Hesse in the 19th and 20th Centuries

Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 28. Oktober 1873
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus werden die Nationalliberalen nach erheblichen Stimmengewinnen mit 175 Mandaten (1870: 126) wie schon 1870 stärkste Kraft – dieses Mal mit erheblichem Vorsprung vor der katholischen Zentrumspartei, die mit 86 Sitzen zweitstärkste Kraft wird. Die Konservativen, 1867 stärkste und 1870 zweitstärkste Kraft im Abgeordnetenhaus, müssen erhebliche Verluste hinnehmen und stellen nunmehr nur noch 32 der 432 Sitze (1867: 122, 1870: 114).1
Auch in der Provinz Hessen-Nassau gewinnen die Nationalliberalen und stellen nun 13 von 26 Abgeordneten (1870: 12). Zulegen können Sie vor allem im Regierungsbezirk Wiesbaden, wo sie nun drei Wahlkreise für sich entscheiden können (1870 war es nur einer). Zweitstärkste Kraft bleibt die Deutschen Fortschrittspartei, die zwei Wahlkreise hinzugewinnt und nun acht Vertreter ins preußische Landesparlament entsendet. Die Konservativen verlieren auch hier und stellen künftig nur noch zwei statt vier Mandate, die Zentrumspartei bleibt stabil bei drei Sitzen.2 In den Wahlkreisen der heute auf dem Gebiet des Landes Hessen liegenden Teile der Provinz Westfalen (Wahlkreis Arnsberg 1) und der Rheinprovinz (Wahlkreis Wetzlar) erringen – wie 1870 – zwei Freikonservative die Mandate.3
Gewählte Abgeordnete
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus wird in jedem Wahlkreis nach absolutem Mehrheitswahlrecht (Persönlichkeitswahl) ein Abgeordneter gewählt.
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Kassel
Baehr, Dr. jur. Otto (1817–1895); Nationalliberale Partei; Obertribunalrat; Berlin; Wahlkreis 3: Kassel-Stadt
Braun, J. August (1820–1879; Nationalliberale Partei); Fabrikant; Hersfeld; Wahlkreis Kassel 6: Rotenburg – Hersfeld
Gumpert, Karl Heinrich (geb. 1826; Nationalliberale Partei); Apotheker; Eschwege; Wahlkreis Kassel 5: Eschwege – Schmalkalden
Hassencamp, Friedrich Wilhelm (1817–1897; Nationalliberale Partei); Kaufmann; Frankenberg (Eder); Wahlkreis Kassel 9: Kirchhain – Frankenberg4
Herrlein, Franz Josef (1818–1890; Zentrumspartei); Gutsbesitzer; Margarethenhaun/Kreis Fulda; Wahlkreis Kassel 12: Fulda
Kempf, Ludwig (geb. 1804; Nationalliberale Partei); Kreisgerichtdirektor; Rinteln; Wahlkreis Kassel 1: Rinteln
Kunisch von Richthofen, Richard Freiherr (1828–1885; Konservative); Landrat; Melsungen; Wahlkreis Kassel 7: Melsungen – Fritzlar
Mayer, Wilhelm (geb. 1821; Neukonservative); Landrat; Marburg; Wahlkreis Kassel 10: Marburg
Oetker, Dr. jur. Friedrich (1809–1881; Nationalliberale Partei); Rechtsanwalt; Kassel; Wahlkreis Kassel 4: Kassel-Land – Witzenhausen
Rübsam, Joseph (1822–1886; Zentrumspartei); Amtsrichter; Fulda; Wahlkreis Kassel 11: Hünfeld – Gersfeld
Schöffer, Konrad Heinrich (1815–1878; Nationalliberale Partei); Rentner; Gelnhausen; Wahlkreis Kassel 13: Schlüchtern – Gelnhausen
Vogeley, Karl (1825–1899; Nationalliberale Partei); Generalsekretär des landwirtschaftlichen Zentralvereins; Kassel; Wahlkreis Kassel 2: Hofgeismar – Wolfhagen
Wehrenpfennig, Wilhelm (1829–1900; Nationalliberale Partei); Chefredakteur der „Spener’schen Zeitung“; Berlin; Wahlkreis Kassel 8: Homberg – Ziegenhain
Ziegler, Heinrich Friedrich (1826–1882; Nationalliberale Partei); Fabrikant; Hanau; Wahlkreis Kassel 14: Hanau
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Wiesbaden
Born, Ludwig (1813–1875; Deutsche Fortschrittspartei); Gutsbesitzer; Langenscheid/Unterlahnkreis; Wahlkreis Wiesbaden 7: Unterlahnkreis5
Frickhöffer, Dr. med. Karl (geb. 1822; Deutsche Fortschrittspartei); Arzt; Langenschwalbach/Untertaunuskreis; Wahlkreis Wiesbaden 5: Untertaunuskreis
Kalle, Fritz (1837–1915; Nationalliberale Partei); Fabrikbesitzer; Biebrich/Kreis Wiesbaden; Wahlkreis Wiesbaden 6: Rheingaukreis – Meisenheim
Klotz, Jakob (1823–1909; Deutsche Fortschrittspartei); Fabrikant; Oberursel/Obertaunuskreis; Wahlkreis Wiesbaden 4: Obertaunuskreis
Knapp, Johann (1807–1875; Deutsche Fortschrittspartei); Gutsbesitzer; Dauborn/Kreis Limburg; Wahlkreis Wiesbaden 8: Oberlahnkreis6
Lasker, Dr. jur. h.c. Eduard (1829–1884; Nationalliberale Partei); Rechtsanwalt; Berlin; Wahlkreis Wiesbaden 1: Frankfurt/Main-Stadt
Lieber, Dr. jur. utr. Ernst (1838–1902; Zentrumspartei); Privatier; Camberg/Kreis Limburg; Wahlkreis Wiesbaden 9: Unterwesterwaldkreis
Petri, Wilhelm (1826–1897; Deutsche Fortschrittspartei); Appellationsgerichtsrat; Wiesbaden; Wahlkreis Wiesbaden 2: Wiesbaden-Stadt
Schrader, Dr. jur. Gustav (1829–1903; Deutsche Fortschrittspartei); Stadtgerichtsrat; Frankfurt am Main; Wahlkreis Wiesbaden 1: Frankfurt/Main-Stadt
Schulz, Konrad (geb. 1827; Deutsche Fortschrittspartei); Kaufmann; Wetzlar; Wahlkreis Wiesbaden 11: Biedenkopf
Thilenius, Dr. med. Georg (1830–1885; Nationalliberale Partei); Arzt; Soden/Kreis Höchst; Wahlkreis Wiesbaden 3: Wiesbaden-Land
Wißmann, Eduard (1824–1899; Deutsche Fortschrittspartei); Kreisgerichtsrat; Wiesbaden; Wahlkreis Wiesbaden 10: Oberwesterwaldkreis
Provinz Westfalen – Regierungsbezirk Arnsberg
Achenbach, Heinrich (1829–1899; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Vortragender Rat; Berlin; Wahlkreis Arnsberg 1: Wittgenstein – Siegen
Rheinprovinz – Regierungsbezirk Koblenz
Steltzer, Gustav (1823–1893; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Kreisgerichtsdirektor; Wetzlar; Wahlkreis Koblenz 1: Wetzlar
(LV)
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 55. ↑
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 79. ↑
- Die politische Zusammensetzung ändert sich im Laufe der Legislaturperiode nicht. ↑
- Hassencamps Mandat wurde am 30. April 1875 für ungültig erklärt. In der daraufhin nötig gewordenen Ersatzwahl am 18. August 1875 setzte er sich aber gegen zwei Gegenkandidaten durch und behielt sein Mandat. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 657. ↑
- Born schied am 1. Mai 1874 aus dem Abgeordnetenhaus aus. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 22. Juli 1874 setzte sich der Gutsbesitzer Karl Anton Mohr (1820–1885; Deutsche Fortschrittspartei) aus Niederneisen durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 691. ↑
- Knapp verstirbt während der Legislaturperiode am 13. August 1875. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 8. November 1875 setzt sich der linksliberale Kreisrichter Riedel aus Limburg durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 694. ↑
- Records
- Additional Information
- Wikipedia: Preußisches Abgeordnetenhaus (eingesehen am 21.11.2023)
- Recommended Citation
- „Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 28. Oktober 1873“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edbx/id/7518> (Stand: 14.4.2025)
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