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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 71. Amöneburg

Schweinsberg

Stadtteil · 208 m über NN
Gemeinde Stadtallendorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Sonstiges; Stadt

Lagebezug:

6,5 km südlich Kirchhain

Lage und Verkehrslage:

Kleinstadt mit regelhaftem Grundriss an den Hängen eines aus der sumpfigen, hochwassergefährdeten Ohmniederung aufragenden kleinen Basaltkegels. Auf seiner Spitze die Burg, halbkreisförmig umschlossen von der städtischen Siedlung. Am Süd-Hang unterhalb der Burg Kirche mit ummauertem Kirchhof; darunter das sog. Tal, dessen enge Gassen regelhaft auf die am Rande der Niederung verlaufende Hauptstraße ausgerichtet sind. In ihrem bogenförmigen Verlauf von Südosten nach Norden mündet diese Straße auf den Dreiecksmarkt im Westen, auf den von Nordosten - gleichfalls bogenförmig am Talrand entlang - die Hauptstraße der sog. Neustadt trifft. Östlich des Marktes, zwischen Burg und Neustadt, 3 größere Wirtschaftshöfe (sog. Unter-, Mittel- und Oberhof). Am nordöstlich Stadtrand Gut; gegenüberliegend an der Straße nach Niederklein einzeilig regelhafte Bebauung (Ortsteil Weidenhausen). Moderne Bebauung entlang der nach Westen und Osten führenden, überörtlichen Straßen.

Auf die Straße Erfurtshausen bzw. Mardorf-Rüdigheim treffen am Markt in Schweinsberg Straßen von Niederofleiden, Dannenrod und Niederklein, die sich 1 km östlich von Schweinsberg zu einem Strang vereinen. Von der alten Amtsstraße Marburg-Homberg/Ohm führte eine Abzweigung südöstlich von Mardorf nach Schweinsberg. Alte Amtsverbindung nach Kirtorf und Alsfeld, wahrscheinlich auch eine weitere nach Kirchhain bzw. Amöneburg.

Bahnhof, später Haltestelle, der Eisenbahnlinie Kirchhain-Burg-/Niedergemünden ("Ohmtalbahn", 1910).

Ersterwähnung:

1215

Siedlungsentwicklung:

Städtische Siedlung. Ältester Siedlungskomplex das sog. Tal am Südwest-Hang der Burg; vor 1264 (Errichtung der Stephanskirche) offenbar planmäßig angelegt. Im Zuge der Stadtgründung (1332) vermutlich ummauert; 2 Stadttore im Westen und Osten; im 19. Jahrhundert ebenso wie die nur noch in Resten erhaltene Stadtmauer verfallen. Der alte Markt, vermutlich hinter dem Stadttor, südlich des heutigen, erst im 18. Jahrhundert angelegten Dreieckmarktes. Neustadt um 1680 errichtet. Auf der Grenze beider Stadtteile der um 1600 erbaute Schenksche Unterhof; daneben am Rande der Neustadt unterhalb der Burg der Schenksche Mittel- und Oberhof, 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts bzw. im 18. Jahrhundert erbaut. Der einzeilig-regelhafte Ortsteil Weidenhausen Mitte 19. Jahrhundert vorhanden. Gutskomplex am Nordost-Rand von Schweinsberg Ende 19. Jahrhundert angelegt.

Auf wüst Siedlungen deuten die Flurnamen: Vockeröder Grund, -Graben am N-Rand der Gemarkung bzw. der Flurnamen die Burg (0,7 km westlich Sch.) auf der Grenze der Gemarkung Sch. und Mardorf (wasserumgeben)

Historische Namensformen:

  • Suuensberg, de (1215) [Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, Nr. 1, Identifizierung unsicher]
  • Sueinsberg (1230/31, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts) [ebd. Nr. 59]
  • Svinsberg, de (1234)
  • Sweinsberch, de (1236)
  • Swenesberc (um 1248)
  • Svenisperg, de (1258)
  • Suensberg (1264)
  • Schweynpperg (1333)
  • Sweynsburgh (1464)
  • Schweinsperg (1570)

Bezeichnung der Siedlung:

  • statt 1332 (Kuchenbecker, Analecta Hassiaca 1, S. 91)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Ohäuser Mühle
  • Wüstung Ahausen
  • ->Schafgarten

Umlegung der Flur:

1884/85

Älteste Gemarkungskarte:

1774

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3497757, 5626007
UTM: 32 U 497684 5624196
WGS84: 50.76952725° N, 8.967150484° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534018040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1413 stellbares Land, 1067 Wiesen, 86 Gärten, 15 Triesche
  • 1885 (Hektar): 1090, davon 397 Acker (= 36.42 %), 350 Wiesen (= 32.11 %), 310 Holzungen (= 28.44 %)
  • 1961 (Hektar): 1075, davon 312 Wald (= 29.02 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1673: 345 Einwohner 1747: 124 hausgesessene 1792: 621 Einwohner (ohne Adlige). 1838: 992, 1885: 839, 1925: 887, 1939: 830, 1950: 1294, 1961: 1008 Einwohner - 1861: 10 evangelisch-ref., 890 evangelisch-lutherisch, 12 römisch-katholisch, 46 jüd. Einwohner 1961: 934 evangelisch, 60 römisch-katholisch Einwohner 1792: 13 Schuhmacher, 1 Metzger, 4 Bender, 7 Schneider, 3 Brauer, 5 Leineweber, 1 Chirurg, 3 Schreiner, 3 Schmiede, 1 Gastwirt, 1 Fischer, 2 Müller, 3 Schäfer, 4 Handelsjuden, 17 Tagelöhner, 29 einzelne Weibspers. 1838 (Familien): 40 Ackerbau, 79 Gewerbe, 33 Tagelöhner 199 nutzungsberechtigte, 43 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 23 Beisitzer. 1961 (Erwerbspersonen): 134 Land- und Forstwirtschaft, 229 Produzierendes Gewerbe, 46 Handel und Verkehr, 51 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1885: 839, davon 785 evangelisch (= 93.56 %), 14 katholisch (= 1.67 %), 40 Juden (= 4.77 %)
  • 1961: 1008, davon 934 evangelisch (= 92.66 %), 60 katholisch (= 5.95 %)

Diagramme:

Schweinsberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Bis Ende 12. Jahrhundert wohl Allodialbesitz der Herren von Merlau, dann der von Marburg bzw. Schenken zu Sch. mit hohem und niederem Gericht Einer vollständigen Einbeziehung in die landgräflich oder mainzisch Landesherrschaft vermochten sich die Schenken durch wechselnde Verträge mit beiden Mächten dauerhaft zu entziehen. 1279 öffnen die Schenken Landgraf Heinrich I. ihre Burg für den Kriegsfall und räumen ihm ein Vorkaufsrecht ein. 1401: Öffnungsvertrag mit Eb. Johann II. von Mainz; 1421 erhalten wieder die Landgrafen, 1442 das Erzstift das Öffnungsrecht. 1459 erhalten die Landgrafen auf Grund des 1421 geschlossenen Vertrages das Öffnungsrecht auf Dauer für den Kriegsfall; gleichwohl betont der Landgraf noch 1540, daß ihm trotzdem Gebot und Verbot nicht zustehe. Seit etwa 1700 wird Sch. zeitweise zum Amt Marburg gerechnet. Übertragung von Hoheitsrechten an das Amt Ende 18. Jahrhundert
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kirchhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Kirchhain
  • 1867: Amtsgericht Kirchhain
  • Adliges Gericht der Schenken; noch 1792 stand ihnen die Kriminal- und Ziviljurisdiktion zu. Ende der Patrimonialger.barkeit: 1845.
  • Flurnamen Galgen, Galgenberg (2 km nordöstlich Sch.).
  • Schöffen 1535

Herrschaft:

Stadtrechtsverleihung durch Kaiser Ludwig d. Bayern 1332 (Reg. Imp. Ludwig d. B. Nr. 1413f.). An Wochenmärkten und bei Gericht sollte das Frankfurter Stadtrecht Geltung haben; Sch. erhielt das Privileg zur Aufnahme von 4 Handelsjuden. - Stadtherren waren von Anbeginn die Schenken. Sie ernannten Bgmstr. und Schöffen. Einfluß der Lgff. auf das Stadtregiment seit Mitte 16. Jahrhundert Verfassungstreitigkeiten und Prozesse der Stadtgmde. gegen die Schenken im 17. und besonders im 18. Jahrhundert - Rat 1653 erwähnt; Ergänzung: von 3 vom Rat vorgeschlagenen Kandidaten wählten die Stadtherren einen aus. Die 1718 erwähnt Achtmänner wurden von der Bürgerschaft gewählt und waren nur den Lgff. verantwortlich. Neben dem jährlich gewählten Bgmstr., den der Amtsverweser bestätigte, standen 2 jew. auf 2 Jahre gewählte Vorsteher und der sog. Große Rat; diese 8 von der Bürgerschaft gewählten Vertreter waren der Regierung in Marburg verpflichtet

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 wurde Schweinsberg im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Stadtallendorf eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Sch. wahrsch. durch Heirat des Ritters Guntram Vogt von Marburg mit einer Schwester Eberhards von Merlau Ende 12. Jahrhundert in den Eigenbesitz der Familien, der (späteren) Schenken zu Sch., gelangt; ursprgl. viell. Reichsgut. - Um 1232 lassen die von Lindenborn ihren Lehnsherren, den von Marburg, den Zehnten zu Sch. auf. Um 1248 im Besitz des Erzstifts Mainz. - Burg und spätere Stadt stets im ganerbschaftl. Besitz der Schenken verblieben. Wohn- und Wirtschaftsgebäude (Höfe) der einzelnen Glieder des Ganerbenverbandes in und unterh. der Burg (vgl. Ziff. 2 d). Ein mehrfach erneuerter Burgfrieden von 1442 untersagte den Familienmitgl. die Ansiedlung im "Tal"; Streitigkeiten wegen des im "Tal" gelegenen sog. Unterhofs 1603 beigelegt; seit 1699 fehlen entsprechende Bestimmungen im Burgfrieden. Später befinden sich auch Häuser und Höfe der Schenken in der Stadt. 1822: 4 Adelshöfe; um 1845: 2 Rittergüter.

Ortsadel:

seit 1234

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • plebanus, cimiterium 1264 (Franz, Kloster Haina 1, Nr. 402).
  • 1256/1264: Errichtung einer Pfarrkirche durch die Schenken.

Patrozinien:

  • Stephan

Pfarrzugehörigkeit:

1256 offenbar noch nach Niederklein eingepfarrt.

Eingepfarrt vor 1780: Schafhof, Ohäuser Mühle

Patronat:

von Anbeginn Schenken zu Schweinsberg

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Lorenz Mörske 1537(1538?)-1540(?)

Ein großer Teil der Schenken blieb lange Zeit katholisch, daher wirkte von 1544 bis ca. 1561 Johann Knau als katholischer Pfarrer in Schweinsberg.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1619, 1624 wieder lutherisch.

Juden:

Provinzial Rabbinat Marburg

1744: 11 männliche Juden; 1822: 27; 1835: 31; 1853: 34; 1861: 46; 1895: 45; 1925: 32; 1933: 27; 1940: 17 Juden. 1942 Auflösung der Gemeinde.

1332: Kaiserliches Privileg zur Aufnahme von 4 Juden; 1453 lebte ein Jude mit Schutzbrief im Ort. Namentliche Erwähnung von Juden dann wieder 1774.

Synagoge erstmals 1822 genannt; 1872 beim großen Stadtbrandt abgebrannt; 1874 neu erbaut

Berufe: Händler und Weißgerber im Jahr 1860

Friedhof erstmals um 1860 genannt.

Der Ort hat Anteil am Friedhof in Rauischholzhausen.

Kultur

Schulen:

Schule im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts vorhanden.

Schulmeister: Justus Bornmann 1621-1624

Historische Ereignisse:

Beim Brand 1558 Zerstörung der halben Stadt. 1646, während der Belagerung durch kaiserliche Truppen, brannte Schweinsberg bis auf die Kirche, den steinernen Unterbau des Schlosses und 2 Hütten ab. Pulverexplosion auf der Burg 1642.

Wirtschaft

Wirtschaft:

Wenig Handwerk im 18. und 19. Jahrhundert

Fischerei in der Ohm noch 1822 erwähnt.

1925: Weberei und Kunststeinfabrik.

Mühlen:

Mühle an der Ohm (1859: Gänsemühle) am westlich Stadtrand; bereits 1708/10 vorhanden; 1859: 2 Mahlgänge. Thalmühle in der Stadt mit 2 Mahlgängen 1859 erwähnt

Markt:

1 Wochenmarkt seit 1332; später 3 (unbedeutende) Jahrmärkte. Etwas Viehhandel.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Schweinsberg, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9319> (Stand: 16.10.2018)
 
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