Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessian Biography

Portrait

Ludwig III. Großherzog von Hessen und bei Rhein
(1806–1877)

Symbol: Switch display mode Symbol: Switch display mode Symbol: Print Preview

Hessen und bei Rhein, Ludwig III. Großherzog von [ID = 1325]

* 9.6.1806 Darmstadt, † 13.6.1877 Seeheim (Bergstraße), evangelisch-lutherisch
Großherzog, General, Abgeordneter
Other Names | Activity | Family Members | References | Life | Citation
Activity

Career:

  • Privatunterricht
  • 1819-1820 Aufenthalt in Lausanne
  • 1821-1823 militärische Ausbildung
  • 11.1823-9.1825 Studium an der Universität Leipzig
  • 1827ff. Bildungsreisen in Österreich, Italien, Frankreich, Belgien und England
  • 1830 hessen-darmstädtischer Generalmajor und 2. Inhaber des Leibgarderegiments
  • 1832-1848 als Prinz des großherzoglichen Hauses Mitglied der Ersten Kammer des Landtages des Großherzogtums Hessen
  • 12.1833 Generalleutnant und Inspekteur der Infanterie
  • 12.1843 General der Infanterie
  • 5.3.1848 Mitregent, ab 16.6.1848 regierender Großherzog

Role:

  • Hessen, Großherzogtum, 05. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1832-1833
  • Hessen, Großherzogtum, 06. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1834
  • Hessen, Großherzogtum, 07. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1835-1836
  • Hessen, Großherzogtum, 08. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1838-1841
  • Hessen, Großherzogtum, 09. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1841-1842
  • Hessen, Großherzogtum, 10. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1844-1847
  • Hessen, Großherzogtum, 11. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1847-1849
  • Hessen, Großherzogtum, Großherzog, 1848-1877
Family Members

Father:

Hessen und bei Rhein, Ludwig II. Großherzog von, 1777–1848

Mother:

Baden, Wilhelmine Prinzessin von, 1788–1836, Heirat Karlsruhe 1804, Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden, 1755–1801, und der Amalie Prinzessin von Hessen-Darmstadt

Partner(s):

  • Bayern, Mathilde Karoline Friederike Wilhelmine Charlotte Prinzessin von, (⚭ München 1833) 1813–1863, Tochter des Ludwig I. König von Bayern, 1786-1868, und der Therese Charlotte Louise Herzogin von Sachsen-Hildburghausen, 1792-1854
  • Hochstädten, Anna Magdalena Freifrau von, (⚭ Darmstadt 20.6.1868) 1846-1917, 1868 Freiin von Hochstädten, Tochter des Johann Heinrich Appel und der Louise Christiane d'Amour

Relatives:

References

Bibliography:

Image Source:

Großherzog Ludwig III., Ölbild von J. Hartmann, Hessisches Landesmuseum Darmstadt GK 857/Leihgabe StAD (beschnitten), in: Franz, Das Haus Hessen. Ein biographisches Lexikon, Darmstadt 2012, S. 347

Life

Ludwig, der älteste Sohn des damaligen Erbgroßherzogs-Paares, wurde zwischen 1812 und 1815 von dem Historiker Dr. Johann Philipp Dieffenbach, später von dem Theologen Dr. Ernst Zimmermann sowie von Reisestallmeister August Ludwig Freiherr von Senarclens-Grancy, dem Favoriten seiner Mutter, unterrichtet. Von Sommer 1819 an hielt er sich fast zwei Jahre in Lausanne und Chur auf. Zurückgekehrt in die Heimat, begann 1821 seine militärische Laufbahn mit der Ernennung zum Kapitän des Leibgarde-Regiments. Das Studium der Geschichte, Philosophie und der Rechte führte ihn zwischen 1823 und 1825 an die Universität Leipzig, wo bereits sein Vater studiert hatte. 1825 wurde er zum Oberst, 1830 zum Generalmajor und Inhaber des Leibgarde-Regiments (später 1. Inf.Regt. Nr. 115), 1833 zum Generalleutnant und 1843 zum General der Infanterie ernannt. Ludwig, der selbst nie in einem Gefecht gestanden hatte, war ein leidenschaftlicher Militärliebhaber, der sich den Organisations- und Uniformierungsfragen seiner Armee, aber auch sämtlicher Staatsdiener, mit Akribie gewidmet hat.

Seine Eheschließung mit Mathilde, der Tochter König Ludwigs von Bayern, im Jahre 1833 sowie massiver Druck der Eltern führten zur Auflösung einer seit etwa 1829 bestehenden Affäre mit der Darmstädterin Elisabeth Müller (1812–1836), der Tochter eines Kutschers. Durch seine Volksnähe und seine Bestrebungen zur Verschönerung von Stadt und Umland – Pflege der noch erhaltenen historischen Bausubstanz aus den Zeiten seiner eigenen Vorfahren, insbesondere der Jagdbauten; Ausbau von Waldanlagen und Spazierwegen – wurde er im Vorfeld der 1848er Revolution zum Sympathieträger des liberalen Bürgertums. Am 5. März 1848 wurde er zunächst zum Mitregenten an der Seite seines Vaters ernannt, dem er am 16. Juni 1848 als regierender Großherzog nachfolgte. Von der in Hanau propagieren Revolutionsparole Ludwig König aller Hessen hat er sich gegenüber den Kasseler Vettern umgehend distanziert. Entscheidungsschwach und zunächst ohne eine klare eigene politische Linie, lavierte er zwischen den unterschiedlichen politischen Lagern und vollzog erst im Juli/August 1850 mit der Berufung Reinhard von Dalwigks (1802–1880) zum Innen- und Außenminister eine endgültige Abkehr von der Unionspolitik Preußens. Da er stark auf die eigene Dynastie fixiert war und die Souveränität seines Landes auf keinen Fall geschmälert sehen wollte, schloss er sich enger an Österreich, aber auch an Frankreich an. Diese Mächte schienen ihm Garanten für die Existenz der deutschen Mittelstaaten zu sein, die er durch Preußen bedroht sah. Innenpolitisch nahm er im Einvernehmen mit Dalwigk die im Zuge der Revolution zugestandenen Reformgesetze Schritt für Schritt wieder zurück, hob die Vereinsfreiheit auf, beschränkte die Pressefreiheit und etablierte ein neues allgemeines, aber indirektes Dreiklassenwahlrecht für den Landtag und die Kommunalparlamente.

Im preußisch-österreichischen Krieg 1866 stand er fest an der Seite Österreichs und musste nach dem Sieg Preußens nicht nur Gebietsverluste (insbesondere des sogenannten „Hinterlands“ um Biedenkopf) und Kriegsentschädigungen hinnehmen. Die Abtretung ganz Oberhessens wurde zwar durch die Intervention des verschwägerten Zaren (dem Ehemann seiner Schwester Maria) in St. Petersburg verhindert; doch musste das Großherzogtum der Einbeziehung der Provinz in den Norddeutschen Bund und der Abtretung wesentlicher Souveränitätsrechte zustimmen. 1867 wurde zudem die gesamte hessische Division dem Oberbefehl Preußens unterstellt. Ohne Sympathien für die deutsche Einigungsbewegung, hielten Ludwig und sein Minister Dalwigk in den Zwischen-Kriegsjahren 1866/70 an der Bindung zu Österreich und Frankreich fest, obwohl die Pläne, das Großherzogtum in einen rein süddeutschen Staat umzustrukturieren, im Sand verliefen. Mit der nach der Reichsgründung 1871 von Bismarck erzwungenen Entlassung Dalwigks war die Politik Ludwigs III. endgültig gescheitert. Er zog sich mit seiner zweiten, 1868 morganatisch angetrauten Frau Magdalene Appel, einer früheren Tänzerin am Darmstädter Hoftheater, zunehmend ins Privatleben zurück und überließ die Repräsentationsaufgaben weitgehend seinem Neffen und Nachfolger Ludwig (IV.) und dessen Frau Alice. „Frau von Hochstädten“, die nie in den Hof einbezogen war und der Familie erst an Ludwigs Totenbett vorgestellt wurde, zog 1879 mit ihrer Mutter nach Wiesbaden.

Bleibende Verdienste erwarb sich Ludwig III. um die Geschichts- und Kunstförderung. In seiner Regierungszeit konnte der Opern- und Ballettbetrieb am Darmstädter Hoftheater europäische Geltung beanspruchen. Auch initiierte er zahlreiche landesgeschichtliche Abhandlungen, verpflichtete evangelische wie katholische Geistliche zur Führung von Ortschroniken, widmete sich selbst der Erforschung mittelalterlicher Burganlagen und veranlasste eine Zusammenstellung der Geschichte der hessischen Regimenter. Auch der Wirtschaftsförderung im Großherzogtum zur Zeit der Frühindustrialisierung stand er äußerst aufgeschlossen gegenüber.

Rainer Maaß

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 347 f.)

Citation
„Hessen und bei Rhein, Ludwig III. Großherzog von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/113795297> (Stand: 9.6.2021)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde