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Herzogtum Nassau 1819 – 43. Oberursel

Neuenhain

Stadtteil · 240 m über NN
Gemeinde Bad Soden am Taunus, Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8 km nordöstlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

1,5 km nordwestlich von Bad Soden, auf der westlichen Altkönig-Vorstufe des Vortaunus in der Höhenlage zwischen Lotter- und Sauerbornsbach an der L 3266

Ersterwähnung:

1191

Siedlungsentwicklung:

1303 streitet die Gemeinde mit dem Deutschen Orden in Sachsenhausen um den Besitz eines Weinberges. Im Reichskrieg von 1364-1366 gegen Philipp den Älteren von Falkenstein wird der Ort durch Truppen der Stadt Frankfurt gebrandschatzt. 1581 wurde Neuenhain Sitz der dortigen kurpfälzischen Kellerei. 1620 wird der Ort von spanischen Truppen erobert. 1773 wurde Neuenhain Sitz eines Unteramtes der Amtsvogtei Königstein, welches aber mit der Zusammenlegung mit der Kellerei Kronberg wieder aufgelöst wurde.

Seit dem 01.01.1977 gehört Neuenhain als Stadtteil zu Bad Soden. Die heutige Bebauung ertsreckt sich vom Niederdorfsbach bis zur Hubertushöhe.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Dorf (1326)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3463720, 5557979
UTM: 32 U 463660 5556196
WGS84: 50.15686458° N, 8.491269472° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436001030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 1740 Morgen
  • 1885 (Hektar): 454, davon 200 Acker (= 44.05 %), 36 Wiesen (= 7.93 %), 173 Holzungen (= 38.11 %)
  • 1895 und 1981: 453,9 ha
  • 1961 (Hektar): 454, davon 140 Wald (= 30.84 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1581: 54 Männer
  • 1610: 62 Männer
  • 1688: 36 ev. und 15 kath. Familien
  • 1769: 77 Häuser
  • 1794: 98 Märker
  • 1800: 50 Familien
  • 1806: 77 Märkerlose
  • 1809: 107 Märker
  • 1817: 373 Einwohner
  • 1885: 984, davon 471 evangelisch (= 47.87 %), 496 katholisch (= 50.41 %), 11 andere Christen (= 1.12 %), 6 Juden (= 0.61 %)
  • 1961: 2825, davon 1362 evangelisch (= 48.21 %), 1379 katholisch (= 48.81 %)
  • 1970: 4069 Einwohner
  • 1987: 6294 Einwohner

Diagramme:

Neuenhain: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • undatiert: Sulzbacher Mark
  • 1581: Kurmainz, Kellerei Neuenhain
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Königstein
  • 1803: Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Königstein
  • 1806: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis
  • 1919: Hilfskreis Königstein in der französischen Besatzungszone
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • Zum Landgericht Dieffenwegen gehörig
  • Das Dorfgericht ist dem Vogt sowie dem Abt von Limburg unterstellt.
  • 1453 und 1538 lassen sich Weistümer finden.
  • Mit der Gerichtsbarkeit wurden vom Limburger Abt 1385 Johann Mertz von Kriftel, 1442 Johann von Erlenbach und Walter von Reifenberg, 1444 Eberhard von Eppstein-Königstein belehnt.
  • Den Sulzbacher Anteil am Dorfgericht kaufen 1454 die Herren von Kronberg. Das Herrengericht ist zwischen Sulzbach und Königstein aufgeteilt.
  • 1816: Amt Königstein
  • 1849: Justizamt Königstein
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Königstein
  • 1867: Amtsgericht Königstein

Herrschaft:

Ursprünglich war Neuenhain eine reichsfreie Gemeinde. Die weitere Entwicklung der Hoheitsrechte ergab sich aus dem Besitz der Vogtei über die Sulzbacher Mark.

1343: Falkenstein, von Eppstein und von Sulzbach

1378: Herrschaft Königstein

1421: 1/8 im Besitz Georgs von Sulzbach, 3/8 Königstein und 1/2 Eppstein

1433: Eppstein-Königstein

1581: Kurpfalz

1620: unter spanischer Verwaltung

1627: als kaiserliche Schenkung an Graf Johann Karl von Schönburg

1631: unter schwedischer Verwaltung

1635: wieder an Graf von Schönburg

1648: Kurpfalz

1650: im Bergsträßer Recess an Kurmainz

1668: Verpachtung an den Herrn von Hünfeld

1673: Kurmainz

1803: Herzogtum Nassau

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1191 nimmt Erzbischof Konrad von Mainz das Kloster Retters nach dem Vorbild Erzbischof Heinrichs in seinen Schutz und bestätigt seinen Besitz u.a. in Neuenhain 4 Weinberge, wovon 1222 noch drei im Besitz des Klosters sind.
  • 1265 erhält das Kloster Thron Weinberge in Neuenhain.
  • 1272 erhält Kuno von Reifenberg 7 Morgen an Weinbergen als falkensteinisches Lehen.
  • 1285 erhalten die Klöster Retters und Thron 4 Morgen an Weinbergen.
  • 1289 besitzt Heinrich von Sprendlingen 3,5 Morgen an einem Weinberg.
  • 1290 erhält das Kloster Thron weitere 2,5 Morgen an Weinbergen.
  • 1309 wächst der Throner Besitz an Weinbergen um weitere 1,75 Morgen.
  • 1320 erhält das Mariagredenstift in Mainz und das Frankfurter Georgenstift einen Weinberg.
  • 1349 verlehnt Markolf Rödel von Reifenberg einen Weingarten.
  • 1358 erhalten die Roßdorfer Antoniter bei einem Tauschgeschäft mit dem Kloster Thron 2,5 Morgen an Weinbergen.
  • 1367 erhält das Frankfurter Bartholomäusstift 3,5 Morgen an Weinbergen.
  • 1418 kaufen die Antoniter einen Hof in der Nähe der Kirche.
  • 1421 bezieht die Herrschaft Königstein von hier Grundzinzen.
  • 1434 hat Dietrich der Jüngere von Praunheim hier Eppsteiner Lehen inne.
  • 1468 gehören den Frankfurter Johannitern 5 Morgen an Weinbergen und 3 Höfe.
  • 1590 verkauft die Herrschaft Nassau Dillenburg die ehemaligen Throner Klostergüter (5 Morgen an Weingärten und 7 Morgen Wiesen) an die Kurpfalz.
  • 1632 umfasst der Besitz der Antoniter 30 Morgen an Weingärten und 15 Morgen an Äckern und Wiesen.

Zehntverhältnisse:

1280-1285 besitzt Eppstein ein Drittel des Zehnten.

1342 weist Philipp der Jüngere von Falkenstein seiner Frau 600 Heller auf den Weinzehnten als Wittum an.

1385 hat Johann Mertz von Kriftel 2/3 des Zehnten als fuldisches Lehen inne.

1421 hat die Herrschaft Königstein Teile des Zehnten, Weinzehnten und der Bede inne.

1442 geht dieser Zehntteil an Johann von Erlenbach und Walter von Reifenberg über.

1444 werden 2/3 des Zehnten Eberhard von Eppstein-Königstein überlassen.

1558 verleiht das Kloster Limburg dem Grafen Ludwig von Stolberg-Königstein 1/3 des großen Weinzehnten.

1578 hat Stolberg-Königstein die Bede und den kleinen Weinzehnten.

Ortsadel:

1312: Familie von Hain erwähnt

1418-1439: Henne von Neuenhain

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1303: Kapelle
  • 1326: selbstständige Pfarrei
  • 1762-71: Neubau der ev. Kirche
  • 1911/12: Bau der kath. Pfarrkirche

Patrozinien:

  • Maria

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1326 zur Pfarrei Sulzbach gehörig

Seit 1582 sind Schneidhain und Altenhain nach Neuenhain eingepfarrt.

1668 wird die kath. Gemeinde vom Schwalbacher Pfarrer versehen.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation: um 1535

Reformierter Bekenntniswechsel: 1581 durch die Kurpfalz

Nach der Übernahme durch Kurmainz 1650 blieb der evangelische Glauben erhalten. 1652 führte Mainz den katholischen Gottesdienst gleichberechtigt wieder ein.

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107 zum Dekanat Eschborn, Archidiakonat St. Peter in Mainz

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Mit der Aufhebung des Klosters Limburg richtete die Kurpfalz 1581 in Neuenhain den Sitz für die gleichnamige Kellerei ein. Die Kellerei wird 1773 in ein Unteramt der Amtsvogtei Königstein umgewandelt und 1776 mit der Kellerei Kronberg vereinigt.

Zoll:

1282-1285 besitzt Eppstein einen halben Bedewein.

1378 gehört der Herrschaft Königstein die Maibede.

1421 hat die Herrschaft Königstein die Bede inne.

1578 hat Stolberg-Königstein die Bede inne.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Neuenhain, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11286> (Stand: 18.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde