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5219 Amöneburg
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 71. Amöneburg

Mardorf

Stadtteil · 216 m über NN
Gemeinde Amöneburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km südlich Kirchhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen auf leichtem, nach Süden ziehenden Mittelterrassenvorsprung quer durch den Lamborn-Grund. Annähernd viereckiger, nur im Norden abgerundeter Ortsumriß; Reste der ehemaligen Dorfbefestigung (3 Tore) erhalten

Gitterförmiges Straßen- und Gassennetz mit blockartiger Bebauung und dichter Gehöftanordnung

Kirche mit mächtigem Wehrkirchturm in zentraler, erhöhter Lage an der Süd-Ecke eines breiten Geländevorsprungs

Von Westen nach Osten ist ein Bachlauf (Gewerbewasser) durch den Ort geführt

Moderne Wohnsiedlung im Süden

Straße von Amöneburg gabelt sich nordöstlich Mardorf in zwei durch den westlich und östlich Ortsbereich führende Stränge, die auf die am Süd-Rand vorbeiführende Straße Roßdorf-Erfurtshausen bzw. Schweinsberg treffen (alte Amtsstraße Marburg-Homberg bzw. Schweinsberg)

Ersterwähnung:

750/779

Weitere Namen:

Historische Namensformen:

  • Marachdorf (750/779, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts) [Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 112]
  • Marcdorf (802/817, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts)
  • Marhdorf, in (1. Hälfte 9. Jahrhundert) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 1, S. 239-240, fol. 145 vb, Nr. 97 = Dronke, Traditiones, S. 39, Capitulum 6, Nr. 97]
  • Mardorf (1215)
  • Martdorf (1227 und 1306)
  • Marchtorf (um 1248)
  • Marchtorph (um 1248)
  • Mardorf (1323)

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 1215 (KlosterarchiveV Nr.13)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung -> Ghuvere
  • Wüstung -> Hunnenburg
  • Wüstung Siedlungsplatz 2,2 km südlich Mardorf zwischen Goldberg und Hunnenburg mit Keramikfunden des 10./11. Jahrhundert und Hüttenlehm, Eisenschlacken weisen auf eine Waldschmiede
  • 3 Fundplätze karolingerzeitlicher Keramik am Rande der Ohmniederung 1,5 km nordöstlich Mardorf
  • Flurnamen, die auf Siedlungen deuten könnten: Philippsburg 1,2 km südlich Mardorf, Burg 2,2 km östlich Mardorf auf der Grenze der Gemarkung Mardorf und Schweinsberg (karolingerzeitliche Keramik)
  • Petersmühle 1,2 km südlich Mardorf
  • Vogelsburg 1,5 km südwestlich Mardorf

Umlegung der Flur:

1923/1928

Älteste Gemarkungskarte:

1806

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3494148, 5625308
UTM: 32 U 494076 5623498
WGS84: 50.76321836° N, 8.916002671° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534001030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 2080 stellbares Land, 416 Wiesen, 40 Gärten, 1758 Wald
  • 1885 (Hektar): 1339, davon 627 Acker (= 46.83 %), 227 Wiesen (= 16.95 %), 435 Holzungen (= 32.49 %)
  • 1961 (Hektar): 1348, davon 432 Wald (= 32.05 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1537: 21
  • 1585: 24
  • 1747: 33 Haushalte
  • 1838 (Familien): 60 Ackerbau, 50 Gewerbe, 49 Tagelöhner 71 nutzungsberechtigte, 88 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 33 Beisitzer
  • 1861: 991 römisch-katholisch, 4 evangelisch-lutherisch, 36 jüdische Einwohner
  • 1885: 1002, davon 9 evangelisch (= 0.90 %), 946 katholisch (= 94.41 %), 47 Juden (= 4.69 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 256 Land- und Forstwirtschaft, 262 Produzierendes Gewerbe, 20 Handel und Verkehr, 47 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 1223, davon 47 evangelisch (= 3.84 %), 1172 katholisch (= 95.83 %)
  • Um 1510: 8 wehrhafte Männer

Diagramme:

Mardorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 750/779: marcha Logene
  • 1233: Vogtei Seelheim
  • 1395 und später: Amt Amöneburg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Amöneburg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Assistenzamt Amöneburg
  • 1831: Justizamt Amöneburg
  • 1867: Amtsgericht Amöneburg
  • 1932: Amtsgericht Kirchhain

Gemeindeentwicklung:

Zum 31.12.1971 wurde Mardorf im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der Stadt Amöneburg eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 750/779 und 802/817 erhält Kloster Fulda Güterschenkungen in Mardorf.
  • Vermutlich war Mardorf nach 1015 Zubehör der fuldischen, später Deutsche Orden-Villikition Seelheim.
  • 1222 vertauscht Kloster Haina Güterbesitz in Mardorf an das Erzstift Mainz.
  • Um 1248 besitzt das Erzstift 2 Hufen. Mainzischer Hof in Mardorf seit 1324 bis ins 19. Jahrhundert erwähnt.
  • Ein weiterer mainzischer Hof ist 1341 bis ca. 1670 an die von den Nuhn, später an die von Nordeck und von den Hees verlehnt, 1779 verkauft.
  • 1233 verkauft Kloster Fulda dem Franziskushospital in Marburg seinen Hof in Mardorf. Seit 1234 Deutsche Orden-Besitz.
  • 1234 verschenken die Landgrafen ihren Güterbesitz in Mardorf an den Deutsche Orden Marburg.
  • Vor 1248 und 1323 erwirbt der Deutsche Orden 1 Hufe und weiteren Güterbesitz.
  • 1358 verfügt der Deutsche Orden über 1 Hufe und 7 Höfe mit 490 Morgen Ackerland und 471/2 Morgen Wiesen, einer der Höfe gehört zur Pietanz des Deutsche Orden.
  • Das bereits 1222 in Mardorf begüterte Kloster Haina erwirbt zwischen 1266 und1437 Besitz, der 1526/27 vom Landgraf eingezogen wird, 1557 und später mainzisches Lehen der von Schwalbach.
  • 1347 ist ein fuldischer Hof in Mardorf Lehen der von Mardorf.
  • Ende des 15. Jahrhunderts hat das Stift Amöneburg 2 Höfe, zu Beginn des 17. Jahrhunderts 3 Höfe und 2 Güter in Mardorf.

Zehntverhältnisse:

Mainzischer Zehnte um 1248 und wohl noch 1802

Ortsadel:

Ortsadel: 1223-1449

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • capella 1266 (KlosterarchiveV Nr. 483)
  • Kapelle, deren Patronat 1394 der Deutsche Orden Marburg besaß
  • 1822: Errichtung der katholischen Pfarrei St. Hubertus

Patrozinien:

  • Katharina und Hubertus

Pfarrzugehörigkeit:

1462 und später: Filiale von Amöneburg

Bis zur Reformation zu Schweinsberg, dann durch den Kurfürsten von Mainz aus dem Parochialverband gelöst.

Patronat:

Deutscher Orden

Bekenntniswechsel:

Der Ort blieb katholisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

Im 15. Jahrhundert zum Sendbezirk Amöneburg, Dekanat Amöneburg gehörend

Juden:

Provinzial Rabbinat Marburg, gehört mit Rossdorf zusammen

Statistik: 1861: 36; 1905: 44; 1932/33: 25 Juden

Juden leben zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Mardorf, möglicherweise seit 1603.

1797: 2 Schutzjuden

1807: sechs jüdische Familien

Berufe: Vieh-, Frucht- und Getreidehandel sowie Textilhandel

in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten viele Juden in die USA aus; auch nach 1933 verstärkte Auswanderung in die USA.

Synagoge: 1839: Betraum in Privathaus abgehalten (Familie Maas)

1860: jüdische Gemeinde erwirbt Scheune und baut diese zur Synagoge um; wird 1938 nicht zerstört; später wieder zur Scheune zurückgebaut.

Friedhof Rauischholzhausen zuständig.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Mardorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9224> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde