Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 27. Oktober 1898
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus legen die Konservativen leicht zu und bleiben mit 145 von 433 Mandaten stärkste Kraft (1893: 143). Zweitstärkste Kraft bleibt die katholische Zentrumspartei, die sechs Sitze hinzugewinnt und nun genau 100 Abgeordnete stellt – das sind zwei mehr als bei ihrem bisherigen Bestwert mit 98 Mandaten bei den Wahlen von 1885. Die Nationalliberalen verlieren stark (73 statt 89 Mandate), Reichspartei (fünf Mandate Zuwachs) und Freisinnige Partei (+ 16, nun 36 Mandate, so viel wie zuletzt 1885) gewinnen hinzu.1
Auch in der Provinz Hessen-Nassau müssen die Nationalliberalen Federn lassen: Sie bleiben zwar mit neun Mandaten stärkste Kraft, müssen aber drei Sitze abgeben. Die Konservativen gewinnen ein Mandat dazu und entsenden nun sechs Vertreter nach Berlin. Zwei Mandate können die Freisinnigen hinzugewinnen, die Antisemiten erringen im Wahlkreis Rotenburg-Hersfeld ihr erstes Mandat. Die Reichspartei verliert ein Mandat (nun drei Sitze).2 In den Wahlkreisen der heute auf dem Gebiet des Landes Hessen liegenden Teile der Provinz Westfalen (Wahlkreis Arnsberg 1) und der Rheinprovinz (Wahlkreis Wetzlar) erringen ein Nationalliberaler (Heinrich Macco aus Siegen) und ein Deutschkonservativer (Hermann Prinz zu Solms-Braunfels) die Mandate.3
Gewählte Abgeordnete
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus wird in jedem Wahlkreis nach absolutem Mehrheitswahlrecht (Persönlichkeitswahl) ein Abgeordneter gewählt.
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Kassel
Baumbach-Roppershausen, Ferdinand von (1851–1912; Deutschkonservative); Rittergutsbesitzer; Großroppershausen/Kreis Ziegenhain; Wahlkreis Kassel 8: Homberg – Ziegenhain
Beinhauer, Wilhelm Albert (1832–1906; Nationalliberale Partei); Gutsbesitzer; Vollmarshausen/Kreis Kassel; Wahlkreis Kassel 4: Kassel-Land – Witzenhausen
Christen, Hermann von (1841–1919; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Rittergutsbesitzer; Werleshausen/Kreis Heiligenstadt; Wahlkreis Kassel 5: Eschwege – Schmalkalden
Ditfurth, Hans von (1862–1917; Deutschkonservative Partei); Landrat, Rittergutsbesitzer; Dankersen/Kreis Rinteln; Wahlkreis Kassel 1: Rinteln4
Endemann, Dr. med. Friedrich Karl (1833–1909; Nationalliberale Partei); Sanitätsrat; Kassel; Wahlkreis Kassel 3: Kassel-Stadt
Gleim, Franz (1842–1911); Nationalliberale Partei; Fabrikant; Melsungen; Wahlkreis Kassel 7: Melsungen – Fritzlar
Goebel, Dr. phil. Peter Eduard (1831–1904); Gymnasialdirektor a.D.; Fulda; Zentrum; Wahlkreis Kassel 12: Fulda
Junghenn, Emil (1850–1911); Nationalliberale Partei; Rentner; Hanau; Wahlkreis Kassel 14: Hanau
Kaute, Eberhard (geb. 1859; Zentrumspartei); Oberförster; Burghaun/Kreis Hünfeld; Wahlkreis Kassel 11: Hünfeld – Gersfeld
Negelein, Maximilian von (1852–1911); Deutschkonservative; Landrat; Marburg; Wahlkreis Kassel 10: Marburg
Rabe von Pappenheim, Karl (1847–1918; Deutschkonservative); Rittergutsbesitzer; Liebenau/Kreis Hofgeismar; Wahlkreis Kassel 2: Hofgeismar – Wolfhagen
Riesch, Friedrich (1840–1912; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Landrat; Frankenberg (Eder); Wahlkreis Kassel 9: Kirchhain – Frankenberg
Werner, Dr. Ludwig (1855–1923; Antisemiten); Redakteur; Kassel; Wahlkreis Kassel 6: Rotenburg – Hersfeld
Zimmermann, Hermann (1856–1902; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Amtsrichter; Schlüchtern; Wahlkreis Kassel 13: Schlüchtern – Gelnhausen5
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Wiesbaden
Beckmann, Dr. jur. August (1852–1914; Deutschkonservative Partei); Landrat; Usingen; Wahlkreis Wiesbaden 6: Oberlahnkreis – Usingen6
Cahensly, Peter Paul Simon (1838–1923; Zentrumspartei); Kaufmann; Limburg an der Lahn; Wahlkreis Wiesbaden 5: Limburg
Friedberg, Dr. phil. Robert (1851–1920); Nationalliberale Partei; Professor der Nationalökonomie; Halle (Saale); Wahlkreis 10: Obertaunuskreis – Frankfurt/Main-Land7
Funck, Karl Ludwig (1852–1918; Freisinnige Volkspartei); Lederhändler; Frankfurt am Main; Wahlkreis Wiesbaden 11: Frankfurt/Main-Stadt
Heimburg, Fritz von (1859–1935; Deutschkonservative Partei); Landrat; Biedenkopf; Wahlkreis Wiesbaden 1: Biedenkopf
Hofmann, Heinrich (1857–1937; Nationalliberale Partei); Amtsrichter; Rennerod/Kreis Westerburg; Wahlkreis Wiesbaden 2: Oberwesterwald – Dillkreis
Lieber, Dr. jur. utr. Ernst (1838–1902; Zentrumspartei); Privatier; Camberg/Kreis Limburg; Wahlkreis Wiesbaden 3: Unterwesterwaldkreis – Westerburg8
Lotichius, Dr. phil. Eduard (1847–1908; Nationalliberale Partei); Fabrikant; Sankt Goarshausen; Wahlkreis Wiesbaden 7: Rheingaukreis – Meisenheim – Sankt Goarshausen
Schaffner, Wilhelm (1822–1907; Nationalliberale Partei); Fabrikant; Diez/Unterlahnkreis; Wahlkreis Wiesbaden 4: Unterlahnkreis
Saenger, Karl (1860–1901); Demokraten; Prediger; Frankfurt am Main; Wahlkreis Wiesbaden 11: Frankfurt/Main-Stadt
Wintermeyer, Louis (1859–1901); Freisinnige Volkspartei; Landwirt; Wiesbaden; Wahlkreis Wiesbaden 9: Wiesbaden-Stadt – Untertaunuskreis9
Wolff, August (1844–1914; Nationalliberale Partei); Kaufmann; Biebrich/Kreis Wiesbaden; Wahlkreis Wiesbaden 8: Wiesbaden-Land – Höchst
Provinz Westfalen – Regierungsbezirk Arnsberg
Macco, Dr.-Ing. h.c. Heinrich (1843–1920); Nationalliberale Partei; Ingenieur; Siegen; Wahlkreis 1: Wittgenstein – Siegen
Rheinprovinz – Regierungsbezirk Koblenz
Solms-Braunfels, Hermann Prinz zu (1845–1900); Deutschkonservative; Hauptmann a.D.; Schloss Braunfels/Kreis Wetzlar; Wahlkreis 1: Wetzlar
(LV)
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 55. ↑
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 79. ↑
- Die politische Zusammensetzung ändert sich im Laufe der Legislaturperiode leicht zugunsten der Nationalliberalen, die bei der Ersatzwahl im Wahlkreis Oberlahnkreis – Usingen durchsetzen und den Konservativen damit ein Mandat abnehmen können. ↑
- Damit ging das Mandat, das seit 1867 stets von den Nationalliberalen errungen worden war, erstmals und sogar einstimmig, das heißt mit Unterstützung der Nationalliberalen, an die Konservativen, die es bis zum Ende des Ersten Weltkrieges verteidigten. Insgesamt war der Wahlkreis durch einen schwachen Gegensatz zwischen Nationalliberalen und Konservativen geprägt. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 638. ↑
- Zimmermann verstarb während der Legislaturperiode am 1. Oktober 1902. In der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 19. Dezember 1902 setzte sich Landeshauptmann Wilhelm Freiherr Riedesel zu Eisenbach (1850–1919; Deutschkonservative) deutlich gegen den Gutspächter Carl Lucke aus Patershausen bei Offenbach durch, der ebenfalls für die Konservativen angetreten war. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 668. ↑
- Beckmanns Mandat wird am 27. Juni 1899 für ungültig erklärt. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 11. August 1899 setzte sich der Weilburger Ingenieur Carl Ferdinand Mischke (geb. 1856; Nationalliberale Partei) durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 694. ↑
- Friedberg lehnte das Mandat wegen Doppelwahl – er hatte auch ein Mandat im Wahlkreis Merseburg 4: Saalkreis, Stadt Halle an der Saale errungen – ab. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 1. Dezember 1898 wurde der Oberlandesgerichtsrat Dr. Robert Richard Göschen (1840–1913; Nationalliberale Partei) aus Frankfurt am Main einstimmig als Abgeordneter gewählt. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 683. ↑
- Lieber verstarb während der Legislaturperiode am 31. März 1902. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 14. Juli 1902 setzte sich der Rechtsanwalt Dr. jur. Anton Dahlem (1859–1935; Zentrumspartei) aus Niederlahnstein/Kreis Sankt Goarshausen durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 697. ↑
- Wintermeyer verstarb während der Legislaturperiode am 18. September 1901. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 14. Dezember 1901 errang der Schriftsteller Dr. phil. Hermann Müller (1857–1912; Freisinnige Volkspartei) aus Groß-Lichterfelde/Kreis Teltow das Mandat. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 677. ↑
- Belege
- Weiterführende Informationen
- Wikipedia: Preußisches Abgeordnetenhaus (eingesehen am 21.11.2023)
- Empfohlene Zitierweise
- „Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 27. Oktober 1898“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/7552> (Stand: 27.10.2025)
- Ereignisse im September 1898 | Oktober 1898 | Dezember 1898
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