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Zeitgeschichte in Hessen - Daten · Fakten · Hintergründe

Gründung des Arbeitskreises Schlüchternplan zur Durchführung eines Flüchtlingseingliederungsprogramms, Sommer 1949

Mit dem von dem Soziologen Ludwig Neundörfer (1901–1975; Leiter des Soziographischen Instituts an der Universität Frankfurt) angestoßenen »Schlüchternplan« wird unter Trägerschaft verschiedener Kreis- und Kommunalverbände (ohne Beteiligung des Landes Hessen) ein Selbsthilfeprogramm zur Schaffung von Arbeitsplätzen ins Leben gerufen. Das Programm ist kreisbezogen und beschränkt sich auf den Landkreis der südosthessischen Stadt Schlüchtern. Ziel des von Neundörfer als »soziales Experiment« bezeichneten und von Vertretern aus Genossenschaften, Sparkassen, Wohlfahrtsverbänden, Siedlungsorganisationen und Gewerkschaften in einem »Ständigen Ausschuß für Selbsthilfe« in Frankfurt am Main unterstützten Programms ist die primär Eingliederung von Vertriebenen und Flüchtlingen durch den Aufbau zusätzlicher Arbeitsplätze1, daneben aber auch die Schaffung von Wohnraum sowie die Ansiedlung vertriebener Bauern in der heimischen Landwirtschaft. Die Finanzierung des Vorhabens wird durch das vom Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Frankfurt am 8. August 1949 beschlossene und zur schnellen Beseitigung von Notständen gedachte »Gesetz zur Milderung dringender sozialer Notstände« (Soforthilfegesetz) ermöglicht. Schließlich entstehen im Rahmen des Schlüchternplans 433 neue Arbeitsplätze, davon mehr als die Hälfte durch eine Erweiterung des Industriebesatzes der Region, sowie 220 neue Wohnungen zur Unterbringung der als Arbeiter angestellten Flüchtlinge und ihrer Familien. Der Schlüchternplan liefert das Vorbild für den 1951 vom hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn (1901-1976; SPD) verkündeten »Hessenplan«, eines vom Land finanzierten umfassenden Entwicklungsprogramms für Wohnen, Soziales, Kultur, Bildung, Wirtschaft und Verkehr in Hessen.
(KU)


  1. Zielvorgabe des Schlüchternplans ist die Schaffung von 1.000 neuen industriellen Arbeitsplätzen, die strikt nach dem Prinzip der Selbsthilfe organisiert und finanziert werden sollen.
Belege
Weiterführende Informationen
  • HeBIS Neundörfer, Ludwig / Michler, Hermann: Die Geschichte vom Schlüchtern-Plan. Mit Beiträgen von Ludwig Neundörfer und Hermann Michler (Kleine Schriften für den Staatsbürger; 11), Frankfurt am Main 1950.
  • HeBIS Ullrich, Bernd: Der Schlüchtern-Plan: der erste praktische Versuch der Sanierung eines überbelegten Landkreises im Jahre 1949, in: Mitteilungsblatt des Zentrums für Regionalgeschichte Gelnhausen Bd. 31 (2006), H. Sonderh., S. 52-64.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.8.1950, S. 10: Interessantes Experiment: der Schlüchternplan - Aus der Arbeit des Soziographischen Institutes in Frankfurt
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.2.1950, S. 2: Selbsthilfe allein tut es nicht: Versuche und Pläne zur Ansiedlung der Vertriebenen
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.9.1950, S. 3: Produktive Hilfe statt Almosen: Die Tagung des Ständigen Ausschusses für Selbsthilfe
  • Wikipedia: Hessenplan (Stand: 15.01.2014).
  • Wikipedia: Ludwig Neundörfer (Stand: 15.01.2014).
Hebis-Klassifikation
574050 ,Wohnungsbau · 541560 ,Wirtschaftsförderung
Hebis-Schlagwort
Schlüchtern ; Nachkriegszeit <1945-1949>
Empfohlene Zitierweise
„Gründung des Arbeitskreises Schlüchternplan zur Durchführung eines Flüchtlingseingliederungsprogramms, Sommer 1949“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/5006> (Stand: 21.7.2019)
Ereignisse im Mai 1949 | Juni 1949 | Juli 1949
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Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde