof in zentraler Lage an Gassenkreuzung.

Straße Mardorf-Schröck (alte Amtsstraße Marburg-Homberg bzw. Schweinsberg) zieht am Süd-Rand des Ortes vorbei. Auf sie trifft die von Norden einmündende, in Ortsmitte nach Südwest abknickende Straße Kirchhain-Rauischholzhausen-Wittelsberg. Die alte Landstraße durch die nördlich Langen Hessen führte nordwestlich am Ort vorbei zur Brücker Mühle/Amöneburg

Ersterwähnung:

750/779

Siedlungsentwicklung:

1494 ordnet Eb. Berthold von Mainz die Zusammenlegung der durch Brandschatzung und Plünderung landgräflich Krieger 1484 verwüsteten Orte Klein- und Groß-R. an. Die Feldmark von Klein-R. seitdem von (Groß-)R. aus bestellt. - 1838 (Kasseler Acker): 2345 stellbares Land, 510 Wiesen, 62 Gärten, 328 Triesche, 1350 Wald. 1885 (ha): 1096, davon 572 Ackerl., 120 Wiesen, 333 Holz. 1961 (ha): 1107, davon 333 Wald. - Umlegung: 1905/07. - Ält.GemarkungKt.: 1808. - In der Gemarkung: Ziegelei, Wüstung -> Klein-Roßdorf, Wüstung -> Seemühle, Wüstung -> Weterstat (?). Am O-Rand von R, außerh. der ehem. Dorfbefestigung, Flurnamen Burg

Historische Namensformen:

  • Rostorf (750/779, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts) [Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 106, 116]
  • Ruesdorf (750/779, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts) [Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 106, 116]
  • Rostorp (781)
  • Rosdorf (1200/1220)
  • Rosdorf (um 1248)
  • Resdorf (um 1248)
  • Rorsdorp (um 1248)
  • Rastorf (1255)
  • Rorstorf (1260)
  • major Rostorpf (1308)
  • Obern Rustorp (1349)
  • Obern Roizdorf (1335)
  • Großen Rosdorff (1368)

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3492485, 5625946
UTM: 32 U 492414 5624136
WGS84: 50.76893428° N, 8.892419091° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534001040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1096, davon 572 Acker (= 52.19 %), 120 Wiesen (= 10.95 %), 333 Holzungen (= 30.38 %)
  • 1961 (Hektar): 1107, davon 333 Wald (= 30.08 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1580: 90 Hausstellen. 1664: 62 Haushalte 1747: 285, 1838: 652, 1885: 620, 1925: 652, 1939: 730, 1950: 984, 1961: 828 Einwohner - 1861: 610 römisch-katholisch, 2 evangelisch-lutherisch, 19 jüd.Einwohner 1961: 788 römisch-katholisch, 34 evangelischEinwohner - 1838 (Familien): 49 Ackerbau, 37 Gewerbe, 14 Tagelöhner 56 nutzungsberechtigte, 35 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 10 Beisitzer. 1961 (Erwerbspersonen): 193 Land- und Forstwirtschaft, 176 Produzierendes Gewerbe, 25 Handel und Verkehr, 29 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1885: 620, davon 10 evangelisch (= 1.61 %), 597 katholisch (= 96.29 %), 13 Juden (= 2.10 %)
  • 1961: 828, davon 34 evangelisch (= 4.11 %), 788 katholisch (= 95.17 %)

Diagramme:

Roßdorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 750/779: Lahngau
  • 1395 und später: Amt Amöneburg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Amöneburg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Assistenzamt Amöneburg
  • 1831: Justizamt Amöneburg
  • 1867: Amtsgericht Amöneburg
  • 1932: Amtsgericht Kirchhain

Gemeindeentwicklung:

Zum 31.12.1971 wurde Roßdorf im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der Stadt Amöneburg eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Reichsgut vor 781.
  • Seit der Mitte des 8. Jahrhundert erhält Kloster Fulda zahlreiche Schenkungen; 750/779 drei Güterschenkungen des (Graf?) Argoz, eine Schenkung Nentheres sowie eine Schenkung Altrats; letztere offenbar aus unrechtmäßig angeeignetem Königsgut; Karl der Große ließ diese Güter wieder einziehen, um sie dann seinerseits 781 Kloster Fulda zu schenken; das Diplom spricht von der villa nostra R. 780/802 erhält Fulda die Güterschenkung eines Gundicho. Im gleichen Zeitraum sowie 802/817 schenkt Brunicho dem Kloster seinen Güterbesitz; zwei weitere Schenkungen erhält das Kloster 802/817. Um 850 schenkt Natalin dem Kloster bestellbares Land innerh. einer Captur. Der umfangreiche fuld. Besitz, der zeitweise wohl nahezu das ganze Dorf umfaßt hat, ist vermutlich nach 1015 Zubehör der fuld. Villikation Seelheim. 1233 verkauft Fulda seinen Hof R. an das Franziskushospital in Marburg; seit 1234 Besitz des Deutsche Orden Marburg in R.; 1255 erwirbt der Deutsche Orden Lehnsgüter der Grafen von Naumburg, 1260 bzw. 1262 Güterbesitz von Eigenleuten der von Buseck. 1260 genehmigen die Grafen von Solms die Übertragung einer halben Hufe an den Deutsche Orden durch Giso Sprengel, der Solms dafür eine andere Hufe in R. zu Lehen aufträgt. Im gleichen Jahr kauft der Deutsche Orden von den Hobeherren eine Hufe und die beim Hagen gelegenen Güter zurück. 1261 entsagen die von Merlau zugunsten des Deutsche Orden ihren Ansprüchen auf Güterbesitz. 1268 verkaufen die Johanniter zu Mergentheim dem Deutsche Orden Güter zu R. 1308 verkauft Ludwig von Seelheim dem Deutsche Orden seinen Anteil am Fronhof in (Groß-)R. 1358 verfügt der Deutsche Orden über 4 Höfe mit 215 Morgen Ackerland und 13 Morgen Wiesen. 1488 und 1595 gelangen diese Höfe an die Rau von Holzhausen.- 1200/1220 hat das Stift Wetter ein Mannlehen von 1 Hufe in R. - Um 1248 und 1355 besitzt das Erzstift Mainz den Zehnten zu R. Ein mainzisch Gut ist bis 1340 an den Ritter Volknand von Mölln, dann an den Ritter Volprecht von Dernbach verlehnt. 1369 verkaufen die Rau von Holzhausen dem Erzstift ein Gut in R. Im 14. Jahrhundert besitzt Mainz 2 Höfe, von denen einer 1534 an das Stift Amöneburg gelangt. 2 weitere mainzisch Güter in (Klein-)R. werden seit 1494 von R. aus bewirtschaftet. 1567/82 verfügt das Erzstift über einen freien Hof und 2 verpachtete Höfe in R. - 1305 erwerben die von Rodenhausen einen Hof von den von Seelheim; der Hof ist im 16. Jahrhundert im Besitz der von d. Nuhn, im 17. Jahrhundert wieder im Besitz der von Rodenhausen; 1812 versteigert. - 1331 ist das Kloster Arnsburg in R. begütert. 1667 ist das Arnsburger Gütchen im Besitz des Stifts Amöneburg. - 1481 kauft das Stift Amöneburg die Hälfte von 3 Gütern, 1499 ein weiteres Gut in R. Das Stift Amöneburg besitzt 1664/67 insg. 23 Güter mit zus. 318 Morgen Ackerland, dazu Wiesen und Gärten. - Der große und kleine Zehnt gehört 1567/82 bis auf ein Viertel, das die Scheuernschloß von Hachborn besitzen, dem Stift Amöneburg
Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Maria (1615)

Pfarrzugehörigkeit:

nach 1527 vom Stift Amöneburg versorgt. Bis 1484 wohl (Wüstung) Klein-Roßdorf eingepfarrt; seit 1737 wieder eigener Pfarrer

1821-1884: Schröck Filiale von R.

Patronat:

1414 präsentieren die Gmde. und die Rau von Holzhausen; 1449, 1497 und 1527 auch der Deutsche Orden Marburg. 1567/82 gehört der Patronat dem Deutsche Orden und dem Stift Amöneburg

Bekenntniswechsel:

Der Ort blieb katholisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Amönebung. Dekanat Amöneburg

Juden:

gehört zur Gemeinde Mardorf.

1861: 19; 1905: 15 Juden.

Der Ort hat Anteil am Friedhof in Rauischholzhausen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Roßdorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9294> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde