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Historisches Ortslexikon

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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 65. Niederaula
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Linde in Untergeis

Weitere Informationen

Untergeis

Ortsteil · 255 m über NN
Gemeinde Neuenstein, Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km nordwestlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit einfachem regellosen Grundriss und lockerer Gehöftanordnung am Ostrand des Knüllgebirges südlich der Geis. Kirche mit Lindenrain vor dem Kirchhof in exponierter Lage. Jüngere Siedlungsentwicklung Richtung Südosten und nördlich jenseits der Geis in Richtung Eselsgrund. Dazwischen verläuft die B 324 (Hersfelder Str.) Richtung Hersfeld

Ersterwähnung:

1142

Siedlungsentwicklung:

1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Hersfeld West.

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Zu den frühen Belegen, die vermutlich nicht auf Untergeis zu beziehen sind vgl. Obergeis

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villula (1252, 1292)
  • villa (1298)
  • Dorf (1432)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1910

Älteste Gemarkungskarte:

1783/1784

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3543977, 5640280
UTM: 32 U 543885 5638463
WGS84: 50.896164° N, 9.624028° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632014080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 389, davon 187 Acker (= 48.07 %), 47 Wiesen (= 12.08 %), 108 Holzungen (= 27.76 %)
  • 1961 (Hektar): 833, davon 549 Wald (= 65.91 %)

Einwohnerstatistik:

  • um 1610: 53 Hausgesesse
  • 1628: 53 Hausgesesse
  • 1639: 13 Hausgesesse
  • 1673: 25 Haushaltungen
  • 1747: 45 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1749/50: 38 Häuser und Hofreiten, 10 einzelne Häuser; 2 Mühlen mit 213 Menschen; Gewerbetreibende: 19 Leinweber, die teils auch Ackerbau treiben, 2 Müller, 3 Tagelöhner, 6 Ackerleute, 1 Schneider, 1 Wagner, 1 Schmied, 1 Zimmermann, 2 Schäfer, 1 Schweinehirt (StAM Best. 49 d, Hersfeld Nr. 434)
  • 1885: 331, davon 329 evangelisch (= 99.40 %), 2 katholisch (= 0.60 %)
  • 1961: 413, davon 382 evangelisch (= 92.49 %), 30 katholisch (= 7.26 %)
  • 1970: 428

Diagramme:

Untergeis: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1394: Fürstabtei Hersfeld, Amt Geis
  • 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Obergeis
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis (zuletzt Landgericht Hersfeld)
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Hersfeld

Gericht:

  • 1822: Landgericht Hersfeld
  • 1850: Justizamt Hersfeld II
  • 1867: Amtsgericht Hersfeld
  • 1879: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft:

1292 verzichtet Werner von Reichenbach im Streit mit dem Abt von Hersfeld auf seine Rechte u.a. in Untergeisa und erhält dafür von Abt und Kloster andere Güter. 1367 steht dem Abt die Bede in Geisa zu. 1432 veräußert der Abt von Hersfeld eine jährliche Gülte u.a. in Ober- und Untergeis an die von Wallenstein.

Bis zur Auflösung des Stifts Hersfeld und seinem endgültigen Übergang an die Landgrafschaft Hessen 1651 ist Untergeis formal in hersfeldischem Besitz und wird als Lehen oder Pfand ausgegeben.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden als Ortsteil zur Gemeinde Neuenstein zusammengeschlossen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Kloster Hersfeld
  • 1259 übergeben Propst und Konvent der Nonnen zu Blankenheim ihre Güter in Niedergeis an ihr Hospital. 1298 verkaufen Helmerich von Bombach und seine Frau Alheid ihre Güter im Dorf Ober- und Niedergeis mit allem Zubehör der Kirche in Blankenheim für 65 Mark.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1560 wird eine Kirche erwähnt
  • Schlichter Saalbau mit Haubendachreiter 1806 von C.S. Reutel errichtet

Pfarrzugehörigkeit:

1560 zu Obergeis, 1747 Vikariat davon, in das Gittersdorf und Biedebach eingepfarrt sind

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Obergeis, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Obergeiser Pfarrer Curt Rabe um 1535

Kultur

Schulen:

1749/50 wird ein Schulmeister genannt

1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Mühlen:

1749/50 werden zwei Mühlen genannt, die beide über oberschlächtige Wasserräder mit dem Wasser der Geis betrieben werden. Die Mühle Croll, auch Wiegandtsmühle genannt, lag am westlichen Rand von Untergeis und wurde bis 1953 mit zuletzt durch durch zwei oberschlächtige Wasseräder betrieben, die 1958 nicht mehr vorhanden waren. Die Mühle Hehr am nordwestlichen Rand von Untergeis wurde mit einem Mahl- und einem Reinigungsgang sowie als Wollkämmachine bis 1974 betrieben.

Eine weitere Mühle ohne bislang bekannten Namen befand sich unterhalb von Untergeis (Hersfelder Str. 1) und wurde gleichfalls mit dem Wasser der Geis betrieben. Sie wurde um 1900 errichtet und war nur kurze Zeit in Betrieb.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Untergeis, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3289> (Stand: 4.3.2026)