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Eröffnung der Staatlichen Gemäldegalerie in Schloss Wilhelmshöhe, 3. April 1974

Im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel wird die Galerie der alten Meister in Obhut der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel neu eröffnet. Der Ausbau des klassizistischen Schlosses dauerte neun Jahre; die Umbaukosten beziffern sich auf insgesamt 22 Millionen DM. Bislang konnte die Galerie der alten Meister (Schwerpunkt flämische und holländische Malerei des 17. Jahrhunderts) nur provisorisch in Räumen des Landesmuseums in Kassel gezeigt werden. Dabei fand lediglich etwa ein Viertel der Sammlung Platz in den Ausstellungsräumen.

Erstmals vollständig zu sehen

Die umfangreiche Sammlung, die im 18. Jahrhundert von den hessischen Landgrafen begründet worden war, wird nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte vollständig, mit einem Umfang von rund 600 Werken gezeigt. Im Erdgeschoss des Schlossmuseums findet sich die Kollektion der Antiken, die erste Etage präsentiert barocke Werke der Holländer und Flamen sowie altdeutsche Maler. Das zweite Geschoss ist den kleineren Formaten vorbehalten. Im obersten Geschoss der Sammlung befindet sich die große Zahl der Gemälde italienischer Kunst vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.

Ministerpräsident Albert Osswald (1919–1996; SPD) erklärt bei der Eröffnung, dass in der Erhaltung und Sicherung der geistigen Freiheit die wichtigste gesellschaftspolitische Aufgabe der Museen und Galerien liege. Sie erfüllten heute eine aufklärende Funktion, da sie der zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu beobachtenden Verengung von gesellschaftlichen Zielvorstellungen entgegenwirken könnten. In Zusammenhang mit dem Umbau zu einer Gemäldegalerie drohte das Schloss zeitweise prägende Teile seiner Gestalt zu verlieren: der mit dem Umbau beauftragte Architekt und Hochschullehrer Paulfriedrich Posenenske (1919–2004) plante, Teile aus dem Schlossbau herauszureißen, die als Erweiterungen und Umbauten des 19. Jahrhunderts dem Bauwerk sein heute vertrautes Gesicht verleihen.

Eine der meistbesuchten Gemäldegalerien in Deutschland

Ein Jahr nach der Eröffnung geben die Staatlichen Kunstsammlungen Kassel bekannt, dass seit der Eröffnung insgesamt 278.000 Besucher registriert worden sind. Damit erreichen nur zwei deutsche Galerien im Verlauf des Jahres 1974 höhere Besucherzahlen: die Kunsthalle Hamburg mit 325.000 und die Alte Pinakothek in München mit 330.000 Gästen.
(KU)

Belege
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.4.1974, S. 23: Kasseler Gemäldegalerie: Neueröffnung in Wilhelmshöhe.
  • Chronik Hessens, S. 475.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.4.1975, S. 21.
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Eröffnung der Staatlichen Gemäldegalerie in Schloss Wilhelmshöhe, 3. April 1974“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1339> (Stand: 9.5.2019)
Ereignisse im März 1974 | April 1974 | Mai 1974
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