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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 96. Schlüchtern

Schlüchtern

Stadtteil · 207 m über NN
Gemeinde Schlüchtern, Main-Kinzig-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lage und Verkehrslage:

Bahnhof der Eisenbahnlinie Bebra – Hanau – Frankfurt am Main ("Bebraer Bahn";"Bebra-Hanauer-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 15.12.1868, 1.5.1914).

Historische Namensformen:

  • Sluohderin (993)
  • Sluohterin (999)
  • Sluderin (1003)
  • Solitariensis (1099)
  • Schluchter (1509)

Bezeichnung der Siedlung:

  • Flecken (1550)
  • Stadt (1562)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Westlich der Altstadt dreigeschossiges Gebäude mit Buckel-Eckquadern an der Stelle einer Wasserburg. In der Frühen Neuzeit merhfach verändert. Ursprünglich außerhalb der Stadtmauer gelegen, wurde es später in diese einbezogen.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3537352, 5579206
UTM: 32 U 537262 5577414
WGS84: 50.34762731° N, 9.523726164° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

435025110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1370, davon 444 Acker (= 32.41 %), 312 Wiesen (= 22.77 %), 463 Holzungen (= 33.80 %)
  • 1961 (Hektar): 1441, davon 578 Wald (= 40.11 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1538: 153 Steuernde
  • 1633: 169 Haushaltungen und 31 Gefreite
  • 1753: 280 Haushaltungen, 18 Juden mit zusammen 1322 Personen
  • 1812: 257 Feuerstellen, 1425 Seelen
  • 1885: 2635, davon 2137 evangelisch (= 81.10 %), 124 katholisch (= 4.71 %), 1 andere Christen (= 0.04 %), 372 Juden (= 14.12 %), 1 andere (= 0.04 %)
  • 1961: 5761, davon 4118 evangelisch (= 71.48 %), 1515 katholisch (= 26.30 %)
  • 1970: 12044

Diagramme:

Schlüchtern: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Schlüchtern (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1806/7-10: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Hanau, Amt Steinau (Militärverwaltung)
  • 1810-1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Distrikt Steinau
  • 1816: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hanau, Amt Steinau
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Landkreis Schlüchtern
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Landkreis Schlüchtern
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Schlüchtern
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Schlüchtern
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Schlüchtern
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Schlüchtern
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis

Altkreis:

Schlüchtern

Gericht:

  • Gericht und Amt, das als Lehen Alb. von Grumbach vom Stift Würzburg ausgegeben wurde. Nach seinem Tode 1243 Teilung in zwei Gerichte, das hanauische und das trimbergische. Zum hanauischen Gericht gehörten Bellings, Hohenzell und Marjoss, zum trimbergischen Breitenbach, Hintersteinau, Kressenbach, Niederzell und Wallroth. Schlüchtern selbst war unter beide geteilt.
  • 1822: Justizamt Steinau / Assistenzamt Schlüchtern
  • 1832: Justizamt Schlüchtern
  • 1867: Amtsgericht Schlüchtern

Gemeindeentwicklung:

Seit 01.12.1969 ist Schlüchtern Stadtteil der Stadt Schlüchtern. Zur Entwicklung der Stadtgemeinde mit Einführung der hessischen Gebietsreform s. Schlüchtern, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Schlüchtern.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Ursprünglich Reichsbesitz der an das Kloster vergeben wird. Später würzburgisches Lehen der Grafen von Rieneck, die ihn 1316 an Hanau abtreten. Grundherr war der Abt.

Ortsadel:

1157-1525

Kirche und Religion

Patrozinien:

  • Maria (1500)

Pfarrzugehörigkeit:

Zur Pfarrkirche gehörten 1167 die Kirchen von Elm, Kressenbach und (Hinter-)Steinau.

Zur protestantischen Pfarrei der Klasse Schlüchtern sind Niederzell und die Klosterhöfe Distelrasen, Drasenberg, Gumberts und Röhrigs eingepfarrt.

Patronat:

Kloster

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Peter Lotichius, Abt des Klosters, führt 1543 im Kloster und allen abhängigen Kirchengemeinden die Reformation ein.

Reformierter Bekenntniswechsel

Neben der reformierten Gemeinde bestand eine lutherische.

Seit 1818 unierte Pfarrei.

Kultur

Schulen:

Lateinschule

1698 lutherische Schule

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum Amt gehörten 1787 Ahlersbach, Bellings, Breitenbach, Hintersteinau, Hohenzell, Kressenbach, Marjoß, Niederzell, Reinhards, Schlüchtern (Stadt), Wallroth mit Mühldorf, Lindenberg, Neidhof, Rohrbacher Hof sowie die Klosterhöfe Drasenberg, Gobertshof (= Gomfritz), Raith und Röhrigs.

Stadt und Amtsgerichtsort

Mühlen:

Im Bereich der Stadtgemarkung befanden sich die Hutzelmühle (auch Fuldische oder Walk-Mühle) vor dem Krämertor, die Hildebrandmühle (auch genannt als Mühle im Sach, Christenmühle, Kösgen- oder Kästches-Mühle), die Klostermühle im Hofbereich des früheren Klosters, die Klöbersmühle (auch Hofmühle genannt) am Untertor sowie die Riedscheider (auch Richtscheider) Mühle am südlichen Ortsausgang. Sie lagen alle an von der Kinzig abgeleiteten Mühl- oder Betriebsgräben.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Schlüchtern, Main-Kinzig-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/12553> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde