Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 6. Juni 1908
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus können die Konservativen zulegen und mit 153 von 433 Mandaten ihre Position als stärkste Kraft behaupten (1903: 144). Zweitstärkste Kraft bleibt die katholische Zentrumspartei, die aber sieben Sitze hinzugewinnt und nun 104 Abgeordnete stellt. Während die Nationalliberalen empfindliche Verluste erleiden (65 statt 80 Mandate 1903), gewinnen die Reichspartei (+1) und die Freisinnige Partei (+3) in geringem Umfang hinzu. Erstmals ziehen auch sieben Sozialdemokraten in das Abgeordnetenhaus ein.1
In der Provinz Hessen-Nassau gewinnen vor allem die Konservativen, die nun mit neun Mandaten ebenso viele Abgeordnete stellen wie die Nationalliberalen. Die Antisemiten verlieren ihre beiden Mandate, ansonsten bleibt die Sitzverteilung identisch.2 In den Wahlkreisen der heute auf dem Gebiet des Landes Hessen liegenden Teile der Provinz Westfalen (Wahlkreis Arnsberg 1) und der Rheinprovinz (Wahlkreis Wetzlar) erringen zwei Nationalliberale (Heinrich Macco aus Siegen und Hermann vom Rath aus Charlottenburg) die Mandate.3
Gewählte Abgeordnete
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus wird in jedem Wahlkreis nach absolutem Mehrheitswahlrecht (Persönlichkeitswahl) ein Abgeordneter gewählt.
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Kassel
Baumbach(-Ropperhausen), Ferdinand von (1851–1912; Deutschkonservative Partei); Rittergutsbesitzer; Großropperhausen/Kreis Ziegenhain; Wahlkreis Kassel 8: Homberg – Ziegenhain4
Ditfurth, Hans von (1862–1917; Deutschkonservative Partei); Landrat, Rittergutsbesitzer; Dankersen/Kreis Grafschaft Schaumburg; Wahlkreis Kassel 1: Grafschaft Schaumburg5
Drinnenberg, August (1857–1942; Zentrumspartei); Amtsgerichtssekretär; Fulda; Wahlkreis Kassel 11: Hünfeld – Gersfeld
Gleim, Franz (1842–1911; Nationalliberale Partei); Fabrikant; Melsungen; Wahlkreis Kassel 7: Melsungen – Fritzlar6
Junghenn, Emil (1850–1911; Nationalliberale Partei); Rentner; Berlin; Wahlkreis Kassel 14: Hanau7
Meyenschein, Adam (geb. 1863; Deutschkonservative Partei); Pfarrer; Altenhaßlau/Kreis Gelnhausen; Wahlkreis Kassel 13: Schlüchtern – Gelnhausen
von Negelein, Maximilian (1852–1911; Deutschkonservative Partei); Landrat; Marburg; Wahlkreis Kassel 10: Marburg8
Rabe von Pappenheim, Karl (1847–1918; Deutschkonservative Partei); Rittergutsbesitzer; Liebenau/Kreis Hofgeismar; Wahlkreis Kassel 2: Hofgeismar – Wolfhagen
Rhiel, Andreas (geb. 1861; Zentrumspartei); Amtsgerichtsrat; Fulda; Wahlkreis Kassel 12: Fulda
Riesch, Friedrich (1840–1912; Deutsche Reichspartei); Landrat; Frankenberg (Eder); Wahlkreis Kassel 9: Kirchhain – Frankenberg9
Schroeder, Dr. jur. Theodor (1860–1951; Nationalliberale Partei); Dezernent für Angelegenheiten der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften; Kassel; Wahlkreis Kassel 3: Kassel-Stadt
Stockhausen, Hans Eckebrecht von (1854–1923; Deutschkonservative Partei); Rittergutsbesitzer; Abgunst/Kreis Hofgeismar; Wahlkreis Kassel 4: Kassel-Land – Witzenhausen
Tuercke, Richard (1862–1930; Deutsche Reichspartei); Landrat; Rotenburg an der Fulda; Wahlkreis Kassel 6: Rotenburg – Hersfeld
Wendlandt, Dr. phil. Wilhelm (1859–1937; Nationalliberale Partei); Generalsekretär des Bundes der Industriellen; Berlin-Friedenau; Wahlkreis Kassel 5: Eschwege - Schmalkalden10
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Wiesbaden
Bartling, Eduard (1845–1927; Nationalliberale Partei); Fabrik- und Bergwerksbesitzer; Wiesbaden; Wahlkreis Wiesbaden 9: Wiesbaden-Stadt – Untertaunuskreis
Beckmann, Dr. jur. August (1852–1914; Deutschkonservative Partei); Landrat; Usingen; Wahlkreis Wiesbaden 6: Oberlahnkreis – Usingen
Bülow, Wilhelm von (1850–1929; Nationalliberale Partei); Amtsgerichtsrat; Homburg v. d. Höhe; Wahlkreis Wiesbaden 10: Obertaunuskreis – Frankfurt am Main-Land
Cahensly, Peter Paul Simon (1838–1923; Zentrumspartei); Kaufmann; Limburg; Wahlkreis Wiesbaden 5: Limburg
Dahlem, Dr. jur. Anton (1859–1935; Zentrumspartei); Rechtsanwalt; Niederlahnstein/Kreis Sankt Goarshausen;; Wahlkreis Wiesbaden 3: Unterwesterwaldkreis – Westerburg
Flesch, Dr. jur. Karl (1853–1915; Freisinnige Volkspartei (Hospitant)); Stadtrat; Frankfurt am Main; Wahlkreis Wiesbaden 11: Frankfurt am Main-Stadt
Funck, Karl Ludwig (1852–1918; Freisinnige Volkspartei); Lederhändler; Frankfurt am Main; Wahlkreis Wiesbaden 11: Frankfurt am Main-Stadt
Heimburg, Fritz von (1859–1935; Deutschkonservative Partei); Landrat; Biedenkopf; Wahlkreis Wiesbaden 1: Biedenkopf
Heydweiller, Dr. jur. utr. Hermann (1858–1918; Nationalliberale Partei); Landwirt; Denzerheide bei Ems/Unterlahnkreis; Wahlkreis Wiesbaden 4: Unterlahnkreis11
Kloeden, Georg von (1849–1929; Deutschkonservative Partei); Generalmajor a.D.; Wiesbaden; Wahlkreis Wiesbaden 7: Rheingaukreis – Meisenheim – St. Goarshausen
Lohmann, Dr. phil. Walter (1861–1947; Nationalliberale Partei); Amtsgerichtsrat; Weilburg; Wahlkreis Wiesbaden 2: Oberwesterwaldkreis – Dillkreis
Wolff, August (1844–1914; Nationalliberale Partei); Inhaber eines Baumaterialiengeschäftes; Biebrich am Rhein; Wahlkreis Wiesbaden 8: Wiesbaden-Land – Höchst
Provinz Westfalen – Regierungsbezirk Arnsberg
Macco, Dr.-Ing. h.c. Heinrich (1843–1920; Nationalliberale Partei); Ingenieur; Siegen; Wahlkreis Arnsberg 1: Wittgenstein – Siegen
Rheinprovinz – Regierungsbezirk Koblenz
Rath, Hermann vom (1856–1917; Nationalliberale Partei); Legationsrat a.D.; Charlottenburg; Wahlkreis Koblenz 1: Wetzlar
(LV)
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 55. ↑
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 79. ↑
- Die politische Zusammensetzung ändert sich im Laufe der Legislaturperiode leicht zugunsten der Konservativen, die in verschiedenen Ersatzwahlen insgesamt ein zusätzliches Mandat erringen können. ↑
- Baumbach verstarb während der Legislaturperiode am 17. Mai 1912. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 24. Juli 1912 wird der Landrat des Kreises Homberg Reinhard von Gehren (1865–1930; Deutschkonservative Partei) einstimmig zum Landtagsabgeordneten gewählt. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 656. ↑
- Ditfurth schied am 25. Juni 1909 aus dem Abgeordnetenhaus aus. In der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 29. Juli 1909 wird der Bruder des Ausgeschiedenen, Wilhelm von Ditfurth (1852–1915; Deutschkonservative Partei) einstimmig gewählt. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 639. ↑
- Gleim verstarb während der Legislaturperiode im Juli 1911. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 17. Oktober 1911 setzt sich der Gutsbesitzer Fritz Nöll (1859–1932; Deutschkonservative Partei) aus Gudensberg im zweiten Wahlgang gegen den Antisemiten Blum durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 653. ↑
- Junghenn verstarb während der Legislaturperiode am 20. Juli 1911. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 17. Oktober 1911 setzt sich der Landesbauinspektor Hermann Wohlfahrt (1847–1926; Nationalliberale Partei) aus Hanau durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 671. ↑
- Negelein verstarb während der Legislaturperiode am 17. April 1911. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 28. Juni 1911 setzt sich der Marburger Professor der Staatswissenschaften Johann Viktor Bredt (1879–1940; Deutsche Reichspartei) gegen den konservativen Gutsbesitzer Lauer aus Fronhausen (9,9 %) und dem Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartei, dem Marburger Professor Walther Schücking (8,8 %), durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 661. ↑
- Riesch verstarb während der Legislaturperiode am 29. Januar 1912. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 28. März 1912 setzt sich der Konsistorialpräsident Kurt Freiherr Schenck zu Schweinsberg (1858–1929; Deutschkonservative Partei) aus Kassel bzw. Schweinsberg knapp mit 88 zu 81 Stimmen gegen den Freikonservativen Kreissekretär Ueberschaer aus Frankenberg durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 658. ↑
- Am 11. März 1911 wurde das Mandat Wendlandts für ungültig erklärt. In der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl setzte er sich mit 166 gegen 131 Stimmen gegen den konservativen Landrat des Kreises Eschwege Alexander von Keudell (1861–1939) durch und behielt das Mandat. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 648. ↑
- Heydweiller schied am 23. Mai 1909 aus dem Abgeordnetenhaus aus. In der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 13. August 1909 setzt sich Amtsgerichtsrat Emil Lieber (1858–1938; Nationalliberale Partei) aus Wiesbaden durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 691. ↑
- Belege
- Handbuch der Wahlen zum Preussischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 639-702, 756
- Weiterführende Informationen
- Wikipedia: Preußisches Abgeordnetenhaus (eingesehen am 17.8.2023)
- Empfohlene Zitierweise
- „Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 6. Juni 1908“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/7605> (Stand: 6.6.2025)
