Historisches Ortslexikon
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- KDR 100, TK25 1900 ff.
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- Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 66. Hersfeld
Weitere Informationen
Unterhaun
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Ortsteil · 212 m über NN
Gemeinde Hauneck, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
3,5 km südsüdöstlich von Bad Hersfeld
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Lage und Verkehrslage:
Zweigeteiltes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen im unteren Haunetal, beiderseits des Flusses. Der älteste Teil mit Kirche folgt dem alten Verlauf der Haune, der sich im Zuge der Bahntrassenanlage (1866 fertiggestellt) nach Osten verschob. Dieser Bereich von Unterhaun breitet sich in geringem Umfang am Hang des Johannesberges und dem vorgelagerten Kirchberg entlang der alten Haune und in das kleine Tal des Weyersgrabens hinein aus. Der heute sich stark nach Nordosten ausdehnende Teil des Dorfes östlich der Haune, wo das Gelände zur Kuppenrhön hin ansteigt. Beide Teile bildeten ursprünglich eine stärker aufeinander bezogene Einheit, die durch die parallel in Süd-Nord-Richtung verlaufende Bahntrasse, die Haune sowie die dem Verlauf der 1819-1822 angelegten Chaussee folgende B 27 geteilt wird. Brücke über die Haune bereits 1217 belegt. Im Norden verläuft die A4
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Ersterwähnung:
um 1090-1150
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Vorbemerkung Historische Namensformen:
Vgl. Oberhaun
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Historische Namensformen:
- Niderhuno (um 1090-1150) [Kopiar um 1160, Codex Eberhardi 1 S. 332 = Dronke, Traditiones Capitulum 25, S. 60]
- Hunahe, de (1217) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 2; Druck: Wenck, Hessische Landesgeschichte 3, Urkundenbuch S. 96, Nr. 98; vgl. Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 112 und den Teilabdruck S. 198, Beilage 7a]
- inferiori Huna, in (1230) [HStAM Bestand Urk. 57 Nr. 3]
- Huna (1331) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 19]
- Niedern Hun (1400) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 58]
- Niedern Hune (1435) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 74]
- Niddernhun (1499) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 113]
- Nidernhůna (1560) [HStAM Best. 104 Nr. 411]
- Niedern Haun (1673) [Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 275-278, Beilagen 37-39]
- Nidern Haŭn (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Unter Haúne (1747) [Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105]
- Unternhauna (1750) [HStAM Best. 49 d, Hersfeld Nr. 438]
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Bezeichnung der Siedlung:
- Dorfschaft, Dorf (1750)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
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Umlegung der Flur:
1903
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Älteste Gemarkungskarte:
1768
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3550933, 5633676
UTM: 32 U 550838 5631862
WGS84: 50.836233° N, 9.721974° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
632007070
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 561, davon 288 Acker (= 51.34 %), 80 Wiesen (= 14.26 %), 138 Holzungen (= 24.60 %)
- 1961 (Hektar): 544, davon 138 Wald (= 25.37 %)
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Einwohnerstatistik:
- Um 1610: 36 Hausgesesse
- 1628: 36 Hausgesesse
- 1673: 29 Hausgesesse
- 1747: 41 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1750: 46 steuerpflichtige Häuser oder Feuerstätten mit 329 Menschen; Gewerbetreibende: 3 Schmiede, 1 Zimmermann, 1 Korbmacher, 6 Schneider, 8 Leinweber so auch Tagelohnen, 24 Leinweber so nur ihr eigen Tuch machen, 5 Tagelöhner und einzelne Weibspersonen, 2 Müller (HStAM Best. 49 d, Hersfeld Nr. 438)
- Um 1760: 50 Feuerstätten
- 1885: 527, davon 519 evangelisch (= 98.48 %), 6 katholisch (= 1.14 %), 2 Juden (= 0.38 %)
- 1961: 942, davon 830 evangelisch (= 88.11 %), 105 katholisch (= 11.15 %)
- 1970: 992
- 2001: 1270
- 2006: 1123
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- um 1500: Reichsabtei Hersfeld, Propstei Johannesberg
- 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt/Gericht Johannesberg
- 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt/Gericht Johannesberg
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt/Gericht Johannesberg
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Johannesberg
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Petersberg
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Johannesberg
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Altkreis:
Hersfeld
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Gericht:
- 1822: Landgericht Hersfeld
- 1850: Justizamt Hersfeld I
- 1867: Amtsgericht Hersfeld
- 1879: Amtsgericht Bad Hersfeld
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Herrschaft:
Die Dörfer Ober- und Unterhaun, Hilperhausen, Kohlhausen, der Hof Roßbach, die Papiermühle bei Oberhaun sowie die Wüstungen Kreuzberg, Laufe und Withof gehörten zu einem von der Hersfelder Benediktinerpropstei Johannesberg im 15. Jahrhundert ausgebildeten Gerichts- und Verwaltungsbezirk. Das Kloster verfügte über die Herrschafts- bzw. Gerichtshoheit und hatte Anspruch auf Dienste und Abgaben. Langwierige Streitigkeiten ergaben sich mit den Herren von Buchenau, die dem benachbarten Gericht bzw. Amt Schildschlag vorstanden und sich dabei auf ihre Rechte als Untervögte im Bezirk des Johannesberges beriefen. 1499 gestand Engelhard von Buchenau dem Kloster Johannesberg Lehen, Gerichte, Gebot, Verbot und den Brotzins zu Ober- und Niederhaun zu, behielt sich aber die Halsgerichtsbarkeit vor. In weiteren Verträgen von 1539 und 1559 wurden die Zuständigkeiten und Abgaben zwischen den Parteien geregelt, wobei die peinliche Gerichtsbarkeit den Buchenauern verblieb. Mit der endgültigen Aufhebung der Eigenständigkeit der Abtei Hersfeld fiel auch die Propstei Johannesberg 1651 an die Landgrafschaft Hessen, die diese aber faktisch schon seit 1606 administrierten. Nach dem Erwerb verbliebener Rechte der Buchenauer 1680 stand Unterhaun ganz unter hessischer Hoheit.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Hauneck zusammengeschlossen. Unterhaun ist Sitz der Gemeindeverwaltung.
- Besitz ↑
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Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- Besitz des Klosters Petersberg bei Fulda (um 1090-1150) belegt.
- Kloster Johannesberg als Tochterkloster der Reichsabtei Hersfeld. 1230 verleiht Ludwig I., Abt von Hersfeld, an Propst Wigand und den Konvent des Klosters St. Johannesberg u.a. in Unterhaun mehrere Grundstücke und Äcker, die Guntram besitzt.
- Dekan Albrecht und der Konvent des Stufts Hersfeld bekennen 1435, dass sie mit Einwilligung ihres Abts Albrecht dem Dekan und Konvent des Klosters St. Johannesberg ihr großes Vorwerk in Withof unterhalb von Johannesberg für 370 Gulden erblich verkauft und dem Klosters zudem einen Hauptbrief über 100 Gulden auf das Vorwerk in Unterhaun übergeben haben, welche den Brüdern Sittich und Ludwig von Buchenau zustehen.
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- plebanus (1217)
- 1331 Kirche erwähnt, heutiger Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss 1737 errichtet, 1853 ausgebessert, 1906 umgebaut
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Pfarrzugehörigkeit:
Mutterkirche, zu der 1750 und 1872 die Dorfschaften Oberhaun und Rothensee sowie die Höfe bzw. Vorwerke Johannesberg und Biengartes eingepfarrt sind. 1994 ist die Kirchengemeinde Eitra-Sieglos als Filial dazugekommen.
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Patronat:
1331 wird die Pfarrkirche von Haun in das Kloster St. Johannesberg durch Bischof Wolfram von Würzburg inkorporiert
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Diakonische Einrichtung:
15.04.1910 Gemeindepflegestation, eine Schwester, Krankenpflege, Vereinsbetreuung, Gemeindearbeit, Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu Cassel, S. 341; bis 1956 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)
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Bekenntniswechsel:
Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.
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Kirchliche Mittelbehörden:
vor 1331: Bistum Würzburg, Archidiakonat Geisa-Mellrichstadt-Coburg, Landkapitel Geisa, ab dann Reichsabtei Hersfeld, Propstei Johannesberg
- Kultur ↑
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Schulen:
1750 ist ein Schulhaus mit Schulmeister vorhanden
1910 Volksschule mit zwei Klassen
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
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Historische Ereignisse:
Berühmte Persönlichkeiten:
Georg Groscurth (1904-1944), Arzt und Widerstandskämpfer
- Wirtschaft ↑
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Mühlen:
1750 sind zwei Mühlen vorhanden, die mit dem Wasser der Haune betrieben werden. In der Dorfmühle am Südrand von Unterhaun wurde mit zwei unterschlägigen Wasserrädern ein Mahl-, Schlag und Schneidegang betrieben. Bis etwa 1880 wurden eine Ölmühle und eine Wollkämmerei betrieben. Im 20. Jahrhundert erfolgte der Antrieb über eine Turbine. Nach einem Brand 1924 wurden die Gebäude neu errichtet.
Die zweite Schlag- und Schneidemühle brachte schon 1750 nur geringen Ertrag und die Gebäude waren in schlechtem Zustand. Ihr Betrieb wurdespätestens im 19. Jahrhundert eingestellt.
- Nachweise ↑
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Literatur:
- Zitierweise ↑
- „Unterhaun, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3290> (Stand: 16.3.2026)

